Baby > AusstattungSchimmel in Kinderspielzeug: Ist Giraffe Sophie gesundheitsgefährdend – und was hilft dagegen? Chantal Hebeisen Im Innern der Quietschgiraffe Sophie kann sich Schimmel bilden – das machte im Januar 2017 weltweit Schlagzeilen. Hier liest du, was damals passierte, wie der Hersteller die Sache heute darstellt, was die Forschung über Keime in Spielzeug mit Loch weiss und wie du Beiss- und Badespielzeug sauber und trocken hältst. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Ist das beliebte Kinderspielzeug giftig? Sophie la girafe schimmelt von innen. (Bilder: PD, Twitter) Was im Januar 2017 passierte Die Giraffe Sophie ist eines der ersten Spielzeuge tausender Kinder. Auf den Markt kam sie 1961; hergestellt wird sie bis heute von der französischen Firma Vulli im savoyischen Rumilly aus Naturkautschuk [6]. Viele Eltern reichen sie ihrem Kind, wenn die ersten Zähne durchbrechen – mehr dazu liest du im Beitrag Zahnen: Symptome, Dauer und Hilfe. Anfang 2017 geriet das Kultspielzeug in die Schlagzeilen. Die amerikanische Kinderzahnärztin Dana Chianese, die Beissspielzeuge zuvor selbst täglich Eltern empfohlen hatte, bemerkte beim Reinigen der Giraffe ihres Sohnes einen modrigen Geruch, der aus dem Loch kam. «Ich habe Sophie aus Neugier aufgeschnitten und habe ein lebendes Wissenschaftsexperiment darin vorgefunden», sagte sie später gegenüber der Onlineplattform «Good Housekeeping.com». Denn im Inneren war die Giraffe verschimmelt. Chianese betonte, die Pflegehinweise stets eingehalten zu haben. Ihr Bericht verbreitete sich rasch, und dutzende Eltern schnitten die Giraffe ihrer Kinder ebenfalls auf. Das Ergebnis fiel dabei nicht einheitlich aus: Manche fanden ebenfalls Schimmel, andere ein sauberes Inneres [6]. Genau dieser Unterschied ist der Schlüssel zum Verständnis des Problems – er hängt daran, ob Wasser ins Spielzeug gelangt ist. Hersteller glaubt an falsche Pflege von Sophie la Girafe Mit diesen Fakten konfrontiert, ermahnte Vulli die Konsumentinnen und Konsumenten 2017 lediglich, die Pflegehinweise unbedingt einzuhalten: Das Spielzeug, das ein kleines Loch für die Quietsche hat, dürfe nie unter Wasser getaucht, sondern solle nur mit einem feuchten Tuch und Seifenwasser gereinigt werden. Einen entsprechenden Hinweis suchte man im Januar 2017 auf der Webseite des Herstellers oder der speziell für das Kultspielzeug errichteten Webseite vergebens. Das hat sich geändert. Heute stehen die Pflegehinweise ausführlich in der offiziellen FAQ des Herstellers. Dort ist nachzulesen [4]: Sophie la girafe wird nur oberflächlich mit einem feuchten Tuch und Seifenwasser gereinigt. Die Quietsche erzeugt ein Loch. Beim Reinigen darf kein Wasser hineingelangen; das Spielzeug wird deshalb weder abgespült noch untergetaucht noch in die Geschirrspülmaschine gegeben. Sterilisieren ist nicht zulässig – die gängigen Verfahren setzen Eintauchen voraus und beschädigen das Produkt. Sophie ist kein Badespielzeug. Aus Hygienegründen soll die Giraffe nicht an ein zweites Kind weitergegeben oder weiterverkauft werden – ähnlich wie eine Zahnbürste oder ein Nuggi. Zur Kernfrage schreibt der Hersteller heute selbst: Es bestehe kein besonderes Risiko für das Kind; zugleich könne Wasser, das in einen Hohlkörper eindringt und dort stehen bleibt, Schimmel verursachen [4]. Damit räumt Vulli den Mechanismus ein, bestreitet aber eine konkrete Gesundheitsgefahr. Ist der Schimmel gefährlich für Kinder? Diese Frage lässt sich weder mit einem beruhigenden noch mit einem alarmierenden Satz beantworten. Zwei Dinge gelten gleichzeitig. Erstens: Für die meisten gesunden Kinder dürften die Folgen gering ausfallen. Die Allergologin Ellen Dutta vom Massachusetts General Hospital ordnete den Fall 2017 so ein, dass Schimmel vor allem als Reizstoff und Allergen in der Luft wirkt und typischerweise die Atemwege betrifft – Niesen, verstopfte Nase, Husten, asthmaähnliche Beschwerden. Um beim Verschlucken zu reagieren, brauche es mehr als eine kleine Menge [6]. Zweitens: Schimmel ist deswegen nicht harmlos. Das Bundesamt für Gesundheit BAG hält zu Schimmel in