Leben > HaustiereEin scheuer Wildfang: Der Hamster als Haustier für Kinder – Haltung, Umgang und wann er passtMit seinen knuddeligen Hamsterbacken ist der Hamster schon lange ein beliebtes Haustier. Dass es sich dabei noch immer um ein «wildes Tier» handelt, wird oft vergessen. Was Hamster tun und lassen, wie sie gehalten werden müssen und ob sie als Haustier für Kinder taugen, liest du hier. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken «So ein Schnügel», dennoch ist der Hamster kein Kuscheltier. Foto: Zoonar-Thinkstock Direkt zu: Hamster als Haustier Artgerechte Haltung Nahrung: Das frisst ein Hamster Worauf du ausserdem achten musst Was es mit den Hamsterbacken auf sich hat Zwerghamster oder Goldhamster? Der Goldhamster, der bei uns am häufigsten gehalten wird, stammt aus Nordsyrien und aus Teilen der Südtürkei. Seine Lebenserwartung liegt bei zwei bis drei Jahren, geschlechtsreif wird er ab rund vier Wochen – Weibchen etwas früher als Männchen. Goldhamster sind Einzelgänger und mehrheitlich dämmerungs- und nachtaktiv [2]. Bei den Zwerghamstern sieht das anders aus, dazu weiter unten mehr. Das beliebte Haustier: Niedliche Eindrücke 1 von 5 Foto: Bedolaga, iStock / Getty Images Plus «Ich hab dich zum Nagen gern!» Anders als in der Natur halten Hamster in unserer warmen Wohnung keinen Winterschlaf. Wildlebende Goldhamster ziehen sich bei Kälte in ihre Baue zurück und ruhen dort zeitweise. In freier Natur graben sie bis zu einen Meter tiefe Baue mit Gangsystemen und mehreren Kammern – das grosse Bewegungs- und Grabbedürfnis bleibt auch im Wohnzimmer bestehen [2]. Das grössere Risiko in einer Schweizer Wohnung ist übrigens nicht die Kälte, sondern die Wärme: Die Wohlfühltemperatur von Kleinnagern liegt bei etwa 20 Grad, ab 25 bis 28 Grad wird es für sie unangenehm oder gefährlich, im schlimmsten Fall droht ein Hitzschlag – verstärkt durch eine Luftfeuchtigkeit über 60 Prozent. Im Käfig steigt die Temperatur zudem schneller als im Raum. Kontrolliere sie im Sommer regelmässig und schaffe kühle Plätze, etwa mit einer Steinplatte oder einem feuchten Tontopf [4]. Einen Nager als Haustier Mit seinen unwiderstehlichen Hamsterbacken löst das herzige Tier so ziemlich bei jedem den «Jöö-Effekt» aus. Verwechsle ihn aber nicht mit einem Kuscheltier. Anders als bei Hund und Katze handelt es sich beim Hamster noch immer um ein «wildes Tier». Passt ihm etwas nicht, beisst er auch mal zu. Der Schweizer Tierschutz STS wird hier deutlich: Als Streicheltiere sind Goldhamster ungeeignet, und man sollte sie nur hochheben, wenn es wirklich nötig ist – etwa beim Reinigen des Geheges. Hamster stehen in der Natur auf dem Speiseplan vieler Beutegreifer, sie sind scheu und fliehen schnell. Berührungen bedeuten für sie meistens Stress, und ihr zierlicher Knochenbau macht sie anfällig für Verletzungen durch unsachgemässes Anfassen [2]. Dazu kommt der Tagesrhythmus: Weil Goldhamster tagsüber grösstenteils ruhen, sind sie für die meisten Kinder keine passenden Haustiere. Geeignet sind sie nur dann, wenn ein Kind die Ruhephasen des Tieres respektiert und akzeptiert, dass es nicht gestreichelt werden möchte. Aus demselben Grund gehört das Gehege laut STS ausdrücklich nicht ins Kinderzimmer und auch nicht ins Wohnzimmer: Dort stören Fernseher und Alltagslärm die