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Mobbing: Wenn Schulen wegsehen…

Ein Schüler wird angespuckt, geschlagen, seine Schuhe verschwinden, er wird jeden Tag von seinen Mitschülern gedemütigt. Lehrer und Schulleitung schauen weg. Leider ist das kein Einzelfall, wie Anti-Mobbing-Coach Laura Ackermann immer wieder erlebt.

Mobbing in der Schule - und die gemobbten Kinder werden allein gelassen.

Schulen lassen gemobbte Schüler allzu oft untergehen. Foto: Ian Espinosa, Unsplash

Eigentlich wollte ich über ein ganz anderes Thema rund um Mobbing schreiben, aber ein Artikel in einer Zeitung hat mich umgestimmt. Dabei ging es um ein weiteres Kind, welches unter schwerem Mobbing leidet. Von der Schule gibt es ausschliesslich Ignoranz, Ausreden und Schweigen. Wie so oft.

Die Vorfälle häufen sich, werden brutaler und man spürt die Verzweiflung der Eltern. Der letzte Schritt ist, die Geschichte über die Presse an die Öffentlichkeit zu tragen, in der Hoffnung, die Schule greift endlich ein.

Stellen Sie sich einmal Mobbing am Arbeitsplatz vor

Ich möchte, dass Sie sich nun folgendes vorstellen: Fünf Tage die Woche gehen Sie mit Bauchschmerzen, Kopfweh, Übelkeit und Angst zur Arbeit. Schon auf dem Weg machen Sie sich Sorgen, Ihren Peinigern zu begegnen. Am Arbeitsplatz angekommen, werden Sie schon am Eingang des Gebäudes mit «Oh nein, da ist die Hässliche wieder!» begrüsst.

Während des Tages werden sie ständig angepöbelt, geschlagen, man uriniert auf Ihre Jacke in der Garderobe, ihre Arbeitsschuhe sind erst gar nicht auffindbar und das Gelächter der anderen ist Ihr stetiger Begleiter. Am Nachmittag werden Sie von vier Arbeitskollegen geschnappt, Ihnen werden Hände und Mund mit Panzertape zugeklebt und Sie werden nach draussen geführt. Da werden Sie mit einem Stoss in den Rücken in einen leeren Pool gestossen. Sie liegen hilflos im Dreck und keiner hilft Ihnen.

Nun wollen Sie sich endlich Hilfe bei Ihrem Chef holen, doch der zeigt für Ihre Sorgen gar kein Verständnis. Sie werden mit den Worten: «Vielleicht solltest du dich einfach mal anpassen, dann lassen sie dich auch in Ruhe» abgespeist.

Hand aufs Herz, wie lange würden Sie noch zur Arbeit gehen?

Mobbing-Erlebnisse: Unglaublich, aber wahr

Diese Beispiele im obigen Text sind nicht aus der Luft gegriffen. Jede einzelne beschriebene Attacke habe ich bei Kindern in meinem Coaching erlebt. Das bricht einem doch das Herz!

Kinder, die von Mobbing betroffen sind, erleben genau diese Dinge. Jeden Tag schickt man sie an den Ort ihres schlimmsten Alptraumes. Der nächste logische Schritt ist das Gespräch mit der Schule. Und hier beginnt nun der Alptraum der Eltern. Ich werde oft nach meinen Erfahrungen mit Schulen gefragt. Was soll ich Ihnen sagen?

Ich könnte Ihnen einen Haufen E-Mails zitieren von Schulleitern, die ihre Berufung wohl verfehlt haben. Ich werde beleidigt, angegangen, mir wird gedroht und meine Bemühungen werden als «Streitsucht» und «Aufstacheln der Eltern» gewertet.

Niemals locker lassen

Darüber kann ich nur müde lächeln und diese Reaktion lässt mich kalt. Es ist natürlich hart, wenn plötzlich jemand auftaucht und den Finger in die so lange und gut gehütete Wunde legt. Ich komme mit Salzstreuer und Juckpulver und stochere in dieser Wunde, bis es keinen Ausweg mehr gibt, als diese Wunde zu behandeln.