Wohnräumen unmissverständlich fest, dass Schimmelbewuchs ungesund ist und rasch entfernt werden muss [1]. Neben Reizungen von Augen, Haut und Atemwegen treten Allergien auf; Atemwegsreizungen können sich mit der Zeit zu chronischer Bronchitis und Asthma entwickeln. Und das BAG nennt ausdrücklich Gruppen, für die Schimmelpilze hoch riskant sind: Menschen mit Cystischer Fibrose oder chronischem Asthma sowie Personen mit geschwächtem Immunsystem [1]. Das BAG bezieht sich auf Wohnräume, nicht auf Spielzeug – eine schweizerische Behördenaussage speziell zu Schimmel in Beissspielzeug ist uns nicht bekannt. Die Beurteilung des Materials und der Belastung bleibt damit eine Übertragung, und genau deshalb lohnt der Blick auf jene Forschung, die Spielzeug mit Loch direkt untersucht hat. Wann du ärztlichen Rat holst: Wenn dein Baby nach dem Spielen wiederholt hustet, pfeifend atmet, gerötete oder tränende Augen hat, an Ohrenschmerzen oder an Durchfall leidet – oder wenn es an Asthma, einer Allergie oder einer Immunschwäche leidet –, besprich das mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt. Das gilt unabhängig davon, ob du Schimmel im Spielzeug gefunden hast. Was im Innern von Spielzeug mit Loch tatsächlich wächst Das Problem betrifft nicht eine Marke, sondern eine Bauform: jedes weiche Spielzeug mit Hohlkörper und Loch, das mit Wasser in Berührung kommt. Ein Forschungsteam der Eawag – des Wasserforschungsinstituts des ETH-Bereichs –, der ETH Zürich und der University of Illinois hat 2018 genau das untersucht und 19 gebrauchte Badespielzeuge im Labor aufgeschnitten [2]. Die Ergebnisse [2]: Alle untersuchten Badespielzeuge zeigten deutliche Biofilme auf der Innenseite. Die Zelldichte lag im Mittel bei rund 9,5 Millionen Bakterienzellen pro Quadratzentimeter; über alle Gruppen hinweg reichte die Spanne von etwa 5 bis 75 Millionen Zellen pro Quadratzentimeter [3]. In 58 Prozent der real benutzten Spielzeuge liessen sich Pilze nachweisen – in den Kontrollen, die in gebrauchtem Badewasser lagen, in sämtlichen. In 80 Prozent aller untersuchten Biofilme wuchs mindestens ein Indikatorkeim oder ein opportunistischer Krankheitserreger an; in 61 Prozent der real benutzten Spielzeuge war es Pseudomonas aeruginosa. Warum ausgerechnet dort? Weil im weichen Kunststoff selbst Nahrung steckt: Aus dem Material wird organischer Kohlenstoff freigesetzt. Weitere Nährstoffe und Bakterien kommen beim Baden dazu – von der Haut, aus dem Schmutz, aus Shampoo und Cremen [2]. Das Loch, das den Quietsch-Spass ermöglicht, ist zugleich der Eingang für Wasser und der Ausgang für die bräunliche Brühe, die beim Drücken herausspritzt [3]. Studienbetreuer Frederik Hammes ordnete das Risiko damals sachlich ein: Der Kontakt könne die Immunabwehr stärken, aber ebenso zu Entzündungen an Augen und Ohren oder zu Magen-Darm-Infekten führen [3]. Die Forschenden nannten übrigens die einfachste Gegenmassnahme gleich mit: das Loch zukleben [2]. Wichtig für die Einordnung: Untersucht wurden Badespielzeuge, nicht Beissspielzeuge. Der Mechanismus ist derselbe – Hohlkörper, Loch, Wasser, Wärme –, die Zahlen lassen sich aber nicht eins zu eins auf eine Giraffe übertragen, die nie in der Badewanne war. So hältst du Beiss- und Badespielzeug sauber Babys erkunden ihre Welt in der oralen Phase mit dem Mund – Spielzeug im Mund ist also der Normalfall, nicht die Ausnahme. Diese Punkte helfen: Trenne Bad und Beissen. Ein Beissspielzeug mit Loch gehört nicht in die Badewanne, auch nicht «nur kurz» [4]. Reinige oberflächlich statt gründlich falsch. Feuchtes Tuch, Seifenwasser, länger reiben statt eintauchen. Kein Abspülen unter fliessendem Wasser, keine Geschirrspülmaschine, kein Sterilisator [4]. Halte das Loch nach unten, wenn das Spielzeug doch einmal nass geworden ist, drücke die Luft mehrmals heraus und lass es offen und warm mehrere Tage vollständig trocknen, bevor es zurück ins Kinderzimmer kommt. Klebe das Loch bei reinem Badespielzeug zu – die naheliegendste Lösung, wenn kein Wasser hinein soll [2]. Bei Beissspielzeug ist das keine Option: Was ins Kind kommt, muss halten und