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Nicht vorschnell aufgeben: So verhindern Sie das Ehe-Aus

In jeder Beziehung gibt es typische Streitthemen und Konfliktpunkte, die immer wieder für dicke Luft sorgen. Manchmal geht das so weit, dass irgendwann das Thema Trennung zur Sprache kommt. Doch selbst dann ist noch nicht gesagt, dass Ihre Beziehung am Ende ist. Daher sollten Sie keinesfalls zu schnell aufgeben. Hier erfahren Sie, woran Beziehungen häufig scheitern und was Sie tun können, um eine Trennung abzuwenden.

Mann und Frau halten Hände.

Beziehungsprobleme müssen nicht das Ende bedeuten. Paare können das Ehe-Aus oft abwenden. Foto: fizkes, Adobe Stock

Die Scheidungsrate in der Schweiz

Die Ehe hat viele Störfaktoren, die zur Trennung führen können. Dementsprechend besteht immer das Risiko, dass die Ehe scheitert. Wie viele Paare sich scheiden lassen und wie hoch die Scheidungsrate in der Schweiz ist, verrät die Statistik.

Was sagt die Statistik?

Nach den Angaben des Statistischen Bundesamtes der Schweiz haben im vergangenen Jahr 2020 rund 34‘940 Paare geheiratet – etwa 4‘000 weniger als im Jahr davor. Generell ist bei der Heiratsrate eine sinkende Tendenz zu erkennen.

Der Heiratsrate steht die Scheidungsrate gegenüber. Relativ gesehen, liegt die Scheidungsrate für das Jahr 2020 bei 39,2 Prozent(zusammengefasste Scheidungsziffer). Anders ausgedrückt, wurden im vergangenen Jahr 16‘091 Ehen geschieden. Das ergibt 1,9 Scheidungen je 1‘000 Einwohner (rohe Scheidungsziffer).

Hinweis: Die zusammengefasste Scheidungsziffer des Statistischen Bundesamtes der Schweiz meint laut eigenen Angaben den durchschnittlichen Prozentanteil der Ehepaare, die sich im Laufe der Zeit scheiden lassen würden, wenn sie das Scheidungsverhalten im Beobachtungsjahr aufweisen würden.

In Bezug auf die eingetragenen Partnerschaften gleichgeschlechtlicher Paare ergeben sich für das Jahr 2020 folgende Zahlenwerte:

  • Insgesamt erfolgten 645 Eintragungen der Partnerschaft.
  • Davon waren bei 381 beide Partner männlich und
  • bei 264 beide Partner weiblich.
  • 210 der eingetragenen Partnerschaften wurden aufgelöst.
  • Davon 124 bei männlichen Paaren und
  • 86 bei weiblichen Paaren.

Insgesamt halten Ehen in der Schweiz im Durchschnitt 15,6 Jahre.

Die Scheidungsrate nach Orten

Neben einem Überblick darüber, wie viele Ehen in der Schweiz jedes Jahr scheitern, ist es interessant zu sehen, wie sich das auf die einzelnen Städte verteilt. Der statistischen Erhebung zufolge ist Biel die Scheidungshauptstadt der Schweiz, denn hier werden im Verhältnis zu den Hochzeiten die meisten Scheidungen registriert.

Genauer gesagt kamen im Jahr 2019 auf 231 Ehen stolze 159 Scheidungen. In Bern dagegen waren es 805 Ehen und 231 Scheidungen. Diese Stadt markiert im Ranking der zwanzig grössten schweizerischen Städte den letzten Platz.

Daran scheitern Beziehungen

Es gibt einige Gründe, die dazu führen, dass selbst glückliche Beziehungen nicht halten. Oft ist der Umgang(ston) der Partner*innen das Problem.

Frau und Mann diskutieren.

Der falsche Umgangston oder fehlende Kommunikation sind oft die Ursache für Streitigkeiten. Foto: zinkevych, Adobe Stock

Zweckgemeinschaft statt Beziehung

Vor allem dann, wenn «Grossprojekte» wie ein gemeinsames Kind und der Hausbaugestemmt werden müssen, verkommt eine Beziehung oft zur reinen Zweckgemeinschaft und die Liebe bleibt mehr und mehr auf der Strecke.

