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Weg mit der Windel! Wann Ihr Kind bereit ist trocken zu werden

Um trocken zu werden, braucht Ihr Kind kein Töpfchentraining, sondern das richtige Timing. Wie Sie erkennen, wann Ihr Baby bereit ist, die Windel abzulegen und wie Sie es beim Sauberwerden am besten unterstützen.

Die besten Tipps und Tricks zum Trocken werden.

Unter zwei Jahren ist das Töpfchentraining meist nur spielerisch. Trocken werden können Kinder erst später. Bild: iStock

Windelfrei sein, ist ein Meilenstein in der Entwicklung, auf den Eltern und Kind gleichermassen stolz sind. Dabei erbringt Ihr Baby die grösste Leistung, - wenn man es denn lässt. Denn den richtigen Zeitpunkt zu erkennen, wann das Kind windelfrei und bereit ist aufs Töpfchen oder die Toilette zu gehen, ist das Wichtigste, das Eltern tun müssen, um Ihr Baby bei diesem wichtigen Entwicklungsschritt zu unterstützen.

Trocken werden ist ein physiologischer Reifeprozess

Bis zum 18. Lebensmonat kann die überwiegende Mehrheit der Kleinkinder ihre Blasen- und ihren Darmentleerung noch nicht abhalten. Dennoch beginnt das Töpfchentraining häufig schon viel früher. Oft auch dann, wenn Ihr Baby körperlich noch gar nicht in der Lage ist, die dafür notwendigen Körperfunktionen gezielt zu steuern.

Bis in die 60er und 70er Jahre hat man schon Babys auf das Häfi gesetzt und versucht ihnen so schnell wie möglich abzugewöhnen, Windeln zu tragen. Doch Zürcher Studien zeigen, dass hier der Wunsch windelfrei zu sein, Vater und Mutter des Gedankens waren. Auch früher waren Babys nicht früher trocken als heute. Aber nicht jeder Haushalt konnte sich eine Waschmaschine leisten - und Pampers zum Wegwerfen gab es auch noch nicht.

«Eltern sollten mit der Sauberkeitserziehung so lange warten, bis Ihnen Ihr Kind von sich aus das Signal gibt, dass es damit beginnen will, sauber und trocken werden.»

Remo Largo, Schweizer Kinderarzt und Autor 

Hören Sie gerne weg, wenn man Ihnen rät, Babys so früh als möglich aufs Töpfchen zu setzen. Denn alles Üben bringt nichts, wenn die Zeit noch nicht reif für das Töpfchentraining ist. Und diese Zeit ist von Baby zu Baby verschieden. «Sauber werden ist ein Reifungsprozess des Gehirns, der bei jedem Kind unterschiedlich verläuft. Diese Entwicklung kann nicht von aussen gesteuert, sondern nur unterstützt oder angeregt werden.», sagt Claudia Sarkady, Autorin des Ratgebers «Family Guide - So wird mein Kind sauber ».

Mädchen sind durchschnittlich etwas früher soweit. 60 Prozent der Mädchen und 40 Prozent der Jungen erfüllen mit zwei Jahren die körperlichen Voraussetzungen, um tagsüber trocken und windelfrei zu werden. Mit 3 Jahren sind etwa 90 Prozent und 80 Prozent der Jungen reif genug Signale zu erkennen und das Pipi abzuhalten. Mit 4 Jahren sind in der Regel alle Kinder soweit entwickelt, dass sie auch nachts sauber bleiben.

Gewusst?

In afrikanischen Ländern werden Babys nah am Körper getragen.

Bild: Annie Spratt - Unsplash

Auf Kontinenten mit warmem Klima, wie Afrika, Asien und Südasien tragen Mütter ihre Säuglinge die meiste Zeit eng am Körper, meist ohne Windel. Dennoch werden Sie nicht eingenässt und beschmutzt. Dafür hat die Natur bei Säuglingen einen Reflex eingerichtet. Bevor sie Wasser lassen oder Stuhlgang haben, bewegt sich ihr Körper ruckartig und sie geben einen kleinen Schrei von sich. Hierzulande verliert sich dieses angeborene Verhalten schon nach wenigen Wochen, weil die Eltern nicht darauf reagieren.

