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Krabbeln: Ab wann und wie Babys krabbeln lernen – und warum manche es überspringen

Krabbeln ist ein grosser Entwicklungsschritt: Die meisten Babys machen zwischen dem sechsten und zehnten Monat die ersten Krabbelversuche – dann, wenn Arm-, Bein- und Rückenmuskulatur stark genug sind. Einige robben zuerst, andere krabbeln rückwärts, und manche überspringen das Krabbeln ganz und gehen vom Robben direkt in den Stand [2]. Hier liest du, in welchem Zeitfenster Babys krabbeln lernen, warum du dir keine Sorgen machen musst, wenn dein Baby sich Zeit lässt, und wie du seine Mobilität unterstützt.

Wenn dein Baby mit dem Krabbeln beginnt, solltest du es nicht aus den Augen lassen.
Wenn dein Baby mit dem Krabbeln anfängt, hat es allen Grund, sich zu freuen und stolz zu sein. Foto: iStockphoto, Thinkstock

Krabbeln: das Wichtigste in Kürze

  • Voraussetzung fürs Krabbeln sind Arm-, Bein- und Rückenmuskulatur. Wenn dein Baby auf allen vieren hin und her wippt, ist der erste Krabbelversuch nicht mehr weit. Die wichtigsten Entwicklungsschritte vor dem Krabbeln.
  • Wer auf Händen und Knien krabbelt, tut das in einem breiten Zeitfenster: In der WHO-Studie lag es zwischen 5,2 und 13,5 Monaten [2]. Das ist ein Fenster, kein Stichtag.
  • Krabbeln ist kein Pflichtschritt. In derselben Studie krabbelten 4,3 Prozent der Kinder nie auf Händen und Knien, weitere 9,4 Prozent bewegten sich anders fort, etwa auf dem Hosenboden [2]. Was das heisst, wenn dein Baby nicht krabbelt – und wann du es ansprechen solltest.
  • Die beste Vorbereitung ist die Bauchlage im Wachzustand: Dort lernt dein Baby, den Kopf zu heben, sich aufzustützen und sich zu drehen [1]. Zum Schlafen gehört es weiterhin auf den Rücken.
  • Wann dein Baby zu krabbeln beginnt, kannst du nicht beeinflussen – gezielt üben muss man dafür nichts [3]. Du kannst ihm aber Platz und Anreize geben. Ein paar Ideen.
  • Wenn dein Baby einmal krabbelt, gibt es kein Halten mehr. Spätestens dann gehört die Wohnung gesichert [4]. Wie du die Wohnung krabbelsicher machst.

Es ist ein grosser Moment für Baby und Eltern, wenn das Kleine beginnt, sich ohne Hilfe fortzubewegen. Die Kleinen werden nach und nach immer mobiler und entdecken die Welt. Krabbeln lernen ist ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung von Babys – und ausserdem ganz individuell.

Babyentwicklung: Krabbeln lernen Schritt um Schritt

Ab wann können Babys krabbeln?

Ab wann Babys krabbeln, ist sehr unterschiedlich. Die meisten Kinder starten zwischen dem sechsten und zehnten Monat. Die WHO hat in einer Langzeitstudie in Ghana, Indien, Norwegen, Oman und den USA gemessen, wie weit das Fenster tatsächlich reicht: Das Krabbeln auf Händen und Knien lag zwischen 5,2 und 13,5 Monaten (1. bis 99. Perzentile) [2]. Voraussetzung ist, dass die Muskeln in Beinen, Armen und Rücken stark genug sind. Die grösste Herausforderung ist nämlich nicht die Bewegung an sich, sondern die Balance auf Knien und Händen zu halten. Das braucht viel Koordination und Kraft.

1 Die ersten Entwicklungsschritte: Kopf heben, drehen, sitzen

Die Vorbereitung fürs Krabbeln beginnt früh – mit dem Heben des Köpfchens im Alter von sechs bis acht Wochen. Denn um später zu krabbeln, braucht dein Kind Nacken- und Rückenmuskulatur. Mit etwa sechs Monaten kann sich das Baby gezielt vom Rücken auf den Bauch und umgekehrt drehen. Oft lernt es in dieser Zeit auch, selber zu sitzen.

