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Geburt einleiten: Alles, was Sie wissen müssen über eingeleitete Wehen

Das Baby müsste schon auf der Welt sein? Wenn der errechnete Geburtstermin überschritten wird, werden viele Frauen nervös. Wenn es Ihnen gut geht, besteht aber vorerst kein Grund zur Sorge. Erst ab der 42. Woche spricht man aber von einer Übertragung und die Geburt wird medizinisch eingeleitet. Alles, was Sie wissen müssen über die Einleitung, Risiken, Hausmittel und wehenfördernde Methoden. 

Geburt einleiten: Schwangere Frau bei der Kontrolle beim Arzt. Der Arzt tastet den Bauch ab, die Schwangere ist entspannt und gesund.

Wenn es der Mutter und dem Baby gut geht, besteht kein Grund zur Sorge, wenn der errechnete Geburtstermin überschritten wird. Bild: GettyImages Plus, sturti

Sie sind über dem errechneten Geburtstermin? Wir können Sie beruhigen: Solange es Ihnen und Ihrem Kind während der Schwangerschaft gut geht, ist es nicht weiter schlimm, dass der errechnete Geburtstermin überschritten ist. Hebamme Karin Lietha plädiert für Geduld: «Solange es keine gesundheitlichen Gründe gibt, Wehen auszulösen, ist es immer gut, der Natur die Zeit zu geben, die sie braucht», sagt sie. Viele Frauen macht es aber nervös, wenn das Baby auf sich warten lässt. 

Um Wehen auszulösen, greifen viele Frauen auf natürliche natürlichen Methoden und Hausmitteln zurück, in der Hoffnung, eine medizinzische Einleitung im Spital oder gar einen Kaiserschnitt zu vermeiden. Im Netz finden sich viele Tipps zu homöopathischen Mitteln oder sogenannten sanften Methoden, die Wehen auslösen sollen. Doch helfen solche natürlichen Hilfsmittel? 

Wieso Frauen die Geburt einleiten wollen

Ja, sagt Hebamme Karin Lietha. Sie rät aber, der Ursache auf den Grund zu gehen, falls Ihnen das Warten schwerfallen sollte. Wieso wollen Sie die Geburt nicht einfach abwarten? Manchmal liegt nämlich der Wunsch nach einer künstlich eingeleiteten Geburt im anstrengenden Alltag oder in der Angst vor einer vaginalen Geburt begründet. «Im ersten Fall braucht die hochschwangere Mutter Entlastung», rät die Hebamme. Fragen Sie Freunde und Verwandte, ob diese Ihnen bei der Haushaltsführung oder der Kinderbetreuung helfen können. Können Sie Ihren Alltag besser strukturieren, dass es entspannter für Sie wird? Gibt es Aufgaben, die Sie auch mal liegenlassen können? Diese und weitere Dinge können Sie ebenso selbstverständlich mit Ihrer Hebamme besprechen.

Wenn Sie Angst vor der Geburt haben, versuchen Sie es mit Entspannungsübungen. Durch gezielte Entspannung können Sie gelassener werden. «Eine geführte Gedankenreise zum Kind stärkt darüber hinaus die Mutter-Kind-Bindung», weiss Karin Lietha aus Erfahrung. Vielleicht sind Sie auch einfach bloss um das Baby besorgt oder spüren sogar, dass Ihr Baby gefährdet sei. Karin Lietha betont in diesem Fall, dass solche Befürchtungen immer ernst genommen werden müssten. Untersuchungen und Aufklärung vonseiten der Ärzte können die Schwangere in solchen Fällen beruhigen.

Was bedeutet die Überschreitung des errechneten Entbindungstermins?

Ab der 40. bis ans Ende der 41. Schwangerschaftswoche sprechen Ärzte von einer Terminüberschreitung. Ab der 42. Schwangerschaftswoche handelt es sich um eine «Übertragung». Davon sind jedoch nur etwa sechs Prozent der Schwangeren betroffen. Ist der errechnete Entbindungstermin verstrichen, werden Schwangere sehr engmaschig von Arzt oder Hebamme untersucht. Geht es Mutter und Kind gut, kann abgewartet werden. Die Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe empfiehlt bei risikoarmen Schwangerschaften eine Geburtseinleitung ab der 42. Schwangerschaftswoche. 

