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Orale Phase: Die Welt mit dem Mund entdecken

Das fünf Monate alte Kind befindet sich seit Kurzem in der oralen Phase: Alles, was es in die Hand nimmt, wandert kurz darauf in den Mund. Doch warum tun Babys das eigentlich? Und was sollten Eltern in dieser wichtigen Phase der Entwicklung beachten?

In der oralen Phase nimmt Ihr Baby alles in den Mund.

Für Neugeborene ist die orale Phase extrem wichtig. Bild: miodrag ignjatovic, Getty Images

Darum geht es im Artikel

  • Die orale Phase durchlebt fast jedes Kind im Verlauf des ersten Lebensjahres. Für Neugeborene ist diese Phase ein wichtiger Schritt ihrer Entwicklung. 
  • Kinder lernen in der oralen Phase verschiedene Objekte besser kennen, da ihre Sinnesorgane Mund und Lippen schon gut ausgeprägt ist. 
  • Eltern sollten für ihr Kind auf eine saubere und hygienische Umgebung achten. Sterilität ist jedoch nicht notwendig.

In den ersten Lebensmonaten durchlebt jedes Neugeborene verschiedene Phasen. Neben der analen Phase oder der Narzisstischen Phase gibt es auch die orale Phase, in der sich das Kind vor allem mit seinem Mund beschäftigt. In den ersten Lebensmonaten kann Ihr Baby seine Arme und Beine noch nicht gut koordinieren. Mit etwa drei Monaten jedoch sind die meisten Babys in der Lage, Dinge mit ihren Händen zu greifen. Kurze Zeit danach wird Ihr Kleines damit beginnen, alle Gegenstände in den Mund zu stecken, welche es in der Hand hält. In der Regel erreicht diese sogenannte orale Phase um den fünfmonatigen Geburtstag seinen Höhepunkt.

Warum nimmt das Kleinkind alles in den Mund?In den nächsten Monaten werden Eltern nun beobachten können, wie die meisten Sachen auf Erkundungstour in den Mund Ihres Babys wandern. Zunächst hält Ihr Baby die Dinge in der Faust. Gegen Ende des ersten Lebensjahres wird es jedoch immer geschickter und kann lernen, auch kleinere Gegenstände zwischen Daumen und Zeigefinger zu greifen und in den Mund zu stecken. Nach und nach wird das orale Erkunden des Kleinkindes immer mehr durch blosses Untersuchen mit den Fingern oder anschauen abgelöst. In seltenen Fällen kann jedoch sogar ein vierjähriges Kind noch bei besonders faszinierenden Gegenständen die Erkundung mit dem Mund bevorzugen.

Warum nimmt das Kleinkind alles in den Mund?

Beim Baby-Phänomen «Orale Phase» handelt es sich keineswegs um eine Störung. Doch woher kommt dieser Drang des Babys, alle Gegenstände mit dem Mund zu bearbeiten und erkunden? Babys lernen die Eigenschaften verschiedener Dinge am besten kennen, indem sie sich diese in den Mund stecken und mit den Zungen- und Lippenmuskeln untersuchen. Nirgendwo sonst im Körper des Kindes gibt es auf so kleinem Raum so viele Nervenenden, die Ihrem Baby dabei helfen, die Beschaffenheit von Dingen herauszufinden. In der oralen Phase sind Zunge und Lippen die Sinnesorgane, die beim Kind schon am weitesten entwickelt sind und über die Ihr Baby die meiste Kontrolle hat.

Sicher durch die orale Phase des Kindes

Für Ihr Baby ist es also ungeheuer wichtig, dass es sich die Welt über den Mund erschliesst. Damit starten Kinder ihre motorische Entwicklung und lernen neue Fähigkeiten. Sie als Eltern können die orale Phase Ihres Kindes unterstützen, indem Mutter und Vater dem Baby eine sichere Umgebung bieten, in der es seine Spielsachen genüsslich mit der Zunge betasten und schmecken kann. Auf keinen Fall sollten Mutter und Vater versuchen, die Entwicklung der oralen Phase zu unterbinden.

