Männer sollten wie die Frauen um ihre Rechte kämpfen

Auch von Gewalt betroffene Kinder finden in Frauenhäusern Schutz.

Unter einem Familienstreit haben vor allem die Kinder zu leiden.

Für die Männer gibt es aber nicht so viele Anlaufstellen wie für Frauen, zum Beispiel nur 2 Männerhäuser im Vergleich zu 18 Frauenhäusern. Sollte man da nicht mehr für die Männer tun?

Ja. Die Frage ist: Wer macht das? Gerade die Aufbauarbeit ist enorm anstrengend. Ich bin der Meinung, dass Männer diese Arbeit leisten sollten. Ich finde es wichtig, dass in unserer Gesellschaft bezüglich Gleichstellungspolitik, Männer sich anfangen zu wehren. Ich begrüsse es sehr, wenn sie sich wehren, damit andere Rollenbilder akzeptiert werden. Dass sie mehr als nur 5 Tage Vaterschafturlaub bekommen, dass Männer auch in typischen Frauenberufen zu finden sind, dass es Teilzeitjobs in höheren Kadern gibt. Ich finde auch die Arbeit, die Väter- und Männerorganisationen leisten, wichtig. Meiner Meinung nach müssten sie noch viel mehr das Rollenbild im politischen Kontext thematisieren. Bezüglich Männerhäusern habe ich im Austausch erfahren, dass sie noch nicht so gut genutzt werden. Wenn der Bedarf steigen sollte, ist das eine Frage der Zeit, bis sie auch Subventionen bekommen. Im Rahmen vom Opferhilfegesetz können übrigens auch heute Männer, die Opfer von Gewalt geworden sind, sei es von Männern oder Frauen, Hilfe bekommen.

Warum glauben Sie, können nur die Männer selbst Verbesserungen erreichen?

Weil sie primär für ihre Interessen einstehen sollen. Sie müssen zeigen, dass sie selbst die Veränderung wollen. Sie müssen zeigen, dass sie genug von der Stereotypisierung haben, zum Beispiel, dass sie immer stark sein müssen. Da braucht es Vorbilder und das können nun mal nur Männer für Männer sein. Natürlich müssen auch Frauen sagen, ich will einen Mann, der Gefühle zeigen kann. Da muss sich auch bei den Frauen das Bild ändern.

Ist es heute für von Gewalt betroffene Männer schwieriger, Hilfe zu finden?

Ich kann es nicht sagen. Aber ich glaube, dass die Männer, die von Frauen Gewalt erleben, mit einem zusätzlichen Tabu konfrontiert sind. Sie müssen einerseits die Scham überwinden, darüber zu reden und andererseits das Tabu überwinden, nicht schwach sein zu dürfen. Viele Leute sagen: Was das lässt du dir von einer Frau gefallen? Das macht den Schritt noch schwieriger, Hilfe zu holen.

Leidtragende in einem Familienstreit sind häufig die Kinder. Was muss für sie getan werden?

Die Kinder sollten ernst genommen werden. Den Kindern, die signalisieren, Gewalt erlebt zu haben, muss zugehört werden. Und da muss man auf professioneller Ebene mehr machen. Es braucht weitere spezifische Angebote, auch für jüngere Kinder. Es braucht Lehrmittel zu Themen wie Scheidung, Streit und sexuelle Übergriffe. Sodass Kinder erfahren, sie sind nicht schuld. Kinder sollten respektvoll behandelt werden. Sie werden oft nicht als gleichberechtigte Menschen angesehen. Ohrfeigen und Schläge im Rahmen von Erziehungsmassnahmen der Eltern sind in der Schweiz nach wie vor nicht explizit verboten, wird also immer noch toleriert. Das finde ich, ist eine Katastrophe. Da muss es eine Anpassung geben.

Interview: Angela Zimmerling im August 2011

Susan A. Peter ist seit 2004 Geschäftsleiterin der Stiftung Frauenhaus Zürich. Die studierte Sozialpädagogin und Kulturmanagerin hat viele Jahre selbst in einem Frauenhaus und einer Wohngemeinschaft für junge Frauen gearbeitet. Als Geschäftsleiterin ist sie für die Umsetzung der strategischen Entscheide des Stiftungsrates und unter anderem für die Qualitätsentwicklung, die Kommunikation und das Fundraising zuständig.

 

Stiftung Frauenhaus Zürich

Zur Stiftung Frauenhaus Zürich gehört das Frauenhaus Zürich und das Frauenhaus Violetta. Beide Häuser bieten insgesamt 24 Plätze für gewaltbetroffene Frauen und deren Kinder an. In den Frauenhäusern erhalten die Betroffenen Schutz und Unterkunft, rechtliche Informationen, Beratung und eine erste psychische Stabilisierung. Eine Frau, die von Gewalt betroffen ist, kann sich telefonisch melden. Oft kommen auch Anrufe von der Polizei, Spitälern und Ärzten. Im Kanton Zürich übernimmt meist die kantonale Opferhilfestelle die Kosten für den Aufenthalt bis zu 21 Tagen.

Mehr unter www.stiftung-frauenhaus.zh.ch

 

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