Pro und Kontra: Gründe für eine Einleitung und Risiken

Ob es notwendig ist, die Geburt künstlich einzuleiten, hängt vom jeweiligen Zustand der Mutter und des ungeborenen Kindes ab. Bei einer Überschreitung des berechneten Geburtstermins wird empfohlen, Mutter und Kind vorerst lediglich zu beobachten. Wehen werden nur dann eingeleitet, wenn es ab diesem Zeitpunkt zu gesundheitlichen Gefährdungen sowohl des ungeborenen Kindes als auch der Mutter kommen kann.

Die gesundheitlichen Risiken sind unter anderem Erkrankungen bei der Mutter wie Diabetes oder eine Schwangerschaftsvergiftung, im medizinischen Kontext Präeklampsie genannt. Ebenso sind ein Blasensprung, eine vorgeburtliche Wachstumsstörung sowie Versorgungsprobleme des Ungeborenen Gründe, die für eine Geburtseinleitung sprechen. Zu wenig Fruchtwasser oder auffällige Herztöne im CTG, ein zu grosses oder zu schweres Baby, Bluthochdruck oder Mehrlings- und Zwillingsschwangerschaften sind ebenfalls ernstzunehmende Gründe.

In einigen Fällen werden Geburtseinleitungen auch auf Wunsch der Mutter durchgeführt. Dieses Vorgehen ist von Experten jedoch sehr umstritten. Besteht eine Frau darauf, die Geburt einleiten zu lassen, muss sie im Vorfeld unbedingt über alle Risiken aufgeklärt werden. Eine künstlich eingeleitete Entbindung wird meist als überdurchschnittlich schmerzhaft empfunden. Dies liegt daran, dass der Körper nicht genügend Zeit hat, ausreichend schmerzunterdrückende Hormone – auch Endorphine genannt – auszuschütten. Daher ist meist die Zufuhr schmerzstillender Medikamente notwendig. Für die Geborenen bedeuten künstlich eingeleitete Entbindungen meist mehr Stress.

Medikamentöse Geburtseinleitung im Spital

Wenn eine künstliche Geburtseinleitung durchgeführt wird, werden verschiedene Medikamente im Spital verwendet. Die bekanntesten sind:

Oxytocin: Die intravenös verabreichte, als «Wehentropf» bekannte Oxytocin-Infusion kann Wehen verstärken. Die Oxytocin-Infusion kann jedoch erst bei leicht geöffnetem Muttermund verabreicht werden. Durch seine schnelle Wirkung innerhalb weniger Stunden geht der Geburtsprozess meist recht schnell vonstatten – er kann jedoch auch heftige Wehen – umgangssprachlich Wehensturm genannt – auslösen, welche eine Schmerzmittelgabe oder eine Periduralanästhesie erforderlich machen.

Misoprostol: Misoprostol kann sowohl oral als auch vaginal verabreicht werden und enthält synthetisches Prostaglandin E1. Es löst meist innerhalb eines Tages die Geburtswehen aus. Es kann Übelkeit und Erbrechen auslösen und – wie auch Oxytocin – durch Überstimulation der Gebärmutter einen Wehensturm zur Folge haben.

Prostaglandin E2: Prostaglandin E2 wird bei unreifem Muttermund eingesetzt. Das auch im Sperma enthaltene Hormon erweicht den Muttermund und wird entweder als Vaginaltablette oder als Gel in die Vagina eingeführt. Die Geburtswehen können schon nach wenigen Stunden oder erst nach Tagen einsetzen. Prostaglandin E2 kann jedoch Fieber, Übelkeit und Erbrechen auslösen und zudem starke Wehentätigkeit bei gleichzeitigem Geburtsstillstand bewirken.

Natürliche Wege, um Wehen auszulösen

Sie sind noch vor der 42. Woche und wollen versuchen, selbst Wehen auszulösen? Besprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Hebamme, ob eine bestimmte Methode mit Ihrem Zustand und dem Ihres Kindes vereinbar und sinnvoll ist. Bewegung ist da ein probates Mittel, jedoch wird Ihnen jeder Arzt Leistungssport abraten. Spaziergänge hingegen lenken nicht nur ab, sondern können die Wehentätigkeit fördern, weil das Gewicht des Kindes auf Ihr Becken drückt und so sanft den Geburtskanal dehnt. Auch Treppensteigen wird empfohlen, allerdings ebenfalls in Massen und aufgrund der Verletzungsgefahr nicht auf zu steilen oder unebenen Treppen.

