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«Aber alle anderen Kinder haben schon ein Smartphone!»

Ein eigenes Smartphone bringt viele neue Möglichkeiten, aber auch neue Risiken. In welchem Alter Kinder dafür bereit sind, wie Eltern es sicher einrichten und welche Regeln sinnvoll sind.

Eltern verbinden mit dem ersten Smartphone vor allem neue Gefahren, Kinder Möglichkeiten. Bild: Gaelle Marcel - Unsplash

Eltern verbinden mit dem ersten Smartphone vor allem neue Gefahren, Kinder Möglichkeiten. Bild: Gaelle Marcel - Unsplash

Manche Freunde des Kindes haben es bereits in der Hosentasche: ein Smartphone. Nun will auch das eigene Kind endlich mitwhatsappen, instagrammen und Youtube-Videos anschauen. Doch ab wann macht ein eigenes Smartphone für Kinder überhaupt Sinn? Das ist oft die erste Frage, die sich Eltern stellen. Häufig orientieren sie sich dabei wie ihre Kinder an ihrem Umfeld.

Ein Viertel aller Sechsjährigen besitzt ein Smartphone

25% aller Sechs- bis Siebenjährigen besitzen laut der MIKE-Studie 2017 der ZHAW ein Handy, grösstenteils ein Smartphone.

50% der Kinder nennen spätestens bis zum Ende der Primarschule ein Natel ihr Eigen. Das ist auch der Zeitpunkt an dem das Spielen mit dem Smartphone immer unwichtiger wird und das Kommunizieren in den Vordergrund dringt.

80% der Zwölfjährigen können dank dem eigenen Smartphone Nachrichten verschicken, soziale Netzwerke nutzen oder Videos schauen. Laut der Studie, spielen sie aber lieber draussen, treffen Freunde oder machen Sport.

Schon in der Primarstufe ist das Smartphone für Kinder das Lieblingsmedium, selbst wenn sie noch keine eigenes besitzen. Kein Wunder, birgt es doch gleich so viele Möglichkeiten in sich, die Erwachsene längst schätzen und vormachen: Googlen, chatten, fotografieren, Musik hören, Videos schauen, posten, liken. Und so verwundert es nicht, dass der Wunsch nach einem eigenen Smartphone immer früher sehr gross wird. Zumal alle anderen scheinbar auch eines haben.

Alle werden es sicher nicht sein, aber ein Kind Erfahrungen zu spät machen zu lassen, kann ebenso fahrlässig sein als zu bald.

Ab wann sollte Kindern der Wunsch nach einem eigenen Smartphone erfüllt werden?

Die allgemeingültige Antwort lautet: «Generell sollten Kinder erst ein Smartphone erhalten, wenn sie reif genug dafür sind», erklärt Yvonne Haldimann, Projektleiterin der eidgenössischen Informationsplattform Jugend und Medien. Dazu gehöre zu verstehen, welche Risiken mit der Nutzung verbunden sind, was erlaubt und was verboten ist, wie zum Beispiel das Recht am eigenen Bild oder das Urheberrecht. Und nicht zuletzt sollten Kinder wissen, wann und wo man Hilfe suchen sollte. Eine EU-Initiative für Sicherheit im Netz hat dazu eine Checkliste erarbeitet. Unter Klicksafe können Sie sich diese downloaden.

Muss es gleich ein Smartphone sein?

Viele Experten raten, ein Smartphone nicht vor dem elften Geburtstag zu verschenken, so auch Mediencoach Dr. Iren Schulz von Schau hin!, dem deutschsprachigen Medienratgeber für Eltern: «In der Regel ist ein Kind ab etwa elf Jahren soweit. Entscheiden sich Eltern schon vorher dafür, Ihrem Kind ein Smartphone zu geben, sind die Geräte über Sicherheitseinstellungen und Jugendschutz-Apps gut zu sichern.», sagt Dr. Iren Schulz. In jedem Fall sollten Eltern den Einstieg in die Welt des Smartphones mit den Kindern gemeinsam unternehmen und sie in der ersten Zeit begleiten.

Sollte ein Kind, nur erreichbar sein oder im Notfall anrufen können, weil es beispielsweise nach der Schule alleine zum Musikunterricht oder zum Sport geht, genüge anfangs auch ein Natel ohne Internetzugang.

