Facebook Pixel

Nie mehr Stress mit den Ufzgi: Mit diesen Tipps klappt's mit den Hausaufgaben

Hausaufgaben sorgen in vielen Familien immer wieder für Diskussionen, Stress und Streit. Was früher als sinnvolle Lernmethode galt, ist heute oft eine Belastung für Schüler, Eltern oder Lehrer. Warum schafft man die Ufzgi denn nicht einfach ab? Der Familienleben-Experte und Lernberater Michael Berger erklärt die Idee hinter den Hausaufgaben und verrät, wie das Ufzgi-lösen diskussions- und stressfrei klappt.

Hausaufgaben unterstützen gezieltes Lernen.

«Hast du die Ufzgi gemacht?»: Hausaufgaben sorgen immer wieder für Stress in der Familie, auch weil viele Eltern sich in die Rolle eines Hilfslehrers gedrängt fühlen. Bild: damircudic, Getty Images

Ufzgi! Ein Dauerbrenner – und zwar bei allen Beteiligten, ob Schüler, Eltern oder Lehrpersonen. Alle klagen darüber: Die Belastung sei für alle Parteien gross und der direkte Nutzen halte sich in Grenzen. Ich frage mich: Wozu eine Tradition beibehalten, die scheinbar in der Praxis keinen Nutzen zeigt? Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, müssen wir anschauen, wie Hausaufgaben überhaupt entstanden sind.

Neue Strukturen verlangen neue Lernformen

Schon im 15. Jahrhundert wurden in Schulordnungen die Arbeitspflichten erwähnt und geregelt. Die Idee war, dass Kinder das selbstständige Arbeiten einüben und den Unterrichtsstoff vertiefen. Auch heute gibt es noch viele Personen, die Hausaufgaben als notwendig ansehen, damit Schüler das selbständige Lernen und die Zeiteinteilung üben, denn diese Eigenschaften werden als wichtige Fähigkeiten für später erachtet.

Auch die Bildungspolitik hat sich diesbezüglich wenig geändert in den letzten Jahrzehnten, was aufgrund der Zeitspanne und der veränderten Gesellschaft erstaunt. Denn: Heute gibt es immer weniger Grossfamilien und vielfach müssen beide Elternteile arbeiten. Das bedeutet in diesem Fall, dass sich die Voraussetzungen für Hausaufgaben merklich verändert haben, obwohl die Anforderungen eher gestiegen sind.

Auch die Berufswelt hat sich in den Jahren gewandelt, aber dieser Teil der Bildung wird nur selten angetastet. Da stellen sich viele zurecht die Frage: Sind Hausaufgaben überhaupt noch zeitgemäss?

Lernen ohne Ufzgi: Diese Schulen machen es vor

Könnte man die Hausaufgaben nicht einfach abschaffen? Die Gemeinde Kriens in Luzern hat genau das flächendeckend eingeführt. Frau Luthiger-Senn, die Leiterin des Departementes Bildung und Kultur von Kriens, begründet den Entschied damit, dass es erwiesen sei, dass viele Hausaufgaben wenig bis keinen Lerneffekt haben. Die Hausaufgaben werden in die Schule integriert und einzig das Üben für Prüfungen oder das Lernen von Wörtern werden noch mit nach Hause gegeben. Die klassischen Ufzgi wurden also abgeschafft.

Auch der Kanton Schwyz wollte den Versuch wagen: Bereits im Jahr 1993 hat das Bildungsdepartement des Kantons Schwyz entschieden, die Hausaufgaben abzuschaffen und diese in den Unterricht zu integrieren. Diese Massnahme wurde jedoch seitens der Eltern bekämpft und 1997 wieder aufgehoben.

Für einen Lernerfolg ist eine enge Zusammenarbeit nötig

Warum wünschen sich Eltern Hausaufgaben, obwohl sie diese als Belastung einschätzen? Der Grund ist simpel: Sie wollen wissen, wo das Kind steht. Zudem werden Ufzgi als Verbindung zur Schule gesehen, was viele Eltern schätzen. Im Merkblatt des Kantons Luzern steht sogar: «Hausaufgaben sind ein Fenster zur Schule und geben den Eltern Einblick, was dort läuft. Auf der anderen Seite können die Kinder mit den Hausaufgaben zu Hause zeigen, was sie gelernt haben. Arbeiten Schule und Eltern gut zusammen, unterstützen Hausaufgaben die Schülerinnen und Schüler beim Lernerfolg.»