Klassisches Töpfchentraining ist überflüssig

Kinder wachsen sprichwörtlich raus aus den Windeln. Wann genau es Zeit ist, die Windeln wegzulassen, zeigt Ihnen Ihr Baby durch seine Mimik, mit Worten und seiner Körperhaltung an. Sobald es bewusst spürt, dass Urin oder Kot kommt, verzieht es sein Gesicht, wird rot, zieht den Unterleib ein, stelllt sich in eine Ecke oder legt eine Hand in den Schritt. Und vielleicht sagt es Ihnen vielleicht auch schon, dass es jetzt muss: «Schnell, es kommt!» 

Und dann sollten Sie auch handeln. Nicht nur, um das kleine Malheur zu vermeiden, sondern um die Gelegenheit, die Ihr Kind bietet, nicht zu verpassen. «Die Annahme es würde eines Tages der Windel selbst überdrüssig ist falsch.», schreibt Largo. Das Kind könne sich trotz körperlicher Voraussetzungen zum Trocken werden, leicht daran gewöhnen, in die Windel zu machen. Dieses Verhalten wieder umzuerziehen, sei allerdings sehr viel schwieriger.

Gagi, bitte nicht, igittigitt

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Wie die Grossen. Kinder brauchen Vorbilder um das Trocken werden zu erlernen. Bild: iStock

Büchertipps

  • Jakob und sein Töpfchen von Nele Banser
  • Töpfchen-Buch von Dorling Kindersley
  • Ich will mein Töpfchen von Tony Ross
  • Der kleine Klo-König von Sandra Grimm

1 Tipp: Windelfrei werden Erklären Sie Ihrem Baby auch, was auf dem Töpfchen passiert. Denn manche Kinder, sind emotional überwältigt, wenn tatsächlich etwas aus Ihnen herauskommt und im Töpfchen oder der Toilette landet. Was geht das? Kinder wollen verstehen was «Bisi» und «Gagi» sind, das dies durch den Popo und das Pipi entleert wird und dass jeder - ob Mami, Papi, Grosi und auch das Büsi dieses Bedürfnis haben. 

2 Tipp: Windelfrei werden Keine falsche Scham! Die Einstellung der Eltern zu «Bisi» und «Gagi» kann sich auf das Kind übertragen. Deshalb ist es unangebracht sich als Elternteil bei einer vollen Windel vor Ekel zu schütteln und zu rufen: «Igitt, ist das widerlich.» Ein Kind sollte den Kreislauf des Essens erfahren: Wir essen und was der Körper nicht mehr braucht, kommt als «Abfall» wieder raus. 

3 Tipp: Windelfrei werden Auch Rollenspiele eignen sich bei skeptischen Kindern gut zur Vorbereitung. Lassen Sie das Lieblingsstofftier jeden Morgen nach dem Frühstück auf das Häfeli machen. Loben Sie den Hasen. Und beziehen Sie Ihr Baby mit ein: «Siehst du, wie toll der Hase Bisi ins Häfi machen kann? Jetzt braucht er keine Windel mehr und ist schon richtig gross.» Sie sollten das Spiel ein paar Mal wiederholen ohne Erwartungen. Wenn Sie Ihr Kind schon beim ersten Mal euphorisch auf das Töpfchen drängen, geht das Spielerische dabei verloren. 

4 Tipp: Windelfrei werden Entwickelt sich der Toilettengang bald zu einem Kampf und das Kind weigert sich, sollten Sie sich und Ihrem Kind den Stress ersparen und einfach einige Wochen abwarten. In dieser Zeit können Sie das Thema im Alltag präsenter machen und Ihr Kind gedanklich anschubsen. Sagen Sie beispielsweise: «Oh, Mami merkt jetzt, dass sie Bisi muss. Ich gehe deshalb aufs WC.» Auch Bilderbücher wie «Jakob und sein Töpfchen» oder «Der kleine Klo-König» führen an das Thema heran.

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Kinder bewältigen das Töpfchentraing grösstenteils selbstständig. Aber Ein wenig dürfen Eltern noch helfen. Bild: iStock

Wenn das Kind bereit ist, sollten Sie jetzt tagsüber auch bereit sein, die Windeln wegzulassen. Planen Sie zwei bis sechs Wochen ein. 

