Facebook Pixel
Schwangerschaft > Beschwerden

Karpaltunnelsyndrom bei Schwangeren: Woher es kommt und was dagegen hilft

Ihre Schwangerschaft ist von Schmerzen in den Händen und Taubheitsgefühlen sowie Kribbeln in den Fingern geprägt und die Symptome tauchen vor allem nachts auf? Dann könnte es sein, dass Sie am Karpaltunnelsyndrom leiden. Was die Ursache dafür ist und Tipps, wie Sie die Beschwerden lindern können.

Schwangere Frauen leiden besonders nachts unter dem Karpaltunnelsyndrom.

Sie werden nachts von Schmerzen und Kribbeln in den Fingern geplagt? Unsere Tipps verschaffen Linderung. Bild: Yurii Yamea, Getty Images

Viele schwangere Frauen kennen es: Ab dem fünften oder sechsten Monat, manchmal auch erst gegen Ende der Schwangerschaft, fühlen sich ihre Finger taub, pelzig und gefühllos an – ein bisschen so, als wären die Finger eingeschlafen. Diese Missempfindungen tauchen vor allem in der Nacht auf. Kennen Sie das? Die Diagnose bei dieser Symptomatik ist meist ganz einfach: Schuld ist das sogenannte Karpaltunnelsyndrom – eine von vielen Beschwerden in der Kugelzeit.

An diesen Symptomen erkennen Sie das Karpaltunnel-Syndrom

Wer an dem Symptom leidet, wacht oft morgens auf mit dem Gefühl, komplett steife Finger und Handgelenke zu haben. Meist dauert es eine Weile, bis Sie die Hände wieder normal bewegen können und das Taubheitsgefühl verschwindet. Nebst einem pelzigen Gefühl tritt auch ein Kribbeln und ein leichtes Stechen in der Handfläche oder an Daumen, Zeige- und Mittelfinger auf. Der Daumen ist kraftlos, die Hand schmerzt – manchmal strahlen diese Schmerzen ins Handgelenk und bis in den Unterarm oder die Schulter aus. Meist ist nur eine Hand betroffen, bei manchen Frauen tauchen Schmerzen und Kribbeln jedoch in beiden Händen auf. Der kleine Finger bleibt üblicherweise aber verschont.

Die Ursache: Ein eingeklemmter Nervus medianus

Übrigens: Nicht nur Schwangere, sondern auch Menschen, die am Computer oder im Coiffeursalon arbeiten, oft Velo fahren, als Reinigungskraft tätig sind oder mit vibrierenden Maschinen zu tun haben, sind häufig davon betroffen. Häufige Ursachen sind auch repetitive Bewegungen, wie sie beispielsweise beim Stricken ausgeführt werden. Die Beschwerden werden oft durch eine Überlastung des Handgelenks ausgelöst. Hinter den Missempfindungen und Schmerzen steckt nämlich ein eingeklemmter Nerv, der Nervus medianus.

In der Schwangerschaft entsteht das Karpaltunnelsyndrom aber nicht durch Überlastung, sondern die Ursache liegt bei den hormonellen Veränderungen, die für Wassereinlagerungen im Gewebe sorgen. Durch diese wird der Karpaltunnel für Sehnen und Nerven am Handgelenk enger und klemmt den Medianus-Nerv – einen der Armnerven – ein. Die eingeschränkte Nervenleitgeschwindigkeit sorgt für Kribbeln, Taubheit und Schmerzen. Die Beschwerden treten in der Hand wie auch in den Fingern auf, da der Nervus medianus bis zum Daumen, Zeige-, Mittel- und Ringfinger verläuft. 

6 Tipps zur Linderung der Symptome

Wer in der Schwangerschaft unter dem Karpaltunnelsyndrom leidet, braucht normalerweise keine Therapie oder spezielle Behandlung. Die Symptome der Erkrankung können mit ein paar einfachen Tricks behandelt und gemildert werden. Versuchen Sie es mit diesen Tipps:

1 Schlafposition und Schiene

Leiden Sie am Karpaltunnelsyndrom, so schlafen Sie nachts am besten in der Seitenlage und versuchen Ihre Handgelenke ruhigzustellen. Dazu tragen Sie am besten eine gepolsterte Schiene, die Sie sich vom Arzt verschreiben lassen können. Bei starken Schmerzen können Sie die Schiene auch tagsüber tragen. 

2 Richtig bewegen

Strecken Sie die Arme regelmässig nach oben und bewegen Sie Ihre Finger. Schütteln Sie danach die Hände kräftig aus.

3 Kaltes Wasser gegen Schwellungen 

Um Schwellungen im Handgelenk zu vermindern, können Sie kaltes Wasser über die Handgelenke laufen lassen. Ebenfalls kann es helfen, die Finger zu massieren. So wird Gewebeflüssigkeit abtransportiert. Auch eine professionelle Lymphdrainage kann man bei einem Karpaltunnelsyndrom in Betracht ziehen.

4 Entwässernde Lebensmittel und Tees 

Nehmen Sie Nahrungsmittel zu sich, welche Flüssigkeit entziehen: Dazu gehören zum Beispiel Äpfel, Reis, Spargeln und Gurken. Auch leicht entwässernde Kräutertees aus Schachtelhalm, Eisenkraut, Brennessel, Löwenzahn oder Birkenblätter können Linderung verschaffen. Nützt dies nichts, so können Sie sich von Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt ein harntreibendes Mittel verschreiben lassen. 

5 Akupunktur bei Karpaltunnelsyndrom

Eine weitere Möglichkeit, währen der Schwangerschaft gegen die Beschwerden vorzugehen, ist Akupunktur. Wichtig zu wissen: In den meisten Fällen braucht es mehrere Behandlungen, bis eine Verbesserung eintritt. Akupunkturbehandlungen werden in der Schwangerschaft übrigens oft von der Krankenkasse übernommen!

6 Kortisonspritzen

Wenn alles nichts hilft, wenden Sie sich an Ihren Arzt: Kortisonhaltige Spritzen können bei anhaltenden Schmerzen helfen, die Symptome zu lindern und die Funktionsfähigkeit des betroffenen Nervs zu verbessern. Das ist auch während einer Schwangerschaft möglich. Dem ungeborenen Kind schaden solche Spritzen nämlich nicht. Allerdings können diese Spritzen den Nerv oder eine Sehne auf Dauer schädigen, weshalb von davon abgeraten wird, sich wiederholt Kortison spritzen zu lassen. 

Notlösung Operation?

Bei sehr starken Schmerzen durch das Karpaltunnelsyndrom kann ein operativer Eingriff den Druck auf den betroffenen Nerv mindern. In der Schwangerschaft ist dies allerdings eher nicht angebracht, weil die Beschwerden nach der Schwangerschaft in den meisten Fällen wieder verschwinden. Halten sie jedoch nach der Geburt an oder merken Sie, dass die typischen Symptome für das Karpaltunnelsyndrom nach einer Weile wieder auftreten, kann eine Operation in Betracht gezogen werden. Allerdings sollten Sie es zuerst mit einer konservativen Therapie wie Physiotherapie und spezifischen Dehnübungen versuchen, bevor Sie sich einem operativen Eingriff unterziehen.