Fehlender Körperkontakt

Generell spielt Körperkontakt in einer Beziehung eine wichtige Rolle. Zu wenige Berührungen, Küsse und andere Zärtlichkeiten können daher Auslöser dafür sein, dass sich beide Partner*innen emotional voneinander entfernen.

Fehlende Kommunikation

Egal, wie gut Sie Ihre*n Partner*in kennen – Gedanken lesen kann niemand. Dennoch bleibt im Beziehungsalltag vieles unausgesprochen, dabei gibt es immer eine ganze Reihe an Dingen, die thematisiert werden sollten: Von den eigenen Wünschen und Bedürfnissen, über die sexuellen Vorlieben bis hin zu Kindererziehung oder der ständig offenen Zahnpastatube.

Wenn Sie nicht miteinander kommunizieren können, wird die Liebe früher oder später darunter leiden. Die Folge: Kleinigkeiten häufen sich an und entwickeln sich zu einer ständigen Wut oder es kommt das Gefühl auf, man hätte sich auseinandergelebt. Oft ist dann das Ende vorprogrammiert.

Zu wenig Zeit füreinander

Jede Partnerschaft wird nach der ersten Verliebtheit mit dem komplexen Gefüge aus Familie, Beruf, Interessen, Freundschaften und Verpflichtungen konfrontiert.  Nach Jahren des Zusammenseins kommt es daher vor, dass die Beziehung nach hinten rückt, weil Gewohnheit und ein Gefühl von Selbstverständlichkeit einkehren.

Gelegentlich Verabredungen kurzfristig abzusagen, weil spontan ein Treffen mit Freunden oder etwas anderes dazwischenkommt, ist nicht dramatisch. Verliert die Beziehung aber dauerhaft an Priorität, nimmt das Wir-Gefühl ab und die Belastung für das Zusammensein zu. Anders gesagt: Paare, die zu wenig Zeit miteinander verbringen, gefährden ihre Partnerschaft.

Zu wenig soziale Kontakte

Die Scheidungsrate steigt aber nicht nur, wenn Sie zu wenig Zeit gemeinsam verbringen, sondern auch, wenn Sie zu wenig Zeit mit anderen verbringen. Für eine gute Beziehung ist es ungemein wichtig, auch ausserhalb der Partnerschaft soziale Kontakte zu pflegen. Erlebnisse mit anderen bringen Ihnen die nötige Abwechslung im Beziehungsalltag und neue Gesprächsthemen.

Sich ausschliesslich auf den*die Partner*in zu fokussieren und ständig zusammen Zeit zu verbringen, bedeutet, wertvolle Freundschaften zu vernachlässigen. So kann sich nach und nach eine regelrechte Kluft zwischen Ihnen und Ihren sozialen Kontakten auftun. Ein*e Partner*in kann keine Freundschaften ersetzen und sollte das auch nicht.

Auch nur noch gemeinsame und keine eigenen Freunde mehr zu haben, kann auf Dauer schlecht für die Partnerschaft sein. Denn dann verbringen Sie selbst bei Treffen im Freundeskreis Zeit miteinander, anstatt dass jeder zusätzlich eigene Freundschaften pflegt.

Genauso problematisch ist es, wenn sich ein Paar die falschen Freunde ausgesucht hat und deren schlechte Verhaltensweisen auf einen Partner oder beide abfärben. Das kann sich zu unerwünschten Angewohnheiten entwickeln, die der Beziehung nicht guttun.

Eheleute auf der Couch, sie wendet sich von ihm ab.

Wer Hobbys und eigene Freundschaften vernachlässigt, wird auf Dauer in der Beziehung unglücklich. Foto: Rido, Adobe Stock

Zu wenig Freiraum

Generell kann ein Übermass an Nähe beziehungsweise ein Mangel an Freiraum der Beziehung schaden. Wie viel Nähe und Distanz richtig sind, erlebt jeder anders. Dennoch ist es wichtig, dass jeder von Ihnen ab und an Zeit für sich hat und den eigenen Interessen und Hobbys nachgeht.  Eigene Vorlieben machen Sie erst richtig interessant füreinander und sichern Ihre persönliche Zufriedenheit.

