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Wilde Blattern: harmlos für Kinder, gefährlich für Schwangere

Die juckenden Bläschen der Kinderkrankheit Wilde Blattern sind lästig. Während die Varizellen, wie die Infektion auch heisst, für die meisten Kinder harmlos ist, kann sie für Erwachsene gefährlich werden. Besonders für Schwangere. Wie Sie sich vor einer Ansteckung schützen und was bei einem schweren Verlauf zu tun ist. 

Wieso wilde Blattern vor allem in der Schwangerschaft gefährlich werden können.

Wilde Blattern: Die Infektion mit Varizellen kann für Erwachsene gefährlich werden, besondere Vorsicht ist in der Schwangerschaft nötig. Bild: E+

Der ganze Körper ist mit kleinen, roten Bläschen übersät – der Fall ist klar: Varizellen! Das ist der medizinische Begriff für die bekannte Kinderkrankheit Wilde Blattern. Viele sind Varizellen auch unter dem Begriff Windpocken oder Spitze Blattern bekannt. Der medizinische Begriff Varizellen leitet sich vom Namen des Erregers ab, Varizella-Zoster-Virus, der zu den Herpesviren gehört.

Der Name Windpocken drückt aus, dass sich die Infektionskrankheit schnell wie der Wind und mit dem Wind, als Tröpfcheninfektion, verbreitet. Erkrankte sind bereits ansteckend, bevor der typische Hautausschlag der Varizellen auftritt. Wer die Bläschen anfasst, kann sich ebenso anstecken. Erwachsene erkranken allerdings deutlich seltener an Windpocken als Kinder. Dafür verläuft die Krankheit bei Erwachsenen schwerer und führt eher zu Komplikationen als bei Kindern. Aufpassen sollten vor allem Schwangere und Personen mit einem geschwächten Immunsystem. 

Der Krankheitsverlauf bei Windpocken

Ungefähr zehn Tage nach der Infektion kommt es zu leichtem Fieber und einem Krankheitsgefühl, ähnlich wie bei einem grippalen Infekt. Bereits in dieser Zeit ist die Erkrankung ansteckend. Dann treten die juckenden roten Bläschen und Pusteln im Gesicht und am Rumpf auf. Sie können sich auch weiter verbreiten und die Schleimhäute befallen. Auch im weiteren Krankheitsverlauf der Spitzen Blattern besteht die Gefahr der Ansteckung anderer Menschen.

Die Windpocken dauern ungefähr fünf bis zehn Tage. Die Bläschen trocknen aus und fallen ab. In seltenen Fällen kommt es zu Komplikationen wie Hirnhaut- oder Lungenentzündungen. Bei Erwachsenen treten Komplikationen der Erkrankung häufiger auf. Bei Kindern verläuft die Krankheit meist harmlos.

Die Behandlung der Windpocken bei Kindern beschränkt sich auf die unangenehmen Symptome der Erkrankung, wie dem Fieber oder Juckreiz. Ärzte versuchen, mit Medikamenten oder Lotionen den Juckreiz zu dämpfen, damit ein Kind sich nicht kratzt. Das Onmeda-Ärzteteam im Beobachter empfiehlt zusätzlich sorgfältige Hautpflege, luftige Kleidung und Bettruhe.

So werden Entzündungen der Haut vermieden und es bleiben keine Narben der roten Flecken zurück. Wenn alle Bläschen eingetrocknet und verkrustet sind, besteht keine Gefahr der Ansteckung mehr. Die an sich harmlose Kinderkrankheit heilt meist folgenlos aus.

Windpocken in der Schwangerschaft 

Bei Erwachsenen, die erstmalig an Wilden Blattern erkranken, insbesondere bei Schwangeren können Windpocken schwere Komplikationen hervorrufen, wenn die Viren Gehirn, Herz und Lunge angreifen. Achtung! Auch für das Neugeborene besteht dann Gefahr!

Frauen, die an Windpocken während der Schwangerschaft erkranken, entwickeln deutlich häufiger eine schwere Lungenentzündung als nicht schwangere Erwachsene. In ungefähr einem Viertel der Fälle führen Windpocken bei Schwangerschaft über die Plazenta zu einer Infektion des Kindes. Je nachdem, in welchem Schwangerschaftsstadium die Infektion des Ungeborenen erfolgt, kann sie ohne Symptome bleiben, zu Schädigungen von Haut, Rückenmark, Gehirn, Skelett und Augen oder zu einer Fehlgeburt führen. Infiziert sich die Mutter kurz vor dem Geburtstermin, kann es sein, dass das Neugeborene während der ersten beiden Lebenswochen schwer erkrankt. Sie wollen schwanger werden und hatten das Varizellen-Virus noch nicht? Das BAG rät dann zur Impfung.

Immunität nach den Wilden Blattern

Das Gute: Wilde Blattern hat man nur einmal im Leben. Wenn Kinder Windpocken überstanden haben, sind sie meist lebenslang geschützt. Im Blut dieser Menschen können dann spezifische Antikörper nachgewiesen werden. In der Schweiz ist dies nach Auskunft des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) bei 98 Prozent aller Erwachsenen der Fall.

Viele Menschen haben die Windpocken unbemerkt durchlaufen. In seltenen Fällen, bei immunschwachen Personen oder sehr leichtem Krankheitsverlauf, kann es allerdings zu einer zweiten Infektion kommen. Ausserdem verbleiben inaktive Viren im Körper. Das kann später bei Personen mit einem geschwächten Immunsystem zu einer Gürtelrose führen.

Die Gürtelrose (Herpes Zoster) ist eine Spätfolge jeder fünften Windpocken-Infektion. Viren, die jahrelang unbemerkt im Körper schlummern, lösen plötzlich eine schmerzhafte Entzündung aus, die von den Nervenknoten auf die Haut übergreift. Die Diagnose: Gürtelrose. Eine Ursache der Gürtelrose (Herpes Zoster) ist der Varizella-Zoster-Virus. 

Selbst wenn die Windpocken abgeheilt sind, bleibt der Varizella-Zoster-Virus im Körper. Er schlummert in Nervenknoten nahe der Wirbelsäule oder in den Hirnvenen. «Eine Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus, nun in Form eines Ausbruchs einer Gürtelrose (Herpes Zoster) kommt, vor allem im höheren Alter und bei einer Immunschwäche vor», informiert das Bundesamt für Gesundheit (BAG).

Impfempfehlungen

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) empfiehlt allen, welche die Windpocken (Wilden Blattern) noch nicht hatten, eine Impfung im Alter zwischen 11 und 39 Jahren. Das gilt im Besonderen für Frauen mit Kinderwunsch, die noch keine Windpocken hatten. Allerdings ist während der Schwangerschaft von einer Impfung abzusehen, da im Windpockenimpfstoff lebende Viren enthalten sind.

In diesem Fall sollte die Impfung nach der Geburt durchgeführt werden. Lesen Sie dazu das Informationsblatt des BAG zu Impfempfehlungen für Frauen im gebärfähigen Alter.