Wilde Blattern: Windpocken sind harmlos für Kinder, gefährlich für Schwangere

Die juckenden Bläschen der Kinderkrankheit Windpocken sind lästig, aber für die meisten Kinder harmlos. Wer Wilde Blattern einmal hatte, ist meist sein Leben lang immun. In der Schwangerschaft aber sind die Risiken für das ungeborene Baby sehr hoch. Deshalb sollten sich Paare mit Kinderwunsch über eine Impfung informieren.

Die Kinderkrankheit Wilde Blattern ist auch unter dem Namen Windpocken bekannt und äussert sich durch einen juckenden Hautausschlag

Die Kinderkrankheit Wilde Blattern ist schon ansteckend, bevor der typische Hautausschlag auftritt. Foto: v_zaitsev, iStock, Thinkstock

Für die bekannte Kinderkrankheit Wilde Blattern gibt es viele unterschiedliche Bezeichnungen. In der Schweiz ist vielen der Begriff Spitze Blattern bekannt. Der medizinische Begriff Varizellen leitet sich ab vom Namen des Erregers, Varizella-Zoster, der zu den Herpesviren gehört. Der Name Windpocken drückt aus, dass sich die Infektionskrankheit schnell wie der Wind und mit dem Wind, nämlich als Tröpfcheninfektion verbreitet. Der Erkrankte ist bereits ansteckend, bevor der typische Hautausschlag auftritt. Wer die Bläschen anfasst, kann sich ebenso anstecken.

Wilde Blattern: Krankheitsverlauf

Ungefähr zehn Tage nach der Infektion kommt es zu leichtem Fieber und einem Krankheitsgefühl, ungefähr wie bei einem grippalen Infekt. Dann treten die juckenden roten Bläschen und Pusteln im Gesicht und am Rumpf auf. Sie können sich auch weiter verbreiten und die Schleimhäute befallen. Die Windpocken dauern ungefähr fünf bis zehn Tage. Die Bläschen trocknen aus und fallen ab. In seltenen Fällen kommt es zu Hirnhaut- oder Lungenentzündungen. Die Gefahr für diese schweren Komplikationen ist grösser, wenn man die Wilden Blattern erst als Erwachsener bekommt. Bei Kindern verläuft die Krankheit häufig harmlos.

Die Behandlung der Windpocken beschränkt sich auf die unangenehmen Symptome. Ärzte versuchen, mit Medikamenten oder Lotionen den Juckreiz zu dämpfen, damit ein Kind sich nicht kratzt. Das Onmeda-Ärzteteam im Beobachter empfiehlt zusätzlich «sorgfältige Hautpflege, luftige Kleidung, um den Juckreiz (wegen zu enger Kleidung) nicht zu verstärken, Bettruhe». So werden Entzündungen der Haut vermieden und es bleiben keine Narben zurück. Wenn alle Bläschen eingetrocknet und verkrustet sind, ist das Kind nicht mehr ansteckend. Die an sich harmlose Kinderkrankheit heilt meist folgenlos aus.

Windpocken: Immunität

Wer Wilde Blattern überstanden hat, ist meistens lebenslang geschützt. Im Blut dieser Personen können dann spezifische Antikörper nachgewiesen werden. In der Schweiz ist das nach Auskunft des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) bei 98 Prozent aller Erwachsenen der Fall. Viele haben die Windpocken unbemerkt durchlaufen. In seltenen Fällen, bei immunschwachen Personen oder sehr leichtem Krankheitsverlauf, kann es allerdings zu einer zweiten Infektion kommen. Ausserdem verbleiben inaktive Viren im Körper. Das kann später, wenn das Immunsystem geschwächt ist, zu einer Gürtelrose führen.

Wilde Blattern und Schwangerschaft

Bei Erwachsenen, die erstmalig an Wilden Blattern erkranken, insbesondere bei Schwangeren, älteren und immungeschwächten Personen, können Wilde Blattern schwere Komplikationen hervorrufen, wenn die Viren Gehirn, Herz und Lunge angreifen. Beim ungeborenen Kind kann es, besonders zwischen der 8. und 20. Schwangerschaftswoche, wenn sich die Organe entwickeln, zu schweren Missbildungen kommen. Auch eine Infektion der Mutter zum Zeitpunkt der Geburt kann gefährlich werden, wenn keine Antikörper mehr übertragen werden und somit der Nestschutz gegen die Varizellen nicht aufgebaut wird. Ginge eine Infektion auf das Neugeborene über, wäre das sehr gefährlich. Die Ärzte würden in solch kritischen Fällen wahrscheinlich passiv immunisieren. Das bedeutet, sie spritzen vorbeugend Varizellen-Antikörper.

Impfempfehlungen

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) empfiehlt allen, welche die Wilden Blattern noch nicht hatten, eine Impfung im Alter zwischen 11 und 39 Jahren. Das gilt im Besonderen für Frauen mit Kinderwunsch, die noch keine Windpocken hatten. Lesen Sie dazu das Informationsblatt des BAG zu Impfempfehlungen für Frauen im gebärfähigen Alter: www.bag.admin.ch

 

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