Ein Bus, der Kinder zu Fuss zur Schule bringt

Eltern, die ihr Kind mit dem Auto zur Schule chauffieren, verursachen teilweise ein regelrechtes Verkehrschaos. Der Pedibus ist eine sinnvolle Alternative für Kinder, deren Eltern die Sprösslinge nicht zur Schule begleiten können.

Die Grafik zeigt, wie der Pedibus funktioniert

Die Grafik zeigt, wie der Pedibus funktioniert: Ein Elternteil startet mit seinem Kind und «lädt» unterwegs zur Schule immer mehr Kinder in den Bus ein. (Bild: © Etienne & Etienne/zVg VCS)

Jeden Morgen bietet sich vor vielen Schweizer Schulen das gleiche Bild. Autos, mit denen Kinder zur Schule chauffiert werden, stauen sich vor dem Schulgebäude und sorgen für eine unübersichtliche und damit gefährliche Verkehrssituation. «Nicht nur aus diesem Grund sind Elterntaxis ungeeignet», sagt Christine Steinmann, Projektleiterin Verkehrssicherheit beim Verkehrs-Club der Schweiz (VCS). «Kinder, die zur Schule und zurück nach Hause gefahren werden, können nicht täglich üben, sich im Verkehr sicher zu bewegen.»

Doch was tun, wenn keine Zeit vorhanden ist, das Kind täglich zu Fuss zur Schule und zurück zu begleiten, das Kind aber noch zu klein oder zu unerfahren ist, um einen langen oder gefährlichen Schulweg allein zu gehen? «Ist der Schulweg unverhältnismässig lang, muss die Gemeinde den Transport sicherstellen», erklärt Christine Steinmann. Klassischerweise setzt sie dann einen Schulbus ein. Das Problem allerdings sei, dass es keine allgemein gültigen und klaren Richtlinien gebe, wann ein Schulweg zu lang, durch Steigungen zu anstrengend oder zu gefährlich sei. «Die Zumutbarkeit des Schulweges ist eine subjektive Betrachtungsweise», so die Verkehrs-Expertin.

Darüber hinaus sei individuell verschieden, was ein Kind bewältigen kann – oder eben nicht. Dabei spiele auch das Alter eine Rolle: «Ein Kilometer kann für ein vierjähriges Kind schon ziemlich lang sein, während zwei Kilometer für einen Zehnjährigen kein grosses Problem sind.» Wenn die Gemeinde nicht für einen zumutbaren Schulweg sorge, müssten die Eltern intervenieren, auf die Gemeinde zugehen und um eine Lösung bitten.

Der Pedibus: eine einfache Lösung

Eine einfache Lösung, die zunehmend Eltern und Gemeinden begeistert, ist der Pedibus. Der Pedibus ist ein Bus, der nicht fährt, sondern läuft, auf Kinderfüssen. Geführt wird er von einem Elternteil. Der VCS empfiehlt mindestens einen Erwachsenen für acht Kinder. Haltestellen markieren die Treffpunkte. «Wir gehen von 240 bis 280 Linien in der Schweiz aus», sagt Steinmann. Vor allem Eltern in der Romandie sind bereits seit 15 Jahren eifrige Organisatoren von Pedibus-Linien. Allein in diesem Landesteil zählt der VCS zirka 200 Linien. Im Durchschnitt sei eine Pedibus-Linie etwa 700 Meter lang.

Der Pedibus: die Vorteile

Gemeinsam läuft es sich leichter:
Wer alleine trottet, dem wird leicht jeder Schritt zu viel. In der Gruppe dagegen wird erzählt und gelacht, sodass der Schulweg mehr Spass macht. «Kindern fällt es leichter, zu gehen, wenn viele dabei sind», sagt Steinmann.

Schritt für Schritt verkehrssicher:
Kinder, die mit dem Pedibus zur Schule und zurück laufen, machen täglich auf denselben Wegen Erfahrungen mit dem Verkehr. «Der Pedibus-Führer weist sie immer wieder auf besonders heikle, gefährliche Stellen hin. Dort üben die Kinder stets aufs Neue, sich richtig zu verhalten. Mit der Zeit wissen sie genau, wo sie besonders aufpassen müssen», erklärt Steinmann. Schritt für Schritt gewinnen sie an Sicherheit auf dem Schulweg – und können ihn irgendwann alleine gehen.

Frische Luft und Bewegung:
Kinder, die morgens mit dem Pedibus zur Schule laufen, haben Gelegenheit, sich schon vor der Schule zu bewegen, den Kreislauf zu mobilisieren und Sauerstoff zu tanken. So können sie sich besser im Unterricht konzentrieren.