Ruhezeit, und nachts stört umgekehrt der Hamster den Schlaf. Ein ruhiger, etwas dunkler Platz ohne direkte Sonne und ohne Durchzug ist der richtige [2]. Wenn ein Kind sich für die Lebensweise der Tiere interessiert und zuschauen mag, statt anzufassen, kann ein Hamstergehege trotzdem faszinierend sein – dann eben am Abend, wenn der Hamster wach wird. Die Verantwortung für Füttern, Reinigen und Tierarztbesuche bleibt in jedem Fall bei den Eltern. Artgerechte Haltung des Hamsters: So leben die Tiere gern Wer sich einen Hamster kaufen will, muss zuerst das Gehege lösen – und zwar nicht nach Gefallen, sondern nach Vorschrift. Die Tierschutzverordnung schreibt für einen Goldhamster eine Mindestfläche von 0,18 Quadratmetern vor, das entspricht etwa einem Käfig von 50 mal 36 Zentimetern. Ebenso verbindlich ist die Einstreu: Sie muss mindestens 15 Zentimeter tief sein, damit der Hamster graben kann. Vorgeschrieben sind ausserdem Klettermöglichkeiten, Rückzugsmöglichkeiten, Nestmaterial, Nageobjekte sowie grob strukturiertes Futter mit Körnerbeimischung [1]. Genau an der Einstreutiefe scheitern viele handelsübliche Käfige – besonders importierte Modelle erfüllen diese Anforderung oft nicht [2]. Das gesetzliche Minimum ist allerdings nur die Untergrenze. Der Schweizer Tierschutz STS empfiehlt für einen Goldhamster ein Gehege von einem Quadratmeter Fläche und mindestens 60 Zentimetern Höhe, eingestreut mindestens 40, besser 80 Zentimeter tief. Untersuchungen der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern zeigten, dass Gitternagen – eine verbreitete Verhaltensstörung – ab einer Einstreutiefe von 40 Zentimetern seltener auftritt und bei 80 Zentimetern ganz verschwand. Praktisch heisst das: unten ein mindestens 50 Zentimeter hoher Glas- oder Plexiglaskasten, der die Einstreu fasst, oben ein Gitterteil für die Belüftung, gerne mit mehreren Etagen. Ungeeignet sind Reptilienterrarien, Plastikkäfige mit kleinen Lüftungsflächen und Gehege mit flacher Einstreuschale [2]. Wie viel Platz Kleintiere brauchen und wie man ihn schafft, zeigt auch unser Beitrag zur Kaninchenhaltung in der Wohnung. Zur Einrichtung gehören Kletteräste, Unterschlupfmöglichkeiten aus Holz, Kokosschalen oder Korkrinde, Futtergeschirre, eine Trinkflasche und ein Sandbad, das der Hamster als Toilette, zum Graben und zur Fellpflege nutzt. Als Nestmaterial eignen sich Heu oder ungefärbtes Haushaltspapier – synthetische Watte dagegen nicht, sie kann Beine abschnüren. Nagematerial liefern Äste und Zweige ungiftiger Sträucher und Bäume wie Hasel, Weide, Buche oder ungespritzter Obstbäume [2]. Wie wäre es, wenn ihr gemeinsam mit den Kindern im Wald danach sucht? Flache Steine helfen beim Abwetzen der Krallen. Sie gehören zwingend auf den Gehegeboden, bevor die Einstreu eingefüllt wird – sonst kann der Hamster den Stein untergraben und wird erdrückt. Auch Futtergeschirr, Sandbad und Trinkflasche befestigst du am besten an der Wand oder stellst sie auf eine erhöhte Fläche, damit sie nicht eingegraben werden [2]. Ein Laufrad kann dem Bewegungsdrang entgegenkommen, ersetzt aber kein ausreichend grosses Gehege. Geeignet sind nur Modelle mit einem Durchmesser von mindestens 30 Zentimetern für Goldhamster beziehungsweise 20 Zentimetern für Zwerghamster; in kleineren Rädern müssen die Tiere den