Wie Sie das Immunsystem stärken

«Sicher, Kinder sind oft krank, aber so oft?» wundern sich Eltern, wenn die Nase ihres Kindes – kaum hat sie sich beruhigt – schon wieder läuft. Aber auch viele Erwachsene sind anfällig für Erkältungen, wenn die Immunabwehr schwach ist. Mit Hilfe dieser Tipps lässt sich das Immunsystem stärken.

Gerade im Winter werden Kinder oft krank, das kann am Immunsystem liegen.

Wenn Kinder oft krank werden, kann das an einem schwachen Immunsystem liegen - Abhärtung hilft. Foto: iStock, Tatiana Gladskikh, Thinkstock

Kaum zwei Wochen ist es her, dass Svens Nase ununterbrochen lief. Nun ist er schon wieder erkältet. Besorgt fragen sich die Eltern, ob Sven besonders anfällig für Erkältungskrankheiten ist.

«Vier bis neun grippale Infekte pro Wintersaison sind durchaus normal», beruhigen Dr. med. Reto Schnyder und Dr. med. Thomas Fuhrer der Arztpraxis Hittnau. «Kompliziertere Infekte wie Mittelohrentzündungen, Anginen oder eitrige Bronchitiden können drei bis fünf Mal pro Saison auftreten.» Zum Glück nimmt die Anzahl der Infekte ab, je älter das Kind wird. «In unserer Praxis sehen wir Mittelohrentzündungen bei Schulkindern schon selten und bei Erwachsenen praktisch gar nicht mehr», so die Ärzte.

Warum Kinder oft krank sind

Kinder sind oft krank – und das hat seine Gründe.

Viele Viren

Grippale Infekte werden durch viele verschiedene Viren ausgelöst. «Bis heute sind zum Beispiel mehr als 200 sogenannte Rhino-Viren bekannt, die einfache Erkältungskrankheiten auslösen können», so Dr. med. Reto Schnyder und Dr. med. Thomas Fuhrer. «Daneben gibt es fast 100 bekannte sogenannte Adeno-Viren, die eine grippeartige Erkrankung bewirken, also eine Erkrankung mit Fieber, Glieder-, Kopf-, Halsschmerzen und oft auch mit Husten.» Hat ein Mensch eine dieser Infektionen ein Mal durchgemacht, ist er zwar für den Rest des Lebens immun gegen diesen Virus. Doch da es so viele verschiedene Erreger gibt, hat jeder das ganze Leben lang immer wieder mit neuen Erkältungen zu kämpfen.

Leichte Übertragung

Erreger, die Erkältungs-Krankheiten verursachen, lassen sich leicht durch Niesen oder Husten in Form von kleinsten Flüssigkeitströpfchen verbreiten. Weil Kinder beim Spielen sehr engen Kontakt untereinander haben, ist bei ihnen die Ansteckungsgefahr besonders hoch.

Schwaches Immunsystem

Antikörper in der Muttermilch schützen Säuglinge am Anfang ihres Lebens vor grippalen Infekten. Wenn dieser Schutz im Laufe des ersten Lebensjahres nach und nach abnimmt, ist das eigene Immunsystem längst noch nicht aufgebaut. Das Immunsystem muss erst noch lernen, mit jedem einzelnen Erreger umzugehen - und das dauert lange. «Die Kindheit ist eine intensive Trainingszeit des Immunsystems und das Kind ein geradezu natürlicherweise infektanfälliges Wesen», heisst es im Ratgeber «Gesundheit für Kinder: Kinderkrankheiten verhüten, erkennen, behandeln» von Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler (Kösel-Verlag 2010).