Pedibus schont die Umwelt:
Der Pedibus verbraucht kein Benzin und kommt ohne Luftverschmutzung voran. Kurzum – er schont die Umwelt.

Pedibus erfordert Einsatz

Eigeninitiative von Eltern, Grosseltern, Göttis oder anderen Erwachsenen ist notwendig, damit der Pedibus zuverlässig seinen Fahrplan einhält. «Es ist schon vorgekommen, dass Eltern einen Pedibus einrichten wollten, aber sich zu wenige Eltern fanden, die bereit waren, sich dafür einzusetzen», berichtet Christine Steinmann. «Wer eine Pedibus-Linie will, muss auch ein bis zwei Mal in der Woche den Pedibus führen können.» Dazu kommen Bereitschaftszeiten für den Fall, dass ein Busführer plötzlich ausfallen sollte. An den Gemeinden dagegen ist bisher noch kein Pedibus-Wunsch gescheitert. «Ich habe noch nie gehört, dass es von Seiten der Gemeinden zu Problemen gekommen ist», sagt die VCS-Projektleiterin. Im Gegenteil – viele Gemeinden seien Eltern-Initiativen, die eine Pedibus-Linie gründen wollen, gegenüber sehr aufgeschlossen.

So richten Eltern eine neue Pedibus-Linie ein

Der VCS unterstützt Eltern, die eine neue Pedibus-Linie planen. Auf der «Pedibus»-Informationsseite im Internet hält er notwendige Informationen und Vorlagen bereit. Der Verkehrsclub rät Eltern, folgendermassen vorzugehen:

  • Sich zusammentun: Wichtig ist, zunächst Gleichgesinnte zu finden. So lässt sich zum Beispiel bei einem Elternabend in der Schule für das Pedibus-Projekt werben.
  • Route planen: In dieser Phase setzen sich alle Eltern zusammen, die sich beteiligen wollen. Gemeinsam besprechen sie, wo die Route verlaufen soll und wo Haltestellen stehen können. Haltestellen, die nicht auf privatem Grund aufgestellt werden, benötigen eine Genehmigung der Gemeinde. Haltestelletafeln lassen sich über die Seiten des VCS bestellen. Je nach Ausführung kosten sie zwischen 30 und 1000 Franken. Eltern können bei der Gemeinde nachfragen, ob sie bereit ist, diese Kosten zu übernehmen.
  • Fahrplan erstellen: Ein Bus benötigt einen Fahrplan, der sich nach den Stundenplänen der Kinder richtet. Wie sich ein solcher Fahrplan erstellen lässt, erklärt der VCS auf der Pedibus-Webseite.
  • Einsatzplan klären: Wer führt wann den Pedibus? Wer hält sich in Bereitschaft? Das sind die Kernfragen bei der Erstellung des Einsatzplans. Alle Eltern und Begleitpersonen benötigen ausserdem eine Telefonliste.
  • Versicherung abschliessen: Eine Unfall- und Haftpflichtversicherung schützt die Begleitpersonen. Sie lässt sich kostenlos bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) abschliessen.

Weitere Informationen zum Thema Schulweg

Auf der Webseite www.schulwege.ch informiert der VCS über seine Kampagnen für mehr Sicherheit auf dem Schulweg. Der VCS versucht zudem mit den Aktionswochen «walk to school» einen Kontrastpunkt zu Elterntaxis zu setzen. Für jeden Tag, an dem alle Schülerinnen und Schüler zu Fuss zur Schule gekommen sind, kann die Klasse Punkte sammeln. Lehrerinnen und Lehrer können ihre Klasse hier für die Aktionswochen anmelden: www.walktoschool.ch

Broschüren zum Thema Schulweg

Broschüre Pedibus

«Ich gehe mit dem Pedibus zur Schule!» Die Broschüre erklärt das Prinzip des Pedibuses und zeigt die Vorteile für Kinder und Eltern auf. Die Broschüre kann beim VCS bestellt werden.

Broschüre Erlebniswelt Schulweg

«Erlebniswelt Schulweg, so bereite ich mein Kind darauf vor» Der Prospekt erklärt, warum man gerade kleine Kinder für die Gefahren im Strassenverkehr sensibilisieren muss, zeigt Alternativen zum Elterntaxi auf und gibt Ratschläge, nach welchen Kriterien man den Fussweg auswählen soll.

 

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