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Vaterschaftstest in der Schweiz: Was Sie wissen müssen

Ist das Kind tatsächlich von mir? Diese Frage kann schwer belasten. Ein Vaterschaftstest gibt Antwort, doch der DNA-Test hat nicht nur einen finanziellen Preis. Wir klären Sie über die wichtigsten Fragen auf.

Bei einem Vaterschaftstest in der Schweiz gibt es einiges zu beachten.

Ist mein Kind wirklich von mir? Ein Vaterschaftstest in der Schweiz kann Antworten liefern. Foto: GCShutter, E+, Getty Images Plus

Ähnlichkeiten im Aussehen, auch im Charakter fehlen. Vielleicht gibt es keine Erinnerung an sexuellen Verkehr zum Zeitpunkt der Zeugung. «Ist dieses Kind wirklich mein Kind?» Immer wieder kommen Zweifel hoch.

Das Gefühl, vielleicht ungerechtfertigt Unterhalt zu zahlen oder von der Mutter ein Kuckuckskind untergeschoben bekommen zu haben, kann quälen. Klarheit bietet ein Vaterschaftstest, ein DNA-Test. Aber wie läuft er ab, was muss man beachten und wie viel kostet er überhaupt? Wir klären auf.

1 Wann und warum wird ein Vaterschaftstest durchgeführt?

«Bei privaten Analysen sind uns die Gründe dafür unbekannt. Bei gerichtlich angeordneten Vaterschaftsanalysen stehen die Unterhaltszahlungen im Vordergrund», erklärt Naseem Malik, Abteilungsleiter Forensische Genetik beim Institut für Rechtsmedizin des Kantonsspital Aarau.

Oft wünscht sich nicht nur der vermeintliche Vater Sicherheit. Doch auch das Kind möchte eventuell Gewissheit über seine Abstammung haben. «Jede Person kann einen Vaterschaftstest ab Volljährigkeit initiieren, auch ein Kind», so Naseem Malik. «Das ist allerdings sehr selten der Fall. Bei uns ist er noch nie vorgekommen.»

2 Wer muss dem Vaterschaftstest zustimmen?

Bei gerichtlichen Aufträgen sind alle Beteiligten zur Teilnahme verpflichtet. Anders ist es bei Privataufträgen. Sie erfordern die Zustimmung der Mutter.

Hintergrund ist, dass in der Schweiz eine genetische Analyse zur Feststellung einer Verwandtschaft nur durchgeführt werden darf, wenn sie im Interesse des betroffenen Kindes ist. Der vermeintliche Vater, der seine Vaterschaft in Frage stellt, handelt aber in seinem eigenen Interesse.

Daher kann er nicht unterschreiben. Da die Mutterschaft nicht in Frage gestellt wird, muss die Kindsmutter entscheiden, ob ein DNA-Test zur Bestimmung der Vaterschaft durchgeführt werden soll. Wenn die Mutter nicht vorhanden ist, braucht das Kind einen Beistand, der die Interessen des Kindes vertritt.

Einen Vaterschaftstest anonym ohne Einwilligung oder Zustimmung anderer durchführen, geht also nicht. Gegen den Willen der Mutter oder des Vaters kann er auch nicht durchgeführt werden – es sei denn, er ist gerichtlich angeordnet.

3 Wie alt muss das Kind nach der Geburt beim Vaterschaftstest sein?

Ein Mindestalter zur Durchführung des Tests gibt es nicht. Denn die Mundschleimhaut, aus der beim DNA-Test Abstriche entnommen werden, enthält von Beginn an die Erbsubstanz. Daher ist ein Vaterschaftstest schon direkt nach der Geburt möglich.

Es gibt sogar die Möglichkeit einer vorgeburtlichen Probeentnahme. Naseem Malik: «Voraussetzung ist allerdings eine durch den Arzt veranlasste dokumentierte genetische Beratung.»

Grundlage für diese Vorschrift ist Artikel 34 «Klärung der Abstammung ausserhalb eines behördlichen Verfahrens» des Bundesgesetzes über genetische Untersuchungen beim Menschen. Er sieht ein eingehendes Beratungsgespräch vor, in dem unter anderem die Risiken des Eingriffs besprochen werden.

4 Welche Verjährungsfristen gibt es?

Wer eine Vaterschaftsklage erheben möchte, muss Verjährungsfristen beachten. Die Klage muss in jedem Fall innerhalb von fünf Jahren nach der Anerkennung des Kindes bei Gericht eingehen. Das Kind muss – wenn es die Vaterschaft anfechten möchte – die Klage spätestens ein Jahr nach Erreichen der Volljährigkeit erheben.