Welche Geräte zum Einstieg praktisch sind

Das allerneueste Markenmodell muss es nicht sein. Was die Eltern oder ältere Geschwister nutzen, braucht ein Kind nicht unbedingt. Wichtig ist, dass es mit dem Handy gut klar kommt – es sollte leicht zu bedienen sein und nicht beim ersten Sturz kaputt gehen. Auch lange Akku-Laufzeiten spielen eine wichtige Rolle bei der Kaufentscheidung. «Besonders für den Einstieg bietet sich ein günstiges, vielleicht gebrauchtes Modell an, dessen Verlust keinen grossen Schaden anrichtet», empfiehlt Dr. Iren Schulz.

Wie Sie das Smartphone sicher einrichten und Kindern Gefahren erkennen lernen

Tipp: Surfschein-Quiz

Wer das Internet nutzt, sollte seine Funktionen kennen und wissen, wie er sich vor Gefahren schützen kann. Das Surfschein-Quiz für Kinder, dass der Verein Internet-ABC anbietet, ist ein erster, spielerischer Schritt in diese Richtung. »

Spätestens, wenn Kinder das Smartphone vor allem zum Kommunizieren nutzen, begegnen sie auch den Schattenseiten des grenzenlosen Internets. Das Internet beinhaltet Gefahren, die das Kind kennen und erkennen sollte, damit es ihnen aus dem Weg gehen kann. Sie reichen von versteckten Kostenfallen bei In-App-Käufen, Cybermobbing und Grooming bis hin zu Verherrlichung von Gewalt.

Tipps zur Einrichtung

1 Kosten-Airbag

Mit Flatrates lässt sich kostengünstig telefonieren und surfen. Doch Vorsicht: Neue Kosten können entstehen, wenn das vereinbarte Daten- oder Telefonvolumen aufgebraucht ist. Prepaid-Karten grenzen diese Kosten besser ein. «Ein Laufzeitvertrag mit monatlicher Kostenbegrenzung (Kosten-Airbag) oder ein spezieller Vertrag für Kinder und Jugendliche ist bei vielen Anbietern erhältlich», erklärt Dr. Iren Schulz.

2 In-App-Käufe deaktivieren

Viele Apps lassen sich kostenlos herunterladen, können aber im weiteren Spielverlauf Kostenfallen bergen. Sinnvoll ist es deshalb, die Möglichkeit von In-App-Käufe grundsätzlich zu deaktivieren. Das geht beim iPhone unter Einstellungen, bei Android unter Playstore.

3 Altersbeschränkungen

Wichtig ist auch, die Kinderschutz- und Sicherheitseinstellungen in den Einstellungen des Smartphones unter dem Punkt «Nutzer» durchzugehen und Altersbeschränkung einzurichten.

Kinder-Suchmaschinen begrenzen das World Wide Web

Kinder müssen noch nicht alles googeln. Sie bleiben eher im geschützten Raum, wenn sie eine Kinder-Suchmaschine nutzen, wie beispielsweise fragFINN, Blinde Kuh oder Helles Köpfchen. Diese sind auch als App erhältlich und stellen einen sicheren Surfraum zur Verfügung, indem Sie nur für Kinder geeignete Internetseiten aufspüren.

Welche Smartphone-Regeln sind für Kinder sinnvoll?

Ständig am Handy? Folgen können Hyperaktivität, Schlaf-, Konzentrations- oder Sprachentwicklungsstörungen, Haltungsschäden im Nacken- und Schulterbereich oder Übergewicht sein. Darüber hinaus ist die unbegrenzte Smartphone-Nutzung ein echter Zeitkiller.

Regeln für die Internet-Nutzung zu vereinbaren, ist daher wichtig. Konflikte sind vorprammiert. Ein Kind wird sich aber am ehesten daran halten wollen und seinen Eltern auch in Zukunft anvertrauen, wenn es dabei mitreden darf und Eltern auch ein gutes Vorbild sind. Deshalb empfehlen Medienpädagogen die Regeln gemeinsam zu erarbeiten.

Wichtige Regeln sind dabei: Wie lange, wann und wo darf das Handy genutzt werden? Wann bleibt das Handy ganz aus? Welche Anwendungen darf das Kind nutzen?

Empfehlungen für Medienzeiten von Jugend und Medien

Diese beinhalten die gesamte Bildschirmzeit inkl. Fernsehen, Internet, Spiele auf Konsolen, Handy:

  • An Schultagen sollten Kinder unter 10 Jahren täglich nicht mehr als 1 Stunde vor dem Bildschirm sitzen, ältere Kinder nicht mehr als 90 Minuten.
  • Pro Woche werden für 6- bis 9-Jährige Kinder bis zu 5 Stunden empfohlen, für 10- bis 12-Jährige Kinder sollten es maximal 10 Stunden sein.