Wenn der Kinderwunsch eine Beziehungskrise auslöst

Für viele Paare wächst der Wunsch nach einem Kind im Laufe der Beziehung. Nach einigen Jahren steht für den Grossteil fest: Wir wünschen uns ein Baby. Aber nicht in allen Beziehungen herrscht Einigkeit. Lesen Sie hier, wie Sie das Problem uneiniger Kinderwunsch lösen können.

Der Kinderwunsch kann ein Problem für die Beziehung werden, wenn Paare sich nicht einig sind

Ein unerfüllter Kinderwunsch kann zur Beziehungskrise führen. Foto: iStock, Thinkstock

Die ersten Jahre verbringen Mann und Frau in trauter Zweisamkeit. An erster Stelle steht, den anderen richtig kennenzulernen, mit all seinen Stärken und Macken. Gemeinsame Hobbys und Interessen wollen gefunden und ein gemeinsamer Freundeskreis aufgebaut werden. Ist dieser erste Schritt geglückt, steht das Zusammenziehen auf dem Plan. Verkraftet die Beziehung Putzpläne, ein gemeinsames Finanzmanagement und so viel Nähe, steht Kindern nichts im Weg. Was passiert, wenn ein Paar uneins ist?

Die Gründe für eine gewollte Kinderlosigkeit sind vielfältig. Zum einen ist es die Sorge, den Lebensstandard nicht mehr halten oder das Leben nicht mehr so wie bisher geniessen zu können. In einer modernen Gesellschaft fällt es manchen Erwachsenen schwer, sich in die Elternrolle hineinzudenken. Eltern sein, bedeutet erstmals sein eigenes Leben hinten anstellen zu müssen, gebunden sein und für einen anderen Menschen eine lebenslange Verantwortung zu tragen. Dies schreckt viele ab. Ein weiterer Grund ist, dass viele erst eine Familie gründen möchten, wenn sie finanziell abgesichert sind und dem Nachwuchs ein Haus im Grünen bieten können. Bei vielen ist dies erst der Fall, wenn die biologische Uhr bereits aufgehört hat zu ticken.

Dem Problem Kinderwunsch für eine Zeit aus dem Weg gehen

Richtig problematisch wird es, wenn ein Paar unterschiedliche Wünsche im Bezug auf die Familienplanung hegt. Etwa acht von 100 Paaren, die bei der Frauenärztin und Paartherapeutin Dr. Regine Breier Rat suchen, sind von diesem Problem betroffen. Das Wichtigste, erklärt Dr. Breier, sei, erstmals den Druck aus der Situation zu nehmen. Die Paare sollten das Thema zwei, drei Monate ausklammern und sich in dieser Zeit auf die Beziehung konzentrieren. So stellen sie fest, was sie aneinander haben und welche sonstigen Gemeinsamkeiten sie als Liebespaar verbinden. Erst dann, wenn die Dramatik des Moments vorbei ist, «ist die optimale Situation für ein Gespräch», wie Dr. Breier erklärt. Paare sollen einander zuhören, den anderen versuchen zu verstehen, warum er keine Kinder will oder warum unbedingt. So bleibt es aus, dass sich die Fronten verhärten und keine Kommunikation mehr möglich ist. «Wenn man die Gründe des Partners kennt, kann man gemeinsam nach Lösungsmöglichkeiten suchen und wird wieder kompromissfähig.»

Gibt es in diesem Fall überhaupt Lösungsmöglichkeiten? Ein halbes Kind anzuschaffen, ist nicht möglich genauso wie Elternschaft auf Probe. Die Paartherapeutin sieht den Königsweg nicht in der Entscheidung Kind Ja oder Nein, sondern in der Klärung individueller Bedenken.

Belastet den Vater in spe die Angst vor dem finanziellen Ruin, weil soeben ein stattlicher Kredit für die neue Wohnung aufgenommen wurde, so hilft vielleicht eine gemeinsame Recherche. Wie viel kostet ein Kind überhaupt? Wie machen es andere, befreundete Paare in dieser Situation? Ist das Paar bereit, seine Ansprüche zu senken? Ist es für beide legitim, dass ihr Kind auch mal Kleider vom Kinder-Secondhand trägt oder ein Kinderbettchen von IKEA bekommt?

Hat die Frau Bedenken, durch ein Kind beruflich ins Abseits zu geraten, so ist möglicherweise ihr Mann bereit, kürzerzutreten und den Grossteil der Betreuung des Kindes zu übernehmen. Aber dies erfährt sie erst, wenn beide ihre Ansichten und Wünsche teilen.

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