Aus meiner Sicht ist dies eine Idealvorstellung. Wie schon erwähnt, hat sich die Gesellschaft gewandelt und nach einem langen Tag bergen Hausaufgaben oftmals mehr Konfliktpotenzial als Nutzen. Denn die Konflikte entstehen aufgrund des Zeitaufwandes sowie der Verständlichkeit, weil Eltern oft als eine Art Hilfslehrer arbeiten und diese Doppelrolle für sie zusätzlicher Stress bedeutet. Besser wäre hier eine andere Lösung, die sowohl das Kind als auch die Eltern entlasten könnte.

Gibt es denn eine Alternative? Natürlich gibt es die!

Lerntagebücher und andere sinnvolle Alternativen 

Ich sehe zum Beispiel in Lerntagebüchern eine grosse Chance. Da es ja vielfach um die Verbindung zur Schule geht und um den Überblick des Lernstandes des Kindes, wäre diese Option viel effizienter. Das Kind reflektiert den Schultag und beschreibt, was es gemacht hat. Vielleicht erkennt es sogar einen Lernfortschritt oder ein Übungsfeld, welches es noch zu bewältigen hat.

Das wäre allgemein eine gute Lernmethode. Somit könnten sich Eltern informieren und mit dem Kind über die Schule sprechen, ohne dass ein Leistungsdruck entsteht. Ich bin mir sicher, dass dadurch viele Konflikte vermieden werden könnten und es sich auch positiv auf die Wahrnehmung der Schule auswirkt. Für Eltern würde es einfach bedeuten, dass sie dem Kind mehr Vertrauen schenken müssen und nicht mehr Einfluss auf die Hausaufgaben nehmen können. Das würde sich auch positiv auf das Budget vieler Familien auswirken, da in der Schweiz jedes dritte Kind Nachhilfe benötigt, um die Hausaufgaben zu schaffen oder sich auf Prüfungen vorzubereiten.

Lernen leicht gemacht: 5 Tipps gegen den Ufzgi-Stress

Dauer

Eingebürgert hat sich die Zehn-Minuten-Regel pro Tag. Das bedeutet, dass die Hausaufgaben pro Schuljahr zehn Minuten betragen sollten: Erstklässlicher verbringen zehn Minuten, Sechstklässler 60 Minuten mit den Hausaufgaben. Sollte Ihr Kind diese Zeit deutlich überschreiten, empfehle ich ein Gespräch mit der Lehrperson über mögliche Lösungen.

Gewohnheit

Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind Hausaufgabenzeiten. Wird der Zeitpunkt zur Gewohnheit, beginnt Ihr Kind automatisch mit der Arbeit, denn es wird zur alltäglichen Handlung. Auch ein Hausaufgabenplan ist hier hilfreich. Planen Sie die Arbeit so, dass damit genügend Freizeit bleibt.

Pausen

Achten Sie auf Pausen, denn die Konzentration Ihres Kindes ist beschränkt. Nach jeder Konzentrationsphase ist eine kurze Pause sinnvoll: Fünf Minuten reichen. Machen Sie etwas Entspannendes, z.B. eine Bewegungsaktivität oder essen und trinken, bevor es mit der Arbeit weitergeht. Folgende Richtwerte für die Länge der Konzentrationsphase gibt es:

5 bis 7 Jahre: 15 Min Konzentration

7 bis 10 Jahre: 20 Min Konzentration

10 bis 12 Jahre: 25 Min Konzentration

12 bis 15 Jahre: 30 Min Konzentration

Verantwortung

Geben Sie die Verantwortung ab. Sie dürfen Ihr Kind gerne an die Hausaufgaben erinnern, doch nicht ständig. Sich mal ohne gemachte Hausaufgaben in der Schule rechtfertigen zu müssen, hilft oftmals mehr als ständiges nörgeln Ihrerseits. Hierbei ist natürlich das Alter des Kindes zu beachten.

Hilfestellung

Eigentlich muss Ihr Kind die Aufgaben lösen und nicht Sie. Helfen Sie nur, wenn die Hilfe gewünscht ist, und nehmen Sie sich die Freiheit, mal etwas Unverstandenes ungelöst abgeben zu lassen. Mit einer Information an die Lehrperson sollte dieses Vorgehen auch keine Konsequenzen haben. Die Lehrperson sieht so, wo noch Schwierigkeiten vorhanden sind, und kann darauf eingehen.

Michael Berger gezielt lernen

Michael Berger ist Schulischer Heilpädagoge und in seiner ersten Ausbildung Kindergartenlehrperson. Mittlerweile hat er auf jeder Schulstufe unterrichtet und ist nun auf der Oberstufe tätig. Auf seiner Online-Plattform gezielt-lernen.ch bietet er Beratungen, Seminare und Vorträge an.