Baby > AusstattungSchnuller: Über das Für und Wider vom Nuggi – und wann er weg sollte Julia Wohlgemuth Am Nuggi scheiden sich die Geister: Manche Mütter verteufeln die kleinen Plastikdinger, viele können sich einen Babyalltag ohne Schnuller nicht vorstellen. Sparsam eingesetzt und wenn dein Baby daran Gefallen findet, kann ein Nuggi das Leben für Baby und Eltern leichter machen. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Manche Babys wollen ihren Nuggi am liebsten gar nicht mehr loslassen. © svetikd / E+ Bereits im Mutterleib ist dein Ungeborenes mit dem Saugen beschäftigt. Nach der Geburt ist der Saugreflex nicht nur dazu da, Hunger zu stillen. Das Nuckeln beruhigt das Baby auch. Vier von fünf Kindern haben das Bedürfnis zu saugen, sei es am Nuggi, am Daumen, am Stofftier oder am Zipfel der Decke.[1] Wie stark dieses Bedürfnis ist, unterscheidet sich von Kind zu Kind: Manche Säuglinge lassen sich ganz einfach durch Berühren, Kuscheln oder Schaukeln beruhigen, während andere Babys ständig an allem saugen wollen, was in die Nähe ihres Mundes kommt. Die Vorteile eines Nuggis Viele Eltern entscheiden sich bewusst für oder gegen einen Nuggi, nachdem sie die Vor- und Nachteile gegeneinander abgewogen haben. Diese Entscheidung liegt allein bei den Eltern. Beruhigende Wirkung: Der grösste Vorteil des Schnullers ist, dass der sogenannte Beruhigungssauger genau diese Funktion erfüllt. Saugen hilft einem Baby, seine Bedürfnisse zu regulieren, sich zu entspannen und in den Schlaf zu finden. Besonders wenn dein Baby ein grosses Saugbedürfnis hat, kann der Nuggi dafür sorgen, dass es zwischen den Mahlzeiten zufriedener ist. Hilft, das Saugbedürfnis zu stillen: Es kann leicht passieren, dass du das Saugbedürfnis als Hunger deutest und deinem Baby oft Brust oder Schoppen anbietest. Dabei möchte es nur ein bisschen nuckeln. Ein Nuggi kann diese Lücke füllen. Wenn du stillst, gilt allerdings: Dein Baby soll sein Saugbedürfnis auch an der Brust befriedigen dürfen. Die Zeit an der Brust zu begrenzen oder das nicht nährende Saugen dort zu bremsen, wird ausdrücklich nicht empfohlen.[3] Kann vor plötzlichem Kindstod schützen: Stillen und das Saugen an einem Schnuller während des Schlafens wirken als Schutzfaktoren und senken das Risiko für den plötzlichen Kindstod.[2] Dieser Schutzeffekt ist in mehreren Studien belegt. Warum der Nuggi wirkt, ist dagegen bis heute nicht geklärt, und ob er auch bei Stillkindern schützt, ist offen. Wichtig ist, wie du ihn gibst: Biete ihn beim Schlafenlegen an, dräng ihn deinem Baby nie auf und steck ihn nicht erneut in den Mund, wenn er herausgefallen ist.[3] Lässt sich leichter abgewöhnen als der Daumen: Von allen Saugmöglichkeiten sei der Nuggi die beste, sagt Kieferorthopäde Jan Danz von der Schweizerischen Gesellschaft für Kieferorthopädie – und zwar mit der Begründung, er könne einfacher abgewöhnt werden.[1] Wenn dein Baby also ohnehin ständig an etwas saugen will, ist der Nuggi die Variante, von der du später leichter wieder wegkommst. Ein Freibrief ist das nicht: Auch das Nuckeln am Schnuller hinterlässt Spuren, wenn es zu lange dauert. Das sind die Nachteile des Nuggis Doch auch das Lutschen am Schnuller kann Probleme mit sich bringen. Wir listen dir die häufigsten Nachteile auf. Kann Zahn- und Kieferfehlstellungen verursachen: Ausgedehntes, anhaltendes Saugen verändert die Druckverhältnisse im Mund, und es kann zu Zahn- und Kieferfehlstellungen kommen – wie stark, hängt von Intensität, Dauer und Häufigkeit ab.