Bauchlage im Wachzustand: die wichtigste Vorübung

Zum Schlafen gehört dein Baby zur Vorbeugung des plötzlichen Säuglingstods immer auf den Rücken. Genau deshalb ist die Bauchlage im Wachzustand so wichtig: Das Universitäts-Kinderspital beider Basel empfiehlt, das Baby tagsüber im wachen Zustand zweimal täglich für fünf bis zehn Minuten auf den Bauch zu legen. So lernt es, den Kopf zu heben, sich aufzustützen und sich zu drehen – und genau das sind die Grundlagen fürs Krabbeln [1].

Wichtig: Leg dein Kind nur auf den Bauch, wenn es wach ist und du ebenfalls wach und bei ihm bist [1]. Bauchlage im Wachzustand und Rückenlage zum Schlafen sind zwei verschiedene Dinge – das eine ersetzt das andere nicht.

2 Vorbereitung aufs Krabbeln: robben, rutschen und wippen

Mit etwa sechs Monaten beginnen viele Babys zu robben, zu rutschen und zu wippen. Sie bereiten sich damit auf die ersten Krabbelversuche vor. Viele Babys benutzen zunächst die Arme zur Fortbewegung und robben durchs Zimmer. Nach einer Weile kommen die Beine hinzu. Jetzt geht dein Baby wahrscheinlich für ein paar Tage auf Hände und Knie und wippt hin und her. Bei nicht wenigen Kindern gehen die ersten Krabbelversuche im wahrsten Sinne des Wortes nach hinten los: Sie krabbeln erst einmal rückwärts.

3 Das Überkreuzkrabbeln

Mit etwas Übung werden die Bewegungen immer koordinierter, bis das Baby schliesslich das Überkreuzkrabbeln beherrscht – das heisst, der rechte Arm und das linke Bein gehen nach vorn und danach der linke Arm und das rechte Bein. Jetzt ist es nur noch ein kleiner Schritt, bis dein Kind in Höchstgeschwindigkeit davonkrabbelt. Das Überkreuzkrabbeln ist eine kleine Meisterleistung: Beide Körperhälften müssen im Wechsel zusammenspielen, und das braucht Zeit und Wiederholung.

Dein Baby krabbelt nicht?

Dann ist es damit nicht allein – und in aller Regel ist das kein Grund zur Sorge. In der WHO-Langzeitstudie krabbelten 4,3 Prozent der Kinder nie auf Händen und Knien. Weitere 9,4 Prozent zeigten ein ganz anderes Bewegungsmuster, zum Beispiel das Rutschen auf dem Hosenboden [2]. Auch die Reihenfolge ist nicht festgelegt: 42 Prozent der Kinder krabbelten, bevor sie sich mit Unterstützung hinstellen konnten, 44 Prozent erst danach [2]. Manche Kinder ziehen sich aus der Bauchlage gleich hoch und laufen los, ohne je gekrabbelt zu haben.

Po-Rutschen kommt in manchen Familien gehäuft vor. Ist dein Kind ein Rutscher, frag ruhig einmal deine Eltern oder Schwiegereltern, wie sie sich als Kinder fortbewegt haben.

Bis wann Babys krabbeln sollten

Es gibt kein Alter, in dem ein Baby krabbeln muss – Krabbeln ist kein Pflichtschritt auf dem Weg zum Laufen [2]. Manche Kinder bevorzugen das Robben für längere Zeit, manche kommen rollend ans Ziel, manche setzen sich hin und rutschen auf dem Hosenboden, bis sie irgendwann laufen. Entscheidend ist nicht, wie dein Baby sich fortbewegt, sondern dass es sich fortbewegt und dabei weiterkommt.

Wann du es bei der Kinderärztin ansprichst

Wenn dein Baby mit rund zwölf Monaten überhaupt nicht daran interessiert ist, sich auf die eine oder andere Art fortzubewegen, dann sprich das bei der nächsten Vorsorgeuntersuchung an.

Und unabhängig vom Alter gilt: Warte nicht auf einen Stichtag, wenn dir etwas auffällt – etwa wenn dein Baby nur eine Körperseite benutzt, auffallend schlaff oder steif wirkt oder etwas verliert, was es schon konnte. Dafür brauchst du keinen besonderen Anlass: Ruf in der Kinderarztpraxis an oder geh in die Mütter- und Väterberatung.

