Wer Sackgeld hat, zahlt aus dem eigenen Sack

«Papi, ich brauche Geld!» Diesen Satz kennen die meisten Eltern und das ist normal. Damit Kinder den Umgang mit Geld lernen, gibt es Sackgeld. Doch wie viel Taschengeld sollen Eltern ihren Kindern auszahlen und ab wann macht eigenes Geld Sinn? Wir liefern Tipps für jede Altersstufe.

Wie viel Sackgeld ist genug?

Mit eigenem Sackgeld kann Ihr Kind den Umgang mit Geld lernen. Foto: tatyana_tomsickova, iStock, Thinkstock

Beim Thema Sackgeld scheiden sich oft die Geister, denn viele sind überzeugt, dass die heutige Jugend einfach verwöhnt ist und alles haben will. Doch in der Welt des Massenkonsums mit Geld klarzukommen müssen Kinder erst lernen. Für Eltern ist das oft eine schwierige Aufgabe, schliesslich hängt die Höhe des Sackgeldes ja auch vom Budget der Familie und dem gewohnten Lebensstandard ab. Wichtiger als der Betrag des Geldes sind klare Abmachungen, was vom Sackgeld gezahlt wird und was die Eltern zahlen. Nur so kann das Kind in einem geschützten Rahmen lernen, sein Geld einzuteilen.

Sackgeld im Kindergarten

Wenn Ihre Kinder noch klein sind, macht ein klassisches Sackgeld eher wenig Sinn. In diesem Alter haben Kinder noch eine andere Zeitwahrnehmung. Deshalb ist Sparen noch schwierig. Wichtig ist, dass die Kinder von Anfang an wissen, wann was konsumiert wird. Zum Beispiel gibt es am Geburtstag und an Weihnachten Geschenke und an anderen Tagen nicht. Oder immer dienstags ist Cola-Tag und an den anderen Tagen gibt es Wasser. So lernt das Kind von Anfang an, dass es geniessen darf, aber nicht alles einfach so bekommt.

Tipps:

  • Kleine Gefälligkeiten sollten auch von sich aus gemacht werden und nicht immer in Erwartung auf eine Belohnung. Deshalb ist hier Lob und Anerkennung meistens besser als Süssigkeiten oder Geld.
  • Sobald die Kinder genug gross sind, können sie auch einzelne Produkte an der Kasse selber bezahlen. Das fördert die Selbstständigkeit und zeigt, dass Geld Teil unseres Alltags ist.   
  • Ermuntern Sie Ihr Kind mit anderen zu teilen. Etwas zu verschenken weckt auch selber Freude, denn geteilte Freude ist doppelte Freude. So wird der Neid auf andere nicht so gross.
  • Versuchen Sie ein gutes Beispiel zu sein. Zeigen Sie Ihrem Kind den Einkaufszettel. Es sieht, dass Sie nicht ziellos im Laden einkaufen sondern nur das kaufen, was gebraucht wird.  
  • Nehmen Sie Ihre Kinder zum Einkaufen mit. Dort werden sie mit einem grossen Sortiment konfrontiert und müssen Produkte, die sie gerne hätten zurück lassen.

Sackgeld in der Primarschule

Die meisten Eltern entscheiden sich in der Primarschule für ein erstes Sackgeld, das sich nach dem Schuljahr richtet. In der ersten Klasse gibt es einen Franken, in der zweiten Klasse zwei und so weiter. Es wird wöchentlich ausbezahlt und die Kinder sollten nicht nachfragen müssen, ob sie das Geld bekommen. Dieses Taschengeld ist für eigene Ausgaben gedacht und das Kind darf es generell ausgeben für was es will.

Tipps:

