Gürtelrose hat eine Geschichte - und die heisst «Windpocken»

Gürtelrose ist eine Spätfolge jeder fünften Windpocken-Infektion. Viren, die jahrelang unbemerkt im Körper schlummern, lösen plötzlich eine schmerzhafte Entzündung aus, die von den Nervenknoten auf die Haut übergreift. Wichtig ist, frühzeitig mit einer Therapie zu beginnen.

Gürtelrose kann auch am Nacken oder im Gesicht auftreten.

Zunächst juckt es, dann wird's schmerzhaft: Die Gürtelrose ist eine ernstzunehmende Krankheit. Bild: Tarakorn, iStock, Thinkstock.

Gürtelrose hat eine Geschichte – und die heisst Windpocken. Unter Windpocken kann sich fast jeder etwas vorstellen. Typisch ist der Hautausschlag mit roten Pusteln, die sich zu juckenden Bläschen entwickeln. Windpocken, meist von Fieber begleitet, sind hochansteckend und können bakterielle Hautinfektionen, Lungenentzündungen sowie Hirn- und Hirnhautentzündungen hervorrufen. Wer Windpocken überstanden hat, kann sie zum Glück kein zweites Mal bekommen – wohl aber die Gürtelrose (Herpes zoster). Jeder Fünfte, der Windpocken hatte, leidet später unter dieser schmerzhaften Krankheit.

Windpocken-Virus löst Gürtelrose aus

Selbst wenn die Windpocken abgeheilt sind, bleibt das Varicella-Zoster-Virus, das die Windpocken ausgelöst hat, im Körper. Es schlummert in Nervenknoten nahe der Wirbelsäule oder in den Hirnvenen. «Eine Reaktivierung des Virus, nun in Form eines Ausbruchs einer Gürtelrose (Herpes zoster) kommt, vor allem im höheren Alter und bei einer Immunschwäche vor», informiert das Bundesamt für Gesundheit (BAG).

Die Bläschen der Gürtelrose treten häufig am Bauch und Rücken auf.

Der typische gürtelartige Ausschlag mit kleinen juckenden Bläschen. Bild: franciscodiazpagador, iStock, Thinkstock.

Symptome des Herpes Zoster

Gürtelrose gilt also eine Spätfolge einer Windpocken-Infektion. Sie ist eine Entzündung, die von den Nervenknoten auf die Haut übergreift. Zuerst macht sie sich durch Abgeschlagenheit und Müdigkeit, manchmal auch durch Fieber und einem Hautkribbeln bemerkbar. Wenige Tage später schwillt die Haut an und färbt sich rötlich, bevor sich ein gürtelartiger Ausschlag mit kleinen Knoten bildet, von dem der Name Gürtelrose stammt. Aus den Knoten werden Bläschen, die manchmal jucken. Gürtelrose ist jedoch vor allem eine schmerzhafte Krankheit, weil nicht nur die Haut, sondern auch der Nerv entzündet ist. Der Ausschlag tritt in der Regel nur auf einer Körperhälfte auf, meist auf dem Rumpf oder Brustkorb. Wenn die Bläschen nach einigen Tagen ausgetrocknet sind, entstehen gelbliche Krusten. Erst nach mehreren Wochen ist die Gürtelrose komplett abgeheilt.

Gürtelrose kann Folgen haben

Aufgekratzte Bläschen lassen Narben zurück. Darüber hinaus kann eine Gürtelrose zu einer Überempfindlichkeit der Haut und auch zu einer Pigmentstörung führen. Breitet sich das Virus im Gesicht aus, kann es zu einer Hörminderung oder Lähmung führen. Viele Patienten klagen unter Schmerzen, selbst dann, wenn der Hautausschlag verschwunden ist. Ist das Immunsystem sehr angeschlagen, besteht auch die Gefahr einer Leber-, Lungen- oder Hirnhautentzündung.

So behandeln Sie die juckenden Bläschen am besten

Die Behandlung von Windpocken oder Gürtelrose beschränkt sich meist auf die Behandlung der Symptome. So verschreibt der Arzt Medikamente gegen Schmerzen und Fieber. «In besonderen Fällen kann ein Medikament, das die Virusvermehrung hemmt (Virostatikum), eingesetzt werden», erklärt das BAG. Es wirkt direkt nach Krankheitsausbruch am besten. Wichtig ist, die Haut gut mit Lotionen und Gelen zu pflegen, die den Juckreiz nehmen und antiseptisch wirken.

Gürtelrose ist ansteckend

Eine Gürtelrose ist ansteckend, allerdings nicht über Tröpfcheninfektion, sondern nur über den Bläscheninhalt, also über Schmierinfektion. Zwar kann sie keine andere Gürtelrose verursachen, wohl aber Windpocken. Windpocken gelten zwar als Kinderkrankheit, können aber auch Erwachsene befallen. Deshalb gilt es, sich von allen Menschen fern zu halten, die noch keine Windpocken hatten und auch nicht gegen Windpocken geimpft sind. Erst wenn das letzte Bläschen verheilt ist, ist die Gefahr der Ansteckung gebannt. Zum Glück stellt eine Gürtelrose einer Mutter kein Gesundheitsrisiko für ihr Baby in der Schwangerschaft dar.

Gürtelrose: Vorbeugen durch Windpocken-Impfung

Das BAG empfiehlt allen 11- bis 39-jährigen Personen, die bislang von Windpocken verschont wurden, eine Impfung: «Da das Risiko von Komplikationen für Erwachsene erhöht ist, ist es wichtig, alle Personen vor Windpocken zu schützen, die diese nicht während ihrer Kindheit durchgemacht haben.» Diese Impfung schützt vor Windpocken, aber nicht immer gegen Gürtelrose. «Herpes zoster kann auch bei Personen auftreten, die mit einem Lebendimpfstoff gegen Varizellen geimpft wurden», erklärt das Robert-Koch-Institut. «Geimpfte Kinder erkranken jedoch drei bis zwölf Mal seltener an Herpes zoster.» Auch eine spezielle Impfung gegen Gürtelrose bringt keinen allumfassenden Schutz. Einige Fragen um die noch relativ junge Gürtelrose-Impfung sind noch ungeklärt. So ist noch nicht erforscht, wie viele Jahre die Impfung überhaupt wirkt und ob Auffrischungsimpfungen sinnvoll sind.

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