Wer geliebte Hobbys für den*die Partner*in aufgibt oder zu wenig Freiraum für die eigene Persönlichkeit hat, wird auf Dauer unausgeglichen und unzufrieden, was sich negativ auf die Beziehung auswirkt. Noch dazu fallen dann einige mögliche Gesprächsthemen weg und der Beziehungsalltag wird zunehmend langweiliger und eintöniger.

Der falsche Umgang miteinander

Der Grund, warum die meisten Beziehungen scheitern, heisst Missachtung. Sie liegt etwa vor, wenn eine*r von Ihnen mit einer Aussage zu einem alltäglichen Thema ein Kommunikationsangebot macht und der*die andere nicht darauf eingeht oder womöglich sogar mit deutlichem Desinteresse reagiert. Kommt diese Abweisung häufiger vor, wird der*die andere irgendwann jegliche Kommunikationsversuche einstellen. Generell scheitern viele Beziehungen an fehlender oder falscher Kommunikation. Wenn kein respektvoller oder überhaupt freundlicher Umgangston herrscht, ist das eine grosse Belastung für die Partnerschaft.

Die Beziehung retten: Das können Paare tun

Keine Beziehung ist vor Problemen, schwierigen Phasen und anderen Hürden gefeit. Allerdings gibt es einiges, was Sie tun können, um Ihre Ehe über alle Herausforderungen des Lebens hinweg am Laufen zu halten.

Das ist sicherlich nicht immer einfach, sondern oftmals richtige Arbeit. Doch der Aufwand lohnt sich, denn eine harmonische und stabile Beziehung stärkt, anstatt Kraft zu kosten.

Glückliches Paar

Zärtlichkeiten und Zeit zu zweit können die Liebe neu entfachen. Foto: ivanko80, Adobe Stock

Entdecken Sie sich als Liebespaar neu

Wenn das Liebesleben eingeschlafen ist, kann die «Verabredung zum Sex» helfen. Das hört sich seltsam an, funktioniert aber – sofern sich die Partner*innen grundsätzlich noch anziehend finden.

Doch es ist natürlich nicht nur der Sex, der für eine harmonische Liebesbeziehung wichtig ist. Körperkontakt spielt in jeder Form eine grosse Rolle. Liebkosungen wie Händchen halten, Abschiedsküsse, Umarmungen und das gemeinsame Kuscheln mögen banal erscheinen. Aber sie halten die Liebesgefühle lebendig und stärken die Partnerschaft.

Generell hilft es, sich bewusst Zeit für Zweisamkeit zu nehmen und sich dadurch wieder mehr als Liebespaar zu erleben. Solche Verabredungen im Sinne von Dates, bei denen Sie sich neu kennen lernen, können daher ebenfalls der Liebe wieder auf die Sprünge helfen.

Mehr Zeit miteinander verbringen

Allgemein ist gemeinsam verbrachte Zeit wichtig für eine gesunde Beziehung. Allerdings kommt es mehr auf Qualität statt Quantität an. Es geht also darum, wie Sie die Zeit nutzen. Etwa, um sich auszutauschen und ehrliches Interesse am anderen und seinen Erlebnissen zu zeigen oder in gemeinsamen Erinnerungen zu schwelgen. Oder Sie schaffen neue Erinnerungen, indem Sie zusammen etwas unternehmen oder zusammen ein neues Hobby anfangen.

Frau und Mann sprechen miteinander.

