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Betreuung kranker Kinder: Wer im Notfall hilft

Viele berufstätige Eltern und Alleinerziehende kennen das Problem: Das Kind wird krank und eine Betreuung muss schnell her. Wenn die Grosseltern ausfallen, helfen im Notfall Dienstleistungen verschiedener Anbieter. Wohin sich Eltern für die Betreuung kranker Kinder wenden können, erfahren Sie hier.

Für die Betreuung kranker Kinder gibt es Hilfen.

Wird ein Kind krank, muss schnell eine Betreuung gefunden werden. Foto: Buccina Studios,  Photodisc, Thinkstock

Drei Tage lässt ein Arbeitgeber gemäss Arbeitsrecht seinen Angestellten Zeit, zu Hause die Situation mit einem erkrankten oder verunfallten Kind zu regeln. Wohin können sich Eltern in einem solchen Notfall wenden? Die Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten, gibt es doch von Kanton zu Kanton unterschiedliche Möglichkeiten, und verschiedene Krankenkassen bieten unterschiedliche Dienstleistungen bei Krankheit eines Kindes an.

Einmalig: die SRK-Kinderbetreuung zu Hause

Es gibt in der Schweiz einen Kinderbetreuungsdienst, der in seiner Art einmalig ist: Die Kinderbetreuung des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK).

Der SRK-Kinderbetreuungsdienst richtet sich in erster Linie an Eltern, die zur Arbeit gehen müssen und niemanden haben, dem sie ihr plötzlich erkranktes Kind anvertrauen können. Oder wenn die erwerbstätigen Eltern selbst krank werden und ihre kleinen Kinder deshalb nicht betreuen können. Er kann auch zum Einsatz kommen, wenn Eltern zeitweilig überfordert sind oder sich in einer schwierigen Situation befinden. Oder, wenn die übliche Betreuungslösung vorübergehend ausfällt, zum Beispiel die Tagesmutter oder die Grosseltern erkranken.

Beim SRK-Kinderbetreuungsdienst werden Kinder im Alter von 3 Monaten bis 12 Jahren wochentags zwischen 7 Uhr und 19 Uhr betreut.

Im Notfall kümmert sich eine ausgebildete Betreuerin um das kranke Kind

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Mehr zum Thema Alleinerziehende gibt es unter www.einelternfamilie.ch

Im Notfall rufen die Eltern beim Roten Kreuz ihres Wohnkantons an (Montag bis Freitag). Innerhalb weniger Stunden wird eine Betreuung für das Kind organisiert. Eine erfahrende, ausgebildete Betreuerin begibt sich in die Wohnung der Familie. Dort spielt sie mit dem Kind, bereitet Mahlzeiten zu und übernimmt die Körperpflege. Falls das Kind krank ist (ausschliesslich einfache Erkrankungen wie Ohrentzündung, Angina, Grippe usw), verabreicht die Betreuerin bei Bedarf und in Absprache mit den Eltern Medikamente. Es werden jedoch keine Kinder mit chronischen Krankheiten oder Behinderungen betreut.

Die Einsätze sind grundsätzlich auf fünfzig Betreuungsstunden beschränkt, bis sich die Notsituation beruhigt hat oder eine Anschlusslösung gefunden worden ist.

Kosten für die Betreuung kranker Kinder beim SRK

Die Betreuerinnen werden für ihre Arbeit entlöhnt. Die Tarife des SRK-Kinderbetreuungsdienstes richten sich nach dem Einkommen der Eltern. Die Dienstleistungen werden subventioniert, deshalb kann das Angebot auch von Familien mit kleinem Budget genutzt werden. Der Ansatz für den Betreuungsdienst bewegt sich zwischen 4 bis 45 Franken pro Stunde. Einige Krankenkassen (Helsana, ÖKK, CSS und Groupe Mutuel) übernehmen für ihre Versicherten einen Teil dieser Betreuungskosten.

Das SRK ist in Kantonalverbänden organisiert. Dies hat zur Folge, dass sich die Angebote von Kanton zu Kanton unterscheiden. Da das SRK auf Subventionen und Spenden angewiesen ist, können die Dienstleistungen sogar innerhalb eines Kantons von einer Stadt zur nächsten variieren. So ist zum Beispiel die SRK-Kinderbetreuung in der Stadt Zürich nur unter dem Namen Rotkäppchen zu finden.

SRK-Betreuung kranker Kinder bald in der ganzen Schweiz

In der gesamten welschen Schweiz, im Tessin und in einigen Deutschschweizer Kantonen wird die SRK-Kinderbetreuung bereits seit einigen Jahren angeboten. In der Ostschweiz befindet sie sich momentan im Aufbau. Mittelfristig soll die «SRK-Kinderbetreuung zu Hause» in der ganzen Schweiz verfügbar sein, da die steigende Nachfrage die Notwendigkeit beweist.

Betroffene Eltern sollten sich im Notfall in ihrer Wohngemeinde informieren, wie weit das Rotkreuz-Angebot dort ausgebaut ist.

Grosse Unternehmen wie Nestlé oder Credit Suisse haben erkannt, dass eine familienfreundliche Politik viele Vorteile bietet. Sie haben deshalb mit dem SRK einen Vertrag abgeschlossen, um ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den Zugang zum Kinderbetreuungsdienst zu ermöglichen.

