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Das typische Mobbing-Opfer – gibt es das wirklich?

Ein schwacher Streber mit Brille, Zahnspange und roten Haaren: Sieht so das typische Mobbing-Opfer aus? Anti-Mobbing-Coach Laura Ackermann weiss, dass es heute jedes Kind treffen kann. Auf eine bestimmte Eigenschaft der gemobbten Kinder trifft sie aber immer wieder.

Wie sieht das typische Mobbingopfer aus?

Es gibt heute kein klares Bild eines typischen Mobbing-Opfers mehr. Foto: Annie Spratt, Unsplash

Gibt es das typische Mobbing-Opfer? Haben Sie gleich ein gewisses Bild vor Augen? Einen ehemaligen Schulkamerad? Sehen Sie sich selbst als Kind vor sich? Wissen Sie genau, welche Art Kind ich meine? Man erinnert sich auch an die «Hollywood Teenager Schnulzenfilme», bei denen die Mobbing-Opfer immer die kleinen, dünnen, schwachen Streber sind. Am besten noch mit Zahnspange, Brille und roten Haaren.

Das ist doch das Klischee! Vor vier Jahren hätte ich ziemlich sicher auch noch Eigenschaften wie ruhig, introvertiert, wenig bis kein Selbstvertrauen und nahe am Wasser gebaut hinzugefügt. Möglichst noch aus der Grossstadt, aus sozial schwachen Familien und wahrscheinlich auch eher Kinder von alleinerziehenden Eltern.

Mobbing damals und heute

Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke, waren es tatsächlich diese oben genannten Kinder, die von anderen ständig aufs Dach gekriegt haben. Doch mein Sohn ist alles andere als ruhig und introvertiert und ihn hat es getroffen. Seine roten Haare oder dass er das Kind einer alleinerziehenden Mama ist, waren zudem nicht ein einmal der Grund für das Mobbing. Da fand erstmals ein Umdenken statt bei mir.

Viele behaupten, Mobbing hätte es früher noch nicht gegeben. Auch wenn ich vor 40 Jahren noch nicht auf diesem Planeten gewandelt bin, auch damals gab es Mobbing. Und zwar in der genau gleichen gemeinen Art und Weise wie es Mobbing heute auch gibt. Mit dem Unterschied, dass man die Opfer absolut nicht ernst genommen hat. Warum auch? Man wurde ja auch von den Lehrern geschlagen und es wurde einem einfach gesagt, man solle sich zusammenreissen und kein Weichei sein.

Heute sind wir zum Glück einen Schritt weiter, aber dieser Schritt ist immer noch winzig klein. Heute dürfen die Lehrer unsere Kinder zwar nicht mehr züchtigen, aber Mobbing-Opfer werden bis heute nicht ernst genommen. Am häufigsten sind es die Schulen und Eltern der Täter-Kinder, die Mobbing herunterspielen und somit mit dem Leben dieser Kinder spielen.

Doch gibt es heute noch das typische Mobbing-Opfer?

Nein! Absolut nicht! Heutzutage kann es einfach jeden treffen. 90% der Coachees, die ich betreue, kommen aus kleinen Dörfern, aus intakten Familien mit Mama und Papa, aus guten finanziellen Verhältnissen und haben ein stabiles soziales Umfeld.

Das ist ein Beweis dafür, dass Mobbing keine Grenzen kennt. Wenn sie dich fertig machen wollen, dann werden sie etwas finden. Doch heute kommt das Cybermobbing dazu. Sobald Smartphones mit ins Spiel kommen, geht es nochmals ganz stark bergab. Ich möchte heute nicht nochmal 15 Jahre alt sein müssen. Die Kinder haben es deutlich schwerer als wir Eltern in unserer Schulzeit.

Wir standen damals in unserer Klasse und alle haben über unseren angeblich zu dicken Hintern oder unsere Brille gelacht. Danach sind wir nach Hause gegangen und hatten unsere Ruhe. Aber heute gibt es ein unvorteilhaftes Foto vom vermeintlich zu dicken Hintern und der doofen Brille, einen Klick auf Instagram und etliche andere lachen über dich und betiteln dich als fett, hässlich und bitten dich, dich umzubringen.

Das Mobbing ist aggressiver und es dauert 24 Stunden am Tag, weil du IMMER erreichbar bist! Noch ein Grund, warum es ausnahmslos jeden treffen kann. Auch uns Erwachsene kann es jederzeit erwischen.

Wenn man unbedingt eine typische Eigenschaft nennen müsste, dann diese: Es trifft immer die gutmütigsten Menschen mit dem grössten Herz. Denn diese Kinder leiden wie verrückt und bieten den Tätern die perfekte Angriffsfläche. Denn Mobbing muss sich lohnen!

Nehmen Sie Ihr Kind ernst

Liebe Eltern, halten Sie die Augen offen, informieren Sie sich über Mobbing und darüber, wie man Mobbing vorbeugt. Nehmen Sie Ihr Kind ernst und motivieren Sie es auch immer wieder dazu, offen mit Ihnen als Eltern zu sprechen. Lassen Sie Ihr Kind wissen, dass Sie immer da sind, zuhören und ihm helfen. Sensibilisieren Sie Ihre Kinder dazu, Mitschüler zu schützen und nicht einfach wegzusehen. Wegschauen ermöglicht Mobbing noch zusätzlich.

Seien Sie sich stets bewusst, es kann auch Ihr Kind treffen und dann hoffen Sie auch, dass jemand eingreift und Ihr Kind beschützt!

BE NICE – SEI NETT

Gewidmet an dieses Mädchen, welches keinen Ausweg mehr sah.

Das ist meine Herzensangelegenheit und deshalb ist es mir eine Ehre für Sie alle schreiben zu dürfen.

Die Zeiten in denen Mobbing zu Tode geschwiegen wird, sind vorbei.

Es braucht klare und offene Worte.

Ich spreche für die, die sich am wenigsten wehren können.

Unsere Kinder!

Ich kämpfe:

Für mehr Toleranz und weniger Diskriminierung!

Für mehr Verständnis und weniger Ignoranz!

Für mehr Zusammenhalt und weniger Einsamkeit!

Für mehr Wahrheit und weniger „schön reden“!

Für mehr eingreifen und weniger wegschauen!

Weitere Information über das Coaching und Laura Ackermann gibt es hier