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Aktien: Auch für Familien interessant

Dürfen sich Familien trauen, Geld in Aktien anzulegen? «Ja», sagt Finanzberater und -Coach Bruno Amgwerd. «Allerdings müssen bestimmte wichtige Voraussetzungen erfüllt sein.»

Auch für Familien lohnt es sich, in Aktien zu investieren.

Einmal Aktien für die ganze Familie, bitte! Foto: Sorbetto, Getty Images Plus

Aktien für die Familie: Das Wichtigste in Kürze

  • Historisch betrachtet gibt es keine gewinnbringendere Anlegeweise als in Aktien zu investieren.
  • Doch nur wer sein Geld langfristig über mehrere Jahre hinweg anlegt, wird profitieren.
  • Vier Grundregeln sollten Aktienanleger unbedingt beachten. Dazu gehört, in möglichst viele verschiedene Aktien zu investieren, die Anlagegebühren genau zu kennen, nur so zu investieren, dass jederzeit wieder verkauft werden kann – und diszipliniert bei der Sache zu bleiben, also keine übereiligen Entschlüsse zu fassen.
  • Direkt zu den vier Grundregeln fürs Aktienivestment.

Herr Amgwerd, kann es sich für Familien lohnen, Geld in Aktien zu investieren?

Bruno Amgwerd: Das Aktiengeschäft kann sich durchaus lohnen. Historisch betrachtet lässt sich Kapital nicht gewinnbringender anlegen. Für die Jahre von 1925 bis 2018, also für einen Zeitraum von 94 Jahren, entspricht die Rendite im Schweizer Aktienmarkt gemäss einer Studie der Vermögensverwaltung und Privatbank Pictet 7,64 Prozent pro Jahr, vor Abzug von Gebühren, Teuerung und Steuern.

Doch viele Menschen scheuen vor Aktien zurück. Denn dem Aktiengeschäft wird auch ein hohes Risiko nachgesagt. Ist die Schwellenangst berechtigt?

Tatsächlich verzichten viele darauf, Erspartes langfristig am Aktienmarkt anzulegen. Für eine Geldanlage im Aktienbereich sind sowohl eine gewisse Risikofähigkeit als auch Risikobereitschaft notwendig.

Das Kapital, das am Aktienmarkt investiert wird, sollte in den nächsten sechs bis acht Jahren nicht für andere Pläne angetastet werden müssen.

Was bedeuten «Risikofähigkeit» und «Risikobereitschaft»?

Nur wer langfristig in Aktien investiert, kann mit Erfolg rechnen. Das heisst konkret: Das Kapital, das am Aktienmarkt investiert wird, sollte in den nächsten sechs bis acht Jahren nicht für andere Pläne angetastet werden müssen. Wer das kann, erfüllt die Voraussetzung der Risikofähigkeit. Mit Risikobereitschaft ist zusätzlich die Fähigkeit gemeint, Wertschwankungen beim eigenen Vermögen auszuhalten und zu ertragen. Das fällt nicht immer leicht.

Lassen sich Chancen und Risiken beziffern oder gegeneinander aufrechnen?

Häufig wird unter anderem der Begriff «Volatilität» benützt. Die Volatilität ist ein statistisches Mass, das sich auf die Schwankungsbreite einer Anlage beziehungsweise die Auf- und Abwärtsbewegung des Kurswertes bezieht. Sie gibt an, wie weit sich der Wert der Anlage mit 65 Prozent Wahrscheinlichkeit um den Durchschnittspreis bewegt. Langfristig betrachtet sollte man für das eingegangene Risiko entschädigt werden.

Wie viel Geld muss man mindestens investieren, damit sich die Anlage in Aktien lohnt?

Wenn man den Schweizer Markt direkt mit CH-Aktien abdecken möchte, sind 100'000 Franken nötig, um eine benötigte Streuung zu erzielen, in der Fachsprache heisst das «Diversifikation». So kann eine Aktie möglicherweise den Verlust einer anderen Aktie ausgleichen. Ist nicht genug Geld für verschiedene Einzelaktien frei, können Exchange Traded Funds (ETFs) eine effiziente und kostengünstigere Lösung sein. Dabei handelt es sich um börsengehandelte Investmentfonds, die einen Aktienindex, wie zum Beispiel den S&P 500 in den USA, abbilden.

Gibt es Grundregeln, die zu beachten sind?

Allerdings. Vier Grundregeln sind besonders wichtig. Werden diese befolgt, können die Chancen die Risiken einer langfristigen Beteiligung am Aktienmarkt überwiegen.

Wichtig ist, in verschiedene Aktien, verteilt auf Branchen und Länder, zu investieren, um das Risko zu streuen.

Welche Grundregeln sind das?

Wichtig ist, in verschiedene Aktien, verteilt auf Branchen und Länder, zu investieren, um das Risko zu streuen. Empfehlenswert ist es, sich langfristig an sorgfältig ausgewählten, weltweit tätigen Unternehmen erstklassiger Qualität zu beteiligen.

