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Wie viel und ab wann: Sackgeld-Tipps für jede Altersstufe

Dass Kinder Geld brauchen und selbst ausgeben wollen ist normal. Damit sie den Umgang mit Geld lernen, gibt es das Sackgeld. Doch wie viel Taschengeld sollen Eltern ihren Kindern auszahlen und ab welchem Alter ist das sinnvoll? Wir haben Empfehlungen für jedes Alter und verraten, mit welchen Tipps Kinder fürs Thema Geld sensibilisiert werden.

Wie viel Sackgeld ist genug?

Mit eigenem Sackgeld kann Ihr Kind den Umgang mit Geld lernen. Bild: GettyImages

Sackgeld für Kinder: das Wichtigste in Kürze

  • Ein klassisches Sackgeld ist im Kindergarten noch nicht sinnvoll. Doch im Alter von vier können Kinder bereits mit Geld in Berührung kommen und für das Thema sensibilisiert werden
  • In der Primarschule können Kinder schon Sparsamkeit üben und erste grössere Sparziele erreichen. Gespräche über Geld sind in diesem Alter schon wichtig.
  • In der Oberstufe kommen auf Jugendliche viele Kosten zu. Alternativ gibt es auch das Konzept «Jugendlohn», bei dem Teenies Handyrechnungen, Coiffeurbesuche, Kleidung und mehr selber bezahlen müssen.
  • Der Betrag des Sackgelds kommt auf das verfügbare Familienbudget an. Ein paar Richtlinien für Sackgeld-Beträge.

In der Welt des Massenkonsums mit Geld klarzukommen, müssen Kinder erst lernen. Für Eltern stellt das eine schwierige Aufgabe dar, schliesslich hängt die Höhe des Sackgeldes auch vom Budget der Familie und dem gewohnten Lebensstandard ab. Es gilt: Eltern müssen ihren Kindern kein Sackgeld zahlen. Es wird aber empfohlen, damit Kinder lernen, mit Geld umzugehen. Wichtiger als der konkrete Betrag des Geldes sind klare Vereinbarungen darüber, was vom Sackgeld gezahlt wird und was die Eltern zahlen. Nur so kann das Kind in einem geschützten Rahmen lernen, sein Taschengeld einzuteilen.

Sackgeld im Kindergarten

Wenn Ihre Kinder noch klein sind, macht das klassische Sackgeld eher wenig Sinn. In diesem Alter haben Kinder noch eine andere Zeitwahrnehmung. Sparen fällt kleinen Kinder noch sehr schwer. Wichtig ist, dass die Kinder von Anfang an wissen, wann was konsumiert wird. Zum Beispiel gibt es am Geburtstag und an Weihnachten Geschenke – an anderen Tagen nicht. Oder dienstags ist Cola-Tag und an den anderen Tagen gibt es Wasser. So lernt das Kind von Anfang an, dass es geniessen darf, aber nicht alles einfach so bekommt. Ausserdem bleibt die Wertschätzung und Vorfreude auf den Dienstag oder den Geburtstag bestehen.

Tipps fürs Sackgeld: 1. – 4. Lebensjahr

1 Lob statt Süsses

Kleine Gefälligkeiten sollten auch von sich aus gemacht werden und nicht immer mit Erwartung auf eine materielle Belohnung. Deshalb ist hier Lob und Anerkennung meistens besser als Süssigkeiten oder Geld.

2 Kinder selber zahlen lassen

Sobald die Kinder genug gross sind, können sie auch einzelne Produkte an der Kasse selber bezahlen. Das fördert die Selbstständigkeit und zeigt, dass Geld Teil des Alltags ist.   

Sharing is caring

Ermuntern Sie Ihr Kind dazu, mit anderen zu teilen. Etwas zu verschenken hebt die eigene Laune, denn geteilte Freude ist doppelte Freude. So wird der Neid auf andere Kinder nicht so gross.

4 Vorbild sein: Mit Zettel einkaufen gehen

Versuchen Sie ein gutes Beispiel zu sein. Zeigen Sie Ihrem Kind den Einkaufszettel, um den Nachwuchs fürs Thema Geld zu sensibilisieren. So erkennt es, dass Sie nicht ziellos im Laden einkaufen, sondern nur das kaufen, was gebraucht wird.

5 Gemeinsam einkaufen

Nehmen Sie Ihre Kinder zum Einkaufen mit. Dort werden sie mit einem grossen Sortiment konfrontiert und müssen Produkte, die sie nicht brauchen, zurücklassen.

☞ Sackgeld in der Primarschule

Die meisten Eltern entscheiden sich in der Primarschule für ein erstes Sackgeld. Je nach Schuljahr wird es erhöht. In der ersten Klasse gibt es einen Franken, in der zweiten Klasse zwei und so weiter. Es wird wöchentlich ausbezahlt und die Kinder sollten nicht nachfragen müssen, ob sie das Geld bekommen. Dieses Taschengeld ist für eigene Ausgaben gedacht und das Kind darf es generell ausgeben, wofür es will.

Tipps fürs Sackgeld: 4. – 8. Lebensjahr

1 Grosse Sparziele: Mit Enttäuschung umgehen

Möchte das Kind auf etwas Grosses sparen, sollten Sie ansprechen, wie realistisch das Ziel ist. Eine Erstklässlerin wird sich auch bei grösster Sparsamkeit nie ein Pony leisten können. Enttäuschungen sind da vorprogrammiert. Schlagen Sie Ihrem Kind alternative Sparziele vor.