Rücken stark durchbiegen, was ihnen gesundheitlich schadet. Die Lauffläche muss geschlossen sein – bei Speichen bleiben die Pfoten hängen – und das Rad stabil befestigt, nicht auf die Einstreu gestellt. Hamsterbälle sind ungeeignet [2][3]. Freilauf im Zimmer ist nur etwas für neugierige, handzahme und wenig nervöse Tiere und nur unter Aufsicht. Vorher sichern: giftige Zimmerpflanzen wegstellen, Kabel unzugänglich machen und Begrenzungen vor den Möbeln anbringen, damit sich der Hamster nicht an unerreichbaren Stellen verkriecht. Stressfreier ist ein abgetrenntes, ausbruchsicheres Auslaufgehege, das der Hamster über eine Korkröhre selbst betreten kann, wenn er mag [2]. Nahrung: Das frisst ein Hamster Goldhamster sind Allesfresser. Grundlage ist eine Hamsterkörnermischung aus dem Fachhandel, von der die Tiere täglich rund zwei Teelöffel bekommen. Futter sollte nie unbegrenzt bereitstehen, sonst picken sich die Hamster nur die schmackhaftesten Bestandteile heraus und ernähren sich einseitig. Dazu kommen Gemüse wie Karotten, Zucchetti, Gurken, Broccoli oder Kopfsalat, Wildkräuter wie Gänseblümchen und Spitzwegerich sowie stets frisches Heu [2]. Tierisches Eiweiss gehört dazu, aber dosiert: drei- bis viermal pro Woche ein wenig, etwa Insekten, Quark oder Hackfleisch. Hirsekolben, ein kleiner Kalbsknochen oder eine Nuss in der Schale eignen sich als gelegentliche Belohnung [2]. Obst nur selten und in kleinen Mengen – zum Beispiel ein Stück Apfel oder Birne. Steinobst, exotische Früchte und Zwiebelgewächse dürfen gar nicht verfüttert werden. Von Nagersticks und Nagerdrops ist wegen des hohen Zuckergehalts abzuraten. Wasser gibt es aus einer befestigten Selbsttränkeflasche oder aus einer Schale, die nicht untergraben werden kann [2]. Suche das Gehege etwa einmal wöchentlich nach Futterdepots ab: Hamster horten, und gerade tierische Nahrung und Frischfutter verderben schnell [2]. Für Kinder ist das Füttern eine schöne Aufgabe, um Verantwortung zu üben – unter Aufsicht und am besten am Abend, wenn der Hamster ohnehin wach wird. Welche Ämtli in welchem Alter realistisch sind, haben wir separat zusammengestellt. Worauf du ausserdem achten musst Muss ein Hamster hochgehoben werden, trägst du ihn in der hohlen Hand oder in einem umgedrehten Häuschen. An der Nackenfalte sollte man ihn nicht tragen. Entwischt ein Tier, lockst du es mit Futter in eine Kartonschachtel – nicht hinterherjagen [2]. Beobachte deinen Hamster täglich: Wie bewegt er sich, wie frisst er, wie sieht das Fell aus, sind die Backentaschen entleert, ist die Nase frei, wie lang sind die Krallen? Veränderungen gehören ernst genommen. Im Zweifelsfall rufst du in einer auf Nager spezialisierten Kleintierpraxis an; sichtbar kranke und nicht fressende Tiere gehören unverzüglich in die Tierarztpraxis [2]. Die Beratung zur artgerechten Haltung holst du dir besser dort oder beim Schweizer Tierschutz STS als allein an der Verkaufstheke. Auch die Ferien wollen bedacht sein: Hamster sind zum Mitnehmen nicht geeignet, Transport und Ortswechsel bedeuten zu viel Stress. Kläre vor dem Kauf, wer sich in deiner Abwesenheit täglich kümmert – Kinder ohne Aufsicht von Erwachsenen kommen dafür nicht in Frage [2]. Und beim Erwerb selbst: Frag zuerst in einem Tierheim nach, es warten regelmässig abgegebene Tiere