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Familie mit Kindern oder nicht?

Ausflug mit der Familie - Paare müssen sich entscheiden, ob sie Kinder wollen oder nicht.

Nachwuchs - ja oder nein? Für viele Paare ist es eine schwierige Entscheidung.

Hochzeit und Kinder

In jeder Partnerschaft kommt wohl irgendwann der Zeitpunkt, wo Entscheide zum Thema Karriere und Familie anstehen. Und wenn ein Ja für den Nachwuchs fällt, geht es sofort darum, wann und wie viele Kinder es sein sollen. Viel Planungsarbeit und Geld kann hier investiert werden. Das Wort «Verzicht» erhält eine grosse Bedeutung, denn womöglich müssen liebgewordene Gewohnheiten und Hobbys verabschiedet werden. Wie dies bei Dirk und Katja* der Fall war. Sie kannten sich erst ein paar Wochen, dann wurde Katja schwanger. Ein Unfall. Anfangs nahmen die beiden den kleinen Jonas noch auf jede Party mit, bei der Dirk als DJ auflegte. Doch je älter und mobiler Jonas wurde, desto weniger war dies mehr möglich. Heute arbeitet der ehemalige Aussteiger wieder als Projektleiter für Personalabbau. Und Katja kümmert sich um die inzwischen zwei Kinder. «Eigentlich wollte ich nie wieder diesen Stress,» sagt Dirk, «aber ich bekam keine andere Berufschance und für meine Kinder tue ich alles.» Heute sieht Dirk seine Familie selten, seine Arbeit mit vielen unvorhersehbaren Zwischenfällen lässt ihm kaum mehr Freizeit. «Doch mit etwas Planung entwickelt es sich ganz gut, mein Projekt Familie», schmunzelt er müde.

Der Mensch ist nicht dazu gemacht, allein durchs Leben zu gehen. Doch kaum hat sich ein Paar gefunden, fangen frei nach Woody Allen die Probleme an, die man alleine nie gehabt hätte. Und noch mehr kommen mit Kindern dazu. «Jonas war nicht geplant, und Simona auch nicht», sagt Dirk. Beide Kinder haben sein und Katjas Leben, das zuvor ganz auf Vergnügen und Nachtleben ausgerichtet war, gründlich umgekrempelt. Katja hat sich vom verwöhnten Nesthäkchen zur zweifachen Mutter gemausert. Wie ist ihr Rezept für das Glücken ihrer Beziehung? «Wir haben es eben einfach genommen, wie es kommt und versuchen das Beste draus zu machen,» sagt sie. Oft hätten sie gestritten und sich auch zwei Mal kurz getrennt, aber die Bindung sei eben stärker gewesen. Ob es besser gelaufen wäre, wenn sie die Familie ordentlich geplant hätten? «Ich glaube,» sagt Dirk nach einer Pause, «hätten wir unsere Beziehung geplant, hätten wir uns weiterhin für das Vergnügen entschieden und Jonas und Simona wären nicht auf der Welt. Vielleicht wären wir nicht einmal mehr zusammen.»

Freiräume brauchen Planung

Ein Kind kann eine Partnerschaft festigen und sie zur Familie wachsen lassen. Laut dem Münchner Familienforscher Wassilios Fthenakis führt das erste Kind bei 80 Prozent der Partnerschaften aber auch zu einer Verschlechterung der Beziehung. Alltag, Haushalt, Kinder und Arbeit seien, so der Forscher, wahre Sexkiller. Sextaugliche Situationen lassen sich nicht erzwingen und oftmals auch nicht planen. Zwar halte eine intakte Beziehung Durststrecken in Sachen Sex aus. Kritisch wird es aber, wenn einer von beiden Ansprüche stellt und mehr will. «Als Paar solle man deshalb ein bisschen unverheiratet bleiben, Gewohnheit und Alltag dürfen nicht Überhand nehmen. Paare sorgen oft zu wenig für sich selbst, sie lassen sich auffressen von allen möglichen Pflichten und kommen der Pflicht nicht nach, auch für sich da zu sein,» verrät Paartherapeut Hans Jellouschek gegenüber Stern.

Es klingt paradox: In einer Partnerschaft müssen Freiräume für die Beziehung eingeplant werden. Damit der Raum da ist, in dem man immer wieder neu zueinander finden kann. Wenn sich über Jahre Einseitigkeiten eingespielt haben, ist das Öffnen eines solchen Raumes zwar schwieriger, aber nicht unmöglich. Immerhin bleiben zwei Drittel der Paare, die sich kurz vor einer Trennung einer Paartherapie unterziehen, zusammen.

Vor Krisen ist niemand gefeit. Ist sie aber einmal da, geht es darum, die Balance zwischen dem Engagement für den Beruf und die Familie wieder herzustellen. Diese Balance zwischen Autonomie und Bindung, zwischen Geben und Nehmen zwischen der beruflichen und der privaten Rolle muss wieder aufeinander abgestimmt werden. Das setzt miteinander sprechen und Toleranz voraus. Glücklich, wer dies zuvor schon geübt hat und beherrscht. Ihnen ergeht es nicht wie Sibylle und Peter*, elf Jahre verheiratet, zwei Kinder, heute geschieden. «Wir haben zu spät erkannt, dass jeder seine eigene Sicht von Ordnung und anderen Dingen haben darf. Als wir das merkten, war es zu spät, die Liebe schon tot,» sagt sie.

Das Recht auf Veränderung

Mit der Zeit verändern sich Menschen und dann ist Udating angesagt. Paare müssen ausreichend Zeit miteinander verbringen und sich gefühlsmässig und bezüglich ihrer (veränderten) Bedürfnisse austauschen. Gemeinsam verbrachte Zeit mit den Kindern genügt hierfür nicht, denn Kinder lenken von der Partnerschaft ab. Geschieht der Austausch nicht mehr, kultiviert man Missstände, weiss auch Psychologieprofessor Guy Bodenmann. Die Psychoarbeit am Küchentisch, der Kinderhütedienst, ausreichend Sex und geplante Freiräume als Erfolgsgaranten für glückliche Beziehungen? Eines ist jedenfalls sicher: Beziehungskiller Nummer eins ist Stress, denn unter Stress werden Begegnungen zwangsläufig oberflächlicher. Nur schon um dies zu vermeiden lohnt es sich, Freiräume regelmässig einzuplanen.

* Namen geändert

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