Hilfreiche Tipps zur Stärkung des Immunsystems:

Frische Luft stärkt die Abwehrkräfte

Wichtig ist, für ein gutes Raumklima zu sorgen. Wird die Innenluft durch das Heizen im Winter zu trocken, verlieren auch die Schleimhäute in Nase und im Rachen Feuchtigkeit. Bakterien und Viren können in ausgetrocknete Schleimhäute leichter eindringen und Entzündungen und Erkältungen auslösen. Die Luftfeuchtigkeit sollte deshalb mindestens 30 Prozent betragen. Am leichtesten lässt sich ein gutes Raumklima durch mehrmaliges Stoss-Lüften am Tag erreichen. Stoss-Lüften heisst: Alle Fenster für mehrere Minuten weit öffnen!

Wer jeden Tag an der frischen Luft ist, tut seinen Schleimhäuten besonders viel Gutes. Auch Säuglinge profitieren, warm eingemummelt, von Spaziergängen, die auch bei sehr kaltem Wetter nicht schaden. Im Gegenteil: Die Schleimhäute werden widerstandsfähiger gegen Krankheits-Erreger.

Naturmedizin zur Stärkung des Immunsystems

Schon die Indianer Nordamerikas nutzten den purpurfarbene Sonnenhut, der auch Echinacea purpurea genannt wird, als Heilpflanze gegen Husten, Halsschmerzen und Mandelentzündung. «Er wirkt stärkend auf das Immunsystem», so Michaela Girsch, Mit-Autorin des Fachbuchs «Heilpflanzen in der Kinderheilkunde» (Sonntag-Verlag). Bei immer wiederkehrenden Erkältungen kann es sinnvoll sein, Echinacea-Präperate über einen längeren Zeitraum einzunehmen. Michaela Girsch: «Da das Immunsystem jedoch nicht unbegrenzt stimuliert werden kann, sollte die Einnahmedauer mehrere Wochen nicht überschreiten.»

Grippale Erkrankung sind im Winter ganz normal.

Abhärtung und Stärkung des Immunsystems hilft im Winter gegen Schnupfen und Grippe. Foto: © lunamarina - Fotolia.com

Kneippen stärkt die Immunabwehr

Wer vom Kneippen spricht, denkt meist an ältere Menschen, die durch kaltes Wasser waten. Kneippen fördert aber nicht nur die Gesundheit von Erwachsenen, sondern auch die Immunabwehr von Kindern. Beim regelmässigen Kneippen trainiert der Körper, die Blutgefässe schnell zusammen zu ziehen, wenn es kalt ist, und sie zu erweitern, sobald es wieder warm ist. Das hat zur Folge, dass der Körper im Winter nicht so schnell friert und dadurch weniger anfällig für Viren ist. «Abhärten», so nannte der Allgäuer Pfarrer Sebastian Kneipp (1821 - 1897) diese von ihm erkannten Zusammenhänge.

Sebastian Kneipp hat in seinem Leben viele Anwendungen beschrieben. Manche machen sicher auch Kindern zusammen mit ihren Eltern Spass. Wie wäre es zum Beispiel, jeden Morgen über eine taunasse Wiese zu laufen? Diese Anwendung benötigt nur wenig Grünfläche – und wenige Minuten Zeit. Gerade ist etwas Schnee gefallen? Was mit Tau geht, funktioniert auch mit Schnee. Schon nach wenigen Wiederholungen gewöhnen sich die Füsse an den Schnee – und empfinden ihn als weniger kalt.

Kinder reagieren gegen Kälte empfindlicher als Erwachsene

Sobald die Füsse kalt werden, gilt es aufzuhören und drinnen mit warmen Socken ein wenig Gymnastik machen, bis die Füsse wieder warm sind. «Der kindliche Wärmehaushalt reagiert empfindlicher als der von Erwachsenen. Der kleine Körper verliert sehr schnell und sehr viel an Körperwärme», darauf weist der Kneipp-Verein Meilen hin. Auch vor dem Kneippen muss der Körper warm sein.

Sebastian Kneipp propagierte übrigens das Barfussgehen schlechthin. Er wurde nicht müde, Mütter zu ermahnen, Kinderfüssen ihre natürliche Freiheit zu lassen. «Barfuss laufen», sagte er, «ist das natürlichste und einfachste Abhärtungs-Mittel überhaupt.»

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