Krabbeln fördern: So unterstützt du dein Baby

Gleichgewicht üben: Krabbeln lernen
Gleichgewicht üben: Im Vierfüsslerstand kannst du deinem Kind einen Gegenstand reichen. Bild: Getty Images

Auch wenn du es kaum erwarten kannst, dass dein Baby mit dem Krabbeln beginnt: Jedes Kind entwickelt sich in seinem eigenen Tempo. Die gute Nachricht ist, dass du nichts trainieren musst. «Wenn Kinder sich bereits als Baby genug bewegen können, läuft die Entwicklung von alleine ab. Dafür muss nichts gezielt geübt werden», sagt die Mütter- und Väterberaterin Beatrice Avduli vom Kanton Zürich [3]. Was hilft, sind Platz, Zeit auf dem Boden und eine Umgebung, die zum Entdecken einlädt.

Konkret: Stell begehrenswerte Spielsachen gerade so weit ausserhalb der Reichweite deines Babys ab, dass es sich strecken und robben muss. Weniger Spielzeug, dafür öfter ausgetauscht, wirkt dabei besser als eine grosse Auswahl [3]. Weitere Anregungen findest du bei den Babyspielen für 7 bis 12 Monate.

Vorsicht mit Babywippe, Hopser & Co.

Alltagshelfer wie Babywippe, Hopser oder Kindersitz sind bequem, sollten aber begrenzt zum Einsatz kommen. «So eingepackt können Babys zum Beispiel nicht lernen, sich vom Rücken auf den Bauch zu drehen», erklärt Mütter- und Väterberaterin Liliane Erismann. Für die Bewegungsentwicklung ist es unterstützend, wenn kleine Kinder so viel Zeit wie möglich auf dem Boden verbringen [3].

Von einer Lauflernhilfe («Gehfrei», Babywalker) rät die Beratungsstelle für Unfallverhütung BFU ausdrücklich ab: «Kinder können damit stürzen oder gefährlichere Dinge aus grösserer Höhe erreichen. Kinder lernen dadurch auch nicht schneller laufen.» [4]

Und noch eine Faustregel aus der Mütter- und Väterberatung: Babys sollten möglichst nicht in Positionen gebracht werden, die sie mit eigener Muskelkraft noch nicht einnehmen können [3]. Ein Baby hinzusetzen oder in den Vierfüsslerstand zu stellen, bringt es also nicht weiter.

Baby krabbeln beibringen: Warum das nicht geht – und was stattdessen hilft

«Krabbeln beibringen» klingt nach Übungsplan, funktioniert aber nicht so: Motorische Meilensteine reifen, sie lassen sich nicht antrainieren [3]. Was du tun kannst, ist deinem Baby gute Bedingungen schaffen. Diese sieben Ideen passen in den Alltag.

1 Vierfüsslerstand – und was jetzt?

Hat sich dein Kind von selbst in den Vierfüsslerstand gebracht, kannst du ihm ein Spielzeug hinhalten. So übt es, einen Arm zu heben und dabei die Balance zu halten. Wichtig: Bring dein Baby nicht selbst in diese Position – es soll sie aus eigener Kraft erreichen [3].

2 Sicherheit und Geborgenheit

Krabbeln erfordert Mut. Deshalb ist es wichtig, dass dein Kind sich sicher und geborgen fühlt. Freu dich sichtbar über alle kleinen und grösseren Erfolge – mit bestärkenden Worten, Blickkontakt und freudiger Mimik.

3 Bewegung tut gut – auch Babyschwimmen

Babyschwimmen macht Spass und bietet deinem Kind neue Bewegungserfahrungen. Erwarte aber nicht, dass es dadurch früher krabbelt: Ein Kurs beschleunigt die motorische Reifung nicht [3].

4 Krabbel selbst einmal vor

Wenn dein Baby dich krabbeln sieht, kann das motivierend sein. Vielleicht will es dir das gleich nachmachen.

5 Richtung nach vorne vorgeben

Viele Kinder krabbeln erst einmal rückwärts. Halte sanft deine Hände gegen die Fusssohlen deines Babys. Es hat dann etwas, wogegen es sich abstossen kann – das reicht oft schon, um der kleinen Entdeckerin oder dem kleinen Entdecker die Richtung zu zeigen.