  • Möchte das Kind auf etwas Grosses sparen, sollten Sie mit ihm darüber sprechen, wie realistisch sein Ziel ist. Eine Erstklässlerin wird sich auch bei grösster Sparsamkeit nie ein Pony leisten können. Enttäuschungen sind da vorprogrammiert.
  • Wenn Ihr Kind sein Taschengeld aufbessern möchte, können Sie ihm mögliche Verdienstmöglichkeiten aufzeigen. Vielleicht kann es beim Nachbarn Rasenmähen oder mit dessen Hund spazieren. Auch grössere Aufgaben im eigenen Haushalt können entlöhnt werden.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind über Geld und zeigen Sie ihm, dass der grösste Teil des Lohnes für Miete, Essen und Versicherungen verwendet werden.
  • Missbrauchen Sie das Taschengeld nicht als Bestrafungsmittel. Das Verhalten oder Schulnoten sollten nicht über die Höhe des Sackgeldes entscheiden.
  • Zahlen Sie das Sackgeld in diesem Alter bar aus. So sieht das Kind immer, wie viel es noch hat.
  • Zahlen Sie keine Vorschüsse und ersetzen Sie nicht das Geld für Fehlkäufe.
  • Wenn Ihr Kind bereits gut mit Geld umgehen kann, können Sie auch mal versuchen das Taschengeld alle zwei Wochen auszubezahlen.

Sackgeld in der Oberstufe

In der Sekundarschule gibt es die Möglichkeit das Taschengeld einfach weiterzuführen oder einen Jugendlohn zu vereinbaren. Beim Jugendlohn-Modell bekommen die Jugendlichen einmal monatlich einen fixen Betrag mit dem vorgegebene Bereiche abgedeckt sind. Das können der Coiffeur, die Handyrechnung, ÖV-Tickets oder Kleidung sein. Am besten schreiben Sie während drei Monaten auf, was Sie für Ihr Kind ausgeben und berechnen daraus den Jugendlohn.

Tipps

  • Es muss genau abgemacht werden, was  mit dem Jugendlohn bezahlt werden muss und was nicht. Unvorhergesehene Ausgaben, wie das Klassenlager oder das Jahresabo für den Zug eignen sich weniger für dieses Modell.
  • Vergleichen Sie nicht Ihr eigenes Taschengeld von damals mit dem Ihrer Kinder. Die Gesellschaft hat sich verändert. Ein Handy ist heute wichtig, um sich mit Freunden zu verabreden.
  • Nehmen Sie Ihr Kind ernst, wenn es das Gefühl hat, zu wenig Taschengeld zu bekommen. Manchmal hilft es bereits über die Erfahrungen zu sprechen, wenn das Portemonnaie plötzlich leer ist.  Für was wurde das Geld ausgegeben? War das Budget zu klein oder zu gross? Wo lässt es sich sparen?
  • In der Oberstufe könnten Sie für Ihr Kind ein eigenes Konto eröffnen. So lernt es das bargeldlose Zahlen kennen.
  • Informieren Sie Ihr Kind über den finanziellen Stand Ihrer Familie und begründen Sie die Höhe des Taschengeldes. So kann Ihr Kind verstehen, warum es unter Umständen weniger bekommt als andere.

Eine Möglichkeit ist, das Konto für Nahrungsmittel oder Essen in der Mensa separat auszuzahlen. So kommt Ihr Kind nicht in Versuchung das Mittagessen für ein neues Smartphone ausfallen zu lassen.

Richtlinien für das Sackgeld von Schülern

Die Budgetberatung Schweiz empfiehlt folgende Taschengeldhöhen. Wie viel Sackgeld ein Schüler bekommt, hängt auch von der finanziellen Lage der Eltern ab. Eltern müssen ihren Kindern grundsätzlich kein Sackgeld geben. Es hilft den Kindern aber den Umgang mit Geld zu üben. 

6 Jahre: 1 Franken
7 Jahre: 2 Franken
8 Jahre: 3 Franken
9 Jahre: 4 Franken
10/11 Jahre: 25 bis 30 Franken im Monat
12 bis 14 Jahre: 30 bis 50 Franken im Monat
ab 15 Jahren: 50 bis 80 Franken im Monat

Erweitertes Taschengeld

Ab der Oberstufe kann schrittweise ein erweitertes Taschengeld vereinbart werden. Diese Beträge richten sich nach dem effektiven Aufwand und dem finanziellen Rahmen des Familienbudgets.

Sackgeld: 30 bis 80 Franken
Handy: 10 bis 30 Franken
Kleider, Schuhe: 70 bis 80 Franken
Coiffeur, Körperpflege, Hygiene: 30 bis 40 Franken
Velo, Mofa: 10 bis 30 Franken
Schulmaterial (ohne Lehrmittel und Exkursionen): 10 Franken

nach Aufwand:

Auswärtige Verpflegung bis 10 Franken pro Mahlzeit
Fahrkosten (Abonnemente)
Lehrmittel, Exkursionen, Lager, Sport

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