Selbstbewusst durchs Leben: So verhelfen Sie Ihrem Kind zu mehr Selbstvertrauen

Ich traue mich nicht. Ich kann das nicht. Bis Teenager fest im Leben stehen, gehören Selbstzweifel zur Identitätsentwicklung dazu. Erschweren sie aber den Umgang mit Gleichaltrigen oder neuen Herausforderungen, deuten sie auf mangelndes Selbstwertgefühl hin. Die gute Nachricht: Selbstbewusstsein kann trainiert werden. Und Eltern können dazu beitragen.

Mit gestärktem Selbstbewusstsein können Jugendliche ihr Potenzial besser ausschöpfen.

Ein gesundes Selbstbewusstsein erlaubt es Jugendlichen, ihre Stärken und Schwächen einzuschätzen und neue Herausforderungen zuversichtlich anzugehen. Foto: Brainsil, iStock, Thinkstock.

In der Pubertät definieren sich Jugendliche neu. Ihr Umfeld hat dabei einen bedeutenden Einfluss: Teenager fühlen sich nur wohl, wenn sie sich von Gleichaltrigen akzeptiert fühlen. Unsicher zu sein, welche Reaktionen man beim Umfeld auslöst, ist normal. Auf dem Weg zum Erwachsensein lernen Jugendliche sich selbst kennen und vertrauen. Generell kann man sagen: Je besser Teenager wissen, welche Stärken, Schwächen und Eigenheiten zu ihnen gehören, umso angstfreier und zuversichtlicher können sie ihrer Zukunft entgegengehen. Denn mit trainiertem Selbstbewusstsein vermögen sie, sich einzuschätzen und sich angemessene Ziele zu setzen.

Mangelndes Selbstbewusstsein erkennen

Wenn Jugendliche abwertend von ihrem Aussehen oder ihren Fähigkeiten denken, stehen sie sich bei jeder neuen Herausforderung selbst im Weg. Eltern können Anzeichen für mangelndes Selbstbewusstsein erkennen und entsprechend reagieren. Vergleicht sich Ihr Kind oft mit anderen und fühlt sich weniger wert? Traut es sich neue Aufgaben nicht zu? Gibt es schnell auf? Tut es sich schwer, Komplimente anzunehmen? Treffen zumindest einige dieser Verhaltensmuster auf Ihr Kind zu, ist es Zeit für eine Veränderung.

Selbstbewusster werden: Aufbau des «mentalen Immunsystems»

Fühlt sich ein Teenager minderwertig, ist der Rückhalt in der Familie bedeutend. Eltern können ihren Kindern mit gutem Vorbild vorangehen und Selbstvertrauen vorleben. Nachfolgend finden Sie einige Tipps, wie Sie Ihr Kind auf seinem Weg zur Selbstachtung unterstützen können.

Ihrem Kind zeigen, dass es auf Sie zählen kann.

Obgleich Ihr Sprössling Ihnen manchmal einen Korb geben mag und nicht über seine Probleme reden will, steht fest: Jugendliche brauchen feste Bezugspersonen, von denen sie sich geliebt fühlen, so wie sie sind. Schenken Sie Ihrem Kind zumindest einmal täglich Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit, zeigen Sie Interesse und versichern Sie ihm, dass sie ihm gerne zuhören. Nehmen Sie die Gefühle Ihres Kindes ernst und tun Sie sie nicht als Teenager-Laune ab. Wenn seine Gefühle nicht übergangen werden, fällt es Ihrem Kind auch leichter, sich selbst anzunehmen.

Ihrem Kind zu Selbstliebe verhelfen.

Jugendliche sehen sich selbst nur im Vergleich mit anderen. Da ist der Freund, der viel besser im Sportunterricht ist. Oder die Schwester, die spielend leicht Französischvokabeln lernt. In jedem Bereich findet sich jemand, der die eigene Leistung toppt. Wenn Ihr Kind von sich verlangt, perfekt zu sein, wird es nie aufhören, sich selbst als unfähig wahrzunehmen. Sprechen Sie Ihr Kind auf die Massstäbe an, die es sich für seine Leistungen gesetzt hat. Warum kamen sie zustande? Und vor allem: Sind sie realistisch? Für den bekannten Psychotherapeuten und Autor Rolf Merkle ist die Formel für mehr Selbstbewusstsein in sechs Worte gefasst: «Behandle dich selbst wie einen Freund.» Wenn Ihr Kind wieder einmal an sich und seinen Fähigkeiten zweifelt, fordern Sie es auf, sich zu überlegen, wie es reagieren würde, wenn ein Freund dasselbe erleben würde. Ihr Kind wird sagen, dass es den Freund trösten würde, statt ihn abzuwerten. Zeigen Sie Ihrem Kind, dass es dieselbe Wertschätzung verdient.

Ihr Kind richtig loben.

Heute sind Experten der Ansicht, dass sich exzessive Lobeshymnen kontraproduktiv auf das jugendliche Selbstbewusstsein auswirken. Wichtig ist, dass Sie Ihr Lob auf die Anstrengung Ihres Kindes konzentrieren, nicht auf sein Talent. Ein Beispiel: Das gut gemeinte «Du bist ein grossartiger Pianist!» nach dem Klavierkonzert führt dazu, dass sich Ihr Kind selbst unter Druck setzt, um angebliche Erwartungen zu erfüllen. Sagen Sie besser, dass Ihnen das Konzert sehr gefallen hat.

Die Widerstandskraft Ihres Kindes fördern.

Wichtig ist, dass Jugendliche lernen, Erfolg anzunehmen und mit Misserfolgen umzugehen, ohne sich selbst als Person abzuwerten. Sobald Ihr Kind versteht, dass es aus Fehlern lernen kann, steckt es Krisen besser weg. Es wird «immun».
Eine konkrete Übung: In einem Moment des Erfolgs oder des Misserfolgs, beispielsweise nach erfolgreichem Durchsetzen eines Anliegens in der Gruppe oder aber nach einer schlechten Note in der Schule, können Sie Ihrem Kind vorschlagen, einen kurzen Brief in der Du-Form an sich selbst zu schreiben. Zuerst soll es die Situation und seine Wahrnehmung davon skizzieren und sich fragen, worin die Ursache für den Erfolg oder den Misserfolg lag. Danach kann es ein Fazit ziehen, in dem es sich selbst lobt oder, im Falle eines Misserfolgs, die Punkte hervorhebt, die es gut gemacht hat. Der Brief kann aufbewahrt und immer wieder gelesen werden. Da die Worte von ihm selbst stammen und sie nicht bloss «gutes Zureden» der Eltern sind, lernt Ihr Kind, auf sich selbst zu hören und sich zu vertrauen.

Mit dem Selbstbewusstsein kommt die Selbstsicherheit

Vorstellungsgespräche, Präsentationen oder bloss sich melden im Unterricht sind Feuerproben für das Selbstbewusstsein. Das selbstsichere Auftreten, das sich alle dabei wünschen, kann erreicht werden – sobald Teenager von ihrem Wert als Person und von ihren Fähigkeiten überzeugt sind. Sie vermögen im Voraus einzuschätzen, ob sie die Herausforderung meistern können und setzen sich entsprechende Ziele. Denn selbstsicher sein bedeutet nicht, zu glauben, alles erreichen zu können. Es bedeutet, sich das zuzutrauen, was man erreichen kann. Und so heisst es plötzlich: Du traust dich. Du kannst das.


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