Baby > EntwicklungLaufen lernen: Frustrationen sind normal – und wann Kinder frei gehen Natascha Mahle Der erste Schritt ist ein Meilenstein im Leben eines Kindes. Die meisten Kinder beginnen zwischen dem 9. und dem 18. Monat zu gehen [1] – die Spanne ist also breit, und Geduld gehört dazu. Hier liest du, wie du dein Kind begleitest, was in der Wohnung jetzt dran ist, warum Lauflernhilfen nichts bringen und ab wann du das Thema bei der Kinderärztin ansprechen solltest. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Die ersten freien Schritte kommen bei den meisten Kindern zwischen dem 9. und dem 18. Monat [1]. Bild: tomazl, Getty Images Vom Hochziehen zum ersten Schritt Zwischen dem 9. und 12. Lebensmonat legen die meisten Kinder die Grundlage fürs Laufen: Sie beginnen aufzustehen und machen erste Gehversuche [1] – ein normaler Abschnitt in der Entwicklung des Babys. Jede sich bietende Gelegenheit wird genützt, um sich hochzuziehen: an der Sofalehne, am Gitter des Babybettchens oder am Küchenstuhl. Laufen lernen braucht starke Beine, und dein Baby macht es dabei automatisch richtig. Es verschafft sich mit den Händen einen sicheren Halt, sucht den perfekten Griff, stellt ein Bein auf und zieht das andere nach. Zuerst ist deinem Kind die neue Höhenluft noch etwas unheimlich, und es steht wackelig auf den kleinen Beinchen. Ein Lob ist eine schöne Anerkennung für diese ersten Versuche. Es dauert nicht lange, bis sich dein Baby traut, die erste Hand aus dem Griff zu lösen und sich nur noch mit einer Hand festzuhalten. Schon folgt der nächste Schritt: Die zweite Hand wird losgelassen, der freie Stand ausprobiert – die rettende Sofakante bleibt dabei stets im Blick. Anschliessend beginnen die ersten Schritte zur Seite. Der Fuss wird zaghaft angehoben, um ihn gleich wieder auf den Boden zu stellen. Das wird einige Male ausgetestet, und bald gehts zum ersten Mal die Sofakante rauf und runter. Irgendwann wird ein Füsschen vorsichtig angehoben – und voilà, der erste freie Schritt ist getan. Wann das passiert, ist von Kind zu Kind verschieden. Manche Kinder sind echte Draufgänger und möchten dem Ball hinterherrennen, kaum dass sie frei stehen können. Andere fühlen sich am Boden sehr wohl und rutschen, krabbeln oder rollen lieber durch die Gegend – autark sind sie ja auch so. Jedes Ziel, ob Spielzeug, Mama oder der flauschige Nachbarshund, erreichen sie problemlos. Für dich heisst das: nur nicht ungeduldig werden. Du kannst dein Kind beim Üben begleiten, drängen solltest du es nicht. Wohnung sichern: Das ist ab dem Hochziehen dran Sobald sich dein Kind hochzieht und auf zwei Beinen steht, verändert sich die Wohnung – plötzlich sind Kanten, Griffe und Ablagen erreichbar, die vorher weit weg waren. Im Gesundheitsheft von pädiatrie schweiz steht der Hinweis darum schon bei der Untersuchung im 9. Monat: Fenster, Treppen und Steckdosen sichern und kleine Gegenstände wie Knopfbatterien oder Murmeln wegräumen [1]. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) fasst für genau diese Phase zusammen, worauf es ankommt [2]: Möbel und Fernseher festschrauben: Regale und Flachbildfernseher an der Wand befestigen, damit sie nicht kippen, wenn sich ein Kind daran hochzieht. Treppen sichern: Treppenschutzgitter gehören unten und oben an die Treppe. Fenster und Balkon: keine Kletterhilfen wie Stühle, Sofas oder Kisten vor Fenster oder Balkongeländer stellen. Fenster- und Balkontürsicherungen geben zusätzlichen Schutz, und Kinder sollten in Räumen mit offenen Fenstern oder Balkontüren nicht allein bleiben. Kanten und Schubladen: Schubladen- und Türstopper montieren, an scharfen Ecken einen Ecken- und Kantenschutz anbringen. Eine ausführliche Übersicht findest du in unserer Checkliste für ein kindersicheres Zuhause. Stürze auf den Kopf lassen sich nicht ganz vermeiden – welche Anzeichen danach zählen, steht im Beitrag zur Gehirnerschütterung bei Babys. Wann Kinder frei laufen – und wann du nachfragen solltest Weil die Spanne so breit ist, hilft eine Orientierung mehr als ein Stichdatum. Das Gesundheitsheft, das alle Kinder in der Schweiz erhalten, nennt als Rahmen: Ein Kind beginnt zwischen dem 9. und dem 18. Monat zu gehen [1]. Ein Kind, das mit 14 Monaten noch krabbelt, ist damit gut im Rahmen. Der Rahmen hat aber auch ein oberes Ende, und dafür gibt es einen festen Termin: Bei der kinderärztlichen Untersuchung im 18. Monat steht «Geht ohne Hilfe» auf der Liste der Punkte, die angeschaut