2 Taschengeld aufbessern: Nebenjobs

Wenn Ihr Kind sein Taschengeld aufbessern möchte, können Sie ihm mögliche Verdienstmöglichkeiten aufzeigen. Vielleicht kann es beim Nachbarn Rasenmähen oder mit dessen Hund spazieren. Auch grössere Aufgaben im eigenen Haushalt können entlohnt werden.

3 Gespräche über Geld

Sprechen Sie mit Ihrem Kind über Geld und zeigen Sie ihm, dass der grösste Teil des Lohnes für Miete, Essen und Versicherungen verwendet werden. So entwickelt das Kind ein Bewusstsein für Ausgaben.

4 Sackgeld ist kein Druckmittel

Missbrauchen Sie das Taschengeld nicht als Strafe. Das Verhalten oder Schulnoten sollten nicht über die Höhe des Sackgeldes entscheiden.

5 Taschengeld konsequent bar aus

Zahlen Sie das Sackgeld im Primarschulalter bar aus. So sieht das Kind immer, wie viel es noch zur Verfügung hat.

6 Kein Ersatz oder Vorschuss

Zahlen Sie keine Vorschüsse. Plant das Kind eine grosse Ausgabe, muss es lernen, zu sparen. Ersetzen Sie auch kein Geld für Fehlkäufe.

7 Für Profis: Sackgeld seltener ausbezahlen

Wenn Ihr Kind bereits gut mit Geld umgehen kann, können Sie auch mal versuchen, das Taschengeld nur alle zwei Wochen auszubezahlen.

☞ Sackgeld in der Oberstufe

In der Sekundarschule gibt es die Möglichkeit, das Taschengeld einfach weiterzuführen oder einen Jugendlohn zu vereinbaren. Beim Jugendlohn-Modell bekommen die Jugendlichen einmal monatlich einen fixen Betrag, mit dem vorgegebene Bereiche abgedeckt sind. Das können der Coiffeur, die Handyrechnung, ÖV-Tickets oder Kleidung sein. Am besten schreiben Sie während drei Monaten auf, was Sie für Ihr Kind ausgeben und berechnen daraus den Jugendlohn. Mehr Tipps bekommen Sie hier.

Tipps fürs Sackgeld: 12. - 15. Lebensjahr

1 Welche Ausgaben sind mit dem Jugendlohn abgedeckt?

Es muss genau abgemacht werden, was  mit dem Jugendlohn bezahlt werden muss und was nicht. Unvorhergesehene Ausgaben wie das Klassenlager oder das Jahresabo für den Zug eignen sich weniger für dieses Modell.

2 Geld verändert sich mit der Gesellschaft

Früher war das mit dem Geld anders? Vergleichen Sie nicht Ihr eigenes Taschengeld von damals mit dem Ihrer Kinder. Kinder haben bereits ein ausgeprägtes Konsumverhalten.

3 Seriöse Gespräche über Geld führen

Nehmen Sie Ihr Kind ernst, wenn es das Gefühl hat, zu wenig Taschengeld zu bekommen. Manchmal hilft es bereits über die Erfahrungen zu sprechen, wenn das Portemonnaie plötzlich leer ist.  Wofür wurde das Geld ausgegeben? War das Budget zu klein oder zu gross? Wo lässt es sich sparen? Auch wenn Ihr Teenie selbstständig sein möchte, kann Ihre Hilfe im Umgang mit Geld entscheidend sein.

4 Das erste eigene Bankkonto

In der Oberstufe könnten Sie für Ihr Kind ein eigenes Konto eröffnen. So lernt es das bargeldlose Zahlen kennen und bekommt mehr Verantwortung.

5 Finanzielle Situation und Familienbudget

Informieren Sie Ihr Kind über den finanziellen Stand Ihrer Familie und begründen Sie die Höhe des Taschengeldes. So kann Ihr Kind verstehen, wie das Sackgeld zustande kommt, warum es unter den gegebenen Umständen weniger bekommt als andere.

6 Mittagsessensgeld einzeln ausbezahlen

Geld fürs Mittagessen sollte nicht gespart werden und kann deshalb einzeln ausbezahlt werden. So kommt Ihr Kind nicht in Versuchung, das Mittagessen für ein neues Smartphone ausfallen zu lassen.

Richtlinien für das Sackgeld von Schülern

Wie viel Sackgeld ein Schüler oder eine Schülerin bekommt, hängt unter anderem von der finanziellen Lage der Eltern ab. Eltern müssen ihren Kindern grundsätzlich kein Sackgeld geben. Es hilft den Kindern aber, den Umgang mit Geld zu üben. Die Budgetberatung Schweiz empfiehlt folgende Taschengeldhöhen:

6 Jahre: 1 Franken
7 Jahre: 2 Franken
8 Jahre: 3 Franken
9 Jahre: 4 Franken
10, 11 Jahre: 25 bis 30 Franken im Monat
12 bis 14 Jahre: 30 bis 50 Franken im Monat
ab 15 Jahren: 50 bis 80 Franken im Monat

Erweitertes Taschengeld

Ab der Oberstufe kann schrittweise ein erweitertes Taschengeld vereinbart werden. Diese Beträge richten sich nach dem effektiven Aufwand und dem finanziellen Rahmen des Familienbudgets.

Sackgeld: 30 bis 80 Franken
Handy: 20 bis 40 Franken
Kleider, Schuhe: 70 bis 80 Franken
Coiffeur, Körperpflege, Hygiene: 50 bis 80 Franken
Schulmaterial (ohne Lehrmittel und Exkursionen): 20 Franken

Weitere Kosten, die zu berücksichtigen sind

Auswärtige Verpflegung
Fahrkosten (Abonnemente)
Lehrmittel, Exkursionen, Lager, Sport