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Familie in der Schweiz: Zahlen und Fakten

Das traditionelle Familienleben schrumpft, das traditionelle Familienbild verschwindet. Laut Experten wird sich künftig noch deutlicher zeigen, ob man ein Familienmensch ist oder nicht.

Die traditionelle Familie: Wie lange gibt es sie noch?

Die traditionelle Familie wird immer weniger gelebt, hält sich aber hartnäckig als Idealbild. Foto: iStock, Thinkstock

Von 1970 bis 2008 sind in der Schweiz die Haushalte von Familien dramatisch geschrumpft. Das ist ein Anzeichen für die tiefgreifenden Veränderungen in unserer Gesellschaft während der letzten 40 Jahre, schreibt das Bundesamt für Statistik in seiner Publikation. Ebenso grundlegend verändert haben sich unsere Einstellungen zur Familie. Die Familienbilder klaffen stark auseinander – was uns auch die heutige Familienpolitik deutlich vor Augen führt. Das traditionelle Familienbild verschwindet nach und nach und wird ersetzt durch eine Vielfalt familiären Zusammenlebens. Nur in den Köpfen der Schweizerinnen und Schweizer hält es sich hartnäckig.

Die Struktur der Haushalte und des Zusammenlebens in der Schweiz hat heute ganz anderes Gesicht. Es wohnen so viele Menschen wie noch nie alleine, so viele Paare wie noch nie entscheiden sich dafür, keine Kinder zu haben. Die Anzahl der Familienhaushalte lag 1970 bei 75%, 2008 gerade mal noch bei 61,6%.

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Dass immer mehr Menschen alleine wohnen hat mehrere Gründe: Junge Menschen ziehen früher aus der elterlichen Wohnung, aber erst später mit einem Partner zusammen – oft erst bei der Familiengründung. Familiengründung findet heute denn auch viel später statt als noch vor 40 Jahren – bei vielen kommt die Ausbildung und damit Existenzsicherung an erster Stelle. Auch die Alterung der Bevölkerung insgesamt hat hier einen Einfluss. Denn der Anteil derjenigen älteren Menschen steigt, die noch bei guter Gesundheit sind und in der eigenen Wohnung oder im eigenen Haus leben können.

Der Anteil der Paarhaushalte ohne Kinder nahm in den letzten 40 Jahren stark zu – von 32,5 auf 46%. Unabhängig davon, ob das Paar verheiratet war oder nicht. Man entscheidet sicher immer häufiger gegen Kinder. Bei Paaren, die nicht zusammenleben, hat sich der Anteil der kinderlosen Paare sogar beinahe verdoppelt. Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig: Zum ersten Sind Paare vor der Geburt es ersten Kindes länger zusammen als früher, zum zweiten gibt es mehr kinderlose Paare und drittens steigt die Lebenserwartung.

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Immer öfter Kinder ohne Heirat

Auch wenn die Paare mit Kindern generell zurückgehen, haben immer mehr unverheiratete Paare Kinder. 1980 wurden 38'129 solcher Paare verzeichnet, bei der Volkszählung 2000 waren es bereits über 130'000 Paare. Immer öfter hat man also Kinder vor einer Heirat, oder sogar ohne Heirat.

In immer weniger Familien sind mehrerer Generationen vertreten, Familien haben weniger Kinder, Paare bleiben immer häufiger kinderlos, die Zahl der Einpersonenhaushalte nimmt permanent zu. Die Grossfamilie von früher ist definitiv im Verschwinden begriffen. „Nuklearisierung der Familienhaushalte“ nennt das Bundesamt für Statistik diese Tendenz.

Die Bedeutung der traditionellen Familie schwindet unaufhaltsam. Seit den 70er Jahren nimmt die Zahlt der kleinen Haushalte mit ein bis zwei Personen dramatisch zu. Differenziert man noch zwischen Ausländer- und Schweizer-Haushalten, zeigt sich, dass Schweizerinnen und Schweizer grundsätzliche häufiger in sehr kleinen Haushalten von ein bis zwei Personen leben und die Migrantinnen und Migranten viel eher noch zusammenleben, so das Bundesamt.

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„Durch die Verselbständigung des Individuums gegenüber der Gesellschaft, die Emanzipation der Frauen, aber auch durch die Befreiung von religiöser und bürgerlicher Moral sind einige Tabus gebrochen worden“, schreibt das Bundesamt für Statistik im Fazit. „Wie ein Ökosystem strebt die Familie neue und dieses Mal vielfältigere und ausgeglichenere Formen an.“ Es könnte sein, so die Spekulation zum Schluss, dass sich die Lebensläufe der Schweizerinnen und Schweizer immer weiter polarisieren. Entsprechend der jeweiligen Umstände sind die Lebensläufe familial oder nicht. Und man ist ein Familienmensch und entscheidet sich für Kinder und Familie, oder man ist keins und entscheidet sich für etwas anderes. Meist die Karriere.

Um diese Entwicklung zu entschleunigen gilt es, die Umstände und Bedingungen für Familien zu verbessern. Familienpolitik ist heute so gefragt und gefordert wie noch nie.

Text: Kathrin Fischer, 2009