Mütterberatung: Weil Vorsorge besser als Nachsorge ist

Wenn ein Kind auf die Welt kommt, ergeben sich viele neue Fragen. Antworten finden Eltern immer öfter bei der Mütterberatung und Väterberatung. Die Müttterberatin Manuela Meyer-Mäder aus Villmergen (AG) erzählt im Interview von ihrem spannenden Alltag im Bezirk Muri.

Eine Mütterberaterin hilft frischgebackenen Müttern

Die Mütterberaterin Manuela Meyer-Mäder schätzt besonders, dass sie Familien nicht nur kurz, sondern wenn nötig über ein längeren Zeitraum begleiten kann. Foto: Zoonar, Thinkstock

Die Mütter- und Väterberatung hilft nicht nur bei Notfällen. Vielmehr hat sich die Institution der Mütter- und Väterberatung als sozial- und präventivmedizinisches Angebot der Gemeinden und Kantone etabliert. Dass es sich dabei um eine Beratungsleistung für Mütter und Väter handelt, ist der Mütterberaterin Manuela Meyer-Mäder ausserordentlich wichtig. «Die Tür der Mütter- und Väterberatung steht alle offen», betont sie im Interview mit familienleben.ch. Und dass das Angebot auch wahrgenommen wird, zeigt ein Blick auf die Statistik. 80 Prozent aller Familien mit kleinen Kindern haben mindestens drei Mal Kontakt zur Mütter- und Väterberatung. Erfahren Sie im Gespräch mit Manuela Meyer-Mäder bei welchen Fragen die Mütter- und Väterberatung helfen kann und warum junge Familien manchmal etwas mehr Gelassenheit vertragen könnten.

Eine Berufsausbildung dauert mehrere Jahre, eine Ausbildung für Eltern gibt es dagegen nicht. Junge Eltern müssen sich im Alltag zwangsläufig oft überfordert fühlen …

Ja, junge Eltern leben heute nicht mehr in Grossfamilien, in denen Grosseltern mit Rat und Tat zur Seite stehen. Mit ihren neuen Aufgaben müssen sie oft allein klar kommen. Eine Mutter kam neulich zu mir und sagte: «Ich habe als Managerin 200 Leute geführt. Aber ich schaffe es nicht, mit meiner Kleinen den Alltag zu organisieren. Abends bin ich völlig k.o. und nicht einmal geduscht.»

Mit welchen Fragen werden Sie in der Mütterberatung konfrontiert?

Viele Mütter suchen Unterstützung und Bestätigung in ihrer neuen Rolle. Dazu kommen fachspezifische Fragen zu Themen wie Stillen, Ernährung, Pflege, Entwicklung, Erziehung etc. Oft sind sich Eltern unsicher, ob sich ihr Kind gut entwickelt. «Mein Kind ist 15 Monate und läuft noch nicht. Muss ich mir Sorgen machen?» ist zum Beispiel eine typische Frage.

Informationen zur Mütter- und Väterberatung

  • Die Mütter- und Väterberatung ist ein Angebot aus dem sozial- und präventivmedizinischen Bereich. Träger sind privatrechtliche Organisationen oder öffentlichrechtliche Institutionen, die durch die Gemeinden und Kantone finanziert werden.
  • Die Mütter- und Väterberatung steht allen Familien mit Kindern im Alter von 0-5 Jahren offen. Die Angebote reichen von telefonischer Beratung über Beratung in den Gemeinden und Quartieren bis hin zu Hausbesuchen.
  • Die Mütterberatung  unterstützt Eltern bei der körperliche, seelische und geistige Entwicklung ihrer Babys und Kleinkinder und berät bei Fragen zum Stillen, zur Ernährung sowie zur Pflege und Erziehung.
  • Die Mütter- und Väterberatung in der Regel kostenlos. In manchen Kantonen wird um einen freiwilligen Beitrag gebeten.

Weitere Infos unter muetterberatung.ch.

