Baby > Stillen & ErnährungWie lange sollte ich mein Kind stillen? Das sagen Experten dazu – und wann Beikost dazukommtSo unterschiedlich die Charaktere von Babys sind, so unterschiedlich ist auch ihr Trinkverhalten. Manche Säuglinge melden sich sechs Mal in 24 Stunden, andere achtzehn Mal – im Schnitt sind es elf [6]. Aber wie lange sollten Mütter ihr Kind ausschliesslich mit Muttermilch ernähren? Wir zeigen dir, wie lange und wie oft Stillen normal ist und wann Beikost dazukommt. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Ob von der Brust oder aus dem Fläschchen: In den ersten Monaten brauchen Säuglinge keine zusätzliche Nahrung – Muttermilch reicht aus. Einzig Vitamin D wird täglich zugefüttert. Foto: GettyImages Plus, Aliseenko Keine Frage: Muttermilch ist in den ersten Lebensmonaten nach der Geburt die beste Nahrung für einen Säugling und reicht als Nahrung vollkommen aus. Muttermilch enthält Eiweiss, Fett, Kohlenhydrate, Mineralstoffe, Vitamine, Eisen, Immun- und Abwehrstoffe. Sie schützt das Kind vor Infektionen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich und im Magen-Darm-Trakt und gilt als Schutzfaktor gegen den plötzlichen Kindstod [2]. Aus diesem Grund sollten Kinder in den ersten Monaten ihres Lebens möglichst ausschliesslich Muttermilch bekommen. Ob du deine Milch abpumpst oder dein Kind direkt an der Brust trinkt, spielt dabei keine Rolle. Zwei Nährstoffe kommen trotzdem dazu: Vitamin K erhalten alle Neugeborenen in den ersten Lebenswochen von der Kinderärztin oder dem Kinderarzt, und Vitamin D wird im ganzen ersten Lebensjahr täglich als Tropfen gegeben – über die Nahrung und über das Sonnenlicht kommt meist zu wenig davon zusammen. Die Dosierung besprichst du mit einer Fachperson [5]. Expertenrat: Kinder sechs Monate ausschliesslich stillen Zurecht fragen sich viele Mütter: «Wie lange soll ich mein Kind stillen?» Aufgrund der besonderen Qualität von Muttermilch raten viele Fachleute, dass Mütter ihre Babys ein halbes Jahr lang ausschliesslich stillen sollten. «Säuglinge benötigen in den ersten sechs Lebensmonaten keine Nahrungs-Zusätze wie Brei und Pulvermilch», sagt auch Autorin und Pflegeexpertin Brigitte Benkert. Mit dieser Einschätzung folgt sie der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO): Alle Säuglinge sollen sechs Monate ausschliesslich gestillt werden und anschliessend – nach Einführung der Beikost – bis zum Alter von zwei Jahren und länger weiter gestillt werden können [1]. Und wenn Stillen nicht klappt oder du dich dagegen entscheidest? Dann findest du hier die Alternativen zur Muttermilch. Wie oft stillen ist normal? Auf diese Frage gibt es keine Zahl, die für alle stimmt – und genau das ist das Ergebnis der Forschung. In einer australischen Untersuchung wurden 71 voll gestillte Babys im Alter von einem bis sechs Monaten über 24 Stunden hinweg vor und nach jeder Mahlzeit gewogen. Ergebnis: Die Kinder tranken im Schnitt elf Mal pro Tag, die Spannweite reichte von sechs bis achtzehn Mahlzeiten [6]. Auch die Trinkdauer schwankt stark. «So gibt es Säuglinge, die sehr effizient und nur kurze Zeit an der Brust trinken, während andere lange und genüsslich saugen oder sich sehr häufig wieder melden», schreibt Stillförderung Schweiz [1]. In den ersten Wochen wollen viele Babys gerade abends sehr oft und lange an die Brust – das ist normal und kein Zeichen für zu wenig Milch. Auch später gibt es immer wieder Phasen mit mehr Stillmahlzeiten, etwa in Wachstumsschüben oder beim Zahnen [1]. Massgebend ist deshalb nicht die Uhr, sondern der Bedarf deines Kindes. Hast du den Eindruck, dass dein Baby zu wenig Milch bekommt, leg es häufiger an – auch wenn du es dafür wecken musst. Bringt das nichts, wende