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Was du tun kannst, wenn dein Kind einen Nachtschreck erlebt – und was du besser lässt

Dein Kind sitzt nachts plötzlich mit offenen Augen im Bett, scheint verwirrt oder gar panisch und ist nicht ansprechbar? Dann erlebt es gerade einen Nachtschreck. Das Kind erwacht dabei nur unvollständig aus dem Tiefschlaf: Der Körper ist schon wach, das Bewusstsein noch nicht. Als Eltern könnt ihr in diesem Moment vor allem eines tun – beim Kind bleiben, es nicht wecken, nicht festhalten und dafür sorgen, dass es sich nicht verletzt [2]. Meist ist der Spuk nach fünf bis zehn Minuten vorüber, und das Kind schläft von alleine wieder ein. 

InhaltsverzeichnisDefinitionDauer und HäufigkeitAlbtraum oder Nachtschreck?SymptomeWie reagieren?AlterWann abklären?AuslöserTipps für Eltern
Kleines weinendes Mädchen sitzt im Bett
Kleines weinendes Mädchen sitzt im Bett © GettyImages Plus, romrodinka

Meine Freundin erzählt: «Plötzlich sass sie im Bett und schrie wie am Spiess, war aber nicht ansprechbar.» Ihre Tochter hat die Familie in der letzten Nacht ganz schön erschreckt und auf Trab gehalten. Die Dreijährige leidet offenbar unter dem sogenannten Nachtschreck.

Was ist ein Nachtschreck?

Der Nachtschreck ist eine Schlafstörung, die vor allem Kleinkinder betrifft. In der Fachsprache heisst sie Pavor nocturnus, lateinisch für «nächtliche Angst». Fachleute zählen ihn zu den Aufwachstörungen: Das Kind erwacht unvollständig aus dem Tiefschlaf [2]. Es schläft also nicht mehr richtig, ist aber auch nicht wach – und deshalb völlig orientierungslos. Im Normalfall ist das Kind dabei ausser sich, schreit, schwitzt und schlägt um sich. An sich ist der Nachtschreck harmlos. Wichtig ist nur, ihn von anderen nächtlichen Ereignissen zu unterscheiden – dazu weiter unten mehr.

In einer Langzeitstudie erlebten 34 Prozent der Kinder mit anderthalb Jahren einen Nachtschreck. Mit 13 Jahren waren es noch 5 Prozent.

Nachtschreck bei Kindern: Dauer und Häufigkeit

Der Nachtschreck kann einmal und nie wieder auftreten oder im Abstand von Monaten oder Jahren. Hilfreich ist zu wissen: Meist ist die Episode nach fünf bis zehn Minuten vorbei, das Kind schläft sofort wieder ein und erinnert sich am Morgen nicht an das Geschehene [2]. Einzelne Episoden dauern aber deutlich länger – die Fachliteratur nennt für solche Aufwachstörungen eine Spanne von 1 bis 30 Minuten [1]. Wenn die Nacht sich also zäh anfühlt, ist das kein Zeichen dafür, dass etwas schiefläuft.

Wie häufig ein Nachtschreck ist, hängt stark vom Alter ab. Eine kanadische Langzeitstudie mit rund 1900 Kindern fand den höchsten Anteil bei den Anderthalbjährigen: 34,4 Prozent von ihnen erlebten einen Nachtschreck. Bis zum Alter von 13 Jahren sank der Anteil auf 5,3 Prozent [3].

Nachtschreck erkennen: Albtraum oder Nachtschreck? 

Ob dein Kind einen Nachtschreck hat oder einen Albtraum, lässt sich an drei Dingen gut erkennen:

  • Zeitpunkt: Der Nachtschreck kommt aus dem Tiefschlaf, typischerweise im ersten Nachtdrittel und meist ein bis vier Stunden nach dem Einschlafen [2]. Albträume gehören zum Traumschlaf und treten eher in der zweiten Nachthälfte auf.
  • Weckbarkeit: Beim Nachtschreck nimmt das Kind die Eltern nicht wahr und lässt sich nicht beruhigen; wird es festgehalten, schreit es und schlägt um sich. Nach einem Albtraum ist das Kind wach, erkennt die Eltern sofort und will getröstet werden.
  • Erinnerung: An den Nachtschreck erinnert sich das Kind am Morgen nicht. Von einem Albtraum kann es oft noch am nächsten Tag erzählen.

