Gewaltfreie Kommunikation kann Kinder motivieren

Ein friedliches Familienleben ist der Wunsch vieler Eltern und Kinder. Doch Wunsch und Wirklichkeit liegen oft weit auseinander. Maulereien und Streitereien bestimmen den Alltag. Die Gewaltfreie Kommunikation ist eine bewährte Methode, um die verbale Kommunikation zu verbessern und Konflikte zu verringern.

Positive Erziehung und Gewaltfreie Kommunikation heisst, das Kind verstehen zu lernen und zu trösten.

Gewaltfreie Kommunikation heisst, Kinder durch Einfühlsvermögen zu motivieren.

Sei doch nicht immer so faul und räum endlich die Spülmaschine aus! Auf dich konnte man sich noch nie verlassen! Du bist eben die Unzuverlässigkeit in Person! Das kannst du nicht. So geht das und nicht so wie du es machst.

Wer erkennt sich nicht in diesen Beispielen wieder? Mal teilt man selbst auf diese Art und Weise aus oder muss selbst einstecken. Oft verursachen solche Aussagen Kränkungen, bringen Menschen gegeneinander auf oder sind der Nährboden von Streit. Der Psychologe Dr. Marshall B. Rosenberg gilt als der Begründer der Gewaltfreien Kommunikation, ein Konzept zur Verbesserung der Kommunikation im Alltag. «Wir betrachten unsere Art zu sprechen vielleicht nicht als gewalttätig, dennoch führen unsere Worte oft zu Verletzung und Leid – bei uns selbst oder bei anderen», erklärt er. Bei der gewaltfreien Kommunikation geht es nicht darum, seinem Gegenüber Honig um den Mund zu schmieren und stattdessen die Kritik hinunterzuschlucken, sondern darum, wie miteinander kommuniziert wird. Es geht darum, potenzielle Konflikte in friedliche Gespräche umzuwandeln, offen seine Meinung zu sagen, ohne Abwehr oder Feindseligkeit zu erwecken und die Mitmenschen über Empathie zu motivieren statt über Angst, Schuldgefühle und Scham.

Die Giraffe und der Wolf

Giraffe und Wolf? Die Tiere stehen stellvertretend für die unterschiedlichen Kommunikationsformen der Menschen. Der Wolf steht symbolisch für eine aggressive Form der Kommunikation. Der Wolf bewertet andere, sieht seine Ansicht als richtige Lösung an und setzt andere unter Druck, um seine eigenen Bedürfnisse zu erfüllen. Er kritisiert gerne, droht mit Strafen und sucht sofort nach einem Schuldigen. Dieses Verhalten ist bei vielen Eltern eine oft praktizierte Erziehungsmethode:

  • Wenn bis heute Abend nicht dein Zimmer aufgeräumt ist, dann spielen wir auch nicht Monopoly.
  • Siehst du, wir kommen jetzt zu spät ins Kino, weil du vorher getrödelt hast.
  • Ich habe es doch gleich gewusst, dass du es nicht kannst!

Die normale Reaktion auf dieses Verhalten ist eine Abwehrhaltung. Kinder aber auch Erwachsene blocken auf solche Aussagen ab, sie fühlen sich schlecht, herabgesetzt und möchten mit diesem Gesprächspartner keine Verbindung oder Kommunikation aufnehmen. Dies bringt also weder Eltern noch Kind weiter.

Rosenberg sieht die Giraffe als positives Pendant zum aggressiven Wolf. Die Giraffe ist liebenswert, freundlich und kann mit ihrem Hals Dinge aus einer anderen Perspektive betrachten und behält dabei immer die Situation im Auge. Ihre Art zu kommunizieren ist die Sprache des Herzens: Sie achtet auf Gefühle, achtet auf die Bedürfnisse anderer und trennt Beobachtung und Bewertung. Ausserdem bittet oder wünscht die Giraffe, anstatt zu fordern.

Erziehung mit Disziplin oder mit Verständnis?

Erziehungsratgeber wie «Lob der Disziplin» oder «Die Mutter des Erfolgs» haben Hochkonjunktur. Sie setzen auf Konsequenz und Härte. Kann die Sprache des Herzens dagegen ankommen? Ist das realistisch, lieber zu bitten als zu fordern? Den bockigen mauligen Teenager lieber verstehen zu lernen, als zu kritisieren? Zugegeben, es klingt wirklichkeitsnaher diesen mit strenger Hand zu erziehen als mit Verständnis. Überlegt man sich stattdessen, wie der Typ Mensch eigentlich tickt und funktioniert, klingt es schon nicht mehr so abwegig: Der Mensch giert förmlich nach Anerkennung und Wertschätzung, schon Kleinkinder tun alles, um Mama und Papa zu gefallen. Menschen engagieren sich freiwillig und gerne für andere, nur um ihnen Gutes zu tun und sie zu unterstützen. Ihr Antrieb ist das Bedürfnis nach Liebe, Geborgenheit und Empathie. Der Königsweg lautet also, den anderen verstehen zu lernen!

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