Zum Inhalt
Kinderwunsch > Unfruchtbarkeit

Myom und Kinderwunsch: Was du wissen solltest

Ein Myom in oder an der Gebärmutter ist erstmal kein Grund zur Panik. Die meisten Myome sind gutartig, machen keine Metastasen und beeinträchtigen eine Schwangerschaft selten. Dennoch ist es wichtig, Bescheid zu wissen: welche Myome wann relevant sind, wie sie abgeklärt werden und welche Behandlungsoptionen es gibt — vor allem, wenn du schwanger werden möchtest.

Ein Myom ist in der Schwangerschaft in der Regel kein Problem.
Ein Myom beeinträchtigt eine Schwangerschaft in der Regel nicht. Foto: Alex_Beck, iStock, Thinkstock

Uterusmyome (Leiomyome) sind gutartige Tumore der Gebärmuttermuskulatur. Der Begriff «Tumor» klingt beunruhigend, ist hier aber irreführend: Myome wachsen meist langsam, bilden keine Tochtergeschwülste und bleiben oft symptomfrei. Viele Myome werden zufällig bei einer Routineuntersuchung oder einem Ultraschall entdeckt.

Myome kommen häufig vor: Etwa eine von vier Frauen ab 30 Jahren und knapp die Hälfte der Frauen über 40 sind betroffen. Östrogene und genetische Faktoren spielen bei der Entstehung eine Rolle; nach der Menopause schrumpfen die meisten Myome wieder.

Wie erkennst du ein Myom?

Myome äussern sich sehr unterschiedlich. Häufig sind keine Beschwerden vorhanden. Mögliche Symptome sind:

  • stärkere oder verlängerte Regelblutungen, Zwischenblutungen;
  • Druck- oder Fremdkörpergefühl im Unterleib bei grösseren Myomen;
  • Häufiges Wasserlösen bei Druck auf die Blase oder Verstopfung bei Druck auf den Darm;
  • Schmerzen, besonders bei Degeneration eines Myoms oder beim Geschlechtsverkehr.

Eine bösartige Entartung ist äusserst selten. Wenn Beschwerden auftreten oder das Myom schnell wächst, sollte dies fachärztlich abgeklärt werden.

Myom und unerfüllter Kinderwunsch — wann ist ein Myom tatsächlich schuld?

Myome sind nur in einem kleinen Teil der Fälle Ursache für Unfruchtbarkeit. Fachleuten zufolge kommt ein ursächlicher Zusammenhang vor allem dann infrage, wenn das Myom die Gebärmutterschleimhaut verformt oder den Gebärmutterraum deutlich verzerrt. Solche submukösen Myome können die Einnistung des Embryos erschweren und das Risiko für frühe Fehlgeburten erhöhen. Intramurale Myome (in der Wand) beeinträchtigen die Empfängnis deutlich seltener — ausser sie sind sehr gross und verändern die Gebärmutterform.

Bei Kinderwunsch gilt: Zuerst abklären, ob andere Ursachen bestehen. Wenn alle anderen Faktoren ausgeschlossen sind, kann die Entfernung eines submukösen Myoms die Chancen auf eine Schwangerschaft verbessern. Diese Abwägung sollte zusammen mit einer gynäkologischen und reproduktionsmedizinischen Spezialistin oder einem Spezialisten getroffen werden.

Myome in der Schwangerschaft — was du erwarten kannst

Die Mehrheit der Schwangerschaften verläuft trotz vorhandener Myome unkompliziert. Probleme können auftreten, wenn Myome sehr gross sind oder ungünstig liegen. Mögliche Folgen sind Schmerzen durch Degeneration, ein leicht erhöhtes Risiko für Frühgeburt oder für eine Lageveränderung des Kindes; manchmal wird ein Kaiserschnitt geplant, wenn das Myom den Geburtskanal blockiert. Akute operative Eingriffe während der Schwangerschaft sind selten und nur indiziert, wenn Mutter oder Kind gefährdet sind.

Wichtig: Routine-Myombehandlungen werden während einer Schwangerschaft nicht durchgeführt. Wenn du bereits einen Kinderwunsch hast, solltest du vor einer geplanten Schwangerschaft abklären lassen, ob ein Myom entfernt werden sollte — dies abhängig von Lage, Grösse und Symptomen.

Abklärung und Diagnostik — was wird untersucht?