Da bin ich penetrant und absolut schmerzfrei! Denn auf der anderen Seite sitzt dieses Kind, für dessen Wohl ich mich einsetzen will. Ich bin die Stimme des Opfers, welches sich durch sein Alter unmöglich selbst wehren kann! Ich gebe den Kindern ein Versprechen – und zwar, dass ich nicht aufhören werde, bevor wir zusammen eine Lösung gefunden haben.

Nicht nur die Schulen tragen die Verantwortung

Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich halte nichts davon, Schulen die komplette Verantwortung zuzuschieben. Ich finde jeder sollte seinen Teil der Verantwortung übernehmen und an der Situation arbeiten. Deswegen coache ich auch die Opfer-Kinder, weil ich weiss, dass auch diese eine gewisse Angriffsfläche bieten, um Mobbing zu ermöglichen.

Aber auch die Eltern der Täter-Kinder muss man in die Verantwortung nehmen. Wenn alle Parteien zusammenarbeiten, erreicht man innert Kürze eine Verbesserung für alle Beteiligten. So simpel wäre es… in der Theorie!

Oft lese ich unter solchen Mobbing-Artikeln im Internet Sätze wie: «Dann musst du dein Kind halt in eine Privatschule schicken.» Ich selbst war in einer Privatschule, vier sehr lange Jahre meines Lebens. Lassen Sie mich eins klar stellen: Zu denken, dass an Privatschulen kein Mobbing herrscht, ist absolut utopisch!

Sind Privatschulen wirklich die Lösung?

Bei uns kam das Mobbing von ganz oben. Ja genau, von den Lehrern und Erziehern. Meine Psychologin, bei der ich mein Schultrauma aufgearbeitet habe, nannte es «Verbale Kindesmisshandlung, wie sie im Buche steht.» Und auch ich erlebe es im Coaching immer wieder, wie Lehrer ihre Machtposition ausnutzen und Kindern das Leben zur Hölle machen.

Der Handlungsbedarf ist enorm. Erst wenn jede Schule diese Problematik erkennt und sich präventiv gegen Mobbing einsetzt, erst dann werde ich Ruhe geben! Ich hoffe wirklich, dass ich dieses Ziel erreiche und auch noch erleben werde. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Es gibt sie: Schulen, die sich einsetzen

An dieser Stelle ist es mir aber ein grosses Anliegen zu erwähnen, dass es durchaus auch Schulen gibt, die sich gegen Mobbing einsetzen. Schulleiter die eingreifen, Lehrer, die Schüler ernst nehmen und diese Attacken sofort zu unterbinden versuchen.

Leider sind diese noch immer rar gesät, aber diesen Menschen möchte ich meinen grössten Respekt und Dank aussprechen. Ihr seid die, die kleine Kinderseelen schützen und unseren Kleinsten die Chance geben, trotz einer schweren Zeit, eine schöne Kindheit zu haben. Danke, Danke, Danke!

BE NICE – SEI NETT

Gewidmet an dieses Mädchen, welches keinen Ausweg mehr sah.

Das ist meine Herzensangelegenheit und deshalb ist es mir eine Ehre für Sie alle schreiben zu dürfen.

Die Zeiten in denen Mobbing zu Tode geschwiegen wird, sind vorbei.

Es braucht klare und offene Worte.

Ich spreche für die, die sich am wenigsten wehren können.

Unsere Kinder!

Ich kämpfe:

Für mehr Toleranz und weniger Diskriminierung!

Für mehr Verständnis und weniger Ignoranz!

Für mehr Zusammenhalt und weniger Einsamkeit!

Für mehr Wahrheit und weniger „schön reden“!

Für mehr eingreifen und weniger wegschauen!

Weitere Information über das Coaching und Laura Ackermann gibt es hier