An diesen Symptomen erkennt man einen Nachtschreck

  • Dein Kind hat die Augen geöffnet, sitzt aufrecht und wirkt verwirrt, ängstlich oder gar panisch
  • Das Kind ist nicht ansprechbar und lässt sich nicht beruhigen
  • Bei einem Nachtschreck lässt sich das Kind nicht wecken
  • Bei Berührung schlägt es um sich und/oder schreit
  • Dein Kind atmet schnell und schwitzt stark
  • Meist nach fünf bis zehn Minuten beruhigt sich das Kind wieder und schläft weiter
  • Am Morgen hat es keine Erinnerung an die Episode

 

Nachtschreck: Was Eltern tun können

Wer einen Nachtschreck schon miterlebt hat, weiss: Das Kind lässt sich nicht beruhigen. Das musst du auch gar nicht. Fachleute raten sogar ausdrücklich davon ab, das Kind zu trösten oder dabei festzuhalten – denn dadurch wird es geweckt, der Schlaf zerfällt in Stücke, und genau das begünstigt weitere Episoden [1].

1 Bleib beim Kind, aber weck es nicht. Es ist während der Episode gar nicht wach – wer es aufweckt, hat ein orientierungsloses, verwirrtes Kind vor sich, das danach schwer wieder einschläft.

2 Halte dein Kind nicht fest. Wird es festgehalten, schreit es und schlägt um sich. Bleib stattdessen in der Nähe und warte ab [2].

3 Schütze es vor Verletzungen. Achte darauf, dass es nicht aus dem Bett stürzt oder sich mit Händen und Kopf anschlägt; sichere nötigenfalls Fenster und Türen [2].

4 Film die Episode, wenn sie sich wiederholt. Eine kurze Handyaufnahme ist für die Kinderärztin oft aufschlussreicher als jede Beschreibung [4].

In diesem Alter tritt der Nachtschreck auf

Fachquellen ordnen den Nachtschreck dem Kleinkindesalter zu, das verwandte Schlafwandeln eher dem Schulalter [2]. In der grossen kanadischen Langzeitstudie war der Anteil betroffener Kinder mit anderthalb Jahren am höchsten und nahm danach Jahr für Jahr ab [3]. Auffällig oft trifft es Familien mehrfach: Bei Aufwachstörungen ist die Familienanamnese in 69 bis 90 Prozent der Fälle positiv [1]. Gut möglich also, dass ein Elternteil das Phänomen aus der eigenen Kindheit kennt.

Nachtschreck oder nächtlicher Anfall? Wann du abklären lässt

Der Nachtschreck selbst ist harmlos – aber nicht jedes auffällige nächtliche Ereignis ist ein Nachtschreck. Fachleute betonen, dass Aufwachstörungen wegen der möglicherweise grossen therapeutischen und prognostischen Folgen von schlafgebundenen epileptischen Anfällen abgegrenzt werden müssen [1]. Diese Merkmale sprechen eher für einen nächtlichen Anfall als für einen Nachtschreck:

  • Der Ablauf ist jedes Mal derselbe, während ein Nachtschreck von Mal zu Mal anders aussieht.
  • Das Ereignis ist kurz: Sekunden bis ein, zwei Minuten.
  • Es tritt zu beliebiger Zeit in der Nacht auf und nicht bevorzugt im ersten Nachtdrittel.
  • Das Kind ist danach rasch wieder orientiert; nach einem Nachtschreck dauert das länger.