[3] Kieferfehlstellungen wie ein vorne offener Biss hängen bei Dreijährigen mehrheitlich mit den Sauggewohnheiten zusammen. Die gute Nachricht: Wer mit der Sauggewohnheit aufhört, bevor die bleibenden Zähne durchbrechen, hat gute Chancen, dass sich die Fehlstellungen von selbst zurückbilden.[1] Was das für den Alltag heisst, liest du im Beitrag zu Nuggi und Zahnfehlstellungen. Kann die Sprachentwicklung beeinträchtigen: Ist der Schnuller im Mund, können sich die Lippen nicht vollständig schliessen, die Ruhelage der Zunge verändert sich und die Lautbildung wird behindert.[3] Sprechen Kinder mit dem Nuggi im Mund, gewöhnen sie sich beim Sprechenlernen ausserdem falsche Techniken an.[1] Kann Mittelohrentzündungen begünstigen: Durch den Fremdkörper verändern sich die Druckverhältnisse im Mund-Nasen-Rachen-Raum. Mittelohrentzündungen können dadurch häufiger auftreten.[3] Kann nachts zu Schlafunterbrechungen führen: Besonders nachts fällt der Nuggi öfter heraus und kann dazu führen, dass das Baby weinend aufwacht. Das bedeutet, dass ein schlaftrunkenes Elternteil im Dunkeln nach einem Schnuller sucht. Weniger Zeit ohne Fremdkörper im Mund: Ein Kind sollte immer wieder Gelegenheit haben, ohne Schnuller zu sein. Nur dann kann es Laute bilden, mit den Lippen seine Hände und seine Umgebung erkunden und in Kontakt mit seinem Umfeld treten.[3] Das Abgewöhnen kann schwierig sein: Wenn du dich für den Sauger entscheidest, musst du deinem Kind den Nuggi irgendwann wieder abgewöhnen, und je älter das Kind ist, desto schwieriger wird das.[1] So setzt du den Nuggi sinnvoll ein Der Grundsatz der Fachleute lautet: so wenig wie möglich, so viel wie nötig.[3] Der Schnuller sollte nicht die erste Beruhigungsmassnahme für ein unruhiges Baby sein: Zuwendung, Körperkontakt und Tragen kommen zuerst. Gib den Nuggi also nicht immer sofort, wenn dein Baby weint. Dein Kind muss schliesslich auch lernen, mit negativen Gefühlen umzugehen und sich selbst zu beruhigen. Und wenn es spielt und sich intensiv mit etwas beschäftigt, braucht es keinen Schnuller. Die Schweizerische Zahnärzte-Gesellschaft SSO rät Eltern, den Nuggi nie von sich aus anzubieten, sondern zu warten, bis das Kind danach verlangt.[1] Die Ausnahme ist das Schlafenlegen: Dort wirkt der Schnuller als Schutzfaktor.[2] Benutzt dein Kind den Nuggi gerade nicht, kann er in einer Dose verschwinden. So liegt er nicht herum und lädt nicht zum Nuckeln aus Langeweile ein. Und wenn du stillst? Führe den Schnuller frühestens ein, wenn das Stillen gut etabliert ist.[3] In den ersten Tagen, in denen dein Neugeborenes das Trinken an der Brust erst lernt, kann der starre, vorgeformte Sauger das Saugverhalten verändern – das Baby entleert die Brust dann womöglich weniger wirkungsvoll. Ob ein Nuggi das Stillen grundsätzlich stört, ist wissenschaftlich nicht abschliessend geklärt: Der gelegentliche Einsatz bei einer bereits eingespielten Stillbeziehung scheint keinen negativen Effekt zu haben, bei bestehenden Stillproblemen kann er die Situation dagegen verschärfen.