SRK-Adressen

Schweizerisches Rotes Kreuz, Nationales Sekretariat der Kantonalverbände, Rainmattstrasse 10, 3001 Bern, Tel. 031 387 71 11, Fax 031 387 74 04

info@redcross.ch, www.redcross.ch

Rotkäppchen Stadt Zürich, SRK Kanton Zürich, Kronenstrasse 10, 8006 Zürich, Tel. 044 360 28 54 (Montag bis Freitag 9 bis 11 Uhr, ausserhalb der Zeiten Telefonbeantworter)

Krankenkassen bieten Hilfe bei der Betreuung kranker Kinder.

Einige Krankenkassen bieten Hilfe bei der Betreuung kranker Kinder. Foto: Wavebreak Media, Thinkstock

Krankenkassen Helsana und Swica mit guten Angeboten

Ob eine Krankenkasse Lösungen zur Kinderbetreuung bereit hält, ist aus der Versicherungspolice leider häufig nicht klar ersichtlich. Die beste Vorgehensweise ist, im Notfall sofort die 24 Stunden-Notfallnummer anzurufen, die auf der Rückseite der Versicherungskarte (Plastikkarte) aufgeführt ist.

Es besteht unter Umständen die Möglichkeit, über die Taggeldversicherung eine Haushalthilfe oder eine Kinderbetreuung zu bezahlen. Oft gibt es eine Wartefrist (Karenz), so dass die Taggeldversicherung nicht vom ersten Tag an einspringt.

KidsCare: Betreuerin kommt nach Hause

Bei der Krankenkasse Helsana und ihren Tochtergesellschaften Progrès, Sansan und Avanex ist in der Zusatzversicherung des versicherten Kindes die Dienstleistung KidsCare eingeschlossen. Sie ist ausschliesslich für Kinder von berufstätigen Eltern vorgesehen (bis 15 Jahre). Bei akuter Erkrankung oder einem Unfall des Kindes ist innerhalb von drei Stunden eine ausgebildete und erfahrene Person zur Stelle. Diese kümmert sich während der beruflichen Abwesenheit der Eltern um das Kind und unternimmt in Absprache mit den Eltern alles Notwendige, damit das Kind so rasch als möglich wieder gesund wird. Dazu gehören auch die Zubereitung von geeigneten Mahlzeiten, das Verabreichen der vom Arzt verordneten Medikamente oder der Transport von und zur Schule, zum Beispiel bei einem Gipsbein.

Je nach Spitalzusatzversicherung des betroffenen Kindes sind eine gewisse Anzahl Stunden KidsCare kostenlos: Für allgemein Versicherte (Hospital ECO) 30 Stunden pro Kalenderjahr, für halbprivat Versicherte (Hospital PLUS) 60 Stunden und für privat Versicherte (Hospital COMFORT) 90 Stunden pro Jahr. Wenn das Stundenguthaben ausgeschöpft ist, kann weiterhin von der Dienstleistung KidsCare Gebrauch gemacht werden, dann jedoch nicht mehr kostenlos.

Care Manager suchen Lösungen

Ein völlig anderes Angebot kennt die Krankenkasse Swica: die Care Manager. Care Manager können Lösungen finden, um Kinder über eine längere Zeit geeignet unterzubringen, bis die erkrankte Mutter wieder zu Hause ist. Oder eine ambulante Rehabilitation der Mutter organisieren, damit diese nicht länger als stundenweise von zu Hause weg ist. Care Manager übernehmen auch die Koordination mit anderen Sozialversicherungen oder helfen dem Patienten bei der Wiedereingliederung ins Arbeitsumfeld.

Die Swica sucht in solchen Situationen jeweils individuelle Lösungen (meistens mit Drittfinanzierern), um die Mehrbelastung der Familien abfedern zu können. Das heisst nicht, dass sich die Swica an jeder Lösung finanziell beteiligt. Oft genügt schon die Koordination von bereits bestehenden Hilfsangeboten oder die Vermittlung von Adressen mit geeigneten Hilfsangeboten.

Spitex und Kinderspitex

Die Spitex-Vereine sind lokal tätig, jeder Verein bietet unterschiedliche Dienstleistungen an. In grösseren Städten kann es mehrere Spitex-Vereine geben, die unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Auch hier gilt es, sich am Wohnort zu erkundigen, welche Möglichkeiten bestehen. Die Angebote reichen von Mahlzeitendienst über Haushaltführung bis hin zur kurzzeitigen Kinderbetreuung. Achtung: Die Spitex-Einsätze dauern zwischen einer Viertelstunde und einer Stunde. Sie kommen für eine tageweise Betreuung nicht in Frage.

In einigen Ortschaften wird eine Kinderspitex angeboten. Die Spitex pflegt und betreut nicht ausschliesslich ältere Personen. Sie pflegt auch akut erkrankte Kinder, Kinder nach Spitalentlassung oder chronisch kranke, behinderte und sterbende Kinder daheim in ihrem vertrauten Umfeld. Sie kann auch zum Einsatz kommen, wenn eine Mutter wegen Überlastung oder Erholungsbedürftigkeit ausfällt.

Autor: Daniela Schreiber, Quelle: Erschienen in EinElternForum 3/2011, herausgegeben von: Schweizerischer Verband alleinerziehender Mütter und Väter SVAMV, Caritas Bern, Reformierte Kirchen Bern-Jura-Solothurn, Verein frabina Beratungsstelle für Frauen und binationale Paare. www.einelternforum.ch