auf ein neues Zuhause – eine Übersicht bietet unser Beitrag zu den Tierheimen der Schweiz. Sonst kaufst du bei einer seriösen Züchterin oder in einem guten Zoofachgeschäft – nie über das Internet, ohne Tier und Haltung gesehen zu haben. Von langhaarigen und mopsköpfigen Zuchtformen ist abzuraten: Sie gelten als Extremzuchten, bei mopsköpfigen Tieren liegt die Lebenserwartung meist unter zwei Jahren [2]. Was es mit den Hamsterbacken auf sich hat Hamsterbacken und hamstern hängen zusammen: In ihren Backentaschen transportieren die Tiere Nahrung in den Bau, wo sie Vorräte anlegen. In freier Natur sichern diese Depots das Überleben, wenn das Futter knapp wird – und auch als Heimtier gibt der Hamster das Horten nicht auf. Ein Hamster mit dauerhaft prallen, nicht mehr entleerten Backentaschen gehört dagegen in die Tierarztpraxis [2]. Zwerghamster oder Goldhamster? Nun steht fest: Das herzige Tier soll her. Doch welche Art passt besser, vor allem mit Kindern? Die Antwort des Schweizer Tierschutz STS ist eindeutig: Wenn schon Hamster, dann eher ein Goldhamster – er ist grösser als ein Zwerghamster und wird auch eher zahm [3]. Der Grund liegt im Sozialverhalten. Goldhamster sind Einzelgänger; Einzelhaltung ist bei ihnen richtig, und die Tierschutzverordnung erlaubt sie ausdrücklich [1]. Bei Zwerghamstern ist es umgekehrt: Die drei Phodopus-Arten – Dsungarischer, Campbell- und Roborowski-Zwerghamster – sind soziale Tiere, die in Gruppen leben. Einzelhaltung ist bei ihnen nicht tiergerecht und kann zu krankhaften Veränderungen führen. Der ebenfalls angebotene Chinesische Streifenhamster wiederum ist ein Einzelgänger [3]. Nur: Eine gute Gruppenzusammensetzung ist bei Zwerghamstern schwierig. Unkastrierte gemischtgeschlechtliche Paare sind nicht zu empfehlen – Zwerghamster haben eine der kürzesten Tragzeiten unter den Säugetieren, die Vermehrung wird schnell unkontrollierbar. Eine Kastration des Männchens ist die Alternative, aber sie wird nicht von jeder Tierarztpraxis durchgeführt, ist relativ risikoreich und gemessen an der Grösse des Tieres teuer. Gleichgeschlechtliche Gruppen lassen sich meist nur aus Wurfgeschwistern bilden, und auch dort kommt es nach einem halben bis einem Jahr oft zu tödlichen Beissereien. Erwachsene Tiere zu vergesellschaften, ist äusserst schwierig [3]. Das Fazit des STS ist deshalb unbequem: Bei Zwerghamstern gibt es keine optimale Lösung, wenn nicht gezüchtet werden soll – Einzelhaltung ist aber ebenso wenig tiergerecht [3]. Wer diese Verantwortung nicht tragen will, ist mit einem Goldhamster besser bedient. Oder mit einem Tier, das nicht nachtaktiv ist. Quellen Schweizerischer Bundesrat: Tierschutzverordnung (TSchV), SR 455.1, Fassung in Kraft seit 1. Februar 2026, Anhang 2 Tabelle 1 Ziffer 41 sowie die Anmerkungen 40, 41, 42, 44, 45 und 48. Abgerufen am 17.08.2026. Schweizer Tierschutz STS: STS-Merkblatt Heimtiere: Goldhamster (PDF), Ausgabe 2/2018. Abgerufen am 17.08.2026. Schweizer Tierschutz STS: STS-Merkblatt Heimtiere: Zwerghamster (PDF), Ausgabe 8/2019. Abgerufen am 17.08.2026. Schweizer Tierschutz STS: Tiergerechte Kleintierhaltung für Kaninchen und Nager, Abschnitt «Hitze und Heimtiernager». Abgerufen am 17.08.2026. Autorin: Martina Waldis, September 2012. Zuletzt überarbeitet und fachlich geprüft im August 2026.