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Leben > Finanzen

Streit um Geld in der Beziehung

Wenn es Streit gibt in einer Beziehung, geht es sehr häufig ums Geld. Weshalb ist das so? Was kann man dagegen tun?

Rat holen, wenn man sich ums Geld und die Finanzen streitet.

Bei Streitigkeiten geht es oft nicht um das eigentliche Thema, sondern um die Machtverteilung in der Beziehung. Foto: iStock, Thinkstock

Kindererziehung, Mitarbeit im Haushalt, Sex -– das sind nur einige Punkte, die in Partnerschaften zu unerfreulichen Diskussionen führen. Ganz vorne in Sachen schiefer Haussegen stehen aber die Finanzen. Findet der eine, dass der andere das Geld fürs Falsche ausgibt oder ausgeben will, kommt es zum Streit. Konkret: Er will einen Porsche, sie einen praktischen Familienkombi. Aber im Grunde geht es gar nicht um die Automarke, die Ursache für die unerfreulichen Diskussionen liegen tiefer.

Wenn sich Lebenspartner und Eheleute ums Geld streiten, geht es oft um Fragen der Macht. Geld steht nämlich für Selbstwert, Erfolg und Leistung. Und traditionellerweise verfügen Männer als Alleinernährer über das Geld und damit über die Macht. Seit immer mehr Frauen eigenes Geld verdienen, ist diese Rollenverteilung ins Wanken geraten. Aber auch wenn die Frau kein eigenes Einkommen hat, hat sie ein Recht auf eine angemessene Entschädigung für ihre Arbeit zu Hause.

Der Grund dafür ist ganz einfach: Am Geld wird die Wertschätzung sichtbar –- wer nichts bekommt, ist nichts wert, sozusagen. Paartherapeuten raten deshalb, selbst bei niedrigem Einkommen jedem Partner einen gewissen Betrag zur freien Verfügung zu geben.

Doch unabhängig davon, ob viel oder wenig auf dem Konto liegt: Am Geld zeigt sich, wie transparent die Partnerschaft auch in anderen Bereichen ist. Hat der Mann die alleinige Verfügungsgewalt, dürfte er auch in anderen Lebensbereichen das Sagen haben. Die totale Abhängigkeit ist aber für jede Frau demütigend und frustrierend. Wenn es ihr nicht gelingt, etwas mehr Spielraum zu erhalten – nicht nur in Sachen Geld –, sollte sie sich an eine neutrale Person für eine Beratung wenden. Nebst den Problemen ums Geld kommt so meist auch das zur Sprache, was wirklich dahinter steckt. Und damit ist ein erster Schritt zur Lösung der Konflikte getan.

Der Protzer:

Für ihn ist nur das Beste gut genug. Der Preis ist für ihn das Mass aller Dinge. Solange er es sich leisten kann -– und nicht nur sich, sondern auch seine Partnerin verwöhnt –- kein Problem. Wenn Geld aber das einzige ist, woran ihm etwas liegt, hat sie bald einmal das nachsehen.

Tipp: Machen Sie ihm klar, dass die Liebe wichtiger ist als Luxusgüter.

 

Der Geizhals:

Er dreht buchstäblich jeden Fünfer zweimal um, bevor er ihn ausgibt. Spontankäufe sind ihm ein Gräuel, dafür kann er sich über ein Schnäppchen so richtig freuen. Vor einem Schuldenberg wird der Geizhals ganz bestimmt nie stehen -– im Gegenteil: Für das Alter hat er bereits ausgesorgt, ehe er den Fünfzigsten feiert.

Tipp: Sich einfach mal etwas gönnen -– auch das ist Lebensqualität. Vielleicht können Sie ihn davon überzeugen?

 

Der Profiteur:

Er gibt gerne Geld aus – solange es nicht seines ist. Und er findet immer eine Möglichkeit, sich vor dem Zahlen zu drücken. Ganz klar, dass es ihm auch keine Schwierigkeiten bereitet, seiner Partnerin auf der Tasche zu liegen, egal, ob sie mehr oder weniger als er verdient.

Tipp: Lassen Sie sich nicht ausnehmen. Es ist keineswegs ein Zeichen von Kleinlichkeit oder Unemanzipiertheit, wenn Sie darauf bestehen, dass auch er mal eine Restaurantrechnung übernimmt.

 

Der Kontrolleur:

Er sammelt Kassabons wie andere Briefmarken und rechnet seiner Partnerin bis auf den letzten Rappen vor, wie viel Geld sie ausgegeben hat. Und natürlich weiss er auch, wo man einiges hätte einsparen können. Die Haushaltskasse ist ganz unter seiner Kontrolle, da liegt selbst ein Lippenstift zum halben Preis nicht drin.

Tipp: Der Umgang mit dem Kontrolleur ist schwierig –- vor allem, wenn Sie selber es nicht so genau nehmen. Wenden Sie sich, wenn sonst nichts hilft, an eine neutrale Person, das kann auch ein Paar- oder Eheberater sein.

 

Der Sorglose:

Geld interessiert ihn nicht, wenn er es hat, gibt er es aus, wenn nicht, dann eben nicht. Planung, Vorsorge oder Sparen, das sind für ihn Fremdwörter. Er hofft einfach darauf, dass sich alle Finanzdinge von selber regeln. Das hat einerseits den Vorteil, dass er auch seiner Partnerin keine Vorschriften macht. Anderseits kann er aber mit allfälligen Geldproblemen überhaupt nicht umgehen.

Tipp: Nehmen Sie die Finanzverwaltung in die Hand und kümmern Sie sich um Dinge wie Sparen oder Vorsorgen.

 

Hier finden Sie Rat:

  • In jedem Kanton bzw. Bezirk gibt es eine öffentliche Ehe- und Paarberatungsstelle, wo erfahrene, ausgebildete Personen weiterhelfen. Adressen findet man im Telefonbuch oder über die Gemeindeverwaltung.
  • Auf www.budgetberatung.com findet man sämtliche Adressen der regionalen Budgetberatungsstellen der Schweiz sowie Richtlinien und verschiedene Merkblätter.

 

Text: Marianne Siegenthaler