Kind > AlleinerziehendAlleinerziehend und Karriere: Was du aus der Geschichte von Katharina Fasko für deinen Alltag mitnehmen kannst Angela Zimmerling Katharina Fasko ist Managerin mit Perfektionsanspruch. Im Beruf und im Privatleben. Als alleinerziehende Mutter hat sie einen beeindruckenden Lebenslauf vorzuweisen. Ihre Geschichte kann Mut machen – und dir gleichzeitig ganz konkrete Ideen geben, wie Vereinbarkeit im Alltag praktikabler wird. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Viel Zeit mit dem Kind zu verbringen, das ist für berufstätige Alleinerziehende manchmal sehr schwierig. Organisieren, priorisieren, improvisieren: Für viele Alleinerziehende sind das keine «Soft Skills», sondern tägliche Überlebensstrategien. Auch für Katharina Fasko war klar: Ohne Disziplin und Planung hätte sie es nicht geschafft, ihren verantwortungsvollen Beruf als Managerin in einem grossen Industriekonzern mit ihrem Leben als alleinerziehende Mutter zu vereinbaren. Phasenweise musste sie funktionieren wie eine Maschine – Managerin im Job, Kind-Managerin zu Hause. Der selbstbewussten Frau sieht man nicht an, wie belastend diese Zeit oft war. Sie wirkt jung, lacht viel und strahlt Energie aus. Gleichzeitig erzählt ihre Geschichte auch von innerem Druck: dem Anspruch, alles richtig zu machen, und dem Gefühl, immer «zu wenig» zu sein – im Beruf und als Mutter. Katharina Fasko schaffte es als Alleinerziehende, Kind und Karriere unter einen Hut zu bringen. Foto: privat Phase 1: Frühe Schwangerschaft – und plötzlich Verantwortung Mit 17 Jahren war Katharina Faskos Teenagerzeit vorbei: Sie war schwanger von ihrem ersten Freund. Sie wollte die Matur und ein Studium machen – doch mit einem Kind stand plötzlich alles in Frage. Wie sollte sie den Schulabschluss zwischen Windeln wechseln und Stillen schaffen? «Es war für mich völlig klar, das Kind zu bekommen», sagt sie. Auch ihre Eltern rieten ihr, nicht abzutreiben. Sie versprachen Unterstützung, obwohl die Situation für alle herausfordernd war. Als Katharina Fasko ihrem Lehrer sagte, dass sie schwanger sei und nach der Geburt freinehmen wolle, reagierte er überrascht, gab ihr aber sein Okay – unter der Bedingung, dass sie den Notenschnitt schaffen müsse. Nur etwa sechs Wochen blieb sie mit ihrem Sohn Manuel nach dessen Geburt zu Hause, dann ging sie zurück in die Schule. Während sie Gleichungen löste und Aufsätze schrieb, übernahm ihre Mutter die Betreuung. Vom Kindsvater hatte sie sich mittlerweile getrennt, «freundschaftlich», wie sie betont. Er übernahm an einem Tag in der Woche die Betreuung. «Das war eine schwierige Zeit für uns alle», blickt sie zurück. «Es war, als wäre um mich herum eine Wolke gewesen. Ich habe nicht viel mitbekommen und nur funktioniert wie eine Maschine.» Was Eltern in dieser Phase oft beschäftigt – und was hilft Viele Alleinerziehende kennen diese Mischung aus Zeitdruck, emotionaler Überforderung und dem Gefühl, keine echte Wahl zu haben. Aus entwicklungspsychologischer Sicht ist nicht «Perfektion» entscheidend, sondern verlässliche, feinfühlige Bezugspersonen und Alltagssicherheit. Wenn du in einer intensiven Phase bist, darfst du dir deshalb zwei Dinge bewusst erlauben: Genug ist genug: Dein Kind braucht