Unesco Biosphäre Entlebuch: Im Wilden Westen von Luzern

Das Entlebuch ist als Feriendestination noch wenig bekannt. Dabei gibt es in der von der Unesco ausgezeichneten Biosphäre märchenhafte Wälder und viele tolle Ausflugsziele für Familien.

Ferien in der Biosphäre Entlebuch

In der Biosphäre Entlebuch lässt sich der Alltag wunderbar entschleunigen. Bild: © Gerry Nitsch - swiss-image.ch

«Heusuppe? Bin ich ein Pferd?» Meine Tochter Anna, 10, betrachtet skeptisch die Menükarte im Restaurant Rössli in Escholzmatt. Das Lokal ist bekannt für seinen «Hexer», Koch Stephan Wiesner. Dieser mischt Gold in die Bratwurst, Kohle in den Senf, Arvenholz ins Glacé – und eben Heu in die Suppe.

So experimentierfreudig ist meine Tochter nicht. Auch ihre kleine Schwester und ihre Freundin bestellen lieber Altbekanntes. Die Mädchen und ich sind unterwegs nach Sörenberg. Drei Tage lang wollen wir die Biosphäre Entlebuch erkunden, eine Landschaft, die unter dem Patronat der Unesco steht. Wir werden entzückt sein. Noch nie haben wir so schöne Wälder gesehen, sogar ich nicht, die mit 41 Jahren schon durch viele gezogen ist.

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Entlebuch: Mooraculum, Moor-Erlebnispark auf der Rossweid

Die Wasserwippe des Mooraculums sorgt für Aufregung.

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Ferien im Entlebuch

Das Haupttal der Kleinen Emme zwischen Bern und Luzern ist reich an Naturschätzen. Hier finden sich grosse Moorlandschaften und eine bunte Tier- und Pflanzenwelt. Das Tal bietet Idylle und Action zugleich und ist daher ideal für Familien. Ausflugsziele sind zum Beispiel das Mooraculum, Zyberliland, Brienzer Rothorn, Marbachegg-Carts und die Kneipp-Anlage Flühli. Kinder können die Region mit dem Entlebucher Pass entdecken. Alle Infos unter www.biosphaere.ch

Nach dem Essen fahren wir zum Wallfahrtsort Heiligkreuz. Oberhalb des Schwesternheims tauchen wir auf einem weichen Moospfad in einen märchenhaften Wald ein. Dort lebt Wurzilla, das Wurzelkind. Seine Geschichte erleben die Mädchen auf einem Stationenpfad, auf dem es Texte zu lesen gibt, ein riesiges Spinnennetz bewältigt und ein Drache bezwungen werden muss.

Auf einer Lichtung stehen charmante Hütten aus Zweigen und Tannenzapfen für die Zwerge. Jeder Besucher soll ein weiteres hinzubauen. Meine Architektinnen bauen gleich ein ganzes Quartier.

Nach einer Stärkung aus dem Rucksack spazieren wir – immer noch in Heiligkreuz – zum «Seelensteg». Als wir auf den Holzweg treten, der durch ein Waldstück führt, das seit dem Sturm Lothar im Jahr 1999 sich selbst überlassen ist, fragt meine jüngste Tochter, warum dieser Weg so heisst. Das zu beschreiben ist schwierig. Man muss es spüren.

Zwischen Heidelbeerbüschen und Farn sind Bäume, die aussehen, als hätten sie als Kulissen für die «Herr der Ringe» Filme gedient: umgekippte, moosüberwachsene Buchengerippe lehnen sich gegen spinnwebenverhangene Tannen. Immer wieder bleiben wir staunend stehen. Dieser Wald verströmt Mystik. Doch anders als ich haben die Kinder nach einer Stunde genug. Sie wollen wieder Action und versprechen sich das vom Zyberliland.

Zyberliland: wandern, reiten und Gold waschen

Dieses Erholungsgebiet ist auf der anderen Seite des Tals in Romoos. Dort lässt es sich wandern, reiten, Gold waschen und schmausen. Wir testen den Bärgmannliweg aus: ein Wanderweg für Kinder, der durch eine Freiluftschule zu einem Wasserspielplatz und einer Holzkugelbahn führt.

Die Mädchen finden den Weg «ganz okay», doch eher für jüngere Kinder. Nach so viel Wald an diesem Tag sind sie bald bereit für den Einzug ins familienfreundliche Bed and Breakfast in Hasle.

Esel auf dem Birkenhof.

