Geburtstrauma statt Traumgeburt

Die Geburt eines Kindes ist ein Erlebnis, das in der Regel grosse Freude auslöst. Doch manche Geburten sind so problematisch, dass Mütter seelisch und körperlich unter den Folgen des Geburtserlebnisses leiden. Therapeuten können helfen, ein Geburtstrauma zu überwinden.

Ein Geburtstrauma überwinden braucht Zeit

Bei einem Geburtstrauma hilft es über das Erlebnis zu sprechen. Foto: monkeybusinessimages, iStock, Thinkstock

«Als ich in die Klinik kam, war der Muttermund schon weit geöffnet. Ich hatte mir eine Geburt im Stehen oder Hocken gewünscht, doch ich wurde sofort auf das Kreissbett gelegt. Ich fühlte mich bewegungsunfähig – wie ein Käfer auf dem Rücken. Zum Aufstehen hätte ich Hilfe gebraucht, da die Wehen schwächer wurden, sollte ich liegen bleiben. Ein Wehenmittel löste erneut heftige Schmerzen aus, doch ich schaffte es nicht, das Kind herauszupressen. Dann warf sich der Arzt auf meinen Bauch und drückte mit dem sogenannten Kristeller-Handgriff mit … » So berichtet eine Mutter von einer «Situation, in der ich nichts mehr unter Kontrolle hatte».

Geburtstrauma kann verschiedene Auslöser haben

Viele Frauen erleben die Geburt ihres Kindes als traumatisch, obwohl sie sich auf sie gefreut haben. Allein in Deutschland erkranken dem Verein «Schatten & Licht» zufolge jedes Jahr 100’000 Mütter im Zusammenhang mit der Geburt ihres Kindes. Zahlen für die Schweiz sind nicht bekannt.

Oft sind es schwierige Komplikationen während der Geburt, die ein Geburtstrauma in Form einer starken seelischen Verletzung auslösen. Manche Mütter, die unter einem Geburtstrauma leiden, haben besonders starke Schmerzen gehabt. Andere haben sich besonders grosse Sorgen um ihr Kind oder um die eigene Gesundheit gemacht. Auch eine Geburt, die plötzlich anders verläuft als erwartet und einen Kaiserschnitt, den Einsatz einer Saugglocke oder Zange erfordert, kann ein Geburtstrauma auslösen. Darüber hinaus sind Geburten, die sehr rasch oder – im Gegenteil – sehr lange dauern, schwer zu verkraften. Doch ob eine Frau eine Geburt als traumatisch erlebt oder nicht, ist individuell unterschiedlich. «Nicht jede schwierige Geburt löst eine traumatische Reaktion aus, und eine aus Hebammensicht «normale» Geburt kann für eine Frau ein schreckliches Erlebnis sein», erklärt die Hebamme Oliva Heiss aus Friedrichshafen auf ihrer Internetseite.

Geburtstrauma durch mangelnde Selbstbestimmung

Frauen, deren Geburt fremdbestimmt wird, leiden besonders häufig unter einem Geburtstrauma. «Vor allem Kontrollverlust, das Gefühl den Wehen und/oder auch dem Personal (Hebammen, Ärzte) ausgeliefert zu sein und selbst keinen Einfluss auf das zu haben, was in ihnen und um sie herum passiert, erleben einige Frauen als traumatisch», erklärt Olivia Heiss. Wenig selbstbestimmt ist eine Geburt auf einem Kreissbett. Im Liegen und Sitzen ist die Bewegungsfreiheit so stark eingeschränkt, dass die Mutter das Baby nicht durch Beckenbewegungen aktiv auf seinem Weg durch den Geburtskanal unterstützen kann. Auch fehlt die unterstützende Wirkung der Schwerkraft, die das Kind förmlich auf die Welt zieht. Geburten im Liegen sind nicht nur länger, sondern verursachen auch mehr Schmerzen.

Geburtstrauma mit Folgen

«Traumatische Ereignisse werden von den Betroffenen als unvorhersehbare intensive Bedrohung erlebt und lösen eine intensive Angst aus, die von absoluter Macht- und Hilflosigkeit begleitet ist», so Oliva Heiss. Nicht nur starke Angststörungen, auch Depressionen können die Folge sein. Ein Geburtstrauma ist zwar eine seelische Verletzung, doch sie kann sich körperlich auswirken, zum Beispiel durch erhöhten Puls, Schlaflosigkeit, sogar durch chronische Schmerzen. So verunsichert kann die Mutter den Alltag kaum bestehen, der durch die Geburt des Babys ohnehin auf den Kopf gestellt ist. Oft fällt es ihr schwer, eine intensive Beziehung zum Baby zu knüpfen. Auch die Beziehung zum Partner kann leiden. «Eine traumatische Geburt hat unter Umständen Auswirkungen auf die Einstellung zur Sexualität, und dadurch können Probleme in der Partnerschaft entstehen», erklärt das Schweizer «Netzwerk Verarbeitung Geburt».

Geburtstrauma verarbeiten

Wichtig ist, über das Erlebte zu sprechen – mit dem Partner, mit Freunden, mit Familienmitgliedern. Verständnis haben vor allem andere betroffene Frauen, die sich zum Beispiel in einer Selbsthilfegruppe finden lassen. Sinnvoll kann es sein, den Geburtsverlauf zu rekonstruieren, um ihn besser zu verstehen und zu verarbeiten. Olivia Heiss: «Durch eine Nachbesprechung der Geburt mit Personen, die dabei anwesend waren (Hebamme, Arzt) gelingt es, die zunächst nur bruchstückhaft vorhandenen Erinnerungen zu einem sinnvollen Ganzen zu konstruieren. Dies erfordert genügend Zeit und einen geeigneten, ungestörten Ort. Es ist auch möglich, den Geburtsbericht anzufordern und zu besprechen.» Das Schweizer «Netzwerk Verarbeitung Geburt» vermittelt Adressen von Therapeuten in der Schweiz, die sich auf die Überwindung von Geburtstraumata spezialisiert haben.

«Als Mami und Hebamme kann ich SWICA nur empfehlen»

Swica

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