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Sprechen lernen: Von Baby ersten Worten zur kleinen Plaudertasche

Eltern können die ersten Wörter des eigenen Kindes kaum erwarten. Bei vielen Kindern ist dies etwa mit einem Jahr der Fall. Setzen Sie Ihr Kind aber nicht unter Druck. Die Sprachentwicklung verläuft bei Kindern ganz individuell. Erst wenn Ihr Kind mit 15 Monaten noch gar keine Worte von sich gibt, sollten Sie Ihren Kinderarzt darauf ansprechen. Eltern fördern die Sprachentwicklung beim Baby am besten, indem sie ganz viel mit ihm sprechen: Lesen Sie Geschichten vor, erklären Sie, was Sie gerade machen oder singen Sie etwas vor. Wie Ihr Baby Schritt für Schritt zu sprechen lernt. 

Wenn Babys die ersten Wörter sprechen, ist das ein toller Erfolg.

Mit etwa einem Jahr können Babys die ersten Worte ausdrücken. Bild: Comeback Images, Getty Images

Sprache lernen: Das Wichtigste in Kürze

  • In den ersten Lebensmonaten sollten Eltern bereits viel mit dem Kind sprechen. Das Kind lernt so Stimmfarbe und Emotion kennen. Mehr Tipps
  • Die meisten Kinder können mit einem Jahr ihre ersten Worte sagen. Dann versteht das Kleinkind bereits den Zusammenhang zwischen Wort und Ding. Danach erweitern sie den Wortschatz laufend. Bis zum zweiten Geburtstag lernen Kinder zudem Zweiwortsätze zu bilden. Mehr zur Entwicklung.
  • Wenn Kinder mit etwa 15 Monaten noch keine Worte von sich geben oder mit zwei Jahren noch keine Zwei-Wort-Sätze bilden, sollten Sie Ihren Kinderarzt darauf ansprechen. Mehr dazu. 
  • Am ehsten lernen Kinder sprechen, indem man viel mit ihnen spricht: Vorlesen und Geschichten erzählen, hilft den Kindern bei der Sprachentwicklung. Es hilft auch, Worte und Tätigkeiten durch Beispiele im Alltag zu erklären. So fördern Sie Ihr Kind.
  • Bilingual aufzuwachsen ist kein Problem, denn im Vorschulalter lernen Menschen Sprachen am besten. Viele Kinder wachsen zweisprachig auf. Zwar ist der Wortschatz dann am Anfang meist kleiner, Kinder lernen aber beide Sprachen recht schnell. Mehr dazu.
  • Kinder müssen lernen, Gefühle zu bennen. Wie Eltern diese Kompetenz fördern. 

Mit dem ersten Schrei nach der Geburt beginnt das Neugeborene zu kommunizieren. In den ersten Monaten wird Ihr Kind die Mittel nutzen, die ihm zur Verfügung stellen, um sich Ihnen mitzuteilen: Das Baby weint, quengelt, lacht, babbelt. Auch die Körpersprache ist ein wichtiges Kommunikationsinstrument für das kleine Menschlein. Die Sprache wird erst später zum wichtigsten Kommunikationstool. Was nicht heisst, dass es nicht schon in den ersten Wochen und Monaten wichtig ist, mit dem Kind zu sprechen. 

So lernt Baby sprechen: Sprachentwicklung durch Zuhören

Für Babys ist kaum etwas so interessant wie die Stimme von Mama und Papa. Und: Ihre Stimme trägt auch am meisten zur Sprachentwicklung bei! Sie kann erzählen, singen, reimen und mehr. Ihre eigene Stimme ist das beste und günstigste Förderprogramm für die Sprachentwicklung. Sprechen Sie von Geburt an viel mit Ihrem Kind. Nur durch das konstante Reden im Alltag unterstützen Eltern den Spracherwerb und den Wortschatz ihres Kindes. Durch vorgelesene Geschichten wird der Wortschatz bei Ihrem Baby erweitert, die Fantasie angeregt und Wissen vermittelt. Es müssen und sollen aber nicht nur Geschichten sein: Erklären Sie Ihrem Kind alltägliche Tätigkeiten und fassen Sie Vorgänge in Worte. Auch der Tonfall, die Stimmfarbe, wird Ihrem Kind schon erste Eindrücke und Botschaften vermitteln. 

Wann sprechen Babys die ersten Worte?

