Warum ist mein Kind eine Petze?

Wer petzt oder «täderlet», dem wird meist böse Absicht unterstellt. Doch das muss nicht immer so sein. Erfahren Sie hier, warum Ihr Kind andere verrät, wie Sie darauf reagieren sollten und wann petzen richtig ist.

Wenn Kinder petzen, erhoffen sie sich Unterstützung von einem Erwachsenen.

Eltern müssen die Gründe herausfinden, warum ihre Kinder petzen. Foto: iStock, luckyraccoon, Thinkstock

Kleinere Kinder verraten andere hauptsächlich, um ihren eigenen Willen zu bekommen. Dies kann zum Beispiel vorkommen, wenn die Schwester oder der Bruder das Spielzeug nicht teilen möchte oder sich der Petzende sonst irgendwie benachteiligt fühlt. Indem das Kind das aus seiner Sicht ungerechte Verhalten verrät, erhofft es sich die Unterstützung der Eltern, um seine eigenen Wünsche durchzusetzen. In diesem Alter sind die Kinder nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht. «Die Perspektive des anderen Kindes wird nicht berücksichtigt,» bestätigt Michael Schnabel, Wissenschaftlicher Angestellter am Staatsinstitut für Frühpädagogik in München. Daher schädigen Kleinkinder andere auch nicht bewusst mit dem Petzen.

Sobald die Kinder allerdings älter werden, verlagern sich allerdings die Gründe dafür, jemand anderen zu verraten. Schnabel stellte anhand von Befragungen fest, dass sich «...bei Kindern im Grundschulalter eine Vorstellung darüber entwickelt, was «Petzen» ist und dass man andere nicht verpetzen darf.» Ab diesem Alter lernen sie also, die Perspektive des anderen mit in ihre Entscheidung einzubeziehen, ob sie petzen oder nicht. Dabei kann es dann tatsächlich dazu kommen, dass sie jemanden verraten, um diesen bewusst zu schädigen. Jedoch sollten Eltern vorsichtig damit sein, dem Nachwuchs bei jedem Petzen gleich eine böse Absicht zu unterstellen. Besonders Kinder, die sehr häufig petzen, tun dies nämlich oft aus einem ganz anderen Grund als dem, der für die Eltern erstmal offensichtlich ist.

 

Eltern müssen zuhören

Bevor Eltern etwas unternehmen, sollten sie dem Nachwuchs erst einmal zuhören und versuchen herauszufinden, warum überhaupt gepetzt wird. Das kann zum Beispiel schlichtweg Ausdruck für Rivalität zwischen Geschwistern sein, oder aber tiefer gehende Ursachen haben wie ein Minderwertigkeitsgefühl des petzenden Kindes. Vielleicht möchte es einfach stärker von den Eltern wahrgenommen werden. Es ist auch möglich, dass ein Kind nur seinen Willen bekommen möchte, um seine Macht gegenüber dem Bruder oder der Schwester auszuspielen. Welches auch der Grund dafür ist, durch das Petzen wird jedenfalls klar, dass das Kind nicht fähig ist, seine Konflikte eigenständig in den Griff zu bekommen.

Was man in solchen Situationen unbedingt vermeiden sollte, ist, den Kindern Vorwürfe zu machen. Dadurch fühlen sich die Kleinen nur noch mehr zurückgesetzt und es löst auch nicht die Probleme, die hinter dem Petzen stecken.

Laut Michael Schnabel müssen Eltern daher mit dem Nachwuchs sprechen, genau zuhören und sich gemeinsam mit ihnen vor Augen führen, was der eigentliche Grund für das Petzen ist. Durch dieses aktive Zuhören werden die Kleinen dazu ermuntert, sich selbst mit ihren Problemen auseinander zu setzen und nach Lösungen dafür zu suchen. «Die Kinder erwerben durch solche Gespräche emotionale Kompetenzen - eine fundamentale Grundlage für Selbstbewusstsein und Selbständigkeit,» so Schnabel.

Sollte ein Kind allerdings ständig durch Petzen die Aufmerksamkeit von Mutter oder Vater beanspruchen wollen, dann sollten sie einen Schlussstrich ziehen. Sie müssen dem Nachwuchs dann deutlich zu verstehen geben, dass auch die Eltern Bedürfnisse haben und nicht den ganzen Tag ausschliesslich um die Beschwerden der Kinder kümmern können. Schliesslich haben auch sie ab und zu das Recht auf ein paar Minuten Ruhe.

 

Bei Gefahr ist Petzen immer richtig

In einigen Situationen ist es sehr wichtig, jemanden zu verpetzen. Zum Bespiel müssen die Kinder lernen, dass es nicht angebracht ist, ein Geheimnis zu bewahren, wenn dadurch jemand in Gefahr gerät. Die Eltern sollten ihnen daher frühzeitig vermitteln, dass sie sich auch mal gegen den Willen der Freunde oder Geschwister jemandem anvertrauen müssen. Denn durch Petzen können manchmal Gefahrensituationen abgewendet werden. Sich in einem solchen Fall gegen Freunde oder Geschwister zu stellen ist nicht einfach für sie. Daher werden die Kinder das nur tun, wenn sie vorher gelernt haben, dass die Eltern sie für das Petzen nicht verurteilen, sondern ihnen helfen, den zugrunde liegenden Konflikt zu lösen.

 

Weitere Informationen zum Thema Petzen finden Sie hier:

www.familienhandbuch.de: Auf der Internetseite des Staatsinstituts für Frühpädagogik (IFP) gibt es Informationen und Tipps für Eltern.

 


Das könnte Sie auch interessieren

Services & Newsletter