Eine offene, vertrauensvolle Kommunikation ist die Basis für eine harmonische Beziehung. Foto: fizkes, Adobe Stock

Probleme kommunizieren und gemeinsam lösen

Beziehungsprobleme oder andere Konfliktpunkte sollten Sie offen ansprechen und gemeinsam als Paar nach einer Lösung suchen. Einige Konfliktsituationen lassen sich aber recht einfach vermeiden: Wenn Sie Ihre Wünsche, Gedanken, Probleme und Sorgen mit Ihrem*r Partner*in teilen und über alles miteinander reden, gewähren Sie sich gegenseitig einen Einblick in Ihr Innerstes. So gibt es mehr Verständnis und weniger Missverständnisse, weil die Gedankengänge des anderen nachvollziehbar werden.

Sich gegenseitig respektieren

Zeigen Sie sich gegenseitig Respekt, indem Sie einander zuhören und ehrliches Interesse an den Belangen Ihres*r Partners*in sowie an den Sichtweisen und Gefühlen zeigen. Gehen Sie darauf ein, was Ihr*e Partner*in Ihnen mitteilt und reagieren Sie keinesfalls schroff oder abweisend.

Achten Sie immer auf einen höflichen, respektvollen Umgangston – selbst in Konfliktsituationen. Gegenseitige Beleidigungen sind nicht hilfreich, um einen Streit zu lösen.

Gegenseitige Wertschätzung meint ausserdem, die Wünsche und Bedürfnisse des*r anderen zu respektieren und ernst zu nehmen. Das fördert eine offene, vertrauensvolle Kommunikation und stärkt die Bindung.

Gemeinsame Ziele setzen

Was eine Beziehung am Laufen hält, ist auch die Aussicht auf eine gemeinsame Zukunft. Das schafft den nötigen Anreiz, immer weiterzumachen und schwierige Phasen durchzustehen. Das Wissen, dass Sie beide das gleiche Ziel verfolgen und es gemeinsam erreichen wollten, hilft dabei, Beziehungskrisen zu überstehen. Es dient gewissermassen als Absicherung, dass Sie sich in die gleiche Richtung entwickeln. Setzen Sie sich also gemeinsame Ziele – was das konkret ist, muss jedes Paar für sich entscheiden.

Nicht alles zu ernst nehmen

Oft hilft es auch, sich selbst oder die Situation nicht zu ernst zu nehmen, sondern manche Dinge einfach mit Humor zu sehen. Die ein oder andere Tücke der Ehe lockert sich auf, wenn Sie gemeinsam herzlich darüber lachen. Tatsächlich ist es so, dass eine Ehe besonders gut hält, wenn beide Partner*innen übereinander und miteinander lachen können.

Paartherapie als letzter Ausweg

Wenn sich ein Paar nicht trennen will, die Beziehungsprobleme aber nicht selbst in den Griff bekommt, kann eine Paartherapie die Lösung sein. Ein neutraler Beziehungscoach kann die Bemühungen in die richtige Richtung lenken und damit bestenfalls die Ehe retten.

Eheleute bei der Paartherapie.

Eine Paartherapie kann helfen, die Beziehung wieder in die richtigen Bahnen zu lenken. Foto: Gorodenkoff, Adobe Stock

Wann ist eine Paartherapie sinnvoll?

Damit eine Paartherapie erfolgreich sein kann, ist es Voraussetzung, dass beide Partner*innen gesprächsbereit und kooperativ sind. Denn der Beziehungscoach sorgt dafür, dass Sie beide wieder ins Gespräch kommen und an Ihrer Art der Kommunikation arbeiten.

Das wird mit Rollenspielen oder ähnlichen Therapieformen geübt. Oft gibt es auch konkrete Aufgaben, die das Ehepaar gemeinsam im Alltag erledigen muss, um die Situation langfristig zu verbessern.

Eine Scheidung abwenden

Wenn der*die Partner*in die Scheidung einreicht, ist das sicherlich ein herber Schlag – der aber nicht automatisch das Ende Ihrer Ehe bedeutet. Nur, weil Ihr*e Partner*in die Scheidung möchte, müssen Sie sich nicht damit abfinden. Es gibt Mittel und Wege, wie Sie sich gegen die Scheidung wehren beziehungsweise ein Scheidungsverfahren verzögern oder abwenden können. 

