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Wie viel Kinderlärm ist draussem in der Nachbarschaft erlaubt?

Kinder wollen spielen und toben - und dazu gehört es auch, laut zu sein. Versteckespielen, Velo fahren, Fussball spielen, das ist vom Recht durchaus gedeckt. Doch der Gesetzgeber schreibt auch Grenzen für Kinderlärm vor. Familienleben hat Fachleute zum Kinderlärm befragt.

Kinderlärm: Kinder dürfen auf dem Spielplatz laut sein.

Auf Spielplätzen geht es laut zu. Nachbarn müssen diesen Kinderlärm dulden. Foto: Carol_Anne, iStock, Thinkstock

«Alle Mann voraus!» brüllt Lasse draussen auf der Strasse. Die Mutter in der Wohnung zuckt zusammen. Zwar hat sie Verständnis dafür, dass ein Pirat kein echter Pirat wäre, wenn er nicht richtig laut brüllen könnte. Doch ihre Zweifel sind gross, dass die Nachbarn ihre Meinung teilen. Muss sie ihren Sohn zur Ruhe ermahnen?

Wie viel Kinderlärm ist auf der Strasse und im Park erlaubt?

«Wer durch Lärm oder sonstigen Unfug die Nachtruhe oder in einer Sitte und Anstand verletzenden Weise die öffentliche Ruhe und Ordnung zur Tageszeit stört, wird mit Busse bestraft.» So lautet Paragraph 33 des Einführungsgesetzes zum Schweizerischen Strafrecht. Wenn die Polizei also solchen Lärm feststellt, kann sie gegen den Verursacher – bei Minderjährigen gegen die Eltern – Anzeige erstatten. Dennoch können Eltern beruhigt sein.

Kinder dürfen Kinder sein – und Lärm machen. «Wie die Erfahrung zeigt, unternimmt die Polizei zumindest tagsüber nichts gegen Kindergeräusche, sondern ermahnt im Gegenteil die reklamierenden Nachbarn, tolerant zu sein», so Ruedi Spöndlin, lic.iur. Rechtsberater Mieterinnen- und Mieterverband Deutschschweiz. Allerdings, räumt er ein, könne es örtliche Unterschiede geben.

Anders sieht die Sache während der Nachtruhezeit zwischen 22 und 6 Uhr aus, wenn ältere Kinder oder Jugendliche Randale machen. Dann kann es durchaus sein, dass die Polizei entschieden gegen die Verursacher des Lärms vorgeht. «Nach meiner Einschätzung schreitet die Polizei aber auch nur sehr zurückhaltend ein, allein schon, weil sie gar nicht die Ressourcen hat, alle feiernden Jugendlichen in Schranken zu weisen», so Rudi Spöndlin. «Eingeschritten wird hingegen meistens bei illegalen Partys mit lauten Musikanlagen.»

Wie laut dürfen Kinder und Jugendliche auf öffentlichen Spielplätzen sein?

Kinder dürfen durchaus mehrere Stunden lang auf einem Spielplatz laut sein. Anwohner müssen das dulden, denn Kinderlärm gilt nicht als störender Lärm. «Ein Spielplatz bietet Kindern die Möglichkeit, sich im Freien zum Spielen zu treffen, was oft mit Lärm verbunden ist», so das Bundesgericht 2005 (Urteil 1A.167/2004 vom 28. Februar 2005). Hintergrund dieser Feststellung war eine Klage einer Anwohnerin, die gefordert hatte, einen Spielturm zu entfernen, der ihrer Meinung nach viel Kinderlärm verursachte.

Auf manchen privaten und öffentlichen Spielplätzen besteht eine Haus- oder Arealordnung, nach der sich Kinder richten sollten. Mittagsruhe und Nachtruhezeiten gelten darüber hinaus grundsätzlich auch für Spielplätze. «In der Regel darf von 7 Uhr bis 22 Uhr gespielt werden mit einer Mittagsruhe von 12 bis 13 Uhr», weiss Simona Benovici, Mediensprecherin der Kantonspolizei Bern. «Ab 19 Uhr gilt Vorabendruhe, das heisst, dass keine besonders lärmigen Aktivitäten mehr stattfinden sollten.»

Kinderspielplätze sind für Kinder da - sie sind keine Jugendtreffs. «Wenn Jugendliche sich auf Spielplätzen aufhalten und Lärm verursachen, gilt es, die Störung im Einzelfall anzuschauen», so Simona Benovici. Dann sei auch der Betreiber des Spielplatzes gefordert, ein Reglement zu erstellen.

Wie laut dürfen Kinder auf privaten Grünflächen oder im Hof sein?

Ob sich Kinder im Hof oder auf der Wiese, die zur Mietliegenschaft gehört, aufhalten dürfen, bestimmt der Eigentümer. Er kann im Prinzip ein Schild mit den Worten «Rasen betreten verboten» aufstellen. Dann dürfen die Kinder dort nicht spielen. Wichtig ist auf solchen Flächen jedoch das Gewohnheitsrecht. «Wenn die Kinder der Mieter eine Aussenfläche über längere Zeit nutzen durften, kann der Vermieter dies nicht einfach plötzlich verbieten», sagt Rudi Spöndlin. «Denn dass diese Fläche genutzt werden darf, ist in diesem Fall stillschweigend zum Bestandteil des Mietvertrags geworden.» Und wo sich Kinder aufhalten dürfen, dürfen sie sich auch kindgemäss verhalten und Lärm machen.

Wie es mit Kinderlärm in der Wohnung aussieht, lesen Sie in unserem Beitrag «Kinder dürfen laut sein: Was das Mietrecht zu Kinderlärm in der Mietwohnung sagt»

Link-Tipp zum Lärm

Leiser mobil sein, Baustellenlärm und mehr Wissenswertes zum Lärm: www.laerm.ch

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