Die meisten Kinder sprechen um den ersten Geburtstag herum ihre ersten Wörter, die oft aber nicht identisch mit den Wörtern ihrer Umgebung sind, erklärt Sabine Stoll, Sprachwissenschaftlerin an der Universität Zürich, uns im Interview. Das heisst: Sie klingen ganz anders als das 'echte' Wort dafür. Manche Kinder beginnen schon mit neun Monaten zu sprechen, andere erst mit 15 Monaten. Dass manche Kinder später mit dem Sprechen beginnen als andere, kann laut Sabine Stoll genetische oder psychische Gründe haben. Wenn ein Kind mit allerspätestens 15 Monaten noch keine Wörter äussert, sollten Eltern versuchen, den Grund beim Kinderarzt abzuklären.

Auch nach den ersten Worten verläuft die Sprachentwicklung bei allen Kindern unterschiedlich schnell. In der Regel bilden Kleinkinder um den zweiten Geburtstag herum Zweiwortsätze wie zum Beispiel «Ball weg», was «Der Ball ist weggerollt» bedeutet, oder «Kuh essen», also «Die Kuh frisst». Sie drücken sich zu Beginn der Sprachentwicklung vor allem mit Wörtern aus, die für die Kommunikation wichtig sind. Kleine Wörter, wie zum Beispiel «der», «die» und «das» werden weggelassen.

Sprechen lernen: Phasen der Sprachentwicklung

1 Schreien, weinen und lachen: Auch wenn Ihr Kind im ersten Jahr noch nicht spricht, teilt es Ihnen doch klar mit, wie es ihm geht und was es will. Die erste Form der Kommunikation ist Schreien. Das Baby äussert so, dass es Hunger hat oder es ihm nicht gut geht. 

2 Babbeln: Im Alter von sechs Monaten bis ein Jahr erzeugt das Kind seine ersten Silbenketten, das typische Baby-Gebabbel beginnt. Das Kind ahmt so den Sprachfluss nach, den es von den Eltern hört. Dies ist die Grundlage für die weitere Sprachentwicklung.

3 Die ersten Worte: Mit etwa 9 bis 15 Monaten sagen Babys ihre ersten Worte, zum Beispiel Mama oder Papa. Das Kleinkind lernt nun nach und nach den Zusammenhang zwischen Wort und Gegenstand.

4 Der Wortschatz entsteht und wächst: Nach den ersten Worten wächst der Wortschatz des Kindes. Ab etwa 18 Monaten lernt das Kind, mit Worten gezielt Gegenstände zu benennen. Das Kind versucht nun auch zu fragen, was das Wort für einen bestimmten Gegenstand ist und baut sich so aktiv seinen Wortschatz auf.

5 Worte verbinden: Das Kind lernt nun, Worte zu verbinden: Es bildet etwa um den zweiten Geburtstag herum seine ersten Zweiwortsätze. 

6 Grammatik: Mit 2 bis 3 Jahren lernen Kinder mehr und mehr, wie man sich korrekt ausdrückt. Durch Korrigieren der Eltern lernt es, die Grammatik richtig anzuwenden und kann nach und nach richtig sprechen.

7 Das Gelernte festigen: Mit drei bis vier Jahren fragen Kinder immer «Warum?». Der Wissenshunger der Kleinen ist nun kaum zu bändigen. Während es ganz viel fragen will, lernt Ihr Kind gleichzeitig, Grammatik und Satzstruktur zu festigen.

Kind spricht nicht? Wann Sie zum Arzt sollten

Wenn ein Kind mit allerspätestens 15 Monaten noch keine Wörter äussert, sollten Eltern versuchen, den Grund beim Kinderarzt abzuklären. Auch wenn Kinder mit ungefähr zwei Jahren noch keine Zweiwortsätze sprechen, nur sehr wenige Wörter zur Verfügung haben oder Sprache schlecht verstehen, ist auf jeden Fall eine logopädische Abklärung nötig. Der Kinderarzt kann Adressen vermitteln. Eltern können in vielen Kantonen auch direkt mit einem Logopäden Kontakt aufnehmen. Auf der Website www.logopaedie.ch gibt es Adressen und Kontaktdaten.

