Bonding: Warum die ersten Stunden nach der Geburt so wichtig sind

Schon in der Schwangerschaft haben Sie eine Beziehung zu Ihrem ungeborenen Baby aufgebaut. Direkt nach der Geburt intensiviert sich dieses Verhältnis. In der Fachsprache wird dies Bonding genannt. Doch die ersten Stunden nach der Geburt sind nicht alles. Bonding passiert über einen langen Zeitraum.

Zum Bonding gehören viele Kuschelmomente.

Mit dem Baby zu kuscheln, kann zu den schönsten Bonding-Momenten gehören. Foto: iStockphoto, Thinkstock

Können Sie sich noch an das letzte Mal erinnern, als Sie sich gerade so richtig verliebt hatten? Sie konnten tage- und wochenlang an nichts anderes denken? Sie waren zu aufgeregt, um zu essen und zu schlafen? Sie hatten Schmetterlinge im Bauch? So ähnlich und wahrscheinlich noch viel intensiver wird es sich anfühlen, wenn Sie Ihr Kind kennenlernen. Denn Bonding heisst im Grunde nichts anderes, als sich in Ihr Baby zu verlieben. Wörtlich übersetzt steht Bonding für eine (Ver)Bindung, die zwischen dem Kind und seinen Eltern aufgebaut wird. Dies beginnt schon in der Schwangerschaft und wird direkt nach der Geburt in den folgenden Stunden, Tagen und Jahren weitergeführt.

Bonding nach der Geburt

Endlich ist es geschafft: Ihr Baby ist geboren. Die Geburtsschmerzen sind schon fast vergessen, wenn Sie Ihr Neugeborenes sehen. Wahrscheinlich können Sie es noch gar nicht richtig erfassen, dass dieser kleine Mensch nun da ist und zu Ihnen gehört. Ganz instinktiv möchten Sie Ihr Kleines berühren und beschützen.

Die meisten Spitäler sind heute von der Bedeutung des Bonding zwischen Eltern und Kind direkt nach der Geburt überzeugt. Deshalb ist es bei einer normalen Geburt üblich, dass das Neugeborene sofort nach der Geburt auf die nackte Haut der Mutter gelegt wird. Ihr Baby wird Ihre Herztöne, Ihren Geruch und Ihre Stimme aus dem Bauch wiedererkennen und so Geborgenheit in einer noch fremden Welt finden. Wahrscheinlich können Sie beobachten, wie Ihr Neugeborenes seinen Mund bewegt und Ihre Brust suchen wird. Manche Babys sind dabei sehr zielstrebig, während andere etwas mehr Zeit benötigen. Es wirkt sich nachweislich positiv auf das Stillen aus, wenn das Baby direkt nach der Geburt das erste Mal angelegt wird. Dies fördert ebenfalls die intensive Bindung zwischen Mutter und Kind.

Auch der Vater muss nicht aussen vor bleiben. Wenn das Baby da ist, muss die Mutter noch die Plazenta gebären. Danach ist es in vielen Gebärsälen möglich, dass man Ihnen einige Zeit allein lässt, in denen Sie sich zu dritt gegenseitig kennenlernen und bestaunen können. Für das Anziehen, Baden oder eventuelles Nähen des Dammes ist auch später noch Zeit. Diese ersten Minuten und Stunden sind für viele junge Eltern kostbare Erinnerungen, in denen ein wichtiger Grundstein für die weitere Beziehung zwischen Eltern und Kind gelegt wird.

Bonding nicht nur in den ersten Stunden

Doch so wichtig die ersten Stunden für die Eltern-Kind-Bindung sind, sie sind bei weitem nicht alles. Nicht immer ist solch ein idealer Start möglich, in denen direkt nach der Geburt die Mutter für ihr Kind da sein kann. Schliesslich bauen auch Adoptiveltern eine intensive und liebevolle Beziehung zu ihrem Kind auf, auch wenn sie bei der Geburt nicht dabei waren.

Vielleicht haben Sie eine Frühgeburt, bei der Ihr Baby sofort in einen Inkubator kommt oder andere Geburtskomplikationen, bei der das Neugeborene direkt auf die Intensivstation verlegt wird. Das Bonding können Sie später nachholen. So wird beispielsweise bei Frühchen heute das sogenannte «Känguruhen» in vielen Spitälern praktiziert, bei denen es um viel Hautkontakt der Frühchen mit den Eltern geht (siehe Infobox).   Bei einem Kaiserschnitt ist es heute üblich, dass ebenfalls sofort nach der Geburt Hautkontakt mit der Mutter hergestellt wird. Falls dies nicht möglich ist, weil die Mutter beispielsweise Vollnarkose hat, kann auch der Vater einspringen.

Machen Sie sich keine Sorgen, wenn Sie dieses Gefühl der Verliebtheit nicht sofort nach der Geburt verspüren. Bei manchen Müttern dauert es ein paar Tage. Vielleicht sind Sie so erschöpft von der Geburt, dass Ihnen das für den Moment zu viel ist. Manche Mütter entwickeln dieses Gefühl der intensiven Bindung erst mit der Zeit, wenn sie beispielsweise ihr Kind beruhigen können oder wenn sie das erste Mal vom Baby angelächelt werden. Bonding ist ein Prozess, der mit der Geburt beginnt, aber ein Leben lang anhält.

Wenn Sie allerdings grosse Probleme damit haben, in den Wochen nach der Geburt eine Beziehung zu Ihrem Kind aufzubauen, wenn Sie sich entfremden oder sehr unglücklich sind, dann sollten Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Hebamme sprechen. Es könnte sein, dass Sie von postnataler Depression betroffen sind. Je eher die Krankheit erkannt und behandelt wird, umso besser für Sie, für Ihr Baby und für Ihre gemeinsame Beziehung. 

Was ist «Känguruhen»?

Beim sogenannten Känguruhen wird das Frühchen, so es sein Gesundheits- und Entwicklungsstand zulässt, in entspannter Umgebung auf die unbekleidete Brust der Mutter oder des Vaters gelegt. Dabei nimmt es den Geruch, Herzschlag und Atmung der Eltern wahr, was sich günstig auf die Atmung und Gewichtszunahme des Frühchens auswirken kann.

Wie waren Ihre ersten Stunden nach der Geburt? Schreiben Sie uns. Hier geht es zum Kommentarbereich.

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