keine perfekte Mutter oder perfekten Vater, sondern eine ausreichend verlässliche Bezugsperson. Stabilität schlägt Idealpläne: Ein klarer Tagesablauf (auch wenn er schlicht ist) entlastet dich und gibt deinem Kind Orientierung. Hilfe ist kein Luxus: Unterstützung durch Familie, Krippe, Tagesfamilie oder Nachbarschaft ist nicht «Versagen», sondern ein Schutzfaktor. Nach dem erfolgreichen Schulabschluss zog sie mit Manuel in eine eigene Wohnung. Sie organisierte für ihren Sohn eine Kinderkrippe. Von ihren Eltern erhielt sie finanzielle Unterstützung und vom Kindsvater Alimente. Es war ein fixes Budget, das sie – ganz Managerin – so gut es ging im Blick behielt. Phase 2: Studium – pragmatisch planen, sozial aber oft allein Auch während des Studiums kam ihr der Managergeist zugute. Sie studierte Betriebswirtschaft an der Universität Zürich, ein «vernünftiges Studium», wie sie findet, «das schnell zu einem ökonomischen Touchdown führt». Denn sie wollte möglichst rasch eigenes Geld verdienen. Zusätzlich suchte sie sich einen Nebenjob mit gutem Stundenlohn: Sie unterrichtete KV-Lehrlinge und war als Lehrerin in ihrer ehemaligen Kantonsschule tätig. Mehr zum Thema: Mehr Zeit als Alleinerziehende Ihre Rechte als alleinerziehende Mutter Familienpflichten als beruflicher Erfolgsfaktor Günstige Ferien und Reisen für Familien mit kleinem Budget Wie sie das alles schaffte? Mit Unterstützung ihrer Eltern und des Kindsvaters – und mit eisernem Willen. Ausgehen, nach der Uni noch ein Bier trinken: Das war kaum möglich. «Ich habe mich auch oft wie ein Alien gefühlt», beschreibt sie ihr Gefühl des Anderseins – im Geburtsvorbereitungskurs, auf dem Spielplatz, im Studium. Wichtig an ihrer Geschichte ist: Sie hat nicht nur «durchgehalten», sondern auch eine klare innere Haltung entwickelt. Als Mutter und Hausfrau zu Hause zu bleiben, kam für sie nie in Frage. Sie wollte unabhängig und selbstbestimmt sein. «Nur wenn ich glücklich bin, dann wird auch mein Kind glücklich», war ihre Devise. Soziale Isolation: ein häufiger, unterschätzter Stressor Alleinerziehende berichten oft, dass nicht nur die Logistik belastet, sondern auch das Gefühl, in vielen Räumen «nicht dazuzugehören». Das kann das Risiko signalisiertes Stresserleben erhöhen. Praktisch hilfreich ist es, Kontakte nicht «gross» zu planen, sondern klein und realistisch: Mikro-Kontakte nutzen: 10 Minuten Austausch vor der Krippe oder nach dem Spielplatz zählen. 1–2 verlässliche Personen statt viele Bekannte: Ein kleiner Kreis ist oft wirksamer als ein grosses Netzwerk. Routinen für dich: Kurze Erholungsinseln (Spaziergang, Atemübung, warmes Getränk ohne Bildschirm) können dein Stressniveau spürbar senken. Berufliche Termine am späten Abend können Alleinerziehende meist nicht wahrnehmen. Phase 3: Karriere im Konzern – Grenzen setzen und den «Mutter-Bonus» erkennen Bei einem grossen Elektronikkonzern absolvierte sie ein Traineeprogramm, arbeitete dann in der Steuerabteilung und stieg als Senior Tax Managerin innerhalb weniger Jahre ins mittlere Management bei einem Industrieunternehmen in der Schweiz auf. Dieser Posten verlangte viel: Arbeitstage, interne Sitzungen am späten Abend, Reisen ins Ausland – nicht gerade kinderfreundlich für eine