Wichtig: Allerdings sollten Sie die Verzögerungstaktiken nur dann anwenden, wenn Sie glauben, Ihre Ehe retten zu können. Wenn Sie sich dagegen bei einer sachlichen Betrachtung der Lage eingestehen müssen, dass Ihre Ehe gescheitert ist, kann es den Scheidungsprozess unnötig verlängern und verkomplizieren. Das kann bedeuten, dass aus einer einvernehmlichen Scheidung eine streitige Scheidung wird – was ausserdem einen echten Kostenfaktor darstellt.

Sind die Voraussetzungen erfüllt?

Die Auflösung einer Ehe erfolgt über einen gerichtlichen Beschluss. Dafür müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Gerade bei einer nicht einvernehmlichen Scheidung kann das entscheidend sein, um die Auflösung abzuwehren. 

Denn die Eheleute müssen nach ZGB Art. 114 (Zivilgesetzbuch) nachweislich mindestens zwei Jahre getrennt voneinander gelebt haben, bevor die Ehe geschieden werden kann.  Der Beginn der zwei Jahre ist an dem Tag, an dem das gemeinsame Zusammenleben aufgegeben wird.

Sollten Sie jedoch nachweisen können, dass die Trennungsjahre nicht abgelaufen sind, können Sie den Scheidungsantrag gegenüber dem Gericht beanstanden und den Scheidungsprozess damit verzögern.

Aber: Gehen Sie vorsichtig mit diesem Argument um. Sind die Trennungsjahre tatsächlich nicht abgelaufen, besteht das Risiko, dass das Gericht den Scheidungsantrag gebührenpflichtig zurückweist und dass Ihr*e Partner*in mit den anfallenden Kosten belastet wird.

Noch dazu kann es sein, dass man Ihrem*r Ehepartner*in versuchten Prozessbetrug vorwirft, weil er oder sie bewusst versucht haben könnte, die gesetzliche Vorgabe der Trennungsjahre zu umgehen.

Somit provoziert die Beanstandung unter Umständen eine Menge Ärger und zusätzliche Gerichts- und Anwaltskosten.

Alternativ zu den Trennungsjahren muss die Ehe nach ZGB Art. 115 für eine*n Partner*in nicht mehr zumutbar sein. Damit die Unzumutbarkeit vom Gericht akzeptiert wird, muss beispielsweise einer der folgenden Punkte erfüllt sein:

  • Körperliche oder seelische Misshandlung des*r klagenden Ehepartner*in oder der Kinder,
  • schwerwiegende Belästigungen,
  • schwere Ehr- oder Persönlichkeitsverletzungen,
  • aussereheliche Beziehungen über mehrere Jahre oder
  • es liegt eine Schein- oder Zwangsehe vor.

Trifft das zu, kann die Scheidung in besonders schweren Fällen durch eine Klage sofort vollzogen werden. Beruft sich Ihr*e Ehepartner*in auf die zerrütteten Verhältnisse in Ihrer Ehe, müssen Sie sich auf eine schwierige Auseinandersetzung einstellen, wenn Sie diesen Behauptungen entgegentreten wollen.

Gibt es noch Grund zur Hoffnung?

Die beste Methode, eine Scheidung aufzuschieben, ist ein Versöhnungsversuch. Wenn Sie für Ihre Ehe eine Chance auf Versöhnung sehen, kann das die Gelegenheit sein, um eine Scheidung (vorläufig) abzuwenden. Möglicherweise können Sie Ihre Streitigkeiten doch noch beheben und wagen einen Neuanfang.

Wichtig: Haben Sie während der Trennungsjahre einen Versöhnungsversuch gestartet und das Zusammenleben wieder aufgenommen, sich nach kurzer Zeit aber wieder getrennt, beginnt keine neue Frist nach dem Ende des Versöhnungsversuches. Der kurze Zeitraum von einigen Tagen oder Wochen bewirkt keine Unterbrechung der Trennungsjahre.

Hintergrund ist, dass Eheleute andernfalls Versöhnungsversuche meiden würden, wenn eine bereits laufende Trennungszeit durch ein möglicherweise nur kurzes Zusammenleben hinfällig werden würde.

