Familienleben

Artikel gespeichert von: https://www.familienleben.ch/gesundheit/therapien-hilfe/wilde-blattern-warum-die-windpocken-impfung-dein-kind-gleich-doppelt-schuetzt-8897

Wilde Blattern: Warum die Windpocken-Impfung dein Kind gleich doppelt schützt

Wilde Blattern: Warum die Windpocken-Impfung dein Kind gleich doppelt schützt

Viele Eltern halten die wilden Blattern für harmlos. Eine Impfung ziehen sie darum gar nicht erst in Betracht. Auch weil sie nicht wissen, dass es bei der Windpocken-Impfung nicht nur um den Schutz vor den juckenden Bläschen auf der Haut geht. Viel wichtiger ist, dass diese vor einer weitaus schlimmeren Krankheit schützt, die erst Jahre später auftreten kann: Herpes Zoster (Gürtelrose). Dies ist einer der Gründe, warum die Varizellenimpfung in der Schweiz in den Impfplan aufgenommen wurde. Seit 2023 wird die Impfung mit zwei Dosen für alle Säuglinge im Alter von 9 und 12 Monaten empfohlen. Das musst du wissen.

Kleiner Junge ist an Windpocken erkrankt, seine Mama umarmt ihn
Die wilden Blattern muss man einfach durchmachen? Nein, es gibt eine Impfung gegen die Kinderkrankheit. © GettyImages Plus, Petko Ninov

Das Wichtigste zur Windpocken-Impfung bei Kindern

  • Neu im Schweizer Impfplan ist seit diesem Jahr die Windpocken-Impfung: Die Impfung gegen wilde Blattern wird für alle Kinder ab neun Monaten empfohlen. Zur aktuellen Empfehlung der Bundesamts für Gesundheit.
  • Die Schweiz ist mit dieser Empfehlung spät dran: In den meisten europäischen Ländern wird die Impfung schon seit Jahren empfohlen. 
  • Der Grund für die Empfehlung: Eine durchgemachte Windpockeninfektion kann später Gürtelrose auslösen. Der sogenannte Herpes Zoster kann schwerwiegende Folgen haben. Die Impfung schützt nicht nur vor den wilden Blattern, sondern auch vor Herpes Zoster. Was die Infektionen miteinander zu tun haben.
  • Der Lebendimpfstoff wird in zwei Dosen verabreicht. Im Normalfall im 9. und 12. Lebensmonat. Empfohlen wird eine Kombination mit der Masern, Mumps, Röteln Impfung, die zu diesem Zeitpunkt gemacht wird. Die Impfung kann aber auch problemlos zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. Nebenwirkungen sind selten. Mehr dazu.

Wollen Sie Ihr Kind auch gleich gegen wilden Blattern impfen?», fragte uns die Kinderärztin als wir den Termin für die empfohlene Masern, Mumps, Röteln Impfung besprachen. Wir schauten sie erstaunt an. Wir hatten zuvor noch nie von der Möglichkeit gehört. Wie wir später herausfanden, geht es auch vielen anderen Eltern so. Für viele käme es aber auch gar nicht infrage, ihre Kinder gegen eine Kinderkrankheit wie Windpocken zu impfen. Zumal diese bis 2023 nicht im Schweizer Impfplan enthalten war. «Wilde Blattern muss man doch einfach mal durchmachen...», so das Credo.

Wer die wilden Blattern für harmlos hält, weiss nicht, welche Folgen sie haben können.

Sandra Burri, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin und Vorstand Kinderärzte Schweiz

Kinderärztin Sandra Burri schüttelt bei solchen Aussagen nur den Kopf. «Wer so denkt, hat die Impfung nicht verstanden», sagt das Vorstandsmitglied von Kinderärzte Schweiz. «Eine Varizellen-Infektion bedeutet mehr als einfach ein paar rote Punkte auf der Haut!» Wer die wilden Blattern hatte, kann nämlich später plötzlich an einer weitaus gefährlicheren Krankheit leiden. Und genau davor soll die Impfung schützen. 

Sandra Burri

Sandra Burri ist Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin (Pädiatrie). Sie hat mehrere Jahre in verschiedenen Spitälern und Kliniken gearbeitet. Heute hat sie ihre eigene Praxis in Bern. Daneben ist sie im Vorstand von Kinderärzte Schweiz tätig sowie im Verein der Berner-Haus- und Kinderärzte (VBHK).

Soll man sein Kind gegen Windpocken impfen?