 

 

Wie kann die Mütter- und Väterberatung Familien helfen?

Mütterberaterinnen können Familien – Müttern, Vätern, auch Grosseltern - auf vielfältige Weise unterstützen, zum Beispiel durch aktives Zuhören und praktische Hilfe. Für Eltern ist es wichtig, eine niederschwellige Anlaufstelle zu haben, wo sie individuelle Unterstützung erhalten. Zudem vermitteln wir Kontaktadressen von anderen Fach- und Beratungsstellen, sowie Angebote für Familien.

Wie finden Eltern zur Mütter- und Väterberatung?

In der Regel bekommen Eltern Informationen über die Dienstleistungen der Mütter- und Väterberatung bereits nach der Entbindung im Spital oder von ihrer Hebamme. Gleichzeitig leiten auch die zuständigen Gemeindebehörden die Geburtsmeldungen an die Mütter- und Väterberatung weiter. Wir nehmen dann telefonisch mit den Familien Kontakt auf. Wenn wir niemanden erreichen, stellen wir in einem Brief unsere Angebote vor.

Sie arbeiten bereits seit 1999 als Mütterberaterin. Hat sich die Mütterberatung in dieser Zeit verändert?

Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft verändern sich ständig – dadurch wandeln sich auch die Anforderungen an die Mütterberaterinnen und die Eltern. Nicht nur unterschiedliche Familienmodelle werfen neue Fragen auf. Verunsicherung bei den Eltern entsteht auch durch die ungeheure Informationsflut.

Auch die Wissenschaft kommt zu immer neuen Erkenntnissen …

Ja, was Eltern zum Beispiel noch vor fünf Jahren zur Allergievorbeugung erklärt wurde, hat heute bereits viel weniger Bestand. In meinem Beruf muss man sich ständig weiterbilden, interdisziplinär arbeiten und mit Fachpersonen austauschen, um für Familien ein verlässlicher Partner sein zu können.

Was fasziniert Sie an Ihrem Beruf als Mütterberaterin?

Mein Berufsleben habe ich im Spital als diplomierte Kinderkrankenschwester begonnen, heute heisst das Pflegefachfrau mit dem Schwerpunkt Kind und Familie. Deshalb schätze ich heute besonders, dass ich nicht nur das Kind, sondern die ganze Familie begleiten kann – und zwar nicht nur kurz, sondern wenn nötig über einen längeren Zeitraum. Die Mütter- und Väterberatung wirkt präventiv und trägt dazu bei, Folgekosten für frühere Versäumnisse zu verringern. Die Dienstleistung ist aus der Einsicht entstanden und gewachsen, dass die Förderung der Gesundheit sinnvoller ist, als die Behebung von Störungen.

Haben Sie eine Botschaft, die Sie Familien gerne vermitteln wollen?

Jedes Kind ist einzigartig. Und auch jede Familie ist anders – in ihren Gewohnheiten, Prägungen und Wertvorstellungen zum Beispiel. Deshalb gibt es in vielen Fragen keine Patentrezepte. Was beim Nachbarn funktioniert, muss für die eigene Familie noch lange nicht gut sein. Darüber hinaus tut ein wenig Gelassenheit gut. Die Entwicklung vom Paar zur Familie geht nicht von heute auf morgen. Alltagsstrukturen, Wertvorstellungen und Rollenverständnis brauchen Zeit, um sich zu entwickeln. Die perfekte Familie gibt es nicht.

Zur Person Manuela Meyer-Mäder:

Manuela Meyer-Mäder

 

Manuela Meyer-Mäder aus Villmergen ist seit 1999 Mütterberaterin HFD. Die Mutter von drei Kindern arbeitet in der Mütter- und Väterberatung im Bezirk Muri (AG). Ausserdem ist sie Vorstandsmitglied des Schweizerischen Berufsverbandes der Mütterberaterinnen (SVM). Die Mütter- und Väterberatung wird flächendeckend in der ganzen Schweiz angeboten.

Weiterführende Linktipps:

 

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