Esel, Alpakas, Schweine...die Kinder kommen auf dem Birkenhof aus den «Jöööh!»s nicht mehr heraus

Am nächsten Morgen fahren wir auf direktem Weg zum Birkenhof bei Sörenberg. Die Kinder wollen erst den Bauernhof sehen, auf dem wir die zweite Nacht verbringen werden. Schon auf dem Parkplatz begrüsst uns Bäri, eine Berner Sennenhündin. Flugs legt sie sich auf den Rücken, um sich den Bauch kraulen zu lassen – ihre Lieblingsmasche, um die Sympathien der Gäste zu gewinnen, wie wir bald feststellen.

Die Kinder sind entzückt von unserer originellen Ferienwohnung, in der das Bad so gestaltet ist, als sei es ein eigenes Häuschen. Sie werfen ihre Rucksäcke hin und rennen gleich wieder hinaus, um auf den Weiden oberhalb des Hofs Esel und Lamas zu begrüssen. Da wir noch viel vorhaben, ziehen wir danach schon wieder weiter.

Kneippen begeistert Kinder

Die Mädchen möchten kneippen. Die Vorstellung, in eiskaltem Wasser die Lebensgeister anzuregen, macht sie – im Gegensatz zu mir – ganz kribbelig. Der Weg zur Anlage oberhalb von Flühli ist in der Frühsommerhitze schweisstreibend, doch wir werden mit zwei erholsamen Stunden auf dem Barfusspfad über Kiesel, Holzschnitzeln und Tannenzapfen rund um einen Weiher belohnt.

Während Mama schon nach der ersten Runde im Liegestuhl fläzt, macht die kleine Tochter noch fünf weitere – mit dem Resultat, dass ihre Jeans pitschnass sind.

Kühe auf dem Trotti-Weg.

Die einen wollen «fräsen», andere nehmen’s gemütlich. Fotos: Anouk Holthuizen

Mooraculum: der Moor-Erlebnispark

Sie wird heute nicht die einzige sein. Als die Mädchen später im Mooraculum, dem Moor-Erlebnispark auf der Rossweid, auf einem Floss ein wildes Piratenspiel machen, plumpst die Zwölfjährige mit einem lauten Schrei in den flachen See. Doch in diesem Alter lässt man sich nichts anmerken, weshalb sie trotz quietschenden Turnschuhen und dunkelblauen Jeans aufs Trotti steigen will. Zu viert brettern wir den Berg hinunter ins Dorf Sörenberg.

Das Abendessen nehmen wir in der Ferienwohnung ein. Die hungrigen Wölfinnen müssen allerdings warten – Mama ist erstmals mit einem Induktionsherd konfrontiert. Der Birkenhof bietet keine Gastronomie für die Bewohner der drei Wohnungen an, sonst hätte ich wohl schon früher kapituliert. Die Mädchen lassen sich gottseidank durch Go-Karts, Sandkastenbaggern und Tirolienne ablenken.

Ferien auf dem Bauernhof

Viele Kinder träumen davon, auf einem Bauernhof zu leben. Sie können es zumindest in den Ferien: Zahlreiche Höfe bieten Unterkünfte an und damit besondere Erlebnisse, um das Landleben kennen zu lernen. Zu finden unter myfarm.ch.

Auf dieser Webseite findet sich auch der Birkenhof bei Sörenberg. Er ist spezialisiert auf Erdbeer- und Heidelbeeranbau, Mutterkühe und Mastschweine. Vier Wohnungen, eine rollstuhlgängig, und eine Gruppenunterkunft laden zu naturverbundenen Ferien ein. Infos unter www.birkenhof.ch

Am letzten Tag geniessen wir Morgensonne auf dem Bauernhof. Wir sind nicht die einzigen Gäste, viele Kinder trudeln herum, später gehen sie mit dem Bauern die Tiere füttern. Wir haben jedoch ein besonderes Abenteuer vor: Zu Ross ziehen wir am Nachmittag unter der herzlichen Anleitung von Hans Stucki in die Berge hinauf.

Vier Stunden lang geht es durch Wald, Hochmoor und Geröll. Wir sind geübte Reiterinnen, doch nach diesem wunderbaren, aufregenden Trek sind wir nudelfertig und schaffen es gerade noch ins nächste Restaurant. Dank Cola und – nur für Mama – einer Büchse Red Bull – schaffen wir den Heimweg im Auto gerade noch, ohne einzuschlafen.

Zur Autorin

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Anouk Holthuizen ist Journalistin und Texterin und schreibt für verschiedene Medien für Print und Online, für Erwachsene und Kinder. Sie ist Mutter zweier Kinder.

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