Alleinerziehende. Am Anfang hatte sie oft ein schlechtes Gefühl gegenüber ihrem Arbeitgeber, weil sie wegen ihres Kindes nicht an jeder späten Sitzung teilnehmen konnte. Später erkannte sie: Sie bringt nicht nur Einschränkungen, sondern auch Kompetenzen. «Mütter können gut organisieren und analysieren», sagt sie. Ausserdem seien Mütter Kommunikationsexpertinnen: Wer einem Dreijährigen etwas erklären kann, findet oft auch im Job einen klaren Zugang. Vereinbarkeit im Job: Was du konkret tun kannst Viele Eltern unterschätzen, wie sehr klare Kommunikation den Alltag erleichtert. Du musst dabei nicht «hart» sein – aber eindeutig. Hilfreich sind zum Beispiel: Verfügbarkeit aktiv benennen: «Ich kann Termine bis 16.30 Uhr gut abdecken. Für später brauche ich Vorlauf, sonst klappt es nicht.» Alternativen anbieten: «Ich kann heute nicht um 18 Uhr – aber morgen um 9 Uhr oder per Videocall über Mittag.» Leistung sichtbar machen: Kurz-Updates, saubere Übergaben, klare Prioritäten. Das reduziert das Gefühl, dich «rechtfertigen» zu müssen. Sie verlangte von sich viel Disziplin im Beruf Mit der Zeit wusste Katharina Fasko, dass sie in vielen Situationen cooler reagieren muss. Wenn jemand einen Termin nach 17 Uhr vereinbaren wollte, sagte sie ab. «Man kann die Kollegen auch erziehen», erklärt sie und lacht. Und nicht nur die Kollegen hat sie erzogen: Sie selbst verlangte sich Disziplin ab, arbeitete effektiv und termingenau. Zudem hatte sie einen Vorgesetzten, der hinter ihr stand. Beruflich hätte sie noch weiter kommen können. Das wollte sie aber nicht – wegen ihres Sohnes. Als sie ein Jobangebot für das Ausland erhielt, lehnte sie ab: «Ich hatte das Gefühl, dass es nicht der richtige Moment war, Manuel, der damals 13 Jahre alt war, an einen anderen Ort zu verpflanzen.» Auch ein Angebot mit Zusatzausbildung lehnte sie ab, weil sie hätte pendeln müssen. «Ich bin karrieretechnisch dort angelangt, wo ich hinwollte mit einem Kind.» Phase 4: Schuldgefühle – und warum sie so häufig sind Trotz guter Organisation und trotz bewusst gesetzter Grenzen hatte sie immer wieder ein schlechtes Gewissen gegenüber ihrem Sohn. Vor allem wenn sie viel auf Reisen war und teilweise eine Woche nicht zu Hause, fühlte sie sich schlecht und war eifersüchtig: «Ich habe dann oft an die Frauen gedacht, die gar nicht oder nur Teilzeit arbeiten, weil ein Mann sie unterstützt. Ich hatte das Gefühl, dass diese Frauen die besseren Mütter sind, weil sie weniger organisieren müssen und mehr Zeit für ihre Kinder haben. Wenn ich Zeit für meinen Sohn hatte, war ich oft sehr müde vom anstrengenden Tag.» Viele Eltern erleben Schuldgefühle, wenn sie das Gefühl haben, Erwartungen nicht zu erfüllen. Fachlich wichtig ist: Schuldgefühle sind nicht automatisch ein Zeichen, dass du «etwas falsch machst». Oft sind sie ein Signal, dass du gerade zu viel trägst oder dass deine Standards zu hoch sind. Hilfreiche Frage: «Was würde ich einer Freundin in derselben Lage sagen?» Qualität vor Quantität: Kurze, präsente Zeitfenster (z. B. 20 Minuten ohne Handy) können für Kinder sehr nährend sein. Wiedergutmachung wirkt: Wenn du gestresst warst, hilft ein kurzer Repair-Moment: «Es tut mir leid, ich war vorhin laut. Ich bin müde und überfordert – du