Tipps gegen die Sprachlosigkeit in der Ehe

Wie sieht sie dann aus, eine gelungene Kommunikation in der Partnerschaft? Das Wort hat seinen Ursprung im lateinischen communicare und bedeutet «teilen», mitteilen oder teilnehmen lassen. Also ist es eigentlich ganz leicht, man muss den Partner nur an seinem Leben teilhaben lassen. Das versucht der blonde Mann im italienischen Restaurant. Er möchte seine Begleitung an seinem Leben teilhaben lassen, dazu gehört unmittelbar der Fussball. Die junge Frau ist an diesem Thema weniger interessiert.

In den ersten Monaten, vielleicht auch ein zwei Jahren haben sich die meisten Frischverliebten sehr viel zu erzählen. Der Partner ist noch nahezu unbekannt, man kennt die Eckdaten Name, Beruf und Alter. Aber alle Einzelheiten wie persönliche Vorlieben, Hobbys, Erlebnisse und Macken gilt es zu entdecken. Dieses Interesse für den Anderen kommt aus tiefstem Herzen, man möchte alles über ihn erfahren. Irgendwann muss nichts mehr entdeckt werden: Der Freund weiss inzwischen, dass seine Freundin eine Abneigung gegen Silberzwiebel hat, den Geruch neuer Bücher liebt und deshalb keine Bücher aus der Bibliothek ausleihen möchte. Sie kennt inzwischen die irren Geschichten über seinen exzentrischen Onkel und weiss, dass ihr Freund als Kind nur in den Keller gehen konnte, wenn der Lieblingsaffe dabei war.

Spätestens nach zwei Jahren ist die Kennenlernphase abgeschlossen, der Alltag kehrt ein. Der Gesprächsinhalt wandelt sich und neue Themen treten auf den Plan. Organisatorisches kommt dazu: Eine günstigere Haftpflichtversicherung muss her. Wer kauft ein, wenn die Freunde zum Brunch kommen? Auch wenn es unromantisch klingen mag, aber dieser Part gehört ein Leben lang zum Gesprächsinhalt von Paaren.

Eine gesunde Mischung ist die beste Möglichkeit, um miteinander im Gespräch zu bleiben und sich so einander nah zu fühlen. Eine Gesprächsebene, die auf die Abarbeitung von To do’s aufbaut, ist ebenso wenig zukunftsträchtig wie eine Beziehung, in der alles haarklein besprochen und zerredet wird.

Tipps für Paare

  • Realistisch bleiben: In den wenigsten Beziehungen sitzen Mann und Frau einträchtig vor dem Kaminfeuer sprechen über ihre Eindrücke beim Paragliding, Empfindungen beim Kamelritt und dann über die literarische Neuentdeckung aus Südschweden. Es sind nicht die «Hammererlebnisse», die eine Beziehung interessant machen, sondern ob der Partner zuhören kann, wenn es Stress im Büro gegeben hat.
  • Für eine gelungene Unterhaltung ist es nicht wichtig, dass die Frau sämtliche Ergebnisse und Spielerbewegungen seines Vereins fehlerfrei runterbeten kann, sondern generelles Interesse für ihren Mann - was ihn bewegt, seine Sichtweisen und Gefühle.
  • Kommunikation bedeutet sich mitteilen. Gute Gespräche gibt es, wenn man den Mund aufmacht. Wer monatelang auf die Frage des Partners «Wie war es im Büro?» antwortet «Gut» braucht sich über Schweigen am Esstisch nicht wundern.
  • Generell gilt: Für alle Belange in der Partnerschaft ist es wichtig, aktiv und interessiert zu bleiben. Wer eine Reportage über den Zustand der Lager der Erdbebenopfer in Haiti gelesen hat, kann sich beim Abendessen mit dem Partner darüber austauschen.
  • Nicht nur der Informationsaustausch stimuliert eine Beziehung, sondern auch gemeinsame Erlebnisse: Weisst du noch in Kreta, als du vom Esel gefallen bist? Weisst du noch die schreckliche Theatervorstellung, in der alle anderen Besucher gegangen sind, nur wir haben bis zum Schluss ausgehalten? Solche Erlebnisse verbinden und bringen Leichtigkeit in den Alltag.

Wenn in einer Beziehung keine Kommunikation mehr möglich ist, Streitereien und Desinteresse an der Tagesordnung liegen, kann eine Paarberatung oder Paartherapie helfen. Dies macht nur Sinn, wenn beide einverstanden sind. Niemand sollte zu einer Beratung oder Therapie gezwungen werden – auch nicht vom Partner.

Bücher-Tipps zum Thema Kommunikation in der Partnerschaft

  • Jutta D. Blume: Ich dich auch, Liebling. Warum Beziehungen wundervoll sind, wenn man miteinander spricht.
  • Gary Chapman: Die fünf Sprachen der Liebe. Wie Kommunikation in der Ehe gelingt

Text: Natascha Mahle

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