6 Umgebung spielerisch erkunden

Platziere ein paar Lieblingsspielzeuge in der Nähe des Kindes oder rolle einen Ball in seine Richtung. Das motiviert die Kleinen, vorwärtszukommen.

7 Krabbeln für Fortgeschrittene

Wenn dein Kind schon gut krabbelt, kannst du einen kleinen Hindernisparcours aus Decken, Kissen und Spielzeug aufbauen.

Wohnung kindersicher einrichten

Hat dein Baby erst einmal verstanden, wie es sich fortbewegen kann, gibt es kein Halten mehr. Spätestens jetzt muss die Wohnung kindersicher sein. Denn auch wenn dein Baby im Vergleich zum Neugeborenen nun schon gross wirkt, kann es Gefahren noch nicht einschätzen. Treppen ziehen es geradezu magisch an, ebenso das Waschpulver oder die interessant aussehende Steckdose. Am besten krabbelst du selbst einmal durch die Wohnung, um aus der Babyperspektive zu sehen, was in Reichweite liegt. Eine ausführliche Checkliste findest du im Beitrag So machst du dein Zuhause kindersicher.

So sorgst du in der Wohnung für eine sichere Umgebung

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung BFU empfiehlt für ein kindersicheres Zuhause [4]:

  • Kleinteile wegräumen: Alles, was kleiner ist als ein Tischtennisball oder der Durchmesser einer WC-Rolle, gehört ausser Reichweite – Erstickungsgefahr.
  • Möbel und Fernseher an die Wand schrauben, damit sie nicht kippen.
  • Treppenschutzgitter unten und oben anbringen.
  • Keinen Babywalker verwenden – Sturzgefahr, und schneller laufen lernen Kinder damit nicht.
  • Fenster und Balkontüren sichern und keine Kletterhilfen wie Stühle, Sofas oder Kisten davorstellen. Kinder nie allein in Räumen mit offenem Fenster lassen.
  • Steckdosen mit Steckdosenschutz versehen oder Dosen mit Kinderschutz montieren lassen.
  • Schubladen- und Türstopper montieren, scharfe Ecken und Kanten mit Kantenschutz entschärfen.
  • Heisses ausser Reichweite: Pfannenstiele nach hinten drehen, Herdschutz montieren, den heissen Backofen bei geschlossener Tür auskühlen lassen. Und mit Baby im Arm keine heissen Getränke trinken [5].
  • Putzmittel, Medikamente, Alkohol, Knopfbatterien und Magnete verschlossen und unerreichbar aufbewahren, auf giftige Zimmerpflanzen verzichten.
  • Wasser sichern: Teich, Biotop, Pool und Regentonne mit Zaun oder Abdeckung sichern; in der Badewanne dein Kind keine Sekunde allein lassen [5].
  • Keine Schnüre, Bänder und Kordeln in Reichweite – dein Kind kann sich darin verheddern [5].
  • Und die einfachste Regel: Kleine Kinder nicht unbeaufsichtigt lassen.

Quellen

  1. Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB): Die ersten Wochen zu Hause – Abschnitte «Sicherer und gesunder Schlaf» und «Die Bauchlage im Wachzustand» (abgerufen am 7. August 2026).
  2. Grunt S., Stauffer Lacorcia R., Frauchiger S.: Motorische Assessments in den ersten beiden Lebensjahren, pädiatrie schweiz / Paediatrica 5/2016 – mit den Ergebnissen der WHO-Multizentrenstudie zu den motorischen Meilensteinen (abgerufen am 7. August 2026).
  3. Amt für Jugend und Berufsberatung Kanton Zürich: Wie Sie Ihr Kind bei seiner Bewegungsentwicklung begleiten können – Interview mit den Mütter- und Väterberaterinnen Beatrice Avduli und Liliane Erismann (abgerufen am 7. August 2026).
  4. Beratungsstelle für Unfallverhütung BFU: Kindersicheres Zuhause – worauf ist zu achten? (abgerufen am 7. August 2026).
  5. Beratungsstelle für Unfallverhütung BFU: Sicherer Alltag mit Baby – Unfälle verhindern (abgerufen am 7. August 2026).

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