«Ja, impfen Sie Ihr Kind gegen Windpocken», empfiehlt Burri darum den Eltern, die sie in ihrer Praxis behandelt. schützt nämlich nicht nur vor Windpocken und möglichen Komplikationen der Erkrankung, sondern auch vor Herpes Zoster. Genau darum sei die Windpockenimpfung im Babyalter sinnvoll. Und darum wird sie auch in den meisten europäischen Ländern bereits seit Jahren empfohlen.

Bei uns fehlte eine solche Empfehlung bis 2023. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) stufte – anders als viele unserer Nachbarländer – eine Windpockeninfektion als harmlos ein. Nun zieht aber auch die Schweiz nach.

Windpocken-Impfung: Das gilt neu in der Schweiz

Das Bundesamt für Gesundheit hat per 2023 den Impfplan angepasst. «Windpocken verlaufen bei gesunden Kindern zwar meist harmlos, aber später im Leben kann dies zu Gürtelrose führen. Ab 2023 wird die kombinierte MMRV-Impfung darum für alle Kinder im Alter von 9 und 12 Monaten empfohlen», lautet die aktuelle Empfehlung. Eine Nachholimpfung wird im Alter von 13 Monaten bis 39 Jahren empfohlen.

Das kostet die Windpockenimpfung in der Schweiz

Mit der offiziellen Impfempfehlung werden die Kosten ab sofort von der Obligatorischen Krankenpflegeversicherung (Grundversicherung) übernommen. Die Kostenübernahme bezieht sich auf die empfohlene Basisimpfung und die Nachholimpfung.

Ab wann Kinder gegen Windpocken geimpft werden

Die Impfung wird im Normalfall im ersten Lebensjahr mit neun und zwölf Monaten gemacht. Die Varizellenimpfung wird in den meisten Fällen kombiniert mit der Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln. Der Lebendimpfstoff wird in zwei Dosen verabreicht.

Ihr habt diesen Termin verpasst, wollt euer Kind aber gerne impfen? Kein Problem! «Die Varizellenimpfung kann bei älteren Kindern problemlos nachgeholt werden», sagt Burri. In diesem Fall werden die beiden Dosen einfach im Abstand von vier Wochen verabreicht.

Die häufigsten Nebenwirkungen der Windpocken-Impfung

Laut Infovac sind Nebenwirkungen bei einer Windpocken-Impfung selten. Die Impfung wird in der Regel gut vertragen, schreibt auch das BAG. Dein Kind kann an Rötungen oder Schmerzen an der Einstichstelle leiden. Bei etwa 15% der Patienten trat 7 bis 21 Tage nach der Impfung kurzzeitig Fieber auf und bei etwa 4% entwickelten sich ein leichter windpockenartiger Ausschlag mit weniger als zehn Bläschen.

Windpocken-Impfung: Herpes Zoster nach wilden Blattern

Was haben die wilden Blattern nun aber mit Herpes Zoster zu tun? Ganz einfach: Die wilden Blattern werden durch das Varizella-Zoster-Virus ausgelöst. «Dieses bleibt nach einer Infektion im Körper, in den Zellen unseres Nervensystems», erklärt Sandra Burri. Das Virus kann dort sehr viele Jahre überleben – und zu einem späteren Zeitpunkt wieder aktiv werden. Bei Personen mit einem geschwächten Immunsystem, bei Stress und auch im Alter können die Viren dann Gürtelrose (Herpes Zoster) auslösen.

Windpocken-Impfung bietet Schutz vor Gürtelrose

Herpes Zoster kann unter Umständen gefährlich und sehr schmerzhaft werden. «Gürtelrose kann schwerwiegende Folgen haben», sagt Burri und warnt vor dauerhaften Schäden an den Augen oder im Ohrenbereich und lange anhaltenden Nervenschmerzen. Wer gegen wilde Blattern geimpft wurde, hat das Virus zwar auch durchgemacht. Aber: «Im Gegensatz zur Infektion mit dem Wildvirus verbleiben beim Impfvirus die Varizellen-Viren nicht in den Zellen.»

Wer die wilden Blattern hatte, soll sich gegen Herpes Zoster impfen

Das BAG empfiehlt seit 2022 allen gesunden Personen ab 65 Jahren, die nicht gegen wilde Blattern geimpft wurden, sich gegen Herpes Zoster zu impfen. Personen mit Immundefizienz sollen sich bereits ab 50 Jahren, mit schwerer Immundefizienz bereits ab 18 Jahren impfen lassen. Zur Empfehlung.