darf sich nicht lösen. Kaufe nichts Gebrauchtes fürs Zahnen. Der Hersteller selbst rät davon ab, ein solches Spielzeug weiterzugeben oder weiterzuverkaufen [4]. Bei Rassel, Stapelbecher und Stoffbuch ist Secondhand dagegen unproblematisch – welche Spielsachen fürs Baby wirklich sinnvoll sind, liest du hier. Woran du Befall erkennst – und wann das Spielzeug in den Abfall gehört Aufschneiden musst du nichts. Diese Anzeichen genügen: Geruch. Drücke das Spielzeug zusammen und rieche an der Luft, die aus dem Loch kommt. Modrig oder muffig ist das erste und zuverlässigste Warnzeichen – genau daran fiel es 2017 auch der Kinderzahnärztin auf. Flüssigkeit. Kommt beim Drücken bräunliches oder trübes Wasser heraus, ist innen bereits ein Biofilm gewachsen [3]. Gewicht und Geräusch. Ein Spielzeug, das schwerer ist als früher oder beim Schütteln gluckst, hat Wasser im Innern. Dunkle Punkte rund um das Loch oder durch das Loch sichtbar. Trifft eines davon zu, ist die Entscheidung einfach: ersetzen statt retten. Ein Hohlkörper lässt sich innen nicht reinigen, und das BAG hält fest, dass Schimmel rasch entfernt gehört und die Ursache der Feuchtigkeit beseitigt werden muss [1]. Beides ist bei einem geschlossenen Spielzeug mit Loch nicht möglich. Dana Chianese zog für sich denselben Schluss: Sie kaufe und empfehle keine Beissspielzeuge mit Loch mehr. Was in der Schweiz für Spielzeug gilt Spielzeug für Kinder bis 14 Jahre untersteht in der Schweiz der Lebensmittelgesetzgebung. Die Spielzeugverordnung legt fest, welche Anforderungen an Sicherheit, Hygiene, Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit ein Spielzeug erfüllen muss; es gelten dieselben Sicherheitsstandards wie in der EU [5]. Hersteller, Importeure und Händler müssen ihre Produkte beobachten, Stichproben durchführen und die Konsumentinnen und Konsumenten informieren – und jedes Spielzeug muss genau rückverfolgbar sein [5]. Praktisch heisst das: Auf dem Produkt steht eine Chargennummer. Über sie können Hersteller, Importeur und Handel Auskunft geben, wenn du Zweifel an einem Exemplar hast. Ein Rückruf wegen Schimmel ist uns für Sophie la girafe bis zum Redaktionsschluss dieses Beitrags nicht bekannt; belegen lässt sich das jedoch nur für den Stand, den wir geprüft haben – wende dich im Zweifelsfall an die Verkaufsstelle oder direkt an den Hersteller. Dass Spielzeug nicht automatisch unbedenklich ist, nur weil es im Regal steht, zeigt auch das Thema Weichmacher im Spielzeug. Der Stand von 2017 im Handel Im Januar 2017 sah der Hersteller keinen Grund, das Spielzeug zurückzurufen. Der Grossverteiler Coop, wo die Giraffe seit Jahren im Sortiment war, wollte die Situation beobachten und stand gemäss Auskunft eines Pressesprechers in Kontakt mit dem Lieferanten; negative Rückmeldungen von Kundinnen und Kunden habe man bis dahin nie erhalten. Unzufriedene Käuferinnen und Käufer könnten die Giraffe zurückbringen und erhielten das Geld zurück. Auch beim Kaufhaus Manor stand Sophie damals weiterhin in den Regalen. Diese Angaben geben den Stand vom Januar 2017 wieder und wurden für die Aktualisierung nicht neu erhoben. Quellen Bundesamt für Gesundheit BAG: Feuchtigkeitsprobleme und Schimmel, veröffentlicht am 13. März 2025. Abgerufen am 07.08.2026. Neu, L.; Bänziger, C.; Proctor, C. R.; Zhang, Y.; Liu, W.-T.; Hammes, F.: Ugly ducklings – the dark side of plastic materials in contact with potable water. npj Biofilms and Microbiomes 4, Artikel 7 (2018), Eawag / ETH Zürich / University of Illinois. Abgerufen am 07.08.2026. Eawag – Wasserforschungsinstitut des ETH-Bereichs: Die hässlichen Bade-Entchen, Medienmitteilung vom 27. März 2018. Abgerufen am 07.08.2026. Vulli / Sophie la girafe: FAQ – Prendre soin de Sophie la girafe (Herstellerangaben zu Reinigung, Sterilisation, Badewasser und Weitergabe). Abgerufen am 07.08.2026. Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV: Spielzeuge. Abgerufen am 07.08.2026. CNN Health: Sophie the Giraffe: Is mold reason to worry?, 17. Januar 2017 (ausländische Berichterstattung, mit Einordnung durch Ärztinnen und Ärzte). Abgerufen am 07.08.2026.