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So entsteht Urvertrauen: Wie wir unsere Kinder fürs Leben stärken

Wenn Babys und Kinder geborgen und liebevoll aufwachsen, entwickeln sie eine emotionale Sicherheit, die sie fürs Leben stärkt. Wir erklären, wie das sogenannte Urvertrauen entsteht und welches Verhalten es fördert. Ausserdem: Vier Tipps, mit denen Sie Ihre Kinder für jede Herausforderung wappnen. 

Baby greift nach der Hand des Vaters

Immer für dich da: Kleinkinder, die wissen, dass sie sich auf die Eltern verlassen können, fühlen sich geborgen und sicher – und das stärkt das Urvertrauen. Bild: GettyImages Plus, Marco_Piunti

Bestimmt haben auch Sie schon oft vom sogenannten Urvertrauen gehört oder gelesen. Der Begriff Urvertrauen bezeichnet eine stabile soziale Einstellung, die in den ersten Lebensmonaten eines Kindes geprägt wird. Es lernt, dass es anderen Menschen vertrauen kann, dass sie verlässlich sind und es geborgen ist. Auf Basis des Urvertrauens entwickelt ein Kind seine Persönlichkeit. Nach dem Ausmass der erworbenen Erfahrungen richten sich im Lauf des Lebens Mut oder Scheu, die Fähigkeit, sich auf Beziehungen mit anderen Menschen einzulassen und Nähe zuzulassen.

Urvertrauen beeinflusst die Gesundheit

Menschen mit einem guten Urvertrauen können mit belastenden Situationen besser umgehen. Sie lernen, wie sie sich in solchen Situationen verhalten oder diese vermeiden. Damit wird ihr Vertrauen in sich selbst und ihre Persönlichkeit weiter gestärkt. Fehlt das Urvertrauen, werden Selbstvertrauen und die Resilienz in Mitleidenschaft gezogen. Auch auf die Gesundheit hat Urvertrauen Einfluss. Wer weniger gestresst ist, dessen Immunsystem ist stabiler und weniger anfällig für akute oder chronische Krankheiten.

Aber wie entwickelt sich dieses Urvertrauen? Theoretisch ist es ganz einfach: Vertrauen entwickelt sich, wenn Eltern und Bezugspersonen sich kontinuierlich liebevoll um ein Kind kümmern und es in seiner Entwicklung unterstützen. Die Umsetzung in der Praxis ist natürlich jeweils etwas herausfordernder.

Alles beginnt im Mutterleib

Der Grundstein für ein starkes Urvertrauen wird schon im Bauch der Mama gelegt. Die Mutter ist der erste Mensch, zu dem ein Baby eine Bindung aufbaut. Schon während der Schwangerschaft nimmt es Gefühle und Reaktionen der Mutter wahr. Durch Bonding direkt nach der Geburt wird die Eltern-Kind-Bindung gestärkt. Nach der Geburt ist das Baby auf die Versorgung durch seine Umwelt angewiesen, es wächst und lernt von den Menschen um es herum. Für die Entwicklung von Selbstwertgefühl, Vertrauen und Einfühlungsvermögen sind die ersten Lebensmonate und Jahre bedeutend.

So stärken Sie das Urvertrauen Ihres Kindes

Wie kann man Urvertrauen stärken? Um ihren Nachwuchs möglichst stark zu machen für seinen Weg durchs Leben, können Eltern ihm vor allem viel Liebe, Zuneigung und Zeit schenken. Vier Tipps, wie Sie das Urvertrauen Ihrer Kinder stärken und fördern. 

1 Aufmerksamkeit und Zuwendung: Seien Sie als Mutter oder Vater aufmerksam, reagieren Sie sofort und trösten Sie ihr Baby, wenn es schreit. So lernt es, dass es nicht allein ist und keine Angst haben muss. Sprechen Sie mit Ihrem Kind, Ihre Stimme hat es schon im Mutterleib gehört, sie wirkt beruhigend. Sehen Sie Ihrem Kind in die Augen und Lächeln Sie viel, zeigen Sie vor allem positive Gefühle. 

2 Rituale: Wiederkehrende Situationen sind wichtig für Babys. Durch Vorsingen beim Einschlafen oder sanftes Kitzeln beim Aufwachen lernen Babys eine Struktur im Tagesablauf zu erkennen. Auch das Stillen oder Fläschchen geben ist ein Ritual, bei dem durch Wiederholungen wie Händchenkraulen Vertrauen geschaffen werden kann.

3 Schmusen, Kuscheln, Hautkontakt: Körperliche Nähe und Geborgenheit ist wichtig. Durch Hautkontakt erfahren Babys eine besondere Bindung. Legen Sie als Mutter oder Vater zum Beispiel den nackten Säugling auf Ihren nackten Oberkörper, schaffen Sie tiefes Vertrauen. Auch eine liebevolle Babymassage entspannt und gibt innere Ruhe.

4 Bedürfnisse erkennen: Jedes Kind ist unterschiedlich und hat unterschiedliche Bedürfnisse. Nehmen Sie sich Zeit für Ihr Kind und geben Sie Ihrem Kind den Kontakt, den es braucht. Zeigen Sie Ihre Freude, wenn sich Ihr Kind offensichtlich für Sie oder die Dinge in seiner Umgebung interessiert, und unterstützen Sie seine Neugier um Vertrauen und Selbstständigkeit zu fördern.

Bei Bindungsproblemen: Holen Sie sich Unterstützung!

Manche Mütter leiden direkt nach der Geburt durch den Hormonabfall an einem Stimmungsabfall und Zweifeln. Eine schwierige Geburt kann ausserdem zu Anlaufschwierigkeiten in der Beziehung zu Ihrem Baby führen. Versuchen Sie gelassen zu bleiben und langsam zueinander zu finden. Wenn Sie das Gefühl haben, dass die Probleme nicht weniger werden, oder an einer Wochenbettdepression zu leiden, holen Sie sich Hilfe bei Ihrer Hebamme, Gynäkologin oder Kinderäztin.

Fehlendes Urvertrauen: Erfahrungsvertrauen stärken

Nicht alle Kinder wachsen geborgen auf. Wenn die Eltern oder nahe Bezugspersonen ein Kind gefühlsmässig ablehnen, vernachlässigen, oder gar misshandeln, entwickelt sich Vertrauen nur schlecht. Selbst wenn Kinder geborgen aufgewachsen sind, können traumatische Erlebnisse dazu führen, dass das Urvertrauen verletzt wird. Beispielsweise kann eine Trennung der Eltern, wenn das Kind noch sehr jung ist, zu Erfahrungen wie Angst und Unsicherheit statt Vertrauen führen. Mögliche Bindungsängsten und Opferhaltung beim Kind sind die Folge. Aber auch Mobbing ausserhalb der Familie, Trauer und Verlust können solche Erlebnisse sein.

Negative Erlebnisse «überschreiben»

Oft werden solche Situationen in der Kindheit nicht erkannt oder behoben und begleiten Menschen ihr Leben lang. Menschen mit geringem Urvertrauen können sogenanntes «Erfahrungsvertrauen» aufbauen, schreibt Gesprächstherapeutin und Coach Anne Heintze in ihrem Buch «Urvertrauen» Negative Erlebnisse lassen sich «überschreiben», es bilden sich neue Nervenverbindungen, die Verhalten und Vertrauensfähigkeit verändern. Indem man Erfahrungsvertrauen aufbaut, lernt man durch positive Erfahrungen sein Selbstvertrauen aufzubauen und kann in schwierigen Situationen darauf zurückgreifen.