Learning by doing: Sprache lernen und ausbauen beim Entdecken mit den Eltern

Das Kind kann mit etwa vier Jahren gut sprechen. Das Lernen geht aber weiter, denn mit dem Nachwuchs zu sprechen ist ein Lebenswerk. In den ersten vier bis sechs Lebensjahren geht es darum, den Grundwortschatz und Satzbildung der Sprache zu vermitteln. Der Sprachschatz des Babys muss nun kontinuierlich erweitert werden. Dies geschieht am besten durch Tun: Was ein Kreuzschlitzschraubenzieher ist, erfährt der Fünfjährige, wenn er mit dem Papa in der Garage werkeln darf. Die Vierjährige lernt bei einem Waldspaziergang, dass der komische Fisch im Wasser eine Kaulquappe ist und aus ihr später ein Frosch wird.

Tipps zur Förderung der Sprachentwicklung

1 Mit Baby sprechen

Schon als Baby nimmt Ihr Kind wahr, wie viel sie mit ihm kommunizieren. Sprechen Sie möglichst viel mit Ihrem Baby. So lernt es Ihre Stimmfarbe und die Emotionen der Sprache kennen.

2 Sprechen lernen: Nicht überfordern

Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind viele Möglichkeiten und Gelegenheiten bekommt, Sprache zu erleben und sich selbst auszudrücken. Wenn Sie Ihr Kind ansprechen, dann passen Sie sich dem Entwicklungsstand des Kindes an. Langsames, wiederholendes Sprechen entspricht dem, was Ihr Baby aufnehmen kann.

Im Kleinkindalter sollten Sie auf Babysprache verzichten. Auch die Wortwahl ist entscheidend, benutzen Sie eine einfache Sprache. Mimik und Gestik sind Teil der Kommunikation. Wenn Ihr Kind noch nicht spricht, aber viel zeigt, ist das seine Art der Mitteilung. Gehen Sie unbedingt darauf ein und ignorieren Sie es nicht. Lobe Sie Ihr Kind, auch wenn es bislang nur brabbelt. So entwickelt Ihr Kind Selbstvertrauen.

3 Ermutigen Sie Ihr Kind: Fragen stellen, Selbstgespräche führen lassen

Ermutigen Sie Ihr Kind, beantworten Sie seine Fragen und lassen Sie es Selbstgespräche führen. Ihr Kind versucht sich mitzuteilen und übt auf diese Weise. Die vielen Fragen sind Teil der Kommunikation. Wenn Ihr Kind Fehler macht und Worte noch nicht korrekt aussprechen kann oder die falsche Zeitform benutzt, ist das normal. Wiederholen Sie das, was das Kind sagt, in korrekter Weise aber nicht belehrend. Gehen Sie auf die Reaktionen des Babys ein, folgen Sie seinem Interesse. Wenn es beispielsweise mit einem Kuscheltier «redet», können Sie auch darüber sprechen. So unterstützen Sie Wort für Wort den Spracherwerb Ihres Kindes.

4 Geschichten erzählen und Vorlesen

Sprache erzählt Geschichten, deshalb weckt der Erzählvorgang bei Kindern das Interesse für das Gesprochene. Lesen Sie zusammen ein Buch mit ganz vielen Bildern. Auch wenn das Baby die Geschichte noch nicht verstehen mag, helfen Bildchen und die dazugehörigen Wörter bei der Sprachentwicklung.

Zweisprachig aufwachsen: Können Kleinkinder zwei Sprachen lernen?

Viele Kinder wachsen in Haushalten auf, in denen mehrere Sprachen gesprochen werden, weil die Eltern eine andere Muttersprache haben. Diese kann von Beginn an gefördert werden, denn in den ersten Lebensjahren lassen sich Sprachen am besten lernen. Mehrsprachigkeit kann dazu führen, dass das Kind zunächst einen kleineren Wortschatz hat und in einfacheren Sätzen spricht. Das holt Ihr Kind aber schnell wieder auf.

Mit Kindern über Gefühle sprechen

Das Baby schreit, um seine Gefühle auszudrücken. Kleine Kinder müssen nach und nach lernen, ihre Gefühle in Worte zu fassen. Gefühle bennen zu können, ist eine wichtige Kompetenz, mit der übrigens auch viele Erwachsene Mühe haben.

Eltern können bereits früh mit Kindern über ihre Gefühle sprechen. Es bietet sich an, beim ins Bett bringen nachzufragen: Was war heute schön? Was hat dich glücklich gemacht? Warst du heute traurig? Gemeinsame Gespräche verbinden die Familie und vermitteln dem Baby, dass es wichtig ist, miteinander zu sprechen und sich auszutauschen. Ausserdem wird die Kommunikationsfähigkeit und Empathie des Kindes gefördert.