5 Wo führt man den Vaterschaftstest am besten durch?

Nur bestimmte Labore dürfen Abstammungsuntersuchungen machen, die in der Schweiz gerichtlich anerkannt werden – das sind Institute für Rechtsmedizin und vom Bund anerkannte Labore. Zwar sind in Deutschland und Holland die Tests preiswerter und mitunter ohne Einverständnis der Mutter möglich.

«Doch Probenentnahme und Durchführung des DNA-Tests ohne Einwilligung der Beteiligten sind illegal», so das Institut für Rechtsmedizin des Kantonsspitals Aarau. Vaterschaftstests von Online-Anbietern und heimliche Vaterschaftstests vor Gericht sind nicht als Beweismittel zulässig.

6 Wie funktioniert der Vaterschaftstest und was wird benötigt?

Wer einen Vaterschaftstest machen lassen will, wendet sich an ein entsprechendes Institut. In der Regel erfolgt die Beratung telefonisch. Sobald der Auftrag erteilt ist, wird ein Termin vereinbart, denn zu Hause können keine Proben entnommen werden.

Das Bundesgesetz über genetische Untersuchungen beim Menschen schreibt eine Probenentnahme mit Identitätsüberprüfung beim Labor oder beim Arzt vor.

Vor Ort prüft das Institut zunächst die Identität anhand von Ausweisdokumenten. Deshalb ist es wichtig, einen gültigen amtlichen Ausweis zur Probenentnahme mitzubringen. Mit Hilfe von Wattestäbchen werden dann zwei Abstriche von der Innenseite der Wange entnommen. Naseem Malik: «Das dauert etwa zehn Minuten pro Person.»

Laboranten extrahieren aus den Abstrichen die DNA und vervielfältigen die Regionen, die von Interesse sind. Dann werden die DNA-Merkmale in Form von Zahlen analysiert. Die Kombination dieser DNA-Merkmale ergibt das sogenannte DNA-Profil.

Wenn nun die DNA-Profile miteinander verglichen werden, müssen sich die DNA-Merkmale des Kindes entweder der Mutter oder dem Vater zuordnen lassen. Ist das nicht der Fall, kann der Schein-Vater nicht der Erzeuger sein.

Die DNA-Merkmale des Kindes setzten sich aus den DNA-Merkmalen der Eltern zusammen (jeweils je eines wird vererbt). Der Vater hat zum Beispiel in einer DNA-Region die Merkmale 15,18 die Mutter 14,17. Das Kind hat die Merkmale 14,15. Das heisst, das Merkmal 15 hat das Kind vom Vater geerbt und das Merkmal 14 von der Mutter. Dies wird derzeit über 23 DNA-Regionen getestet.

7 Wie lange muss man auf das Ergebnis des Vaterschaftstests warten?

Es dauert etwa ein bis zwei Wochen, bis das Resultat vorliegt. «Nach der heutigen Regelung ist mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 99,9 Prozent die Vaterschaft in einem Trio-Fall praktisch erwiesen», erklärt Naseem Malik.

8 Warum ist der Vaterschaftstest nur zu 99,9 Prozent sicher?

So wie es keine hundertprozentige Sicherheit einer positiven Vaterschaft gibt, gibt es auch keine hundertprozentig negative Vaterschaft. Dies aus dem Grund, dass nur ausgewählte Regionen untersucht werden und nicht das ganze Genom.

9 Was kostet ein Vaterschaftstest in der Schweiz?

Im Institut für Rechtsmedizin des Kantonsspitals Aarau kostet ein Vaterschaftstest mit Gutachten unter Einbeziehung des Genmaterials von Mutter, Vater und Kind 1090.80 Franken inklusive Mehrwertsteuer.

Preiswerter ist ein Test, wenn nur das Genmaterial des Vaters und des Kindes verglichen werden. Das Erbgut der Mutter lässt sich auch später noch mit einbeziehen.

«Es wird jedoch dringend empfohlen die Mutter einzubeziehen, sofern diese vorhanden ist. Ansonsten können sogenannte Ausschlusskonstellationen nicht ersichtlich sein. Eine Nachanalyse wird am Schluss teurer für die betroffenen Personen», informiert das Institut für Rechtsmedizin des Kantonsspital Aarau.

10 Wie hoch ist der wahre Preis des Vaterschaftstests?

Der wahre Preis eines DNA-Tests liegt allerdings höher. Zwar erhält der Vater Gewissheit, ob er der leibliche Vater des Kindes ist oder nicht. Doch ist er es nicht, zerreisst oft das Band zwischen dem Mann und dem Kind.

Etwa ein bis zwei von 100 Kindern sind Kuckuckskinder, wie eine Studie der KU Leuven in Belgien zeigt. Manchmal erzählen die Betroffenen von ihren Beweggründen bei der Probeentnahme. «Aber in der Regel bekommen wir vom persönlichen Schicksal, das hinter den Tests steht, sehr wenig mit“, sagt Naseem Malik.

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