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Wie Sie Beziehungsprobleme lösen

Erst Frust, dann Wut, am Ende Traurigkeit, manchmal sogar Verzweiflung: Dem Bundesamt für Statistik zufolge wird etwa jede zweite Ehe in der Schweiz geschieden. Was hilft, um eine Partnerschaft zu retten? Ein Paartherapeut erklärt den Kern moderner Beziehungsprobleme.

Beziehungsprobleme zu lösen ist nicht immer einfach.

Probleme in der Partnerschaft: Viele wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen. Foto: Pixland, Thinkstock

Beim Bergwandern mit einer Freizeitgruppe hatten sie sich kennen gelernt. Sie waren die ersten, die zuerst den Gipfel erreichten. Die Anziehungskraft war so riesig wie der 3000er. Kein Wunder hatten die beiden nicht nur die Leidenschaft fürs Wandern gemeinsam. Unter anderem teilten sie auch das Faible für Fernreisen. Wie auf einer Glückswolke fühlten sie sich, wenn sie wieder einmal im Flugzeug nebeneinander sassen.

Diese gute Zeit liegt mittlerweile viele Jahre zurück. Aus der Glückswolke ist grauer Nebel geworden. Wandern und Abenteuerreisen bestimmen nicht mehr den Alltag – schon lange geht es um ganz andere Themen: Kann er sonntags nicht mal zu Hause sein und mit den Kindern spielen? Muss sie immer an ihm herum meckern? Wie kann er nur den Hochzeitstag vergessen?

Beziehungsprobleme: Viele Paare geben nicht auf

Wenn Antworten ausbleiben und Reden nichts nutzt, schleicht sich das Schweigen ein. Immer mehr drängt sich der Gedanke auf, dass das Leben ohne den anderen vielleicht einfacher sein könnte. Unsere Konsumgesellschaft erweckt oft den Eindruck, an der nächsten Ecke stehe schon der nächste Lebensabschnittspartner. Das kann verlockend erscheinen.

Dennoch: Viele geben nicht auf. «Vor allem Paare mit Kindern trennen sich in der Regel nicht leichtfertig», das ist die Erfahrung von Raimondo Lettieri, Paartherapeut bei der Paarberatung Zürich. Die hohe Scheidungsquote führt er auf einen anderen Zusammenhang zurück.

Hauptgrund für Beziehungsprobleme: zu hohe Erwartungen

«Der Wunsch nach Beziehungsqualität hat zugenommen», berichtet Raimondo Lettieri. Galt die Ehe im vorangegangen Jahrhundert vor allem als Wirtschaftsgemeinschaft, so sind die Erwartungen an die Beziehung deutlich gestiegen. Was soll eine Beziehung heute alles bringen? Starken Halt, Trost und Verständnis, guten Sex, finanzielle Sicherheit, starke und gut erzogene Kinder, gemeinsame Freunde, erfüllte Freizeit zu zweit. «Beziehungen sind oft überfrachtet mit Wünschen», weiss Raimondo Lettieri.

«Vielfach sind es vor allem Frauen, die emotional höhere Anforderungen an ihre Partner haben, als diese erfüllen können oder wollen», so der Paartherapeut. «Frauen wünschen sich vor allem Partner, mit denen sie offen reden können. Die Unzufriedenheit ist bei den Frauen tendenziell grösser als bei den Männern.» So sind es oft die Frauen, die eine Beziehung verändern möchten und deshalb eine Beratung aufsuchen.

Scheidung ist gesellschaftlich akzeptabel geworden

Die Gesellschaft macht es heute Paaren leichter, sich scheiden zu lassen. «Eine Scheidung war vor 40 Jahren mit deutlich mehr Schmach und Schande belegt als heute», sagt Raimondo Lettieri. «Bis dass der Tod Euch scheidet» – dieses Eheversprechen wird heute nicht mehr ganz genau genommen. «In einem Zusammenbleiben um jeden Preis sehen Paare heute oft kein Sinn mehr.»

Manchmal braucht es nicht viel, um eine Beziehung zu retten.