werden [1]. Das ist der Moment, an dem ohnehin jemand Fachliches hinsieht – du musst also nichts zusätzlich organisieren. Geht dein Kind mit 18 Monaten noch nicht frei, sprich es an diesem Termin an. Dasselbe gilt, wenn du vorher schon ein ungutes Gefühl hast: Das Gesundheitsheft rät ausdrücklich, Fragen zum Verhalten oder zur Entwicklung mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt zu besprechen [1]. Ein Gespräch ist keine Diagnose, sondern der einfachste Weg, eine Frage loszuwerden. Auch wenn dir am Gangbild oder an den Füssen etwas auffällt, ist eine Beurteilung möglich. Das Kinderspital Zürich hält dazu fest, dass bei Auffälligkeiten beim Gehen oder im Bereich des Fusses häufig eine Beurteilung durch die Kinderorthopädie gewünscht wird – und dass die wenigsten dieser Probleme eine Behandlung benötigen, auch wenn einzelne Kinder behandlungsbedürftige Fehlstellungen oder Schmerzen haben [4]. Hinschauen lassen heisst also meistens: Entwarnung. Frust beim Laufenlernen gehört dazu Es läuft nicht immer so, wie man es gerne hätte – diese Erfahrung macht auch dein Kind. Vom ersten Schritt bis zum schnellen Fangespiel, wie es die grösseren Geschwister spielen, ist es noch ein weiter Weg. Wenn es beim Üben zum x-ten Mal auf dem Po landet, kann es frustriert reagieren und zum bewährten Krabbeln zurückgreifen. Du kannst dein Kind dabei begleiten, solltest es aber eigene Erfahrungen machen lassen. Denn jeder Rückfall ist nur eine Phase – das Kind zieht sich automatisch wieder auf die eigenen zwei Beine und lernt nebenbei, mit Frust umzugehen. Viele Kinder gehen mit rund 15 Monaten schon recht sicher: Sie bewegen sich auf beiden Beinen fort und können ohne Hilfe vom Boden aufstehen. Was sie dabei noch nicht können, ist das richtige Tempo. Ohne Rücksicht auf Verluste wird das Ziel angesteuert, ohne ans rechtzeitige Abbremsen zu denken. Das Bremsen kommt in den Wochen danach von allein. Und wenn dein Kind zu diesem Zeitpunkt noch nicht so weit ist: Das ist kein Rückstand, sondern liegt im oben genannten Rahmen bis 18 Monate. Lauflernhilfen: unnötig und gefährlich Ein Lauflernwagen im Ferrari-Style oder mit blinkendem Spielcenter: In Babyfachgeschäften ist die Auswahl gross, und die Regale sind weiterhin gefüllt. Sogenannte Lauflernhilfen oder «Gehfrei» sollen den Schritt vom Krabbeln zum Laufen erleichtern. Die Schweizer Fachstellen raten davon ab – und zwar deutlich. Im Gesundheitsheft von pädiatrie schweiz heisst es: «Es ist unnötig und gefährlich, Kinder in eine ‹Lauflernhilfe› zu stecken.» Solche Geräte könnten schwere Unfälle verursachen und förderten die Entwicklung des Kindes in keiner Weise [1]. Die BFU nennt in ihrem Ratgeber zum kindersicheren Zuhause zwei konkrete Gründe: Kinder können mit dem fahrenden Gestell stürzen, und sie erreichen damit gefährlichere Dinge aus grösserer Höhe. Schneller laufen lernen sie dadurch nicht [2]. Was stattdessen hilft Sinnvoller als ein Gestell ist alles, was dein Kind aus eigener Kraft bewegt: kleine Buggys oder Puppenwagen, in denen das Lieblingskuscheltier umhergefahren wird, oder die klassischen Holztiere, die an der Leine hinterhergezogen werden. Und vor allem: Platz und Gelegenheit. Die Bewegungsempfehlungen von Bund und Kantonen (hepa.ch) nennen für ein- bis zweijährige Kinder mindestens 180 Bewegungsminuten pro Tag – über den ganzen Tag verteilt, nicht am Stück [3]. Ausserdem sollte ein Kleinkind nie länger als eine Stunde in derselben Position verharren, etwa im Kinderwagen oder im Autositz [3]. Der Garten, der Park oder eine Spielgruppe mit Gleichaltrigen liefern beides: Platz und Abwechslung. Sobald dein Kind draussen unterwegs ist, kommt die Frage nach dem passenden Schuhwerk dazu – dazu findest du unten einen eigenen Beitrag. Weitere Artikel zum Thema Laufen lernen: Mein Kind kann laufen: die richtigen Schuhe für Kleinkinder für die ersten Schritte draussen. Die ersten Wörter des Babys: wie Kinder sprechen lernen. Quellen pädiatrie schweiz: Gesundheitsheft (PDF), Seiten zu den Vorsorgeuntersuchungen im 9., 12. und 18. Monat. Abgerufen am 12.08.2026. Beratungsstelle für Unfallverhütung BFU: Kindersicheres Zuhause – worauf ist zu achten?, Abschnitt «Erste Gehversuche und sichere Einrichtung». Abgerufen am 12.08.2026. hepa.ch – Netzwerk Gesundheit und Bewegung Schweiz (BASPO/BAG): Bewegungsempfehlungen für Kleinkinder. Abgerufen am 12.08.2026. Kinderspital Zürich: Fusschirurgie, Kinderorthopädie. Abgerufen am 12.08.2026.