dich an eine Fachperson [1]. Weitere Tipps von der Hebamme rund ums Stillen findest du in unserem Ratgeber. Beikost und Allergien: Was heute gilt Lange galt die Regel, allergieauslösende Lebensmittel im ersten Lebensjahr möglichst zu meiden. Das ist überholt. Das aha! Allergiezentrum Schweiz hält fest: Das Meiden allergener Lebensmittel im Säuglingsalter schützt nicht vor Allergien – bei bestimmten Lebensmitteln kann die frühe Einführung sogar schützen [3]. Konkret empfiehlt das Allergiezentrum, gut erhitzte Eiprodukte im Alter zwischen vier und sechs Monaten einzuführen und danach regelmässig anzubieten. In Familien, die regelmässig Erdnüsse essen, gilt dasselbe für fein verarbeitete Erdnussbutter – anschliessend wöchentlich, damit der Schutzeffekt bleibt. Eine breite Auswahl an Lebensmitteln im ersten Lebensjahr wirkt sich insgesamt günstig auf die Toleranzentwicklung aus [3]. Ähnlich klar ist die Lage bei Zöliakie, der Unverträglichkeit gegenüber Gluten: Früher hiess es, Stillen während der Getreide-Einführung senke das Risiko. Das gilt heute als widerlegt. Weder die Stilldauer noch der Zeitpunkt, zu dem Gluten zwischen vier und zwölf Monaten eingeführt wird, verändert das Erkrankungsrisiko – so das aktuelle Positionspapier der europäischen Fachgesellschaft ESPGHAN von 2024 [4]. Früh eingeführtes Gluten kann eine Zöliakie lediglich früher sichtbar werden lassen, häufiger wird sie dadurch nicht [4]. Wichtig: Das ist kein Argument gegen das Stillen. Der Einfluss des Stillens auf die Entstehung von Allergien ist wissenschaftlich nicht eindeutig belegt, gestillt werden soll trotzdem – die Beikost kommt zusätzlich dazu, nicht anstelle der Muttermilch [3]. Sechs Monate stillen als Richtwert Die WHO hat die empfohlene volle Stillzeit von sechs Monaten nicht aufgehoben. Pädiatrie Schweiz (SGP) formuliert die Empfehlung bewusst offen: Ausschliessliches Stillen bis zum sechsten Lebensmonat ist ein gewünschtes Ziel. Beikost kann frühestens ab dem fünften Lebensmonat und soll spätestens mit Beginn des siebten Lebensmonats individuell angepasst eingeführt werden [1]. Sechs Monate ausschliessliches Stillen gilt also nach wie vor als sinnvoll und normal. Innerhalb dieses Fensters entscheidet der Entwicklungsstand deines Kindes, wann es so weit ist. Hat es Lust, neue Nahrungsmittel zu probieren? Verfolgt es hochinteressiert die Essvorgänge der Eltern und Geschwister am Tisch? Kann es fast sitzen und führt die Hand koordiniert zum Mund [1]? Dann ist allmählich die Zeit für den ersten Gemüsebrei gekommen. Wie du dabei am besten vorgehst, liest du in unserem Ratgeber zum Einführen der Beikost. Hör auf dein Kind – und auf dich Jedes Baby hat seine eigene Persönlichkeit und seinen eigenen Stillrhythmus. Das Baby steuert selbst, wie viel Milch es aufnimmt, je nachdem wie hungrig es ist und wie viel es für sein Wachstum gerade braucht [1]. Der Schweizerische Hebammenverband hat es in seinen Elterninformationen so formuliert: «Es gibt keine starren Regeln, hören Sie auf Ihr Kind und auf sich.» Beikost nicht vor dem fünften Lebensmonat Ob Eltern die Beikost eher früh oder eher spät innerhalb des empfohlenen Fensters einführen – eines ist unumstritten: In den ersten vier Monaten sollten Babys ausschliesslich gestillt werden [1]. Vorher fehlen den meisten Säuglingen schlicht die Reifezeichen, und der Löffel hat noch keine Chance: «Aufgrund des vorhandenen Zungenspitzenstoss-Reflexes stossen sie alle Löffel wieder aus dem Mund», erklärt die frei praktizierende Hebamme Anna Heldstab aus Berneck. Die Einführung der Beikost ist kein Grund abzustillen. Im Gegenteil: Zwischen sechs und zwölf Monaten brauchen Säuglinge neben der Beikost täglich rund 500 Milliliter Muttermilch