Bei Problemen nicht gleich aufzugeben ist wichtig, um eine Beziehung zu retten. Foto: © Wavebreakmedia Ltd | Dreamstime.com

Wenn die Partnerschaft in der Sackgasse steckt, herrscht oft lähmende Hilflosigkeit. So viele Gespräche haben nicht gefruchtet. Was lässt sich tun, wenn Probleme den Alltag vernebeln? Wenn die Wut auf den Partner sich immer wieder wie ein Gewitter entlädt?

Erwartungen überprüfen

Sinnvoll ist es zu überlegen: Was ist es genau, was einem am Partner fehlt? Wie realistisch ist es, dass er lernt, zu geben, was man sich sehnlich wünscht? Können Gespräche helfen?

Fehler akzeptieren

Mit einigen Macken des Partners muss man einfach leben. Schliesslich hat jeder seine Fehler. Und: Mancher Fehler kann – aus einem anderen Blickwinkel betrachtet – auch durchaus eine Stärke sein.

Freunde pflegen

Kein Partner kann alle Bedürfnisse abdecken. Das bedeutet aber nicht, dass eigeneTräume unerfüllt bleiben müssen. Wenn der Partner keinen Abenteuerurlaub liebt, können auch Freunde gute Reisepartner sein.

Auf Gemeinsamkeiten konzentrieren

Paare neigen dazu, im Laufe der Partnerschaft immer mehr Unterschiede zu entdecken. Dagegen sind sie in der Anfangsphase der Beziehung sehr auf die Gemeinsamkeiten konzentriert. Was hat uns einmal verbunden? Können wir unsere Gemeinsamkeiten wieder beleben? Das sind Fragen, die weiterhelfen, wenn die Beziehung nicht mehr rund läuft. Wichtig dabei: Keine Vorwürfe, keine Analysen – warum, wieso alles so geworden ist, wie es ist. Denn hier geht es nicht um die Schuldfrage, sondern um neue Perspektiven für die Zukunft.

Klare Botschaften

«Mir geht es schlecht», so spricht man oft, wenn man eigentlich meint: «Bitte verwöhne mich jetzt!» Solche Formulierungen kommen leider oft gar nicht beim Partner an – das Missverständnis und der Ärger sind absehbar. Besser ist es, klar zu kommunizieren, was man vom Partner erwartet.

Mehr über die Beziehung reden

«Viele Paare sprechen nur wenige Minuten am Tag miteinander, und dann meist über Organisatorisches. Das haben Studien ergeben», weiss Raimondo Lettieri. Er rät Paaren, mehr über ihre Beziehung zu reden, ohne sie zu zerreden. Was läuft gut, was nicht?

Hilfe holen

Wenn kein Gespräch hilft, die Beziehungsprobleme zu lösen, heisst es: Hilfe holen. Vieles spricht für eine professionelle Paarberatung. Die Neutralität und die Erfahrung, mit Streit und Vorwürfen umzugehen. Ein kompetenter Dritter kann aus der Distanz heraus eingefahrene Verstrickungen und falsche Verhaltensmuster erkennen und aufdecken. Oft reichen drei bis fünf Gespräche, um herauszufinden, ob man weiter an der Beziehung arbeiten möchte.

Sicher, in einer Beratung kann sich herausstellen, dass die Beziehung keine Chance mehr hat. Dennoch erweist sie sich in der Regel als nützlich: «Selbst wenn die Auseinandersetzung letztendlich zu der Erkenntnis führt, dass es besser ist, die Partnerschaft nicht weiterzuleben, lernt doch jeder viel über sich selbst», so Raimondo Lettieri. «Diese Erkenntnisse können in eine neue Beziehung einfliessen und ihr nutzen.»

Buchtipps

  • Liebe auf Dauer. Was Partnerschaft lebendig hält. Von Hans Jellouschek. Herder 2010.
  • Wie Sie herausfinden, wann Ihre Beziehung zu Ende ist und was Sie tun können, um sie zu retten. Von Chuck Spezzano. Via Nova 2008.