Ist Ihr Baby noch nicht mobil, ist es selbstverständlich noch einfacher darauf zu achten, dass es während der Phase sich nichts Gefährliches in den Mund steckt. Ihr Kind wird viel Spass dabei haben, die verschiedensten Spielsachen oral zu untersuchen. Dazu gehören nicht nur Spielsachen im eigentlichen Sinn, sondern beispielsweise auch Küchengeräte. Je unterschiedlicher sich die verschiedenen Materialien anfühlen, umso faszinierender wird es für Ihr Kind sein und je mehr kann es dabei über seine Umgebung lernen. Stellen Sie nur sicher, dass die Spielsachen oder Gegenstände keine spitzen Kanten oder Ecken enthalten, an denen sich Ihr Baby eventuell im Mund verletzen kann.

Wenn sich Ihr Baby dann selbst fortbewegen kann, müssen Eltern sehr aufpassen, dass sich keine kleinen Gegenstände oder scharfen Gegenstände in Reichweite Ihres Kindes befinden. Nicht umsonst befinden sich auf Spielsachen für grössere Kinder Warnhinweise, dass das Spielzeug verschluckbare Kleinteile enthält. Denn wenn sich Ihr Baby etwas in den Mund nehmen möchte, das zu klein ist, besteht Erstickungsgefahr. Dies gilt natürlich nicht nur für Spielsachen von grösseren Geschwistern, sondern auch für alle anderen kleineren Gegenstände. Alles, was Ihr Baby in dieser Zeit ganz in den Mund nehmen kann, ist zu klein für Ihr Kind.

Auch giftige Substanzen wie Reinigungsmittel oder Tabletten gehören selbstverständlich nicht in die Hände und erst recht nicht in den Mund Ihres Babys. Dies gilt beispielsweise auch für Alkohol, Zigaretten oder die Katzentoilette.

Ein bisschen Schmutz schadet Neugeborenen nicht

Wenn sich Ihr Kleines ständig Sachen in den Mund schiebt, haben Sie sich wahrscheinlich schon Gedanken gemacht, ob Sie einiges aus hygienischen Gründen unterbinden sollten. Hierbei können Sie jedoch relativ entspannt sein. Zwar sollten die Spielsachen sauber sein, sterilisieren müssen Sie die Dinge für die orale Phase aber nicht. Im Gegenteil: Für das Immunsystem Ihres Babys ist es sehr wichtig, dass es in dieser Phase auch mit etwas Dreck in Berührung kommt. So machen Wissenschaftler beispielsweise die zunehmend sterile Umgebung von kleinen Menschen unter anderem für einen Anstieg von Allergien im Kindesalter verantwortlich. Auch eine Handvoll Sand schadet dem Kind nicht. Ihr Baby wird schnell genug feststellen, dass es nicht wirklich gut schmeckt. Den Sandkasten sollten Sie jedoch vor Hunde und Katzenkot schützen.

Nicht immer orale Phase

Die orale Phase ist eine normale Phase, welche fast jedes Kind in seiner Entwicklung durchlebt. Nicht immer liegt es jedoch an der oralen Phase, wenn sich Ihr Baby alles in den Mund steckt. Ist Ihr Baby gerade mit Zahnen beschäftigt, kann es auch sein, dass es auf allen Dingen herumkaut. Dies kann sich wohltuend auf das schmerzende Zahnfleisch des Kindes auswirken. Meist sabbern Neugeborene in der Zeit auch noch besonders viel. Jetzt hilft Ihrem Kind besonders ein gekühlter Beissring, welcher dem Kind ein frisches Gefühl gibt.

Die orale Phase gehört gemäss dem Psychoanalytiker Sigmund Freud zu der psychosexuellen Entwicklung eines jeden Kindes. Freud zufolge verspüren Kinder in dieser Phase bereits gewisse Lustgefühle. Auf die orale Phase folgt bei Kindern die sogenannte anale Phase. In dieser Entwicklungsstufe erforscht das Kind gemäss Freud die Möglichkeit, seine Ausscheidungen mit dem Schliessmuskel entweder zurückzuhalten oder auszuscheiden. Weitere Phasen eines Kindes sind gemäss Freud die phallische Phase zwischen dem 3. und 4. Lebensjahr und die Latenzphase in der die kleinen Menschen ab dem 7. Lebensjahr sind.

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