Babymassage: die sanfte Sprache der Berührung

Berührungen sagen mehr als tausend Worte. Ein Baby, das gestreichelt wird, fühlt sich geborgen. Warum eine Babymassage Ihrem Kind so gut tut und wie sie ausgeführt wird, erklärt die Naturärztin Elké Richter-Diehl.

Eine Babymassage tut Ihrem Baby gut.

Eine Babymassage vermittelt Geborgenheit und Liebe. Foto: iStockphoto, Thinkstock

Berührungen sind lebensnotwendig und die Sehnsucht danach ist gross. Kommen sie von Herzen, werden sie noch inniger empfunden. Wenn ein Baby vom ersten Lebensaugenblick an mit Liebe und Geborgenheit versorgt wird, fördert das sein Urvertrauen immens. Berührungen, in Form einer liebevollen Babymassage, können dem Kind physisch wie psychisch wertvolle Impulse vermitteln, die das ganze Leben lang anhalten werden.

«Berührt, gestreichelt und massiert werden,
das ist Nahrung für das Kind.
Nahrung, die genauso wichtig ist
wie Mineralien, Vitamine und Proteine.
Nahrung, die Liebe ist.
Wenn ein Kind sie entbehren muss,
will es lieber sterben.Und nicht selten
stirbt es wirklich.»
(Leboyer)

Eine der grössten und bedeutungsvollsten Sprachen der Liebe stellt die Berührung dar. Streicheln, Klopfen, Tätscheln und Massieren sind Nahrung für Körper, Geist und Seele. Die Berührung ist wichtig für die Entwicklung eines gesunden Körpergefühls, egal wie alt man ist.

Die Babymassage ist eine Sonderform der körperlichen Berührungen und Massagen. Während neun Monaten im Mutterleib erfährt das Ungeborene ständige Bewegung. Das Fruchtwasser bewegt sich um den Körper, abhängig davon, was die Mutter gerade macht. Im Augenblick der Geburt verändert sich die Berührung der Bewegung. Kommt es zu einer Spontangeburt, umschliesst der Geburtskanal zum letzten Mal sehr innig den Babykörper, in gewohnter Mutterwärme. Wird ein Kaiserschnitt notwendig, endet die vertraute Umgebung ohne diese letzte Ummantelung. Und dann ist plötzlich nichts mehr da, das den Babykörper hält, stützt und wärmend umgibt. Ein eigenständiges Leben beginnt.

Das Licht der Welt erblicken
«Das Leben im Mutterleib verläuft in zwei Phasen,
Am Anfang eine goldene Zeit…
Das kleine Wesen ist schwerelos und ungebunden,
die Wasser tragen es und machen es
leicht wie einen Vogel,
beweglich wie einen Fisch.
Sein Königreich kennt keine Grenzen,
und ebenso grenzenlos ist seine Freiheit…
Dann kommt die Explosion.
Alles fliegt auseinander.
Die Mauern stürzen ein.
Das Gefängnis, die Zelle: sie sind verschwunden.
Nichts mehr.
Ist das Universum zersprungen?
Nein, ich bin geboren.»
(Leboyer, 1998)

Frédérick Leboyer (*1918), war in einer Pariser Klinik Frauenarzt und Geburtshelfer. Bei seinen Aufenthalten in Indien erhielt er eine andere Sichtweise von Geburt und Mutterschaft. Dies trug dazu bei, dass er einer Geburt mehr Sanftheit zusprach als damals üblich war. Somit begann er, die Sanfte Geburt und die Babymassage vorzustellen. Mit seinen Büchern und Vorträgen löste er eine weltweite Bewegung für die andere Art der Geburt aus.

Buchtipp: Frédérick Leboyer: Geburt ohne Gewalt

 

Ursprung der Babymassage

Die Babymassage stammt ursprünglich aus Süd-Indien und wird dort Kumara Abhyanga genannt. Sie wird von Generation zu Generation durchgeführt und weitergereicht. In Indien werden die Babys ab dem ersten Lebenstag massiert. In den ersten Lebenswochen dauert diese Kurzmassage rund zehn Minuten und wird wöchentlich gesteigert, bis schliesslich die gesamte Massagedauer bei guten 20 Minuten liegt. Dies sind natürlich nur Richtwerte, und je nach Lust und Laune des Babys kann die Massage früher oder später beendet werden. Während sich die Mütter in Indien für die Massage ganz selbstverständlich auf den Boden setzen und das Baby auf ihre Beine nehmen, ist es hier bei uns im Westen oft üblich, das Baby auf einer Wickelunterlage auf dem Boden oder auf einem Tisch oder einer Wickelkommode zu massieren. In Indien sind es die Mütter, die die Kinder massieren, hier im Westen sind es auch die Väter und Grosseltern.

Die acht wichtigsten Tipps für die Babymassage

  • Das Öl sollte leicht erwärmt sein und vor allem parfümfrei. Am besten eignet sich Mandelöl, kalt gepresst. Achten Sie darauf, dass auch der Raum sehr warm ist.
  • Legen Sie genügend Frottee-Tücher bereit, da es sein kann, dass Blase und Darm angeregt werden.
  • Setzen Sie sich auf den Boden und nehmen Sie Ihr Baby auf Ihre Beine. Damit das Baby Hautkontakt hat, sollten auch Ihre Beine nackt sein.
  • Sie können die Massage bequem auf dem Fussboden, auf dicken Decken durchführen.
  • Nach Belieben kann auch sanfte Musik aufgelegt werden.
  • Ein guter Zeitpunkt für eine Babymassage ist immer abhängig vom Kind. Auf keinen Fall nach dem Essen!
  • Massieren Sie nur, wenn auch Sie in völliger Ruhe sind; jegliche Emotionen werden auf Ihr Kind übertragen.
  • Die Dauer der Massage ist abhängig vom Kind. Sollte das Kind bei der Massage zu jammern beginnen, nehmen Sie nochmals eine Streichung vor und beenden die Massage.

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