1 Kinder brauchen Vorbilder

Kleinkinder erfahren am ehesten, welchen Zweck die komische weisse Schüssel hat, wenn sie Mama und Papa ab und zu auf der Toilette «erleben». Nehmen Sie Ihr Baby mit auf die Toilette, sobald es Interesse zeigt. Ein Kind braucht Beispiele, um zu lernen, wie es sich beim Verrichten seines Geschäfts zu verhalten hat. Im Vorteil sind Kinder, die bereits ältere Geschwister oder Krippenkollegen haben. Lassen Sie Ihr Baby auch die Spüle drücken. Kinder finden das meist hochspannend.

2 Bitte, einfach ausziehen

Ihr Baby will möglichst selbständig auf die Toilette gehen. Störend sind dabei natürlich Kleider, die es nicht alleine ausziehen kann. Beim Anziehen haben kleine Kinder oft noch Mühe. Ein kleiner Trick hilft: Wenn es eine Hand am hinteren Bund der Hose hat, gelingt es besser, die Hose wieder anzuziehen. Allerdings gelingt das Putzen meist weniger gut, mit Toilettenpapier. Legen Sie feuchte Tücher bereit und reinigen Sie das Kind nochmal, falls nötig.

Hilfreiche Utensilien 

  • Klodeckel für Kinder bzw. Töpfchen
  • Hocker zum auf die Toilette zu steigen 
  • Leicht an- und auszuziehende Kleider
  • Windelpants
  • Ersatzkleidung
  • Bilderbücher übers Trocken werden

3 Töpfchen oder Toilettenring?

Manche Kinder wollen kein Töpfchen benutzen, sie möchten damit beginnen, es ab jetzt wie die Grossen machen. Hier eignet sich ein Toilettenring, ein Aufsatz, auf dem Kleinkinder sicher sitzen können, ohne sich extra abzustützen.

4 Rituale

In vielen Krippen gehen Kinder ab einem gewissen Alter gemeinsam zu bestimmten Zeiten aufs Häfi oder das WC. Das können Sie sich sobald Ihr Baby einige Male allein auf der Toilette war zuhause ebenso zur Angewohnheit machen. Zum Beispiel morgens vor dem Zmorge, nach dem Zmittag und vor dem Zubettgehen. Wichtig dabei: wenn nichts kommt, kommt nichts. Ein Kind sollte nicht ewig allein auf der Toilette sitzen. Setzen Sie sich dazu und sprechen mit ihm oder schauen ein Bilderbuch an. Und haben Sie Verständnis, wenn 10 Minuten später doch muss oder es in der Nacht falschen Alarm auslöst.

5 Geduld - und das Kind selber machen lassen

Drohen, Schimpfen und Strafen hilft nicht, ein Kind schneller trocken werden zu lassen. Im Gegenteil. Auf die Toilette gehen, wird so zu einer unangenehmen Pflicht. Auch nehmen Sie Ihrem Kind damit die Gelegenheit, aus eigener Kraft ohne Windeln klar zu kommen. Eine Leistung, die Sie nicht nur freuen wird, sondern auch sein Selbstwertgefühl stärken wird. 

Nachts trocken werden dauert oft etwas länger

Bis Kinder lernen, auch in der Nacht trocken zu bleiben, ist es ein längerer Weg, bei dem Eltern viel Geduld haben müssen. Denn, es ist wesentlich schwerer, die Kontrolle über die Blase zu erlernen als über den Darm. So kommt es vor, dass manche Kinder nachts noch einnässen, weil sich das Gespür oder Empfinden für eine volle Blase noch nicht so weit entwickelt hat oder sie einfach im Tiefschlaf und die Signale nicht merken. Eine Auflage, welche die Matratze vor Feuchtigkeit schützt, ist eine gute Anschaffung. Wenn ein Kind ab dem fünften Lebensjahr noch einnässt und nachts noch nie ganz trocken war, kann dies ein Anzeichen für eine genetisch bedingte Reifungsverzögerung aber auch für eine Erkankung sein. 

Rückfalle können psychische Ursachen haben

War ein Kind in der Nacht schon länger als sechs Monate trocken und nässt plötzlich wieder regelmässig ein, kann dies ebenfalls ein Hinweis auf psychische Ursachen sein, wie zum Beispiel die Geburt eines Geschwisterkindes, die Scheidung der Eltern oder ein Umzug. In jedem Fall sollte der Kinderarzt aufgesucht werden, um körperliche Ursachen auszuschliessen.»