Zeit in der Beziehung: Qualität geht über Quantität

Obwohl die Mehrheit der Paare mit der gemeinsam verbrachten Zeit in ihrer Beziehung zufrieden ist, bleiben noch Wünsche offen. An der Tagung «Zeit und Familie – Reflexion, Prävention und Intervention» an der Universität Zürich erklärte die Psychologin Anne Milek, weshalb gerade Paare mit Kindern unzufriedener sind als kinderlose.

Zeit in der Beziehung ist wichtig für das Eheleben

Bewusst Zeit miteinander zu verbringen ist wichtig für die Beziehung. Foto: iStockphoto-Thinkstock

Wie viel Zeit verbringen Paare miteinander und wie? Das wollte die Psychologin Anne Milek wissen und befragte zwischen August 2011 und März 2012 323 Frauen und Männer, die in einer Beziehung leben. Die Ergebnisse scheinen auf den ersten Blick positiv: 80 Prozent der Befragten sind mit der Nutzung ihrer Zeit zufrieden. «Das ist ein sehr erfreuliches Ergebnis! Trotzdem darf nicht übersehen werden, dass 20 Prozent der Frauen und Männer unzufrieden sind», erklärte Milek an der Tagung «Zeit und Familie» der Uni Zürich im August.

Fünfeinhalb gemeinsame Stunden im Durchschnitt

Laut der Studie verbringen Paare durchschnittlich fünfeinhalb Stunden täglich miteinander, wobei sie in dieser Zeit aber nicht unbedingt aktiv miteinander agieren. Bei erwerbstätigen Partnern verringert sich die Durchschnittszahl um eine Stunde am Tag. Die Anzahl der gemeinsam verbrachten Stunden finden 54.3 Prozent der Befragten genau gut, 38.2 Prozent beurteilen sie als zu wenig und 7.5 Prozent gar als zu viel.

Paare mit Kindern sind weniger zufrieden

Einen grossen Einfluss auf die Zufriedenheit mit der Zeiteinteilung haben die Kinder. Durchschnittlich gaben die Befragten mit Kindern an, weniger zufrieden mit ihrer gemeinsamen Zeit zu sein als die kinderlosen Paare. «Paare mit Kindern verbringen nicht weniger Zeit miteinander – sie gestalten sie, da oftmals Kinder anwesend sind, jedoch anders. Es bleibt weniger Zeit für den Austausch über den Tag, für intime Zärtlichkeiten und für den abendlichen Kinobesuch», führte Anne Milek aus.

Qualität der verbrachten Zeit ist entscheidend

«Für die Zufriedenheit ist nicht unbedingt entscheidend, wie viel Zeit ein Paar miteinander verbringt, sondern wie es diese gemeinsame Zeit nutzt», so Milek. Viele kinderlose Frauen und Männer geben in der Studie an, zu viel Zeit mit Fernsehen zu verbringen. Dafür beklagen sich über 40 Prozent aller Befragten mit Kindern darüber zu wenig Zeit für körperliche Nähe zu haben. Ausserdem gibt mehr als die Hälfte aller Befragten an, zu selten gemeinsame Aktivitäten ausser Haus zu unternehmen. Auch der Austausch über den Tag wird als entscheidend bewertet, weshalb viele Familien das gemeinsame Essen als sehr wichtig erachten. Jeder vierte der Befragten denkt, dass er sich zu häufig mit seinem Partner streitet.

«Verabreden Sie sich! »

Paare sollten sich keineswegs einfach damit abfinden, wenn sie mit der Zeiteinteilung in ihrer Beziehung unzufrieden sind. Opfer müssen von beiden Seiten erbracht werden, damit man sich wieder bewusster Zeit für den anderen nehmen kann. «Verabreden Sie sich unbedingt wieder mit Ihrem Partner», empfiehlt die Psychologin. «Schaffen Sie sich neben Beruf und Kindern unbedingt Zeitinseln, in denen Sie nur zu zweit sind. Das können auch wenige Minuten über den Tag verteilt sein! »

Anne Milek: Diplomierte PsychologinDie diplomierte Psychologin Anne Milek arbeitet am Psychologischen Institut der Universität Zürich. Seit März 2011 ist sie Doktorandin und Lehrstuhlassistentin am Lehrstuhl für Klinische Psychologie mit Schwerpunkt für Kinder/Jugendliche und Familien/Paare.

Für Ihre zwei Studien zum Thema «Familienzeit» und «Stressbelastung in Familien mit Kindern» werden noch Teilnehmer und Teilnehmerinnen gesucht. Interessierte können sich jederzeit per E-Mail (zeit-studie@psychologie.uzh.ch) oder telefonisch unter 044 635 73 57 melden.

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