Auch der Morgen danach kann Hinweise geben: ausgeprägte Müdigkeit, muskelkaterartige Schmerzen oder ein Zungenbiss. Bei Kindern macht sich ein nächtlicher Anfall in seltenen Fällen sogar allein durch eine Leistungsschwäche in der Schule bemerkbar [5]. Bei unklaren nächtlichen Ereignissen werden Heimvideos ausdrücklich empfohlen – seltene Episoden lassen sich in einer einzigen Nacht im Schlaflabor sonst leicht verpassen [4]. Für die endgültige Zuordnung gilt die nächtliche Video-EEG-Untersuchung als Goldstandard.

Nachtschreck: Wann zum Arzt?

Ein einzelner Nachtschreck ist kein Grund für einen Arztbesuch. Lass abklären, wenn eines davon zutrifft:

  • Die Episoden ziehen sich über einen längeren Zeitraum hin oder zeigen besondere Formen [2].
  • Das Ereignis sieht jedes Mal gleich aus, dauert nur Sekunden bis zwei Minuten oder häuft sich in einer Nacht [1].
  • Ihr seid euch bei einem erstmaligen Ereignis nicht sicher, was ihr da gesehen habt [4].
  • Die Episoden beginnen neu im Jugendalter – dann ist die Prognose komplizierter [1].
  • Dein Kind schnarcht, hat nächtliche Atempausen oder ist tagsüber auffallend müde [2].

 

Ursachen: Diese Faktoren begünstigen einen Nachtschreck

Hinter dem Nachtschreck steckt kein seelisches Problem, sondern ein Reifungsvorgang: Das Gehirn eines kleinen Kindes schafft den Übergang aus dem tiefen Schlaf noch nicht sauber. Der Körper ist dann schon wach – er schaut, er bewegt sich –, während das Bewusstsein noch schläft [1].

Der wichtigste Auslöser ist Schlafmangel: Aufwachstörungen werden typischerweise durch Schlafentzug getriggert [1]. Daneben begünstigen ein unregelmässiger Rhythmus, emotionale Belastungen und andere Schlaferkrankungen solche Episoden [2]. Häufig tritt der Nachtschreck deshalb auf, wenn ein Kind gerade viel zu verarbeiten hat – etwa beim Start in Krippe, Kindergarten oder Schule.

Nachtschreck vorbeugen: 3 Tipps für Eltern

1 Achte auf ausreichend Schlaf. Weil Schlafmangel der bestbelegte Auslöser ist, lohnt sich ein Blick darauf, wie viel Schlaf dein Kind in seinem Alter braucht – und ob es diesen Schlaf tatsächlich bekommt [1].

2 Halte den Rhythmus. Ein ruhiges, immer gleich ablaufendes Abendritual hilft dem Kind beim Ein- und Durchschlafen: Erst Zähne putzen, dann Schlafanzug anziehen, dann im Bett eine Geschichte – Ereignisse werden voraussehbar und geben Sicherheit [2].

3 Sorge für Bewegung am Tag. Wer sich tagsüber ausgepowert hat, findet abends leichter in den Schlaf. Bei Kindern, die viel Sport treiben, gehört dazu auch, dass sie genug essen und trinken.

Quellen

  1. Bürki SE, Früh JS, Datta AN: Auffälliges Verhalten in der Nacht – was steckt dahinter, was kann man tun? (PDF), Pädiatrie 2/2024, Universitäts-Kinderspital beider Basel. Abgerufen am 08.08.2026.
  2. Liamlahi R, Jenni O: Schlafstörungen bei Kindern – ein Ratgeber für unruhige Kindernächte (PDF), Elterninformation des Universitäts-Kinderspitals Zürich, 3. Auflage November 2025. Abgerufen am 08.08.2026.
  3. Petit D et al.: Childhood Sleepwalking and Sleep Terrors: A Longitudinal Study of Prevalence and Familial Aggregation, JAMA Pediatrics 2015. Abgerufen am 08.08.2026.
  4. Klinik Lengg / Schweizerisches Epilepsie-Zentrum: Nächtlicher epileptischer Anfall oder Schlafstörung?, 31.08.2023. Abgerufen am 08.08.2026.
  5. Schlaf-Wach-Zentrum, Universitätsklinik für Neurologie Inselspital Bern: Epileptische Anfälle im Schlaf (PDF). Abgerufen am 08.08.2026.

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