Ist es okay, fremde Kinder zu erziehen?

Wie reagieren Eltern richtig, wenn fremde Kinder sich auf dem Spielplatz daneben benehmen? Kann es hier helfen, sich einzumischen und die Kinder zu erziehen? Erziehungsberater Hermann Scherer-Englisch erklärt, wie weit Eltern gehen dürfen.

Erziehen von anderen Kindern ist erlaubt

Ist es hier gut fremd zu erziehen? Gerade auf dem Spielplatz gibt es häufig Konflikte unter Kindern und Eltern. (Bild: Imageegaml/iStock, Thinkstock)

Alle Eltern kennen das: Das eigene Kind steht an der Schaukel und möchte auch drankommen. Doch ein fremdes Kind will das Spielgerät einfach nicht verlassen. Was nun? Wie sollten Erwachsene mit dem fremden Kind umgehen?

Laut Erziehungsberater Hermann Scherer-Englisch reagieren viele Eltern hier falsch, indem sie entweder das Fehlverhalten des fremden Kindes ignorieren oder es anschreien und zu emotional reagieren. Wie er gestern in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung verriet, ist es besser das eigene Kind zu ermutigen nach einer kurzen Wartezeit selbst nachzufragen. In der Regel liessen sich die fremden Kinder darauf ein.

Schreit ein Elternteil ein fremdes Kind an, erwacht auch bei den Eltern der Beschützerinstinkt und das Kind fühlt sich gedemütigt. «Besser wäre es, möglichst sachlich und mit positiver Botschaft dazwischenzugehen und allgemeine Regeln in den Vordergrund zu stellen: "Ich mag nicht, dass sich Kinder schlagen und eines dem anderen wehtut. Es ist schöner, wenn Kinder gut miteinander spielen und sich abwechseln." So bekommt das fremde Kind Rückmeldung auf sein Verhalten, ohne sich angegriffen zu fühlen», rät Scherer-Englisch. Sind die Eltern des anderen Kindes gut gute Bekannte, können auch diese nach Meinung des Experten sachlich und nicht vorwurfsvoll angesprochen werden. Beide Elternpaare können sogar vereinbaren, mit erziehen zu dürfen, wenn das andere Kind oft im eigenen Haus zu Gast ist.

Regeln des sozialen Miteinanders verdeutlichen

Wichtig ist es beim Fremderziehen auf die Regeln des sozialen Miteinanders zu bestehen. «Schliesslich haben Erwachsene immer eine Vorbildfunktion und tragen zumindest teilweise eine öffentliche Erziehungsverantwortung», meint der Experte. Durch das Feedback von anderen Personen als den eigenen Eltern lernen Kinder laut Hermann Scherer-Englisch, dass es in der ganzen Erwachsenenwelt wichtige Regeln gibt: «Es wird nicht beschimpft, nicht gekränkt, nicht geschlagen und es werden keine Dinge genommen, die einem nicht gehören. Leider treten viele Erwachsene Kindern gegenüber dabei oft sehr bedrohlich und kinderfeindlich auf: "Ihr dürft hier nicht spielen! Weg hier!" Da lernen sie natürlich nicht viel.»

Die richtige Reaktion, wenn andere das eigene Kind fremd erziehen

Viele Eltern reagieren auch gereizt, wenn andere das eigene Kind fremd erziehen wollen. Scherer-Englisch meint dazu: «Das Problem dabei ist: Entweder sie sehen ihr Kind bedroht und wollen es verteidigen. Oder sie fühlen sich selbst in ihrem Erziehungsstil kritisiert.» Er rät zu einer anderen Reaktion: Wenn die fremde Person recht habe und das Kind nicht geängstigt hat, dürfen Mami und Papi zustimmen. Benimmt der Fremde sich daneben, muss das Kind natürlich beschützt und die Situation ruhig geklärt werden. «Bleibt der Fremde uneinsichtig, kann man dem Kind durchaus zeigen, dass man das auch nicht in Ordnung findet», so der Erziehungsberater.

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