Totgeburt: In Ruhe Abschied zu nehmen hilft bei der Trauerbewältigung

«Engelskinder» oder «Sternenkinder» werden sie liebevoll genannt: Babys, die zur Welt kommen, ohne jemals ihren Platz dort einzunehmen. Für Frauen ist die Erfahrung, ein totes Kind austragen zu müssen, immer traumatisch. Sie brauchen häufig lange, um sich von diesem Schock zu erholen.

Eine Totgeburt ist eine sehr schmerzliche Erfahrung für eine Frau.

Nach einer Totgeburt in Ruhe Abschied nehmen, kann den seelischen Schmerz lindern helfen. Foto: altrendo images, Stockbyte, Thinkstock

Juristisch gesehen ist in der Schweiz nicht jede gescheiterte Schwangerschaft eine Totgeburt. Voraussetzung für eine betreffende Einstufung ist, dass der Fötus bei seiner Geburt mindestens 500 Gramm wiegt bzw. dass die Schwangerschaft mindestens 22 Wochen lang bestand und das Baby keinerlei Lebenszeichen zeigt. Stirbt das Kind vor der vollendeten 22 Schwangerschaftswoche oder wiegt bei seiner Geburt weniger als 500 Gramm, so gilt der Fötus als Fehlgeburt und nicht als Totgeburt.

Totgeburt: Beerdigung

Tot geborene Babys müssen in der Schweiz auf dem Zivilstandsamt gemeldet werden und haben, genau wie ein älterer Verstorbener, ein Anrecht auf eine Bestattung. Wie diese aussehen soll, dürfen Eltern frei entscheiden. Die Meldung an das Zivilstandsamt übernimmt in der Regel das Spital, in dem das Kind zur Welt kommt. So bleibt den trauernden Eltern immerhin dieser schmerzliche Behördengang erspart.

Mögliche Ursachen einer Totgeburt

Mediziner unterscheiden mutterbezogene und kindbezogene Ursachen von Totgeburten. Fehlentwicklungen lebenswichtiger Organe, noch im Mutterleib auftretende Herzrhythmusstörungen und eine unzureichende Versorgung des Fötus über die Nabelschnur gehören zu den kindbezogenen Gründen, auch ein Gendefekt wie Trisomie 21, der den Tod des Babys auslösen kann. Mütterliche Faktoren für den Tod eines Kindes im Mutterleib sind Infektionskrankheiten wie Toxoplasmose, Fehlbildungen der Gebärmutter sowie Alkohol- oder Drogenmissbrauch.

Begleitete Trauerarbeit erleichtert die Verarbeitung der Totgeburt

Der Tod eines Kindes im Mutterleib wird durch fehlende Bewegungen des Kindes sowie durch das Ausbleiben des Herzschlages nachgewiesen. Danach leiten die Mediziner die Geburt künstlich ein. Lange Zeit wurden Frauen betäubt, während sie ihr totes Kind zur Welt bringen mussten. Anschliessend bekamen sie ihr Baby nicht zu sehen. Heute weiss man, dass die betroffenen Mütter und Väter sich aktiv mit der Totgeburt ihres Kindes auseinandersetzen sollten, um diese zu verarbeiten. «Mütter sollten den Moment, in dem ihr Kind auf die Welt kommt, miterleben – auch wenn es nicht lebensfähig ist», sagte Katrin Lüdin, leitende Hebamme am Frauenspital Basel, dem Beobachter.

Eltern können ihr Baby sehen, es ankleiden und bekommen ausreichend Zeit, sich in Ruhe von ihm zu verabschieden. Manchen Familien hilft es, ein Foto oder einen Fussabdruck als Erinnerung an ihr Kind mit nach Hause zu nehmen. Danach nutzen Mütter und Väter häufig die Hilfsangebote von Vereinen oder Zusammenschlüssen anderer Betroffener.

Links zum Thema Totgeburt

Beratung und psychologische Angebote für Eltern, die ihr Baby verloren haben, bietet die Fachstelle Fehlgeburt und perinataler Kindstod an.

Ein Forum für Engelskinder gibt es unter: www.engelskinder.ch

 

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