[3] Der oft gehörte Rat, nach vier Wochen sei der Nuggi unbedenklich, greift deshalb zu kurz: Massgeblich ist nicht das Alter, sondern ob das Stillen gut läuft. Ab wann sollte der Nuggi weg? Rund acht Monate nach der Geburt lässt das Saugbedürfnis nach. Ab dann lässt sich die Nuggi-Zeit stetig reduzieren.[1] Spätestens mit drei Jahren sollten sich Kinder langsam von ihrem Beruhigungssauger lösen, den Zähnen zuliebe.[1] Fachleute raten davon ab, den Nuggi einfach wegzunehmen oder ihn für eine schnelle Entwöhnung mit eklig schmeckenden Gels zu bestreichen.[1] Besser ist ein Abschied in Raten, auf den das Kind vorbereitet ist und dessen Zeitpunkt es im besten Fall selbst wählt. Und weil der Nuggi ständig im Mund landet, gehört er regelmässig gereinigt. Wie das geht, steht im Beitrag Nuggi reinigen und auskochen. Worauf du bei Nuggi und Nuggikette achten solltest Einen «besten» Schnuller gibt es nicht: Jeder Schnuller ist ein Fremdkörper im Mund des Kindes, und Werbeversprechen wie «kiefergerecht» oder «anatomisch korrekt» gelten Zahnärztinnen und Logopäden als irreführend.[3] Diese Punkte helfen trotzdem weiter: Der Schnuller sollte möglichst flach, weich, flexibel und leicht sein, am besten ohne Ring.[3] Das Schild muss gross genug sein, damit das Baby es nicht verschlucken kann. Kontrolliere den Sauger vor jedem Gebrauch, zieh ihn dabei in alle Richtungen und ersetze ihn beim ersten Anzeichen von Rissen oder Beschädigungen. Ist der Nuggi im Mund, sollte er nicht an einer Nuggikette befestigt sein.[3] Nuggiketten dürfen höchstens 22 Zentimeter lang sein – so kann sie ein Kleinkind nicht vollständig um den Hals wickeln. Verlängere eine Kette nie und befestige sie nie an Schnüren, Bändern, Trägern oder losen Teilen der Kleidung, sonst besteht Strangulationsgefahr.[4] Kontrolliere die Kette vor jedem Gebrauch: Lösen sich verschluckbare Kleinteile, droht Erstickungsgefahr. Die Befestigung am Kleidungsstück muss Ventilationslöcher haben. Ins Babybett gehören weder Nuggikette noch andere Schnüre, Bänder oder Kordeln – das Kind könnte sich damit versehentlich strangulieren.[5] Tauch den Nuggi nie in Honig, Zucker oder Sirup. Süsses führt zu Karies.[6] Honig kann bei Babys unter einem Jahr Säuglingsbotulismus auslösen, eine Vergiftung, die zu Lähmungen führt.[7] Quellen Schweizerische Zahnärzte-Gesellschaft SSO, «Tschüss, Nuggi»: sso.ch (abgerufen am 09.08.2026) Universitäts-Kinderspital Zürich, Elterninformation «Ein sicherer und gesunder Schlaf» (PDF, Ausgabe 2/24): kispi.uzh.ch (abgerufen am 09.08.2026) Stillförderung Schweiz, «Empfehlung für Fachpersonen zum Umgang mit Schnullern (Nuggis) bei gesunden Säuglingen» (PDF, 2025): stillfoerderung.ch (abgerufen am 09.08.2026) Kantonales Labor Zürich, «Angeschnallt! Doch sind die hübschen Nuggiketten auch sicher?» (29.06.2023): zh.ch (abgerufen am 09.08.2026) BFU – Beratungsstelle für Unfallverhütung, «Babybett – süsse und sorglose Träume»: bfu.ch (abgerufen am 09.08.2026) Schweizerische Zahnärzte-Gesellschaft SSO, «Milchzahnerkrankungen – Karies erkennen, vorbeugen, behandeln»: sso.ch (abgerufen am 28.09.2026) Bundesamt für Gesundheit BAG, «Botulismus – das Wichtigste in Kürze» (PDF, Stand April 2023): bag.admin.ch (abgerufen am 28.09.2026)