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Sichere Anzeichen der Geburt: Geht es jetzt los?

 Am Ende der Schwangerschaft steigt die Spannung: Wehen, ein Blasensprung und veränderte Kindsbewegungen sind Anzeichen auf die Geburt. Vor allem bei der ersten Geburt kann es manchmal aber schwierig sein, einzuschätzen, ob es nun wirklich losgeht. Mit diesem Überblick kannst du einschätzen, ob dein Baby bald kommt.

Besonders in der ersten Schwangerschaft kann es schwierig sein, die ersten Geburtsanzeichen zu erkennen.
Besonders in der ersten Schwangerschaft kann es schwierig sein, die ersten Geburtsanzeichen zu erkennen. © Getty Images, Aleksandar Nakic

Geburtsanzeichen: Das Wichtigste in Kürze

  • Es gib nur wenige klare Geburtsanzeichen. Dazu gehören ein Blasensprung mit Wehen oder der sich öffnende Muttermund mit Geburtswehen. 
  • Durchfall, Rückenschmerzen und Übelkeit müssen keine Geburtsanzeichen sein. Sie treten bei den meisten Frauen gegen Ende der Schwangerschaft auf.
  • Wenn sich dein Baby plötzlich mehr  bewegt als die Wochen zuvor, muss das kein Geburtsanzeichen sein. Kindsbewegungen können unterschiedliche Gründe haben.
  • Es gibt einige Anzeichen, dass du sofort ins Spital gehen solltest. Wenn du alle fünf bis zehn Minuten eine Wehe hast und dich auf das Atmen konzentrieren musst, solltest du dich an dein Spital wenden.

Je näher der Geburtstermin rückt, desto mehr verdichten sich die Anzeichen, dass das Kind bald auf die Welt kommt. Wir helfen dir dabei, die Zeichen vom Abgang des Schleimpfropfens über veränderte Kindsbewegungen bis zu Geburtswehen zu erkennen und richtig zu deuten.

Und keine Sorge: Dass ein Baby auf dem Weg ins Spital geboren wird, weil die werdenden Eltern zu spät zu Hause losgefahren sind, ist eine seltene Ausnahme. Denn die ersten Anzeichen bedeuten noch nicht unbedingt, dass die Geburt unmittelbar bevorsteht.

Unsere Expertin, PD Dr. med. Nina Kimmich

Portrait von Expertin Dr. Nina Kimmich
PD Dr. med. Nina Kimmich © zVg

PD Dr. med. Nina Kimmich ist Leitende Ärztin an der Klinik für Geburtshilfe des Universitätsspitals Zürich. Sie ist Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, trägt den Schwerpunkttitel für Fetomaternale Medizin und leitet die Gebärabteilung. Mehr über PD Dr. med. Nina Kimmich erfährst du hier.

Anzeichen Geburt: Was deutet auf eine baldige Geburt hin?

Es gibt nur wenige deutliche Anzeichen für eine baldige Geburt. «Klare Indikatoren für eine beginnende Geburt sind, dass die Frau Wehen hat und sich der Muttermund öffnet», erklärt PD Dr. med. Nina Kimmich, Leitende Ärztin an der Klinik für Geburtshilfe des Universitätsspitals Zürich.

Die Öffnung des Muttermundes kann man nur mit einer Untersuchung feststellen, und Wehen allein deuten nicht unbedingt auf eine baldige Geburt hin. «Manche Frauen haben wochenlang Vorwehen», so PD Dr. Kimmich.

Wenn du unsicher bist, ob du Geburtswehen hast, stoppst du die Zeit zwischen den Wehen. Geburtswehen treten in regelmässigen Abständen auf, die immer kürzer werden. Sie werden auch immer stärker. Wenn deine Wehen etwa alle zehn Minuten auftreten, solltest du deine Hebamme anrufen oder dich auf den Weg ins Spital machen.

Wenn die Wehen unregelmässig kommen und du unsicher bist, ob es sich um Vorwehen oder Geburtswehen handelt, solltest du ein entspannendes Bad nehmen. Vor- oder Senkwehen verschwinden häufig im warmen Wasser, Geburtswehen werden in der Regel eher stärker.

Was sind Senkwehen bzw. Vorwehen?

