Lotusgeburt: Entbindung ohne Durchtrennen der Nabelschnur

Die meisten Kinder werden bereits kurz nach ihrer Geburt abgenabelt. Befürworter der sogenannten Lotusgeburt kritisieren jedoch, dass die Babys auf diese Weise unnötig Blut verlieren, die Eisenvorräte somit schneller erschöpft sind und wertvolle Immunstoffe und Stammzellen verloren gehen.

Bei der Lotusgeburt wird die Plazenta nicht abgetrennt.

Bei einer Lotusgeburt bleibt das Neugeborene nach der Geburt mit der Plazenta verbunden, bis diese von selbst abfällt. Foto: Andriy Bandurenko, iStock, Thinkstock

Bei einer Lotusgeburt, einer Entbindung ohne Abnabelung, bleibt das Baby so lang mit der Plazenta verbunden, bis der Gewebeschlauch vom Nabel zum Mutterkuchen von selbst abfällt. Das geschieht in der Regel drei bis fünf Tage nach der Entbindung. Der Mutterkuchen wird mit Hilfe von Salz haltbarer gemacht und in Baumwolltüchern aufbewahrt. Ihren Namen hat die Methode von einer amerikanischen Hellseherin. Claire Lotus Day war eine der ersten, die den Sinn des Abnabelns öffentlich anzweifelte. Sie gilt als erste Frau in der westlichen Zivilisation, die ihr Kind nach der Entbindung nicht von der Plazenta trennen liess.

Lotusgeburt: Mögliche gesundheitliche Vorteile

Anhänger der «sanften Geburten» sprechen von vielen Vorteilen für die Kinder, die schulmedizinisch jedoch bisher kaum erforscht wurden. Bei einer Lotusgeburt sinkt das Risiko, dass sich der Nabel entzündet oder mit Keimen infiziert. In Plazenta und Nabelschnur befinden sich ausserdem rund ein Viertel des Blutes, das dem Baby in seinem Blutkreislauf zur Verfügung steht. Ohne Abnabelung erleidet der kindliche Organismus weniger Blutverlust, was sich laut Anhängern der Lotus-Theorie später positiv auf Eisenvorräte und Immunsystem auswirkt. Zudem wird der Säugling durch die Lotusgeburt auch nach der Entbindung durch die Plazenta optimal mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Der Start ins Leben ist so sanfter und fliessender. Das Stillen kann stressfreier und angenehmer beginnen, da der Druck der Versorgung wegfällt. Zudem kann sich die junge Familie ganz aufeinander, aufs Kennenlernen und die wachsende Bindung zueinander konzentrieren.

Ausgeglichene Babys dank Lotusgeburt

Auch psychisch sollen Vorteile für den Säugling entstehen. Hebammen, die Geburten ohne ein Durchtrennen der Nabelschnur durchführten, berichten, dass die Säuglinge durchweg ruhiger, entspannter und ausgeglichener wirkten. Die bleibende Verbindung würde sich positiv auf alle Belange der Entwicklung auswirken. «Sanft geborene, voll gestillte Lotusbabys, die noch die Verbindung zu ihrer Plazenta haben, behalten die Energie, die sie brauchen, um ihr System in den frühen Stunden nach der Geburt und den ersten Lebenswochen zu stabilisieren», schreibt Mutter und Tanzlehrerin Nadine Wenger auf ihrer Webseite babyglueck.ch. «Sie können sich auf allen Ebenen optimal entwickeln: Entspannung, gesunde Gewichtszunahme, Stärke und Mobilität, Fein- und Grobmotorik, sowie Wahrnehmung der Umwelt.»

Nadine Wenger hat drei von vier Kindern ganz allein auf die Welt gebracht. Im Interview bei Aeschbacher erklärt sie, wie sie die Lotusgeburt erlebt hat:

Video: Schweizer Radio und Fernsehen, im Januar 2014

Lotusgeburt: Nachteile

Die Nachteile der Lotusgeburt liegen auf der Hand. Zunächst einmal ist das neugeborene Baby mit Plazenta natürlich relativ unhandlich. Bei Hautkontakt, Stillen und Kuscheln wirkt der Mutterkuchen eher störend. Das Bekleiden und Wickeln des Babys ist nur erschwert durchführbar. Es gilt, den Mutterkuchen täglich zu reinigen. Aufgrund der hohen Keimdichte in der Luft bieten viele Spitäler keine Lotusgeburt an, da ansonsten ein hohes Risiko für gefährliche Infektionen des Säuglings besteht.

Weiterführende Links zum Thema Lotusgeburt:

Antworten auf Fragen zur Lotusgeburt: www.babyglueck.ch

Lotusgeburt: Eine Anleitung: www.intuitiveeltern.de

 

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