Dauert das Zusammenleben jedoch mehrere Monate an, kann nicht mehr von einem Versöhnungsversuch ausgegangen werden. Stattdessen wurdeaus Sicht des Gerichts das eheliche Zusammenleben wieder aufgenommen und die Trennungsfrist von zwei Jahren beginnt von vorn.

Eheleute bei der Paartherapie.

Mediation fördert die sachliche Kommunikation. Foto: Photographee.eu, Adobe Stock

Kann Mediation helfen?

Eine weitere Möglichkeit, die Ehe neu zu beleben, besteht darin, eine*n Mediator*in als Sprachrohr einzubeziehen. Viele Partnerschaften leiden darunter, dass die Eheleute nicht mehr dazu in der Lage sind, miteinander zu sprechen, ohne sich gegenseitig Vorwürfe zu machen. Oft ist die Situation derart festgefahren, dass Wut und Trauer die Kommunikation bestimmen.

In dem Fall kann es hilfreich sein, eine andere, neutrale Person als Sprachrohr dazwischenzuschalten.  Dieses Prinzip der Mediation ist eine Methode der friedlichen Konfliktlösung. Dabei geht es darum, dass jemand Drittes hilft, Ihre Konflikte zu regeln, Ihre Gedanken zu ordnen und ermöglicht so ein Gespräch auf sachlicher Ebene – sowie die Chance, zu einem guten Ergebnis zu kommen.

Wenn Sie Ihre beiderseitigen emotionalen Vorbehalte klären, könnte es durchaus sein, dass Sie wieder miteinander sprechen können. Sie sollten also die Chance der Mediation in Betracht ziehen.

Trifft ein Härtefallgrund zu?

In Härtefällen können Sie die Auflösung Ihrer Ehe ausnahmsweise verzögern. Das ist beispielsweise der Fall, wenn das Wohl des gemeinsamen Kindes durch die Scheidung beeinträchtigt werden würde.

Kinder leiden unter der Scheidung ihrer Eltern. Deswegen kann selbst eine klar gescheiterte Ehe aufrechterhalten werden, wenn sich durch die Scheidung die häuslichen, erzieherischen, seelischen oder wirtschaftlichen Verhältnisse des Kindes erheblich verschlechtern und dadurch das Kindeswohl gefährdet wird.

Normalerweise kommt dieser Härtefall aber nur in Extremfällen zum Tragen. Grundsätzlich vertritt das Gericht die Meinung, dass eine Scheidung für das Kind besser ist, als wenn es in zerrütteten Verhältnissen leben muss. Ausserdem behält das Kind durch das gemeinsame Sorgerecht beide Elternteile als Bezugsperson.

Ein anderer Härtefall liegt vor, wenn die Scheidung Ihre Lebenssituation in unzumutbarer Weise beeinträchtigt. Das ist dann gegeben, wenn Sie durch die Scheidung in eine psychisch, physisch, sozial oder wirtschaftlich aussergewöhnlich schwierige Lage geraten. Die Rechtsprechung erkennt solche Fälle nur in absoluten Ausnahmesituationen an.

Ab wann gilt die Ehe als gescheitert?

Wenn Sie mit der Scheidung nicht einverstanden sind, können Sie sich ihr während der zwei Trennungsjahre widersetzen. Vorläufig können Sie nicht zur Scheidung gezwungen werden.

Nach Ablauf der zwei Jahre hat der*die Partner*in, der*die sich scheiden lassen will, aber auf jeden Fall Anspruch auf die Auflösung der Ehe. Sie gilt dann vor Gericht als unheilbar zerrüttet und damit endgültig gescheitert. Denn die Lebensgemeinschaft besteht nicht mehr und es ist nicht zu erwarten, dass Sie oder Ihr*e Ehepartner*in diese wiederherstellen möchten. Das bedeutet: Spätestens nach zwei Jahren der Trennung werden Sie zwangsweise auch gegen Ihren Willen geschieden.