Wie kann der Laie Unternehmen mit erstklassiger Qualität erkennen?

Merkmale wie ein klares, nachvollziehbares Geschäftsmodell, kontinuierlicher Wachstum bei Umsatz, Gewinn und Dividenden, Finanzkraft aus der operativen Tätigkeit, Profitabilität dank hohen Gewinnmargen und nicht zuletzt mit einer soliden Finanzierung, das heisst mit starker Bilanz und geringer Verschuldung wirken risikoreduzierend.

Die erste Grundregel besteht also darin, Aktien zu streuen. Was ist die zweite Grundregel?

Es folgt der Grundsatz Nr. 2, der Grundsatz der Transparenz. Anleger sollten wissen, wie hoch die effektiven Kosten ihrer Vermögensanlage sind, also die Höhe und die Struktur der Gebühren kennen. Denn Gebühren können buchstäblich zu Renditekillern werden. Vorzuziehen sind deshalb Direktanlagen in Aktien, allenfalls ersetzt oder ergänzt durch kosteneffiziente Indexinstrumente . Es handelt sich dabei um ETFs. Die Kosten von komplexen Finanzprodukten wie zum Beispiel Aktienfonds sind dagegen oft wenig transparent. Ebenso wichtig ist die genaue Kenntnis darüber, in was genau das Geld investiert wird. Um welche Unternehmen handelt es sich, oder zu welcher Branche gehören sie?

Wer in Aktien investiert, muss auch wissen, wie er sie wieder veräussern kann …

Ja, da sind wir bei dem dritten Grundsatz, dem Grundsatz der Handelbarkeit. Es ist enorm wichtig, die Investition jederzeit am Kapitalmarkt sofort verkaufen zu können, um bei sich verändernden Rahmenbedingungen wie zum Beispiel bei der Besteuerung, flexibel reagieren zu können. Grosskapitalisierte börsennotierte Aktien, sogenannte «Blue-Chips», sowie die meisten Indexinstrumente (ETFs) erfüllen diese Voraussetzung. Bei gewissen komplexen Anlageprodukten wie zum Beispiel Hedge Funds ist die Handelbarkeit zum Teil stark eingeschränkt. Da kann es zu unliebsamen Wartezeiten bei der Veräusserung kommen.

Und der vierte Grundsatz?

Der vierte Grundsatz betont die Disziplin. Wer diszipliniert die Grundsätze 1 bis 3 einhält, begrenzt bereits die Wahrscheinlichkeit von ärgerlichen Überraschungen. Darüber hinaus bedeutet Disziplin, nicht hektisch und unüberlegt auf Börsenschwankungen zu reagieren.

Vier Grundsätze für erfolgreiche Aktien-Investitionen auf einen Blick

1 Streuung

Wer Chancen und Risiken verteilen will, investiert in Aktien von Unternehmen verschiedener Branchen und Länder.

2 Transparenz

Wichtig ist zu wissen, wie hoch die effektiven Kosten der Vermögensanlage, also die Höhe und die Struktur der Gebühren, sind. Darüber hinaus sollte der Anleger auch wissen, welchen Ländern und Branchen seine Aktien zuzuordnen sind.

3 Handelbarkeit

Es ist enorm wichtig, die Investition am Kapitalmarkt jederzeit sofort verkaufen zu können. Nur so ist es möglich, auf veränderte Rahmenbedingungen flexibel zu reagieren.

4 Disziplin

Wer diszipliniert die Grundsätze 1 bis 3 einhält, begrenzt bereits die Wahrscheinlichkeit ärgerlicher Überraschungen. Darüber hinaus bedeutet Disziplin, nicht hektisch und unüberlegt zu reagieren.

Was raten Sie einem Laien, der in Aktien investieren möchte?

Es kann hilfreich sein, sich zumindest in der Anfangsphase von einer unabhängigen, erfahrenen Fachperson oder einer Bank, die keine eigenen Produkte verkauft, unterstützen zu lassen. Oder man geht gar noch einen Schritt weiter und beauftragt einen neutralen Vermögensverwalter, das eigene Depot zu verwalten. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass keine voreiligen Entscheidungen beziehungsweise emotionale Schnellschüsse getroffen werden.

Der Finanzcoach Bruno Amgwerd

Bruno Amgwerd, Finanzcoach.

Der zertifizierte Finanzcoach Bruno Amgwerd bietet mit seiner Firma: Amgwerd-Finanzcoaching GmbH in Stäfa (Kanton Zürich) Finanzplanungen, Finanzcoaching und Ruhestandsplanungen an. Besonders wichtig ist ihm dabei, individuell sinnvolle Lösungen zu finden und Kunden Wissen und Entscheidungsstärke zu vermitteln. Die Hälfte des Honorars, das er aus Finanzcoachings erhält, lässt er dem Hilfswerk Women’s Hope International zukommen.