oder Säuglingsmilch [1]. Wer weiterstillen möchte, ersetzt die Stillmahlzeiten deshalb nicht, sondern ergänzt sie – so bleibt auch die Milchproduktion erhalten [1]. Brigitte Benkert kommentiert: «Neben der Beikost kann weiter gestillt werden – so lange Mutter und Kind es wünschen.» Auch im zweiten Lebensjahr profitieren Kinder von Muttermilch, weil sie reich an Abwehr- und Schutzfaktoren ist. Mütter und Babys können also noch lange die innigen Momente beim Stillen geniessen – Stillen bedeutet nicht nur Ernährung, sondern auch Nähe zwischen Mutter und Kind. So lange stillen Mütter in der Schweiz Wie lange in der Schweiz tatsächlich gestillt wird, erhebt der Bund seit 1994 in regelmässigen Studien zur Säuglingsernährung. Die jüngste Erhebung, die Swiss Infant Feeding Study (SWIFS) 2024, zeigt eine deutliche Zunahme: 97 Prozent der Befragten stillen unmittelbar nach der Geburt. Etwas mehr als die Hälfte aller Kinder wird bis zum Alter von 17,4 Wochen (Median) ausschliesslich gestillt. Mit sechs Monaten bekommen noch rund 85 Prozent der Kinder Muttermilch, mit zehn Monaten immer noch über die Hälfte – 2014 waren es 63 Prozent beziehungsweise etwa ein Drittel [2]. Berufstätige stillen im Schnitt kürzer voll als nicht erwerbstätige Mütter (17,4 gegenüber 21,8 Wochen). Fast ein Drittel der erwerbstätigen Stillenden gab an, bei der Arbeit keinen geeigneten Raum zum Stillen oder Abpumpen zu haben [2]. Fertig gestillt: Was nun? Wenn du beginnst, dein Baby abzustillen und mit fester Nahrung zu füttern, wird es aufregend für Eltern und Kind. Und auch wenn dein Kind am Esstisch deutliche Signale macht, dass es dasselbe essen möchte wie Mami und Papi, muss es sich zuerst noch mit Brei zufriedengeben. Wann der Zeitpunkt stimmt, liest du in unserem Beitrag zum richtigen Zeitpunkt zum Abstillen. Entscheidest du dich dafür, dein Baby nicht mehr zu stillen, ist Gemüsebrei ein guter Einstieg. Süssliche Gemüsesorten wie Süsskartoffeln oder Pastinaken sind besonders beliebt, weil ihr Geschmack das Kind an die süssliche Muttermilch erinnert. Nach dem Gemüsebrei kommen im Abstand von einigen Tagen Breie aus Kartoffeln, Reis und Fisch dazu. Wichtig bleibt: Vor dem ersten Geburtstag braucht dein Kind weiterhin Muttermilch oder Säuglingsanfangsnahrung [1]. Weiterführende Links zum Stillen Häufige Fragen zum Stillen, Merkblätter und Broschüren von Stillförderung Schweiz: www.stillfoerderung.ch Stillberatung, Stilltreffen und Telefonberatung von La Leche League Schweiz: lalecheleague.ch Verzeichnis der Still- und Laktationsberaterinnen (IBCLC) des Berufsverbands BSS: www.stillen.ch Hebamme in deiner Nähe finden – Suchdienst des Schweizerischen Hebammenverbands: www.hebammensuche.ch Quellen Stillförderung Schweiz: Häufige Fragen (FAQ) zum Stillen und zur Säuglingsernährung, aktualisiert 2024 (abgerufen am 9. August 2026) Stillförderung Schweiz: Grundlagen und Studien – Swiss Infant Feeding Study SWIFS 2024 (abgerufen am 9. August 2026) aha! Allergiezentrum Schweiz: Allergieprävention, letzte inhaltliche Überarbeitung 28. November 2025 (abgerufen am 9. August 2026) Szajewska H. et al. für die ESPGHAN Special Interest Group on Coeliac Disease: Early diet and the risk of coeliac disease: An update 2024 position paper, Journal of Pediatric Gastroenterology and Nutrition 2024 (internationale Fachgesellschaft; abgerufen am 9. August 2026) Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV / Schweizerische Gesellschaft für Ernährung SGE: Nährstoffsupplemente für Säuglinge (abgerufen am 9. August 2026) Kent J. C. et al.: Volume and frequency of breastfeedings and fat content of breast milk throughout the day, Pediatrics 2006 (australische Studie; abgerufen am 9. August 2026)