Die Basisdiagnostik besteht aus einer gynäkologischen Untersuchung und einem Ultraschall (transvaginal oder transabdominal). Bei Verdacht auf eine Verformung des Gebärmutterraums kann eine Sonohysterographie oder Hysteroskopie sinnvoll sein. Ergänzend werden bei Bedarf Blutwerte bestimmt und die kinderwunschrelevanten Partneruntersuchungen veranlasst. Bei komplexen Befunden erfolgen interdisziplinäre Abklärungen mit Gynäkologie, Reproduktionsmedizin und Radiologie.

Behandlungsoptionen — was ist möglich und was ist empfehlenswert, wenn du Kinder möchtest?

Die Therapie hängt von Symptomen, Kinderwunsch, Myomtyp und -grösse ab. Wichtige Grundsätze, gestützt auf aktuelle Fachleitlinien, sind:

  • Keine Behandlung, wenn du keine Beschwerden hast und schwanger werden willst: Beobachten ist häufig angemessen.
  • Submuköse Myome, die den Gebärmutterschleimhautraum verformen, werden oft hysteroskopisch entfernt, weil das die Chancen auf Empfängnis verbessern kann.
  • Intramurale oder subseröse Myome werden operativ entfernt (Myomektomie), wenn sie Beschwerden verursachen oder die Gebärmutterform stark verändern und ein Kinderwunsch besteht. Die Entscheidung ist individuell und sollte Risiko und Erholungszeit einbeziehen.
  • Uterusarterienembolisation (Myomembolisation) ist eine schonende, gebärmuttererhaltende Methode, vermindert aber nach aktueller Datenlage die Chancen auf eine spätere Schwangerschaft und wird daher bei Kinderwunsch allgemein nicht empfohlen.
  • MRT-gesteuerte fokussierte Ultraschalltherapie (MRgFUS) ist minimalinvasiv und narbenfrei, die Datenlage zur Fruchtbarkeit ist jedoch begrenzt. Die Methode ist nicht flächendeckend verfügbar und wird derzeit nicht überall von den Krankenkassen übernommen.
  • Hormonelle Therapien (z. B. Gestagene, GnRH-Agonisten) können Symptome lindern oder als Brücke bis zur Operation dienen, sind aber nicht mit laufender Kinderwunschbehandlung kombinierbar; für medikamentöse Optionen gibt es neuere Substanzen, die vor einem Kinderwunsch sorgfältig zu besprechen sind.

Wie triffst du die richtige Entscheidung?

Die Wahl der Therapie ist individuell. Folgende Punkte helfen bei der Entscheidungsfindung:

  • Sprich offen über deinen Kinderwunsch, das gewünschte Timing und deine Beschwerden.
  • Lass dir die Lage des Myoms (submukös, intramural, subserös) und die möglichen Folgen für Empfängnis und Schwangerschaft erklären.
  • Hole eine Zweitmeinung oder eine interdisziplinäre Beurteilung ein, wenn Eingriffe in Betracht gezogen werden — besonders vor Myomembolisation oder wenn eine Myomektomie geplant ist.
  • Frage nach der zu erwartenden Erholungszeit: Nach einer Myomektomie empfiehlt sich meist eine Wartezeit von mehreren Monaten zur Heilung der Gebärmutter, das genaue Intervall klärt deine Operateurin bzw. dein Operateur.

Praktische Hinweise für den Alltag

  • Wenn du starke Blutungen oder neue Schmerzen hast, such ärztliche Abklärung.
  • Bei Kinderwunsch: plane Untersuchungen rechtzeitig, damit nötige Therapien und der Zeitraum bis zur Empfängnis bedacht werden können.
  • Informiere dich über Unterstützungsmöglichkeiten — medizinisch und psychologisch. Ungewissheit kann belasten; viele Spitäler und Kinderwunschzentren bieten Beratungen an.
  • Notiere Befunde (Grösse, Lage, Verlauf), damit du bei Gesprächen mit Fachpersonen gut informiert bist.

Einen informativen Fernsehbeitrag des SRF zum Thema Myomtherapie sehen Sie hier.

 

Wann solltest du sofort ärztliche Hilfe suchen?

  • schwere, anhaltende Unterbauchschmerzen oder Fieber (mögliche Komplikation einer Myomdegeneration oder Infektion);
  • starke Blutungen mit Kreislaufbeschwerden;
  • bei plötzlicher Veränderung deines Kinderwunsches und Unsicherheit über notwendige Schritte — dann frühzeitig Fachärzt:in kontaktieren.

0 Kommentare

?

Meistgelesene Artikel

Anmelden oder Registrieren

Melde dich kostenlos an und diskutiere mit anderen Eltern und speichere deine Artikel.
Anmelden Registrieren

Speichere deine Artikel

Logge dich ein oder erstelle einen Account und du kannst deine Artikel für später speichern.
Anmelden Registrieren