Schwangere Frau steht vor Fenster und hält sich eine Hand an den Bauch.
Senkwehen sind völlig normal, obwohl sie unangenehm sein können. © demaerre, Getty Images

Senkwehen treten in der Regel ab der 36. Schwangerschaftswoche auf und sind bei vielen Frauen sehr unangenehm. Sie können daher, gerade in der ersten Schwangerschaft ,leicht mit Geburtswehen verwechselt werden. In unserem Artikel liest du mehr über Senkwehen.

Sind Durchfall und Rückenschmerzen Zeichen für eine baldige Geburt?

Viele halten Symptome wie Durchfall, Übelkeit und Rückenschmerzen für ein Anzeichen, dass es bald losgeht. Das ist aber nicht ganz richtig.

«Der Darm ist direkt neben der Gebärmutter. Schon Vorwehen können den Darm also anregen und Durchfall verursachen», weiss Dr. Kimmich. Die Schmerzen der Vorwehen sorgen bei vielen Frauen auch für Übelkeit.

Auch für die Rückenschmerzen ist die Gebärmutter verantwortlich. «Wenn sich der Muttermund öffnet, wendet sich die Gebärmutter. Das zieht an den Bändern und verursacht Schmerzen im unteren Rücken», sagt PD Dr. Kimmich. «Wir kennen das in leichterer Form von den Menstruationsschmerzen.»

Veränderte Kindsbewegungen kurz vor der Geburt?

Man erzählt sich, dass sich die Bewegungen des ungeborenen Babys kurz vor der Geburt verändern. Manche sagen, sie werden intensiver, andere behaupten das Gegenteil. «Grundsätzlich ist das individuell», sagt PD Dr. Kimmich. «Es gibt Kinder, die aktiver sind und Kinder, die weniger aktiv sind.»
Falls du allerdings gar keine oder extrem wenige Kindsbewegungen spürst, solltest du vorsichtshalber deinen Arzt oder deine Hebamme kontaktieren.

Blasensprung: Wenn das Fruchtwasser austritt

Für manche Frauen beginnt die Geburt mit dem Blasensprung. Bei diesem Anzeichen der Geburt fliesst eine meist geruchlose und farblose Flüssigkeit aus der Scheide. Im Unterschied zum Urin kannst du diese Flüssigkeit nicht halten.

Die Menge des abgehenden Fruchtwassers unterscheidet sich von Frau zu Frau. «Manche Frauen bemerken den Blasensprung nicht, weil nur wenige Tropfen abgehen. Bei anderen läuft ein Schwall Wasser aus der Scheide», erzählt PD Dr. Kimmich.

Wenn du bemerkst, dass deine Fruchtblase geplatzt ist, solltest du mit deiner Hebamme oder dem Spital Kontakt aufnehmen, auch wenn du noch keine Wehen hast. Nach dem Blasensprung steigt nämlich die Infektionsgefahr für dein Baby.

Anzeichen Geburt: Wann muss ich ins Spital?

Du musst ins Spital, wenn…

  • …dein Bauch schmerzhaft hart wird.
  • …du dich wegen der Schmerzen stark auf deine Atmung konzentrieren musst.
  • …deine Wehen alle 10 Minuten kommen.
  • …du blutest. Das kann u.a. bedeuten, dass sich dein Muttermund öffnet oder dass sich die Plazenta vorzeitig löst. Wenn sich die Planzenta vorzeitig ablöst, wird das Baby in der Regel nicht mehr mehr mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt.
  • …du grundsätzlich ein starkes Unwohlsein verspürst.

Abgang des Schleimpfropfens

Ein weiteres Zeichen, dass es in den nächsten Tagen oder Stunden losgeht, ist der Abgang des Schleimpfropfens. Dieser verschliesst in der Schwangerschaft die Gebärmutter. Manche Frauen bemerken vor der Geburt einen Abgang von Schleim, der mit Blut gemischt sein kann. Dies kann auch über mehrere Tage passieren.

Falls es nach der sogenannten Zeichnungsblutung doch noch einige Tage dauert, bis es mit der Geburt losgeht, solltest du Aktivitäten meiden, bei denen du in starken Kontakt mit Bakterien kommst. Der Schleimpfropf kann nun das Eindringen von Krankheitserregern in den Gebärmutterhals nicht mehr verhindern.