Wer scharfes Essen liebt, darf nun zuschlagen, denn dieses regt den Darm an. Dieser liegt nahe an der Gebärmutter und kann aus diesem Grund Wehen auslösen. 

Ein altes Hausmittel ist auch Sex: Geschlechtsverkehr kann die Wehen auf natürliche Weise einleiten. Im Sperma ist das wehenanregende Hormon Prostaglandin enthalten. Durch die Stimulation der weiblichen Brustwarzen wird das Wehenhormon Oxytocin ausgeschüttet. Beim weiblichen Orgasmus treten ausserdem Kontraktionen der Gebärmutter auf, die Wehen einleiten können.

Hilfe findet man auch in der Natur: Einigen Pflanzen wie Nelken, Zimt, Ingwer und Eisenkraut wird eine wehenfördernde Wirkung zugeschrieben. Eine sanfte Bauchmassage oder ein warmes Vollbad mit den ätherischen Ölen wirken angenehm entspannend. Auch ein Aufguss aus den genannten Gewächsen kann, über den ganzen Tag verteilt, innerhalb von ein bis zwei Tagen Wehen auslösen. Achtung vor sogennanten Wehencocktails mit Rizinusöl und Alkohol! Rizinusöl sollte nur von einer Hebamme richtig dosiert verabreicht werden. Andernfalls treten Durchfall, Übelkeit, Schmerzen und andere Komplikationen wie zu hoher Wasserverlust auf.

Natürliche Hilfsmittel statt medizinische Einleitung

Sie wollen es mit alternativen Methoden versuchen vor einer Einleitung im Spital? Wenden Sie sich an Experten. Eine Fusszonenreflexmassage kann helfen. Aber sie sollte ausschliesslich von einer geschulten Hebamme durchgeführt werden. Während der Massage werden bestimmte Bereiche stimuliert, die auf Gebärmutter, Eierstöcke und die Hypophyse einwirken. Eisenkrautöl verstärkt dabei die Wirkung, weil es bei der Massage durchblutungsfördernd wirkt. Auch Akupunktur bietet sich an. Die Methode beschleunige nicht nur die Geburt, sondern unterstütze diese auch noch, berichtet Hebamme Karin Lietha. Auch Akupressur kann in diesem Fall Wehen fördern.

Wehen einleiten bei Übertragung

Ab der 42. Woche ist die Einleitung eine medizinische Angelegenheit: Denn ist der voraussichtliche Geburtstermin um mehr als zwei Wochen überschritten, steigt die Gefahr einer Totgeburt. Hier ist es üblich, dass Gynäkologen und Geburtshelfer um den 10. bis 14. Tag nach dem Geburtstermin die Wehen mit Tabletten, Gels oder dem sogenannten Wehentropf einleiten. Allerdings sollten diese Methoden nur im Notfall eingesetzt werden, da Nebenwirkungen wie Wehensturm, Fieber, Übelkeit oder Schwierigkeiten beim Stillen auftreten können. Die Einleitung der Wehen sollte bevorzugt morgens stattfinden, da diese Tageszeit dem natürlichen Rhythmus des Körpers entspricht, wie Wissenschaftler in einer Studie herausgefunden haben.

Wichtig ist: Lassen Sie sich nicht durch den errechneten Geburtstermin unter Druck setzen. Die wenigsten Babys kommen am errechneten Termin zur Welt. Der beste Tipp ist hier also, dass Sie abwarten und Ihre Schwangerschaft noch etwas länger geniessen.

Wie ist das, wenn eine Geburt eingeleitet wird?

Und dann muss die Geburt doch eingeleitet werden... In der Schweiz wird rund jede vierte Geburt eingeleitet. Wie das ist, wenn die Ärtze zur Geburtseinleitung raten, erzählen zwei Mütter hier. Diana und Caroline berichten, wie sie den Moment erlebten und wie es ihren Babys dabei erging.