bist nicht schuld.» Ihr Sohn sagt heute, dass er gut finde, wie seine Mutter ihn erzogen hätte – auch wenn ihre Ansprüche manchmal hoch waren. Er hatte häufig das Gefühl, dass seine Mutter ihn gut versteht, weil sie noch so jung war. Ihr Sohn war für sie auch ein Spiegel: Wenn sie viel Stress im Beruf hatte und mit schlechter Laune nach Hause kam, gab es eher Ärger. Das zeigte ihr, dass sie etwas verändern musste. «Er hat mir Motivation gegeben.» Phase 5: Kurswechsel – raus aus dem Maschinenmodus Als sie vor ein paar Jahren immer unzufriedener wurde, Kopfschmerzen sie plagten und sie immer öfter mit ihrem Sohn im Streit lag, beschloss sie, ihr Leben anders zu gestalten. Sie hatte keine Lust wie eine Maschine zu funktionieren Sie wollte etwas machen, das nichts mit reinen Vernunftentscheidungen zu tun hat – etwas, bei dem sie nicht wie eine Maschine funktionieren muss. «Ich habe gemerkt, dass ich gerne etwas mit den Händen machen würde.» Heute arbeitet die Badenerin als Praktikerin der Grinberg Methode (in Ausbildung) und hilft Menschen mit physischen Beschwerden zu Wohlbefinden. Und doch: Das Managen kann sie nicht ganz lassen. Neben der Teilzeitarbeit als Praktikerin ist sie für einen Konzern im Moment als Beraterin und Projektmanagerin tätig. Bei dieser Entscheidung, zwei unterschiedliche Berufe auszuüben, hat sie auf ihr Gefühl vertraut. Rückblickend würde sie heute gelassener reagieren: «Es muss ja nicht immer alles perfekt sein.» 5 Learnings aus der Geschichte Organisation ist Entlastung – nicht Kontrolle: Ein einfacher Wochenplan (Fixpunkte, Betreuungszeiten, Puffer) reduziert Stress, weil du weniger «im Kopf» tragen musst. Ein Unterstützungsnetz ist ein Schutzfaktor: Familie, Kindsvater, Krippe: Nicht alles muss an dir hängen. Bau bewusst Redundanz ein (Plan B), wenn du kannst. Realistische Standards sind gesünder als Perfektion: «Genug gut» im Alltag ist oft das, was Kinder wirklich brauchen: verlässliche Beziehung, Sicherheit, Repair nach Konflikten. Arbeitgeber-Kommunikation ist ein Skill: Klare Verfügbarkeit, Alternativen, saubere Übergaben – das macht Vereinbarkeit planbar und stärkt deine Position. Etappendenken statt Alles-oder-nichts: Karriere, Weiterbildung, Ortswechsel: Du darfst bewusst Phasen wählen. Nicht jede Chance muss jetzt passen. Wenn du das auch willst: Diese CH-Anlaufstellen helfen Budgetberatung: Budgetberatung Schweiz (Budgetplanung, Schuldenprävention, Beratungsstellen nach Region). Elternberatung & Unterstützung: Pro Juventute (Beratung für Eltern, auch bei Belastungssituationen). Entlastung im Alltag: Schweizerisches Rotes Kreuz (SRK), je nach Kanton mit Angeboten wie Entlastungsdienste, Kinderbetreuung oder Unterstützung im Haushalt. Arbeitgeber & Familienfreundlichkeit: Informiere dich über Schweizer Labels und Programme für familienfreundliche Arbeitgeber (je nach Branche/Region unterschiedlich). Vertretung & Community: SVAMV (Schweizerischer Verband alleinerziehender Mütter und Väter) für Austausch, Information und Interessenvertretung. Weiterlesen auf unserem Portal Alleinerziehend in der Schweiz: Hub mit Wissen, Checklisten und Entlastung Betreuung, Alltag und mentale Entlastung (1267) Finanzen, Alimente und Budget im Griff (3046)